Dienstag, 24. Juli 2018

Die Affäre Dominici

























Regie: Claude Bernard-Aubert

Dreifachmord nahe des Grand Terre Bauernhofs...

Claude Bernard-Auberts Gerichtsthriller "Die Affäre Dominici" aus dem Jahr 1973 rollt einen aufsehenerregenden Mordfall aus dem Jahr 1952 wieder auf. In der Nacht vom 4ten auf den 5ten August 1952 campiert der 61jährige britische Wissenschaftler Sir Jack Drummond (Colin Drake) mit seiner 44jährigen Frau Lady Anne Drummond (Jane Martel) und der gemeinsamen 10jährigen Tochter Elizabeth (Nicole Giroux) nahe des La Grand Terre-Bauernhofs, dass der Familie Dominici gehört. Die drei übernachten direkt neben der Straße,  nur wenig ausserhalb des Dorfes Lurs im Departement Basses. Der Familienpatriarch Gaston Dominici (Jean Gabin), zu diesem Zeitpunkt bereits weit über 70 Jahre alt, sieht die Durchreisenden als er bei seinen Ziegen Halt macht und wird von dem Mädchen der Drummonds noch kurz angesprochen. Dann bricht die Nacht herein. Ein Blick auf den Hof des Bauern, kaum 200 Meter davon entfernt die Straße und der Weg, auf dem die Briten ihr Nachtlager aufgeschlagen haben. Dann fallen mehrere Schüsse. Am anderen Morgen findet Dominicis Sohn Gustave (Viktor Lanoux) drei Leichen - es ist die britische Familie. Mutter und Vater erschossen, das kleine Mädchen brutal erschlagen - Kommissar Sebaille (Paul Crauchet) wird mit dem mysteriösen Mordfall betraut. Und er steht unter mächtigen Druck, denn die französische Regierung will so schnell wie möglich den Täter präsentieren, denn die Briten machen Druck.
Tatsächlich liegt es sehr nahe, dass jemand aus dem Dominici-Clan der Täter sein könnte. Doch die Familienmitglieder schweigen eisern - so vage sind auch die Ermittlungsergbnisse. War es die Tat eines senilen Unholds. Der Neffe des Patriarchen Roger Perrin (Gerard Depardieu) ist leicht schwachsinnig und dort in der Gegend wird viel gejagt. Möglicherweise wars gar ein halber Unfall ? Und auch letzte Reflexe der französischen Resistance des 2. Weltkriegs werden in Betracht gezogen, weil hier bei vielen Familien heimlich Waffen aus dem Krieg lagern.
Der älteste Dominici Sohn Clovis (Gerard Darrieu) wirkt bei den Befragungen so als wüsste er wesentlich mehr. So bleibt der Kommissar bei der Familie präsent, was dem Familienoberhaupt gar nicht gefällt. Er verhält sich immer abweisender und versagt dem Ermittler auch die Mitarbeit. Auch die Frauen der Familie sagen nichts - weder Ivette (Genevieve Fontanel), Ehefrau von Gustave noch die alte Marie (Evi Maltagiati), Frau von Gaston. Da die Ermittlungen nur schleppend vorankommen, entwickelt der Ermittler eine Theorie: Es muss Sexualmord gewesen sein, begangen vom alten Gaston Dominici. Tatsächlich gelingt es ihm mit Fangfragen die beiden Söhne zu einer Aussage gegen den Vater zu bringen. Gestützt von den beiden Geständnissen der Söhne, die den Vater des Mordes bezichtigen, wird Gaston Dominici verhaftet und 1957 zum Tote durchs Schafott verurteilt...



Dieses Gerichtsurteil war extrem umstritten, zumal Gaston Dominici sein äusserst fragwürdiges Geständnis sofort auch widerrief und auch die Söhne vor Gericht ihre Anschuldigung zurücknahmen. Sie begründeten die Geständnisse mit dem Druck und der Brutalität in der Verhören der Polizei. Sehr eindrücklich war auch das Geflecht diverser Lügen, dass im Gerichtsprozess immer wieder den Rahmen sprengte. Dennoch kam der Richter zu diesem harten Urteil - lediglich aufgrund fragwürdiger Indizien - das Todesurteil für den 77jährigen Bauern wurde gemildert in eine lebenslange Strafe und 1960 begnadigte Charles de Gaulle den Mann aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes. Gaston Dominici starb 5 Jahre später - der Mörder, wer auch immer es war, nahm sein Geheimnis mit ins Grab. Claude Berard-Auberts Film kann diese Frage zwar nicht beantworten, doch für den Zuschauer wird es dennoch offensichtlich, dass die Familie irgendetwas verschwiegen hat.
Alternative Theorien über die Hintergründe der ermordeten Briten kursieren seit Jahrzehnten: Dominici habe einen seiner Söhne schützen wollen, ist dabei noch die konventionellste Annahme. In anderen Varianten der Geschichte war Sir Drummonds ein britischer Geheimagent, der sich in Frankreich wahlweise mit früheren Verbündeten in der französischen Résistance überworfen hatte oder dort von sowjetischen Spionen getötet worden war.
Jean Gabin liefert in der Rolle des despotischen Angeklagten eine wunderbare Vorstellung - es wurde eine seiner besten Darstellungen seines Spätwerks.




Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

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