Freitag, 25. Juli 2014

Barton Fink

























Regie: Joel and Ethan Coen

Das bestimmte Barton Fink Gefühl...

In den 90er Jahren drehten die Coen Brüder ihre besten Filme. Nach einem fulminanten Mafia Epos "Millers Crossing" und noch vor dem winterlichen "Fargo" erschufen sie mit "Barton Fink" nicht nur eine unvergessene Filmfigur, sondern auch gleichzeitig dieses unwiderstehliche "Barton Fink Feeling" mit dem es sich so leicht und locker die besten Filmdrehbücher der Welt schreibt. Vorschußlorbeeren bekam der junge und idealistische Autor (John Turturro) reichlich. Sein erstes Bühnenstück wurde sogar am Broadway ein großer Kritikererfolg, er wurde euphorisch gefeiert für seine treffende Darstellung des Milieus der kleinen Leute. Nun hat auch Hollywood starkes Interesse an den Autor und von "Capitol Pictures" kommt ein extrem lukratives Angebot, mit dem Barton sehr reich werden könnte. Widerwillig nimmt er es dann auch an und macht die Bekanntschaft mit diesen verrückten Filmleuten wie dem wahnsinnigen Filmmogul Jack Lippnick (Michael Lerner) und dessen sklavisch untergebenenen Adlatus Lou Breeze (John Polito) oder Produzent Ben Geisler (Tony Shalhoub). Barton kommt im schäbigen Hotel "Earle" unter, ein Etablissement, dass schon bessere Tage gesehen hat und auf bizarres Personal wie Chet (Steve Buscemi) setzt. Es wirkt menschenleer, aber das Hotel bietet einen kostenlosen Schuhputzservice an und anhand der vor die Zimmer gestellten Schuhpaare müsste das Hotel bis aufs letzte Zimmer ausgebucht sein. Dort versucht Barton nun dieses Drehbuch über einen Catcherfilm mit Wallace Beery zu schreiben. Doch bereits der Anfang, der die Geschichte ins Rollen bringen soll, funktioniert nicht. Barton hat Null Inspiration. Selbst die Bekanntschaft mit dem Schriftsteller W. P. Mayhow (Jack Mahoney) und dessen Freundin und Sekretärin Audrey Taylor (Judy Davis) steht aufgrund des üppigen Alkoholkonsums von Mayhow unter keinem guten Stern. Nur sein Zimmernachbar im Hotel, Versicherungsvertreter Charley Meadows (John Goodman), ein einfacher Mann mit Gewichtsproblemen, wird zu einer Stütze für Barton, der sogar noch in einem Mordfall verwickelt wird, weil er am Morgen neben einer Leiche aufwacht..



Die Coen Brüder haben hier einen atmosphärisch dichten Hollywood-Film alter Schule gemacht, der die Verrücktheit und den Wahnsinn dieser boomenden Filmstadt der 40er Jahre wieder aufleben lässt und in seinem Noir Stil sogar in der Mitte der Story in einen Thriller übergleitet, der rabenschwarz ist und die Beziehung eines idealistischen Schreiberlings mit einem scheinbar gutmütigen Mann vom Volk zeigt. Allerdings kann der von Barton so favorisierte kleine Mann mitunter auch ein Karl Mundt sein. Für mich ist "Barton Fink" der schönste Film der 90er Jahre. Einfach herrlich auch die Kameraarbeit von Roger Deakins, der die Korridore des "Earls" beinahe so gespenstisch aussehen lässt wie Kubrikcs Overlock Hotel. Reinster Horror auch das Innenleben der Zimmertapete.



Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Pulp Ficton

























Regie: Quentin Tarantino

Geniale Schundgeschichten...

