Samstag, 3. Januar 2026

Sirat















Regie: Oliver Laxe

In den Bergen von Marocco...

"Sirat" ist ein erschütterndes Roadmovie von Oliver Laxe und eine spanisch-französische Coproduktion, die als spanischer Beitrag für die Kategorie "Bester internationaler Film" ins Rennen ging und neun Nomierungen für den Europäischen Filmpreis bekam: Bester europäischer Film, beste Regie, bestes Drehbuch, bester Darsteller Sergi Lopez, beste Castingregie, beste Kamera Mauro Herce, bester Ton, bester Schnitt und bester Szenenbild.  Regisseur Óliver Laxe schrieb gemeinsam mit Santiago Fillol  auch das Drehbuch schrieb. Der Film erzählt die Geschichte eines Vaters (Sergi López), der sich zusammen mit seinem Sohn und einer Gruppe von Ravern in der Wüste Südmarokkos auf die Suche nach seiner vermissten Tochter begibt. Sirāt feierte seine Weltpremiere am 15. Mai 2025 im Hauptwettbewerb der 78. Filmfestspiele von Cannes, wo er gemeinsam mit den deutschen Film "In die Sonne schauen" von Mascha Schilinski den Jurypreis gewann. Luis reist mit seinem Sohn Esteban (Bruno Nunez) zu einer Rave-Party in der Wüste Südmarokkos, um seine vermisste Tochter Mar zu suchen. Eine Gruppe anderer Raver erzählt ihnen, dass im Anschluss eine weitere Party tiefer in der Wüste stattfindet und Mar dort sein könnte. Als Soldaten eintreffen, um die Party zu beenden und die Evakuierung der europäischen Raver anzuordnen, flieht die Gruppe in zwei Vans. Luis, Esteban und ihr Hund Pipa folgen ihnen in ihrem Kleinwagen. Im Radio wird von einem bewaffneten Konflikt zwischen zwei Länder berichtet, der sich bald zu einem Ereignis wie im Dritten Weltkrieg ausweitet. Die Raver – Stef (Stefania Gadda), Jade (Jade Oukid), Tonin (Tonin Janvier), Bigui (Richard Ballamy) und Josh (Joshua L. Henderson) – versuchen vergeblich, Luis und Esteban umzustimmen. Auf ihrer Fahrt Richtung Süden, in die Nähe von Mauretanien, erleben sie einige Pannen und wachsen enger zusammen. Sie teilen Essen und Benzin, durchqueren gemeinsam einen Fluss in ihren Fahrzeugen, pflegen Pipa gesund, nachdem dieser die mit LSD verseuchten Fäkalien der Raver gefressen hat, und Tonin gibt ein Musikstück zum Besten, während er mit seinem Beinstumpf ein Puppentheater improvisiert. Bei der Überquerung eines Gebirgspasses bleibt einer der Vans in einer Spurrille stecken. Die Gruppe schafft es, das Fahrzeug zu befreien, doch inmitten ihrer Feierlichkeiten rollt Luis' Van mit Esteban und Pipa an Bord rückwärts eine Klippe hinunter, wobei beide ums Leben kommen. Und er wird nicht der Einzige sein, der auf dem Trip durch die Wüste mit dem Leben bezahlt...








Vergleiche mit "Lohn der Angst" oder "Atemlos vor Angst" wurden gezogen - tatsächlich gibt es viele Gemeinsamkeiten, sowohl von den Voraussetzungen, die überwunden werden müssen, als auch von den Konsequenzen, die eine gefährliche Reise mit sich bringt. Der Inszenierungstil ist radikal und hypnotisch. 
 Neben Sergi López und Bruno Núñez waren die Hauptdarsteller keine professionellen Schauspieler. Sie wurden stattdessen im Rahmen eines Straßencastings unter der Leitung der Kostümbildnerin Nadia Acimi, einer ehemaligen Partnerin von Laxe und selbst Raverin, ausgewählt. Jade Oukid, eine französische Fotografin, Amateurfilmerin und Schneiderin, wurde auf einem Festival in Portugal entdeckt. Tonin Janvier, ein französischer Straßenkünstler, verbrachte einen Großteil seines Lebens in Westafrika und verlor bei einem Motorradunfall ein Bein. Stefania Gadda, eine italienische Rancherin, die autark lebt, wurde auf Empfehlung von Anwohnern in der spanischen Stadt Órgiva gefunden.
Es ist alles andere als ein Gute Laune Film, diese bizarre Reise der Menschen und ihrer Psyche, ein bisschen offeriert der Regisseur dem Zuschauer sogar ein Endzeitszenario ala "Mad Max". Neben schockierenden Paukenschlägen endet die Reise in einer seltsam melancholischen Stimmung. Die Rave Tanzveranstaltung ist gut gewählt, denn der extatische Tanz steht für die Flucht aus der Realität, die aber nach der Veranstaltung mit absoluter Härte zuschlägt. Ein Erlebnisfilm über den Menschen und die Welt, das Kollektiv und das Individuum, das Sein und das Nichts, Radikalität und Universalität, das Intime und das Kosmische. 









Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

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