Montag, 28. Februar 2022

In schlechter Gesellschaft


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Robert Benton

Junge Outlaws...

Der amerikanische Drehbuchautor und Regisseur Robert Benton erhielt in seiner aktiven Laufbahn zwei Drehbuchoscars (für "Kramer gegen Kramer" und "Ein Platz im Herzen") und ein Regie-Oscar (für "Kramer gegen Kramer"). Mit dem Spätwestern "In schlechter Gesellschaft" debütierte er auf dem Regiestuhl.
Dieser Film zeichnet ein sehr drastisches WildWestbild und gilt daher als eine Art Antiwestern. Ein Prädikat, dass auch einige andere Western dieses Filmjahres auszeichnet, so inszenierte auch Stan Dragoti mit "Dreckiger kleiner Billy" einen krassen Gegenentwurf zu den sonstigen Billy the kid Filmen.
Jeff Bridges, damals ein junger Hoffnungsträger Hollywoods, spielt die Hauptrolle in Bentons Western.
Er spielt den jungen Herumtreiber Jake Rumsey, der mit seiner Bande von diversen Diebstählen lebt. Rumseys junge Bande besteht aus den Brüder Jim Bob (Damon ofer) und Loney Logan (John Savage, Arthur Simms (Jerry Houser) und dem zehnjährigen Boog Bookin (Joshua Hill Lewis).
Durch die Schrecken des Sezessionskrieges wird auch der in Ohio bei seinen Eltern lebende Drew Dixon (Barry Brown) irgendwann auf diese jungen Outlaws stoßen - der Junge ist auf der Flucht vor dem Militär, die Armee wollte ihn einziehen. Um dies zu verhindern, rieten seine Eltern ihm zur Flucht und gaben ihm 100 Dollar mit. Dieses Geld wird von Jake gestohlen, es kommt zum Kampf. Nachdem Drew als Verlierer daraus hervorgeht, bleibt ihm nichts anderes sich Jake und seinen Jungs anzuschließen. Natürlich werden sie von den Gesetzeshütern gejagt. Aber auch der Outlaw Big Joe (David Huddleston) und seine Gang machen Jagd auf die Konkurrenz...



Für die klasse Kameraarbeit war Gordon Willis (Ehrenoscar 2009) verantwortlich, der jahrelang trotz herausragender Leistung von den Academy Mitgliedern bei den Nominierungen für die Oscars ignoriert wurde. Erst 1983 kam es zur ersten Nominierung für den Woody Allen Film "Zelig" - eine weitere für "Der Pate III" im Jahr 1991.
"In schlechter Gesellschaft" ist seit längerer Zeit bereits in Vergessenheit geraten. Dennoch gehört Bentons Film, der durch in sich geschlossene Episoden zusammengehalten wird, zu den großen Spätwestern der 70er Jahre. Für mich ist es nach wie vor Bentons beste Arbeit, der Filmemacher war nie wieder annähernd so subversiv und knallhart wie in diesem seinem Frühwerk.





Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Tepepa


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Giulio Petroni

Die Kinder der Revolution...

In sehr vielen Spaghetti Western geht es auch um die mexanische Revolution. Die besten dieser europäischen Revolutionswestern sind sicherlich Sergio Leones "Todesmelodie", "Töte Amigo" von Damiano Damiani, "Mercenario" von Sergio Corbucci sowie der etwas weniger bekannte "Tepepa" aus dem Jahr 1968, der von dem italienischen Drehbuchautor und Filmregisseur Giulio Petroni (1917 bis 2010) inszeniert wurde. Den Film kennt man vielleicht auch unter dem Alternativtitel "Durch die Hölle, Companeros"und wurde ab dem 22. Oktober 1970 in einer sehr gekürzten Version in den deutschen Kinos gezeigt.
Der Freiheitskämpfer Tepepa (Tomas Milian) ist eine Art Volksheld und ein berühmter Revolutionär. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass die alte korrupte Regierung abgelöst wurde und sein Genosse Madero (Francisco Sanz) an die Macht kam. Dieser verspricht den einfachen und armen Menschen eine extreme Verbesserung "Reiche werden etwas weniger haben und die Armen dafür umso mehr". Eine neue Landreform soll es daher geben. Doch leider waren dies nur leere Versprechungen. Lediglich die Regierungsmitglieder wurden ausgetauscht, doch die neue Mannschaft ist genauso korrupt wie die alte. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Oberst Cascorro (Orson Welles) jeden Aufruhr im Keim erstickt und der Protest von Tepepa endet mit dessen Festnahme. Da er sich mit Waffengewalt gewehrt hat, ist die Todesstrafe durch ein Erschießungskommando beschlossen worden. Doch die Hinrichtung wird von dem britischen Mediziner Dr. Henry Price (John Steiner) verhindert. Der verhilft mit seinem Automobil dem Todeskandidaten zur Flucht. Nicht aus Liebe zur Revolution - der Arzt hat mit Tepepa selbst eine Rechnung offen. Er glaubt, dass der Held der armen Leute seine Verlobte (Annamaria Lanciaprima) vergewaltigt hat. Er kann dem verzweifelten Arzt die Waffe abnehmen und diesen vorerst überzeugen, dass er nicht der Vergewaltiger dieser Frau war. Dr. Price wird aber von Coscorro verhaftet. Dort lernt er den körperlich behinderten El Piojo (Jose Torres) und dessen kleinen Sohn Paquito (Luciano Casamonica) kennen. Tepepa stürmt den Knast und befreit die Gefangenen. Er ist schockiert als er seinen Mitkämpfer El Piojo entdeckt, dem die Hände abgetrennt wurden. Er war einer der weniger Revolutionäre, die schreiben konnten. Seine Funktion nimmt nun Dr. Price an, der langsam an der Revolution Gefallen findet und sich auch mit dem kleinen Paquito anfreundet...



