Donnerstag, 26. Juni 2014

Jedem seine Nacht

























Regie: Jean-Marc Barr

Lucies Suche nach der Wahrheit...

Jean Marc Barr wurde bekannt durch seine Hauptrolle in Luc Bessons Unterwasser-Drama "Im Rausch der Tiefe". Lars von Trier riet dem Franzosen, der im deutschen Bitburg geboren wurde, selbst in Regiefach zu wechseln. Seine Arbeiten wie "Lovers" oder "Frankreich privat - Die sexuellen Geheimnisse einer Familie" sind weniger bekannt. In den 2006 inzenierten "Jedem seine Nacht" greift er ein Verbrechen auf, dass sich tatsächlich so in Frankreich vor einigen Jahren ereignet hat. Dabei geht es vor allem um die Geschwister Lucie (Lizzie Brochere) und Pierre (Arthur Dupont), beide sehr gutaussehend und sexuell immer aktiv. Ihre Partner finden Lucie und der bisexuelle Pierre, der auch ein intimes Verhältnis mit seiner Schwester pflegt,  unter anderem auch in der Band von Pierre, zu der  Nicolas (Guillaume Bache), Sebastien (Pierre Pernier) und Baptiste (Nicolas Nollet) gehören. Lucie mag alle Jungs, doch ihren Bruder, der nebenbei noch auf den Strich geht, vergöttert sie. Eines Tages verschwindet Pierre aber spurlos und man muss befürchten, dass der junge Beau Opfer eines Verbrechens wurde. Um auf dem Laufenden zu bleiben, schliesst Lucie sogar Freundschaft mit dem ermittelnden Beamten Damien (Matthieu Boujenah). Der Schock folgt: Eine Leiche wird in einem Waldstück gefunden. Offenbar wurde er von einem oder mehreren Tätern zu Tode geprügelt. Wurde Pierre Opfer von schwulenfeindlichen Skinheads ?


 Wer bei "Jedem seine Nacht" einen handfesten Thriller erwartet, der wird sicherlich gänzlich enttäuscht sein. Denn es passiert nicht viel und Jean Marc-Barr lääst sich extrem viel Zeit und Ruhe die Geschichte so zu erzählen, dass sie immer etwas eigenartig und mysteriös bleibt - selbst die Aufklärung ergibt viele Fragen und vieleicht nur vage Antworten nach dem Warum. Barr setzt vor allem seine jungen, lebens- und liebeshungrigen Protagonisten optisch attraktiv in Szene, die Darsteller sind auch allesamt sehr gutaussehnd. Die inzestuöse Beziehung, die immer wieder in unerwarteten Zärtlichkeiten aufflackert, ist dabei das Herzstück des stillen Films, der ein bissel mit dem kleinen Meisterwerk des Queer Cinema "Der Fremde am See" von Alan Guiraudi, erreicht aber nicht dessen Geschlossenheit und emotionale Brisanz. Die Clique wird als völlig frei geschildert, unabhängig von Moralvorstellungen oder Einschränkungen von Seiten der Gesellschaft - vielleicht muss in dieser gewählten Freiheit eine Antwort gesucht werden.


Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

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