Mit 154 Minuten Laufzeit ist Quentin Tarantinos "Pulp Fiction" fast schon ein Monumentalfilm, auch wenn das Thema B-Picture lastig orientiert ist, denn es ist eine Hommage an die Trivial- und Schundliteratur, eine Liebeserklärung an den Groschenroman, wobei in diesen Heften meist mehrere Kurz-Geschichten zusammengefasst waren. Dies behielt Tarantino in seinem Film aus dem Jahr 1994 bei. Alles fängt in einem Restaurant an, dort nehmen Pumpkin (Tm Roth) und seine Braut Honey Bunny (Amanda Plummer) das Frühstück ein, bedanken sich artig bei der Kellnerin für den guten Service und beratschlagen, dass sie jetzt gleich das Restaurant überfallen, weil ja keiner damit rechnet und sie aufgrund dieses Überraschungseffekts gute Karte haben für eine gute Kasse. Wenn sich am Ende des Films nach dem vielen Geschichten, die sich alle im Dunstkreis des Gangsterbosses Marcellus Wallace (Ving Rhames) ereignen, die letzte Episode öffnet, dann sind wir dank Tarantino wieder genau am Anfang des Films angelangt, wo das Gangsterpaar die Pistolen zückt. In der zweiten Episode erzählt der Filmemacher, der mit "Reservoir Dogs" seinen ersten Erfolg zwei Jahre vorher erringen konnte, von der täglichen Arbeit der beiden Auftragsmörder Vincent Vega (John Travolta) und Jules Winnfield (Samuel L. Jackson), die ihren Lohn von Wallace erhalten und nun einige Youngsters, die den Boss betrogen haben, zur Rede stellen werden. Zur Rede stellen heißt in diesem Fall "liquidieren" und vor der Exektution sagt Jules immer noch einen Spruch aus der Bibel (Hesekiel 25,17) auf. Eine weitere Episode führt den Zuschauer in die Kindheit des Boxers Butch Coolidge (Bruce Willis), der vom Kriegskamerad (Christopher Walken) des Vaters ein Geschenk des gefallenen Vaters überreicht bekommt. Es ist die wertvolle Uhr, die der Sohn unbedingt bekommen sollte und die der Vater während des Vietnam Einsatzes in seinem Anus versteckt hat, was ihm dann der Kamerad gleichtat, der nun diese Uhr an den rechtmässigen Erben übergibt. Butch selbst ist auf der Flucht vor Wallace, denn er sollte in einem gefakten Boxkampf eigentlich in der 5. Runde k.o. geschlagen worden sein, aber Butch spielte sein eigenen Spiel und hat sehr viel auf "Sieg" gesetzt. Nun muss er mit seiner Geliebten Fabienne (Maria de Medeiros) flüchten. Vince Vega erhält etwa zur gleichen Zeit von seinem Boss den Auftrag, während dessen Abwesenheit sich ein bisschen um die verwöhnte Ehefrau Mia (Uma Thurman) zu kümmern. Auf dem Programm steht damit "Ausgehen mit der Frau des Chefs" und der Weg führt die beiden Lokal Jack Rabbit Slims, das im Stil der 50er Jahre aufgemacht ist und wo Buddy Holly sie bedieht. Dort gewinnen die beiden einen Twist Contest, aber die Nacht ist noch nicht vorbei. Eine Überdosis Koks beendet beinahe Mias Leben. Dann wird die Zeit etwas zurückgedreht und der Zuschauer befindet sich wieder mit den Killern Vincent und Jules bei den Jungs, die jetzt alle ihr Leben verlieren werden. Es passiert aber in dieser Sekunde ein glücklicher Zufall (so Vincent) oder ein Wunder Gottes (Juels), der den beiden Männern das Leben rettet und Jules zur Entscheidung kommen lässt dem Killergewerbe Lebewohl zu sagen. Eine weitere Szene zeigt Butch, der noch einmal in die Wohnung muss, weil Fabienne dort die wertvolle Uhr liegen liess. Auf diesem Trip erfüllt sich nicht nur Vincents Schicksal, sondern Butch wird sich gemeinsam mit Marcellus in einem Keller wiederfinden, wo sie von einem perversen Trio abgeschlachtet werden sollen. Bei soviel Blut kommt dann auch noch Wallaces bester Mann Winston Wolf (Harvey Keitel zum Einsatz und natürlich das Restaurant vom Anfang und Jules schöne Brieftasche, wo "böser schwarzer Mann" draufsteht...