Dieser fragt den Engländer einmal im Gefängnis, ob er Mexiko liebt - was Price daraufhin verneint. Neben den drei Hauptfiguren Tepepa, Dr. Price und Oberst Cascorro kommt dem verstümmelten Vater und seinem Sohn eine starke Schlüsselrolle im Geschehen zu. Giulio Petroni setzt ausserdem auf den markanten Soundtrack von Ennio Morricone, der einmal mehr beweist, was für ein hervorragender Komponist er war. Seine musikalische Untermalung verstärkt stets die Atmosphäre mit einer starken Note Melancholie. "Die Revolution frisst ihre Kinder" - was sich in der Geschichte auch bewahrheiten soll. Die Figur von Tepepa lebt von einem starken Widerspruch - einerseits steht er für den Mann, der für die Ungerechtigkeit, für Freiheit und Gerechtigkeit kämpft. Andererseits wird aber am Ende klar, dass er Leichen im Keller hat. Tomas Milian ist die perfekte Besetzung dieses ambivalenten Revolutionärs.





Bewertung: 8,5 von 10 Punkten. 

Mehr tot als lebendig


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Franco Giraldi

Anmestie für Clay McCord...

Regisseur Franco Giraldi drehte 1967 mit "Mehr tot als lebendig" (Originaltitel: Un minuto per pregare, un instante per morire) nach "Die 7 Pistolen des McGregor", "Rocco - der Mann mit den zwei Gesichtern" und "Eine Kugel für MacGregor" seinen vierten und letzten Italo-Western. Der Film unterscheidet sich von den Vorgängern, weil er nicht wie die anderen drei mit einem ironischen Unterton versehen ist. Er ist hart und kompromisslos, was sich natürlich auch auf den Schlußakkord des Westerns auswirkt. Die Amerikaner waren mit Geldern an der Produktion beteiligt, daher überrascht es auch nicht, dass in allen drei bedeutenden Rollen US-Stars zu sehen sind. Neben Hauptdarsteller Alex Cord auch die Hollywoodgrößen Robert Ryan und Arthur Kennedy. Für den Soundtrack war Carlo Rustinchelli verantwortlich. Am 3. Juli 1968 kam der Western auch in die deutschen Kinos, allerdings in einer sehr stark gekürzten Fassung von lediglich 94 Minuten, statt der Originallänge mit einer Laufzeit von 118 Minuten. Hauptfigur der Geschichte ist der gesuchte Verbrecher Clay McCord (Alex Cord), der bereits als Junge (wird in den Rückblenden von Ottoviano Dell`Acqua gespielt) den ersten Mann erschossen hat. Damals hat er die Mörder seines Vaters erschossen, die dessen epileptischen Anfall ausnutzen konnten, um ihn auf offener Straße zu erledigen. Seine Zukunft als Outlaw war also vorbestimmt. Clay leidet vermutlich an der selben Krankheit wie sein Vater. Auch er bekommt häufig Anfälle, in dieser Zeit ist er wehrlos und kann sich kaum bewegen. Sein Zustand scheint sich auch nicht zu bessern - eher das Gegenteil ist der Fall. Mit seinem derzeitigen Partner Fred Duskin (Giampiero Albertini) ist er auf der Flucht vor dem Gesetz und vor den vielen Kopfgeldjägern, die ihn jagen. Vor allem die kaltblütigen Killer Fuzzy (Osiride Pevarello) und Seminole (Jose Canalejas) sind ihm auf den Fersen. Er versucht auch einen medizinisch versierten Pater (Daniel Martin) aufzusuchen, doch als er dort ankommt ist dieser schon von seinen Jägern ermordet worden. Auch der Arzt in der Banditenhochburg Escondito ist nicht mehr verfügbar, er wurde aufgehängt. In diesem gefährlichen Ort macht sich McCord den Banditenanführer Kraut (Mario Brega) zum Feind. Doch es könnte sich vielleicht doch noch alles zum Guten wenden. Neu Mexikos Gouverneur Lem Carter (Robert Ryan) garantiert allen Outlaws, die sich stellen Amnestie und 50 Dollar Startkapital für einen Neuanfang als guter Bürger. Eine Entscheidung, die dem Hardliner Marshall Colby (Arthur Kennedy) nicht schmeckt - er muss sich allerdings der politischen Entscheidung fügen. Während Clay sich bei der schönen Laurinda (Nicoletta Machiavelli)versteckt, kommt er zum Schluß, dass er sich stellen will. Allerdings will er viel mehr Geld als der liberale Carter den veränderungsbereiten Banditen bereit ist zu zahlen....





