Regie: Sylvester Stallone
Drei Brüder im Viertel...
Nach seinem Welterfolg mit dem Boxerfilm "Rocky" wählte Sylvester Stallone zunächst die Rolle des Johnny Kovak in Norman Jewisons "FIST - ein Mann geht seinen Weg" aus. Danach realisierte er mit "Paradise Alley" (deutscher Titel: Vorhof zum Paradies) seine erste Regiearbeit, nachdem er bereits für "Rocky" das Drehbuch schrieb und dafür auch eine Oscarnominierung erhielt.
"Paradise Alley" ist ein filmischer Verwandter von "Rocky", eine Underdogstory und Aufsteigergeschichte - der Versuch aus der Tristesse des sozial schwachen Umfeld auszubrechen. Der Film handelt von drei Brüdern, die in den 40er Jahren im New Yorker Viertel "Hells Kitchen" leben und dort versuchen ihr Glück mit Wrestling zu finden. Des Weiteren übernahm Stallone die Hauptrolle des Cosmo, einem der Brüder, und singt sogar den Titelsong des gut fotografierten Films (Kameramann war László Kovács)
Victor (Lee Canalito), der jüngste und größte der Carboni-Brüder - Cosmo und Lenny (Armand Assante) sind die anderen beiden- , wird auf Wunsch seiner Brüder, die sich davon ein großes Vermögen versprechen, als Wrestler, unter dem Namen Kid Salami, aktiv. Lenny übernimmt Victors Management, obwohl Cosmo anfänglich die treibende Kraft war, dass die Kraft seines jüngeren Bruders, allen drei ein gewisses Vermögen beschert. Sie hoffen, dass Victor genug Kämpfe gewinnt, um Hell’s Kitchen endgültig zu verlassen. Victor möchte seine asiatische Freundin Susan Chow (Aimee Eccles) heiraten und mit ihr auf einem Hausboot in New Jersey leben. Jeder Bruder hat seinen eigenen Stil. Cosmo ist ein gerissener Gauner, immer auf der Suche nach dem nächsten schnellen Geld und hat eine riesige Klappe. Lenny, der ehemalige Kriegsheld und jetzige Bestatter, kehrte mit einem Hinken und einer verbitterten Einstellung in seine alte Gegend zurück. Victor ist ein ungelenker, starker, etwas naiver, aber dennoch aufrichtiger Hüne, der seinen Job als Eisträger in den Mietskasernen kündigt, sobald er sich zum Wrestling überreden lässt. Anfangs dominiert Cosmo das Geschehen und drängt Victor sogar aggressiv zum Wrestling gegen Susans Willen. Lenny ist anfangs unsicher und versucht Victor ständig zu warnen, indem er ihn daran erinnert, dass er sich verletzen könnte. Schließlich kehren sich die Rollen um - was dem Film überhaupt nicht gut tut. Cosmo sorgt sich jetzt um Victors Wohlergehen und plagt das schlechte Gewissen, ihn zum Wrestling gebracht zu haben, während Lenny immer mehr darauf aus ist, Victor so weit wie möglich auszunutzen. Mindestens zweimal hört man Cosmo sagen "ich bin sensibel", was anfangs überhaupt nicht zu erkennen war. Auch Lenny scheint eine völlige Persönlichkeitsveränderung durchzumachen, verliert seine ruhige Art und wird zu einem aggressiven, manipulativen Wichtigtuer. Am Ende gewinnt Victor einen großen Wrestlingkampf im strömenden Regen, und die Brüder sind aufgrund des siegenden Viktors wieder vereint...
Die finale Wrestling-Szene ist so stark von Rocky abgekupfert, dass man fast "Gonna Fly Now‘ summen möchte. Aber Rocky schaffte, was jedes gute Märchen schafft: Er ließ die Unglaubwürdigkeit vorübergehend verschwinden und machte das Unwahrscheinliche plausibel. Das funktioniert nur, wenn Handlung und Charakterzeichnung schlüssig sind, und genau das fehlt leider Paradise Alley und hängt sehr stark mit der bereits beschriebenen Kehrtwende der beiden Figuren zusammen. Hier wäre Stallone gut beraten gewesen die anfänglichen Charaktereigenschaften der beiden Brüder nicht zu verändern. Denn der Zuschauer ist nur irritiert, dass die beiden Figuren vollkommen ihr Wesen austauschen. leider schimmert zu selten ein beschwingter, witziger und nostalgischer Film mit schillernden Charakteren. Auch das konventionelle, fröhliche Happyend ist irgendwie störend, zumal die beiden Brüder - jeder wechselte seine Rollen als Aggressor, Ausnutzer zum "Beschützer" und umgekehrt - schade, dass Viktor, die ehrlichste Figur in diesem Film, durch seine Naivität nicht erkennt, dass die Brüder fiese Schurken sind.













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