Ein ganz großes Meisterwerk der 90er Jahre ist Quentin Tarantino mit diesem knalligen Sex-Gewalt-Humor-'Tiefsinn-Thriller gelungen, der mit einer Riesenportion schwarzem Humors aufwartet und groteske Situation und noch groteskere Figuren anbietet. Mit der hervorragenden Nutzung der Episoden sprengt der Regisseur die herkömmlichen Erzählstrukturen, springt verwegen und brilliant zwischen verschiedenen Schauplätzen, Zeiten und Handlungen hin- und her, um sie am Ende ganz locker und leicht zu einer Einheit zusammenzufügen. Als Lohn konnte sich der Film vor Auszeichnungen nicht mehr retten. Er wurde u.a. 1995 für 7 Oscars vorgeschlagen, aber aufgrund der Dominanz von "Forrest Gump" gewann er am Ende nur eine - der Maestro selbst wurde mit Partner Roger Avery für das beste originaldrehbuch ausgezeichnet.



Bewertung: 10 von 10 Puntken.

Mittwoch, 23. Juli 2014

Blue Velvet

























Regie: David Lynch

Das Böse in Lumerton...

effrey Beaumont (Kyle MacLachlan) ist von der Oak Lake Highschool in seine Heimatstadt Lumberton zurückgekehrt, weil sein Vater bei der Gartenarbeit einen Schlaganfall erlitten hat, der beinahe tödlich endete. Nun ist er für einige Zeit beurlaubt und hier in Lumberton scheint die Zeit irgendwie still gestanden zu haben. Alles scheint wie in den 50er und 60ern auszusehen in dieesr amerikanischen Kleinstadt, wo sich alles ums Holz dreht. Im Radio sagt der Sprecher mit "Beim Fällen des nächsten Baums ist es acht Uhr Dreißig" an. Die Stadt ist süß, der Himmel ist strahlend blau, die Gartengitter sind weiß wie Schnee und die Blumen in den Gärten blühen wunderschön und haben satte Farben. Der Feuerwehrmann, der mit seinem Wagen vorbeifährt, kann nicht anders als freudlich zuzuwinken. Doch unter der klinisch sauberen Oberfläche wuchern Geheimnisse. Jeffrey findet auf seinem Spaziergang von Zuhause ins Krankenhaus im Waldstück ein abgetrenntes Ohr. Dies zeigt er dem örtlichen Polizeidetektiv John Williams (George Dickerson) und damit trifft er auch wieder auf Sandy (Laura Dern), Williams Tochter und Jeffreys frühere Schulkameradin. Sandy ist genauso neugierig wie Jeffrey und sie erzählt ihm von einer verdächtigten Frau namens Dorothy Valens (Isabelle Rossellini). Sie zeigt ihm auch wo die Verdächtigte wohnt. So wird von den beiden die Idee geboren, in dem Fall auf eigene Faust zu recherchieren. Jeffrey hat sogar die waghalsige Idee im Kopf als Kammerjäger in die Wohnung von Dorothy zu gelangen, um dort in einem günstigen Moment ein Fenster zu öffnen, wo er später - wenn die Frau ausser Haus ist - einsteigen kann. Es läuft sogar noch günstiger, da Jeffrey sogar beim Ungezieferjagen an einen Ersatzschlüssel für die Wohnung herankommt. So beginnt ein waghalsiges Spiel mit dem Feuer. Er dringt in die Wohnung ein, dann beobachtet er die Frau heimlich vom Schrank aus - wie sie sich auszieht und sieht sogar ganz unverhofft zu, wie Dorothy mit einem gewissen Frank Booth (Dennis Hopper) ein bizarres sexuelles Spiel ablaufen lässt. Als Voyeur sieht er zu wie der mann ein nicht identifizierbares Gas dabei einatmet und sich dabei immer mehr einem perversen Sadomasochismus hergibt. Dabei lebt sich der Soziopath an seiner Partnerin äusserst gewalttätig aus. Jeffrey findet heraus, dass Dorothys Mann und ihr kleiner Sohn in der Gewalt des Gangsters sind und die verzweifelte Frau deshalb leicht erpressbar ist für alle erdenklichen Perversionen. Jeffreys eigene - der hemmungslose Voyeurismus - bleibt allerdings nicht unentdeckt und es kommt nach dem Verstecken im Schrank zu einem sexuellen Spiel zwischen Jeffrey und Dorothy. Darüberhinaus verlieben sich Sandy und Jeffrey ineinander. Gemeinsam sind sie irritiert vom Bösen, dass sie gerade versuchen aufzudecken. Sandy erzählt ihm von einem wunderbaren Traum mit Rotkehlchen, die sie als Zeichen der Hoffnung für die Menschen interpretiert. Ihre Freundschaft mit Mike gerät zunehmend ins Hintertreffen. Dorothy übt weiterhin eine starke Anziehung auf Jeffrey aus, doch die beiden werden von Frank und seiner Band erwischt. Jeffrey wird zu einer Spritztour durch die Stadt gezwungen, wo sie in der Wohnung von Ben (Dean Stockwell) Halt machen. Dort gibts eine musikalische Einlage von Ben, als er zu Roy Orbisons "In Dreams" die Lippen bewegt und am anderen Morgen wacht Jeffrey auf der Müllhalde auf. Er wurde übel verdroschen. Jeffrey hat sich aber fest vorgenommen Dorothy aus der Gewalt von Frank zu befreien. Kein leichtes Unterfangen...





