Freitag, 29. März 2013

Vor Einbruch der Nacht



Regie: Claude Chabrol

Von Gewissensbissen zerfressen...

"Vor Einbruch der Nacht" entstand 1971 und fält somit in die kreativste Schaffensphase von Meisterregisseur Claude Chabrol. In dieser Zeit zwischen 1968 und 1971 entstanden mit "Die untreue Frau", "Der Riß", "Das Biest muß sterben", "Der Schlachter" oder "Zwei Freundinnen" einige seiner besten Filme. Das Drehbuch basiert auf den Roman "The Thin Line" von Edeard Ativahs aus dem Jahr 1951. Thema ist dabei die Schuld und die Sühne des Protagonisten Charles Masson (Michel Bouquet), der als erfolgreicher Pariser Werbefachmann, glücklicher Ehemann und Vater seine heimliche Geliebte Laura Telier (Anne Doulking) während des sadistisch-masochistischen Liebesspiels ermordet.
Die Tote war zudem noch die Frau von Charles bestem Freund Francois Tellier (Francois Perrier). Der Mörder verlässt beinahe emotionslos den Tatort - ein von Laura gemietetes Appartment in der Innenstadt. Er ist aber trotzdem durch seine eigene Tat sehr traumatisiert und versucht sich in einem Lokal in der Nähe des Tatorts ein bisschen abzulenken. Dort trifft er rein zufällig auf Francois, der sich wundert, Charles in dieser Gegend von Paris anzutreffen.
Dann kehrt Charles zu seiner Frau Helene (Stephane Audran) zurück und versucht weiterhin die bürgerliche Fassade aufrechtzuerhalten. Er ist damit völlig damit beschäftigt, weiterhin den Mustergatten, den perfekten Vater, aber auch für den Witwer und besten Freund da zu sein in der Not.  Die Polizei jagt einen unbekannten Mörder, kein bisschen Verdacht fällt auf Charles.
Doch Charles wird zunehmend von Gewissensnöten geplagt. Er kommt zu dem Schluss, dass er Laura und die sexuelle Macht, die sie über ihn hatte, gehasst hat und dass er für das Verbrechen bezahlen muss. So ist er beinahe erleichtert, dass eine Freundin von Laura, die das Appartment bereit stellte,  in ihm einen der Besucher erkennt....

"Vor Einbruch der Nacht" lebt von der sehr guten Darstellung des Michel Bouquet, der seit den 60er Jahren aktiv ist, aber erst 2002 und 2006 den Cesar als bester Hauptdarsteller gewinnen konnte.
Die Rolle des Charles Masson ist aber sicherlich eine seiner stärksten Leistungen. Der Film ist psychologisch raffiniert gestaltet - der Täter, der eigentlich darauf sinnt, dass seine Schuld aufgedeckt wird, muss erkennen, dass dieser Wunsch gar nicht so leicht realsierbar ist. Erschwerend kommt dann noch hinzu, dass sowohl die Ehefrau als auch der Freund, dem schliesslich die Frau genommen wurde, auf sein Geständnis völlig verständnisvoll reagieren. So muss Charles seine Bestrafung am Ende alleine bewerkstelligen.
Wie so oft ist "Vor Einbruch der Nacht" wieder einmal einer von Chabrols so gekonnt inszenierten Bourgeousie-Thrillern, wo dunkles Verlangen herrscht, aber diese Geheimnisse und Obsessionen an der Oberfläche kaum zu sehen sind.

Bewertung: 9 von 10 Punkten.

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