Ein Held der unter paralytischen Anfällen leidet muss natürlich immer Angst haben, dass er bei einer bleihaltigen Auseinandersetzung versagt und somit seinen Gegnern wehrlos ausgeliefert ist. In der deutschen Kinofassung ist der Film viel optimistischer, erst in der Originallänge wirkt "Mehr tot als lebendig" eher melancholisch, traurig und pessimistisch. Zum Glück, denn durch diesen Pessimismus hebt sich "Mehr tot als lebendig" deutlich ab vom Durchschnitt im Spaghetti Western Genre.





Bewertung: 7 von 10 Punkten

Ohne Dollar kein Sarg


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Eugenio Martins

Der Outlaw und der Kopfgeldjäger....

Eugenio Martins "Ohne Dollar keinen Sarg" (Originaltitel: "El precio de un hombre"/Internationaler Titel: 2The Bounty Killer") genießt innerhalb der Italo Western Fanbase einen sehr guten Ruf. Der spanische Filmemacher drehte den Film im Jahr 1966. Sein größter Hit gelang ihm allerdings in einem anderen Genre - mit den Horrorikonen Peter Cushing und Christopher Lee führte er den "Horror Express" sechs Jahre später zu einem Kinoerfolg. Eugenio Martins Filmkarriere begann in den späten 50er Jahre. Er war Regieassistent bei den Filmen "Sindbads 7. Reise" und "Die drei Welten des Gulliver". In "Ohne Dollar keinen Sarg" debütierte auch der gebürtige Kubaner Tomas Milian im Spaghettiwestern-Genre. Er spielt den Outlaw Jose Gomez Faradin. Der Bandit genießt in einigen Teilen der Bevölkerung immer noch einen guten Ruf als Unterstützer der armen Leute - unter anderem auch die Menschen, die ihn sehr gut kennen. Sein Widersacher ist der kompromisslose Kopfgeldjäger Luke Chilson (Richard Wyler). Denn dem Bandit gelang mit Hilfe seiner Freundin Anna (Halina Zalewska) und seinen Kumpanen während seiner Überführung ins Gefängnis die Flucht. Dabei kam es zu einigen Toten, weil die Banditen mit aller Härte ihr Ziel verfolgten. Doch Chilson ist ihm auf der Spur. Er ist sich fast sicher, dass er in seinem Heimatdorf untergetaucht ist. Dort lebt Anna und arbeitet in einem kleinen Saloon und einen Laden, der von Joe Harmon (Ricardo Canales) und seiner Frau Ruth (Lola Gaos) betrieben wird. In diesem kleinen Grenznest lebt auch ein gewisser Gage Novak (Enzo Fiermonte) und ausserdem gibt es noch einen Schmied (Mario Brega). Alle fünf heißen den Kopfgeldjäger nicht besonders willkommen. Sie kennen ihren Jose und lassen keinen Zweifel darüber enstehen, dass sie voll auf seiner Seite stehen. Tatäschlich ist Jose dort untergetaucht und er lässt nach und nach seine Banditen zu sich kommen. Mit der Präsenz seiner Bande verändert sich auch das nette Wesen von Jose - er wird zunehmend zum kaltblütigen Banditenboss, der keinerlei skrupel kennt. Als der junge Marty Hefner (Manolo Zarzo) von der Bande getötet wird, ändert sich langsam die Sichtweise von Joses Freunden..