Den Bösewicht spielte Dennis Hopper so genail, dass eine Oscarnominierung dabei heraussprang. Frank, der kranke Schwächling, der in Gewaltorgien seine verkorkste Sexualität herausheult und herausprügelt. Um zu seinem Höhepunkt zu kommen, hält er sich ein Atemgerät an Mund und Nase - eine Sequenz, die unvergessen bleibt und zu den großen Momenten des 80er Jahre Kinos gehört. Dabei ist es schwer herauszufinden, ob "Blue Velvet" tatsächlich auch in den 80ern spielt und alles so wirkt als wäre die Zeit stehengeblieben. Zumindest scheint dies zwar die wahrscheinlichste Option zu sein, die Geschichte könnte aber auch in den 60ern spielen. Unterlegt wird der gemeine Psychoschocker jedenfalls mit melancholischem Songs der 50er und 60er "Blue Velvet" von Bobby Vinton, "In Dreams" von Orbison oder "Love Letters" von Ketty Lester, die die morbide Geschichte über das verlogene Kleinstadtidyll atmosphärisch perfektioniert. "Blue Velvet" ist ein Film, der seinem jugendlichen Paar eine verquere Reifeprüfung auferlegt. Zwei Kinder erleben eine Welt, wie sie den meisten Erwachsenen verschlossen bleibt. Eine der intensivsten und herausragendsten Szenen dieses Films ist die Nachtfahrt mit Frank, wo sie in dem schäbigen Bordell absteigen und später Jeffrey halbtot geschlagen wird, während auf dem Autodeck eine dralle 50jährige Frau selbstversunken tanzt. Diese schrecklichen Momente unterbricht Lynch immer wieder auch mit einer komischen Sequenz, etwas dann wenn Jeffreys Tante Barbara (Frances Bay) auftaucht. Auch wird neben der sexuellen Perversion eine Liebesgeschichte platziert, die am Ende sogar ein HappyEnd bekommt. Umgeben von Eltern, Tanten, Nachbarn, Rotkehlchen, wunderschönen Blumen und weißen Gartenzäunen ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass mit diesem glücklichen Paar ein weiterer Alptraum entstehen wird. Wer weiß es schon...die halluzinatorische Nachwelt , in der Angst und Gefahr auftauchen, ist möglicherweise eine logische Folgeerscheinung dieses unendlichen Glücks. Einer der besten Filme der 80er und für mich DAS Meisterwerk von David Lynch, der mit "Lost Highway" oder "Fire walk with me" ebenfalls weitere ganz große Film-Klassiker geschaffen hat.





