Montag, 31. August 2026

Und der Regen verwischt jede Spur















Regie: Alfred Vohrer

Schicksalshafte Romanzen..

Nachdem Filmproduzent Luggi Waldleitner mit Regisseur Alfred Vohrer in den frühen 70er Jahren drei Verfilmungen nach den Romanen von Johannes Mario Simmel in die Kinos brachte ("Und Jimmy ging zum Regenbogen", "Liebe ist nur ein Wort" und "Der Stoff, aus dem die Träume sind") und riesigen Erfolg damit hatte, plante er die Verfilmung der Novelle "Der Schneesturm"  von Alexander Puschkin, die im Jahr 1811 spielt. Doch das Wagnis war diese dramatische Geschichte in die moderne Zeit zu verlegen. Ein bisschen schielte man auf den damaligen Blockbuster "Love Story", der alle Rekorde an der Kinokasse brach und der auch eine tragische Liebesgeschichte mit tödlichem Ende als Thema hatte.Christine Luba (Anita Lochner) und der französische Student Alain (Alain Noury) erleben die erste große Liebe und eine unbekümmerte Zeit. Alles könnte so perfekt sein, wenn Christines Vater, der Großindustrielle Luba (Wolfgang Reichmann) ihren Freund akzeptieren würde, doch dieser scheint ihm nicht gut genug für seine Tochter zu sein. Es sieht so aus, als würde Luba versuchen, das Glück seiner Tochter mit allen Mitteln zu torpedieren. Doch die verwöhnte Tochter hat ein sehr unkritisches Bild von ihrem alten Herrn und kann nicht glauben, dass er zu derartigen Maßnahmen im Stande wäre. So trifft sie sich mit ihrer Mutter Irene (Ruth-Maria Kubitschek), die sie seit Monaten nicht mehr gesehen hat und mit der es seit der Scheidung der Eltern ohnehin nur noch sporadischen Kontakt gibt. Christine wird mit eindringlichen Warnungen vor der Eifersucht ihres Vaters konfrontiert und beschließt schon bald, mit Alain eine Weile nach Frankreich zu gehen. Doch er kommt nicht zum vereinbarten Treffpunkt und ist danach wie vom Erdboden verschluckt. Anschließend lernt sie Martin (Malte Thorsten) kennen, einen jungen Mann aus reichem Hause, in den sie sich auch verliebt. Doch auch dieses Glück wird nicht von langer Dauer sein...









Denn "Und der Regen verwischt jede Spur" ist eine griechische Tragödie, auch wenn manches etwas zu konstruiert wirkt. Ein Plus sind die Darsteller Anita Lochner, Ruth Maria Kubitschek, Malte Thorsten, Alain Noury, Wolfgang Reichmann und Eva Christian als Karin, die Schwester von Herrn Luba. In einer kleinen Nebenrolle ist Henry Vahl zu sehen. Es werden sehr reizvolle und atmosphärisch dichte Aufnahmen der alten Hansestadt Lübeck präsentiert. Alfred Vohrers Beitrag ganz im Stil der Simmel-Verfilmungen stellt sich bereits nach wenigen Minuten als beachtliche Überraschung heraus und steht dieser von Vohrer selbst inszenierten Konkurrenz in keinerlei Hinsicht nach. Eher ist das genaue Gegenteil der Fall, denn "Und der Regen verwischt jede Spur" behauptet sich seinen Platz im Rahmen des komplexeren deutschen Unterhaltungskinos problemlos und absolut zielsicher, außerdem besitzt dieser Beitrag sogar mehrere Vorzüge, als einige Original-Simmel-Filme. Die Geschichte erscheint zunächst trügerisch einfach zu sein: Die Jungdarsteller Anita Lochner und Alain Noury überzeugen im Rahmen der Veranschaulichung der ersten Liebe und des großen Glücks. Eigentlich programmieren sie eine strahlende Zukunft absolut glaubhaft, wenn da nicht das Schicksal mit all seinen Helfershelfern wäre. Die anfängliche Einfachheit des Geschehens ist angenehm anzusehen, die Unbeschwertheit von Alain und Christine wird packend und greifbar dargestellt, doch beim Zuschauer kann trotz dieser Eindrücke ein Gefühl der Beunruhigung aufkommen, denn bereits der Vorspann gibt puzzleartigen Aufschluss darüber, dass eine Katastrophe in der Luft liegt. So besteht die Raffinesse der Inszenierung letztlich darin, dass sich die Atmosphäre schleichend zuspitzt und eine noch nicht zu definierende Verheißung über dem Gesamtgeschehen liegt, bis sich die Dramatik plötzlich und buchstäblich überschlägt, und sich Protagonisten und Zuschauer in einem Schraubstock wiederfinden. Das Leitmotiv Regen gibt dem Titel einen äußerst bitteren Beigeschmack und der Geschichte schlussendlich eine sehr perfide Note, da der Regen hier nicht nur jede Spur verwischen wird, sondern als Synonym für unzählige Tränen greift, die man im Regen aber erst gar nicht zu sehen bekommen wird. So handelt es sich in Einklang mit Alfred Vohrers Gespür und handwerklicher Raffinesse um Dramatik der intelligenteren, außerdem Unterhaltung der anspruchsvolleren Sorte. Der Film erhielt das Prädikat "Wertvoll".











Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.  

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