In Martins Western geht es um die Loyalität zu einem Banditen. Diese Menschen erinnern sich liebevoll an den Gomez von früher, ohne zuerst zu erkennen, dass sich dieser Mann grundlegend geändert hat. Zwar wurde er durch Verfolgung und Ungerechtigkeit gezwungen ein Banditenleben zu wählen, aber er ist nicht mehr der Mensch von früher. Aus ihm wurde ein grausamer Tyrann - daher beginnen sich die Loyalitäten aufzulösen.




Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Samstag, 19. Februar 2022

Valdez


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Edwin Sherin

200 Dollar...

Wie viele andere Hollywoodstars seiner Generation konnte auch Burt Lancaster in den 70er Jahren nicht mehr an frühere Kinoerfolge anknüpfen. Jetzt standen jüngere Schauspieler des New Hollywood in der Gunst des Publikums. Lancater hat in dieser Zeit öfters gereifte Westernhelden gespielt, so auch in Robert Aldrichs "Keine Gnade für Ulzana" oder in Michael Winners "Lawman". Auch der Figur des Halbmexikaners Bob Valdez in "Valdez is coming" gab er ein Gesicht. Dieser Spätwestern entstand 1971 nach der gleichnamigen Novelle von Elmore Leonard. Regie führte Edwin Sherin.
Der Film beschreibt den Konflikt zwischen dem Hilfsheriff Bob Valdez, der früher Scout bei der US-Armee war und dem mächtigen Grundbesitzer Frank Tanner (John Cypher). Der bläst in der ersten Szene zur Jagd gegen einen dunkelhäutigen Mann namens Rincon (Lex Monson). Er behauptet, dass der Mann der Mörder des Mannes von Gay Erin (Susan Clark), mit der Tanner inzwischen zusammen lebt. Valdez ist ein besonnener Mann des Gesetzes, doch als Halbmexikaner nimmt man ihn hier nicht besonders ernst. Immerhin versucht er den Verfolgten anzuhören, der sich mit seiner schwangeren Frau, einer Apachin (Juanita Penalozza) in einer Blockhütte verschanzt hat. Doch sein Deeskalationsversuch schlägt fehl, weil Tanner den schießwütigen Davis (Richard Jordan) aufgefordert hat dem Verdächtigen eine Kugel zu verpassen. Durch den Schußwechsel, der von Tanner provoziert wurde, schließt Rincon auf Valdez. Doch der war schneller. Als Tanner den Getöteten ansieht, stellt er lapidar fest, dass er den falschen Mann verfolgt hat. Doch Valdez plagt das schlechte Gewissen. Er würde gerne der Indianerin etwas Geld - er sieht dies als faire Geste an. So bittet er die Stadthonorationen um die Summe von 200 Dollar. Die meinen aber, da Tanner ja die Hauptschuld an diesem Debakel trägt müsse, er dieser mindestens die Hälfte der Summe aufbringen, dann würde die Stadt den Rest locker machen. Sie beauftragen Valdez, dass er mit Tanner sprechen soll. Doch Tanner lässt ihn von seiner Hazienda jagen. Valdez gibt aber nicht auf und kommt ein weiteres Mal. Tanner lässt seine Männer (u.a. Barton Heyman als El Segundo) ein Kreuz bauen, dass man Valdez auf den Rücken bindet und treibt ihn in die Wüste. Eigentlich das Todesurteil, doch Valdez wacht verletzt im Haus seines Freundes Diego (Frank Silvera) auf. Nun will Valdez das Geld notfalls mit Gewalt von Tanner holen...




Der Ungar Gabor Pogany war für die Kameraarbeit verantwortlich. Die Autoren Kibee und Rayfiel lieferten ein straffes Drehbuch mit interessanten Figuren ab und der vorher am Broadway beschäftigte Edwin Sherin liefert einen beachtlichen Spätwestern ab. Das Rachethema ist natürlich präsent, aber auch der Rassismus und die damit verbundenen Ungerechtigkeiten durch machtvolle wie rücksichtslose Männer wird beschrieben.





Bewertung: 8 von 10 Punkten.