Bewertung. 10 von 10 Punkten. 

Sin City

























Regie: Robert Rodriguez und Frank Miller

Leben und Sterben in Basin City...

Der Regisseur Robert Rodriguez überzeugte den Comicautor Frank Miller von der Verfilmung von Millers Comic "Sin City". Bei der Realisierung im Jahr 2005 wirkte Miller sogar als Co-Regisseur mit. Die Original Comics von Frank Miller dienten als Storyboards, eine Sequenz des Films drehte sogar Quentin Tarantino, bekanntlich ein guter Freund des Rodgriquez. Der texanische Filmemacher mit mexikanischer Herkunft wurde vor allem durch seine Mexico-Filme "El Mariachi", "Desperado" und "Machete" populär.
Sein vielleicht bester Film bis jetzt ist aber tatsächlich dieses "Sin City" nach dem stilbildenden Miller-Comic. Sehr typisch für den Comiczeichner sind vor allem die starken grafischen Kontraste. Sein düsterer Schwarzweiß-Zeichenstil ist vom Film Noir der 40er und damit auch vom deutschen Expressionismus beeinflusst. Die Storys, die in "Sin City" erzählt werden sind gezeichnet durch ihre zynischen und schwermütigen Figuren - allesamt Aussenseiter der Gesellschaft. Jeder Sieg, den der Protagonist dort in dieser Stadt der Sünde erringen kann, fordert einen hohen Preis - in den meisten Fällen sogar der Preis des eigenen Lebens.
In der Anfangssequenz des Films läuft eine Party in einem Hochhaus. Eine schöne junge Frau (Marley Shelton) schaut von der üppigen Terasse auf die beleuchtete Metropole. Ein Fremder (Josh Hartnett) spricht sie an. Es scheint sich ein Flirt anzubahnen, doch der Mann tötet die Frau gezielt mit einem Schuß. Es ist die Stadt des alternden Cops Hartigan (Bruce Willis), der auf der Spur des Triebtäters und Mörders Roark Junior (Nick Stahl) ist. Der hat schon mehrere kleine Mädchen bestialisch ermordet, doch er läuft immer noch auf freiem Fuß herum, weil sein Vater der einflussreiche Senator Roark (Powers Boothe) ist, der mächtigste Mann der Stadt. Doch Hartigan gelingt es schwerverletzt die kleine Nancy Callahan (Makenzie Vega9 zu befreien.
In einem anderen Teil der Stadt lernt der grobschlächtige, hässliche Marv (Mickey Rourke) die schöne Goldie (Jaimie King) kennen, die beiden verbringen die Nacht miteinander. Als Marv aufwacht, liegt die junge Frau tot in seinem Bett. Ein unsichtbarer und leise agierender Killer hat die Frau getötet und die Tat soll dem sehr aggressiven und vorbestraften Marv in die Schuhe geschoben werden. Er kann bei seiner Bewährungshelferin (Carla Gugino) untertauchen und gemeinsam finden sie das Haus des Mörders (Elijah Wood), der als Serienkiller und Kannibale unter dem Schutz des Kardinals (Rutger Hauer) steht.
In einer weiteren Episode sieht man die Kellnerin Shellie (Brittany Murphy), die von ihrem Exlover Jackie Boy (Benico del Toro) ständig verprügelt wird, wenn dieser mit seiner Gang bei dem Mädchen auftaucht. Doch diesmal hat er kein Glück, denn Shellies neuer Freund Dwight (Clive Owen) behält im Kampf die Oberhand und verfolgt die Männer anschliessend bis nach Old Town. Dort reagieren die Frauen, die in diesem Viertel ihre Kohle als Prostituierte arbeiten. Anführerin ist die Amazone Gail (Rosario Dawson) und jedes der Mädchen beherrscht eine vorzügliche und tödliche Kampfkunst. Miho (Devon Aoki) ist eine perfekte Martial Arts Kämpferin. Als Jackie Boy und seine Gang die junge Prostituierte Becky (Alexis Biedel) angehen, werden sie von den Girls getötet. Es stellt sich aber heraus, dass der Gangster Jackie Boy ein mehrfach dekorierter Undercover Cop war. Krieg in der Stadt um die Herrschaft von Old Town bahnt sich an. Dies alles ist für Hartigan nebensächlich geworden, denn in 10 Jahren Knast hat Nancy nie den Kontakt zu ihrem Retter abgebrochen. Sie schrieb ihm jede Woche einen Brief, getarnt als Absender "Cordelia". Ein letzter Briefumschlag mit einem abgetrennten Finger suggerieren dem immer noch inhaftierten Hartigan, dass Nancy in Gefahr schwebt oder sogar ermordet wurde. Er geht auf einen Deal mit der Staatsanwaltschaft ein, der ihn in Freiheit bringt und sucht nach der jungen Frau. Er ahnt nicht, dass die Suche Teil eines perfiden Plans von Roark Junior ist, um Nancy ausfindig zu machen. Durch die damaligen Verletzungen von Hartigan wurde der Kinderschänder zu einem gelben Bastard, der seine fiesen Neigungen immer noch nicht im Griff hat...



 Optisch ist der Film ein echter Hochgenuss. Die Bilder sind in Schwarz Weiß gehalten - einige Elemente wie Augen, Autos, Lippen, Blut, Wolken vor allem aber auch die Horrorfigur "Gelber Bastard) sind farbig dargestellt mittels der Colorkey Technik. Möglich machte dies, dass der Film ursprünglich in Farbe gedreht wurde und erst später in ein hochauflösenden Schwarz-Weiß konvertiert wurde. Dabei wurden die Bilder originalgetreu dem Comic entnommen. Die Schnitte sind recht hart und es gibt sogar einige Szenen, die als Scherenschnitt dargestellt werden. Wie in den alten Noirs so üblich, gibts auch die Voice Over Kommentare der Helden Hartigan oder Marv. Inhaltlich ist "Sin City" eine ultrabrutale, aber extrem coole Studie über archaische Gefühle wie Hass, Ehre und Leidenschaft. Klasse sind die Figuren des Kosmos "Sin City" alle. Es sind zwar allesamt Klischeefiguren, emtsprungen aus Geschichten oder gar Kinomythen der Vergangenheit, aber sie erwachen hier im Dschungel einer Comic-Metropolen-Parallelwelt zum Leben und agieren brutal, sexy und ultracool. Eine sehr brilliante Comicverfilmung, die dieses Basin City lebendig macht. Eine verregnete Hölle, in der käufliche Amazonen, kannibalistische Psychopathen, korrupte Bullen, Pädophile, irre Geistliche und über Leichen gehende Politiker zu Hause sind.


Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Blau ist eine warme Farbe

























Regie: Abdellatif Kechiche

Die Geschichte von Adele und Emma...

Der französische Regisseur Abdellatif Kechiche hat mit "Blau ist eine warme Farbe" seinen international bisher erfolgreichsten Film gemacht, im Frankreich selbst bekam er schon zweimal den Cesar als bester Regisseur zugesprochen - 2005 für "L`Esquive" und 2008 für "Couscous mit Fisch". Seine Filme fallen durch eine recht hohe Laufzeit aus, die Liebesgeschichte zweier Frauen wird hier in 179 Minuten erzählt. Dabei ist es vor allem den beiden Hauptdarstellerinnen Lea Seydoux und Adele Exarchopoulos zu verdanken, dass der Film emotional so gut funktionierte. Die Gesichter der Darstellerinnen werden dabei aus nächster Nähe gefilmt und sie werden dabei zu echten Gefühlslandschaften. Blicke, Stimmen, Lachen und Gesten - der Filmemacher ist ganz nah dabei, wenn er den Beginn der Liebe zeigt bis hin zur Amour Fou, denn er begleitet Emma (Lea Seydoux) und Adele (Adele Exarchopoulos) vom ersten Blick bis zum Zusammenleben, vom Alltag, von der Trennung bis hin zum Wiedersehen nach Jahren. Dabei spielt es eher eine sekundäre Rolle, dass das Liebespaar zwei Frauen sind. Die 16jährige Adele ist eine beliebte Schülerin, die in ihrer Heimatstadt Lillie viel mit Freunden und Mitschülern unternimmt. Ihre pubertäre Unsicherheit ist kaum bemerkbar. Ihre Mitschülerinnen machen das hübsche Mädchen darauf aufmerksam, dass der ein Jahr ältere Mitschüler Thomas (Jeremie Laheurte) sich für sie interessiert. Doch die junge Liebe dauert nicht lange an, es fehlt vor allem auch beim Sex das gewisse Etwas. Als sie auf der Straße Emma zum ersten Mal sieht, die ihre Haare blaugefärbt hat, ist sie spontan interessiert und auch irritiert. Als sie gemeinsam mit ihrem Mitschüler Valentin (Sandor Funtek) eine Gay-Disco besucht, treffen sich die beiden Frauen wieder. Adeles Gedanken kreisen nunmehr extrem um die aufregende Unbekannte, die sie einen Tag später von der Schule abholt. Den Mitschülerinnen bleibt nicht verborgen, dass Emma sehr maskulin wirkt und sicherlich lesbisch sein muss. Trotzdem beginnen die beiden Frauen ein prickelndes Verhältnis, dass auch zur längerfristigen Beziehung wird. Im Alltag zeigen sich die verschiedenen Verhältnisse, aus denen die Frauen kommen. Die aus einfachen Verhältnissen stammende Adele hat andere Bedürfnisse wie die ältere Freundin mit Diplom der Kunsthochschule. Am Ende steht die Trennung...


...trotzdem treffen sich die Frauen nach einigen Jahren wieder. Immer noch ist die Leidenschaft präsent, die Emma unterdrücken kann, da sie eine tragfähige Beziehung mit einer anderen Frau lebt. Adele dagegen ist immer noch ein etwas hin- und hergerissener Charakter, der nicht so ganz genau weiß wohin sie ihr Boot steuern soll.  Zahllose Großaufnahmen rücken die beiden Figuren in den Mittelpunkt und der Zuschauer lernt die Gesichter sehr gut kennen. Vor allem Adele, die immer wieder etwas verlegen an ihren Haaren zupft und öfters mal mit einem unordentlichen Knoten auf ihrem Kopf als Frisur herumläuft. Die Art wie sie Spaghetti isst - sie ist eine sinnliche junge Frau. In diesen Moment erreicht der Film eine starke Intimität, die die Geschichte berührend machen. Die Sexszenen - insgesamt 7 Minuten - sind für mich eher zweitrangig. Sie sorgten aber für die nötige Publicity, die den Film zu einem Riesenerfolg machten. Interessanterweise scheint ein homosexuelles Liebespaar weitaus größeres Interesse hervorzurufen. Ich denke da auch an den Hype, der vor einigen Jahren mit "Brokeback Mountain" ausgelöst wurde. Da gings um eine heimliche Liebe, die versteckt wurde und nur im Geheimen ausgelebt werden konnte - und daher auch als Beziehung scheitern musste. Hier in "Blau ist eine warme Farbe" wird zwar auch auf die ungewöhnliche Liebschaft hingewiesen, aber es gelingt den beiden Frauen ihre Liebe in ein gemeinsames Leben mitzunehmen. Die Chance nach dem Glück ist also eher gegeben - dennoch lässt sich der große emotionale Moment der Liebe nicht dauerhaft im Alltag integrieren. Kechiche zeigt die Liebe als ein Gefühl des Augenblicks, der leider auch wieder vergehen wird. Er zeigt aber auch die Erfüllung in diesen raren Momenten.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Atmen

























Regie: Karl Marcovics

Wer bin ich ? Wohin gehe ich ?

Das Jugenddrama "Atmen" von Karl Marcovics aus dem Jahr 2011 war der österreichische Kandidat im Oscarrennen um den besten fremdsprachigen Film des Jahres, konnte aber nicht in den Kreis der 5 offiziellen Nominierungen aufschließen. Trotzdem ist dem Macher ein authentischer, aber recht düsterer Jugendfilm gelungen, der den jungen Verlierer Roman Kogler (Thomas Schubert) porträtiert. Der Junge ist jetzt 19 Jahre alt und war die letzten 5 Jahre in einem Jugendgefängnis in Niederösterreich eingesperrt. Im Alter von 14 Jahren hat er im Streit einen Gleichaltrigen mit brutaler Gewalt getötet. Nun steht seine Anhörung vor der Tür, es könnte sehr wahrscheinlich auf die baldige Freilassung herauslaufen. Roman wirkt als hätte er im Knast etwas fürs Leben gelernt. Aber er braucht einen Job, den er vorweisen kann. So stößt er auf die Anzeige eines Bestattungsunternehmens in Wien. Dort bewirbt er sich und tatsächlich gibt man ihm dort eine Chance. Aber der Job ist nicht leicht und vor allem einer seiner Vorgesetzten Rudolf Kienast (Georg Friedrich) ist dem jungen Knacki nicht wohlgesonnen. Doch interessanterweise gibt dieser etwas morbide Job mit den Leichen, die abgeholt werden, dem jungen Mann eine gewisse Stabilität. So findet er den Mut Kontakt mit seiner Mutter Margit Kogler (Karin Lischka) aufzunehmen, die ihn als kleines Kind der Fürsorge gab. Für das kleine Kind begann ein Lebenslauf mit Heimunterbringung und vor allem dem Defizit zu niemandem zu gehören. Er braucht Antworten auf die Fragen, die er hat. Verzweifelt nähert er sich an die fremde Frau an, die seine Mutter ist. Doch die Kontaktaufnahme ist schwierig, noch schwerer ist es, den Kontakt überhaupt zu halten. Immerhin verbessert sich die Beziehung zu Kienast am Arbeitsplatz - gemeinsame Erlebnisse, die absolviert werden müssen, machen es möglich.



Karl Markovics Film ist recht spröde und zeigt ein problematisches Leben, dass gemeistert werden soll und der Macher zeigt die Anstrengung des jungen Menschen seinen Platz in der Gesellschaft und ein bisschen "Erdung" zu finden, die er nie hatte. Dabei keimt Hoffnung auf und dies ist auch die Zielsetzung des Regissseurs, der dann doch zeigt, dass es trotz schwieriger Ausgangslagen nicht ganz unmöglich ist den Schalter für eine neue Richtung umzulegen. Der Jungdarsteller Thomas Schubert redet zwar nicht viel, er trägt aber mit seinem glaubwürdigen, innovativen Spiel mühelos den ganzen Film. Als Lohn gabs mehrere Preise an diversen Filmfestivals. Kameramann Martin Gschlacht, der schon in "Hotel" und "Revanche" tolle Arbeit machte,  drückt dem Film optisch seinen Stempel auf - er schuf sehr geglückte Bilder, die Tristesse und Melancholie ausgezeichnet miteinander verbinden.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.