Donnerstag, 29. Dezember 2022

Hair


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Milos Forman

Let the sunshine in..

Mit seinem Hollywood-Debüt "Einer flog übers Kuckucksnest" gelang dem tschechoslowakischen Regisseur Milos Forman ein großes Meisterwerk. Der Nachfolgefilm "Hair" hatte es jedoch sehr viel schwieriger. Das Musical selbst wurde 1967 am Broadway uraufgeführt, Formans Verfilmung wurde zwölf Jahre später realisiert. Musical und Film spiegeln die Beobachtungen dieser Zeit wider, die Hippie Kultur und den traditionellen Gegenentwurf sowie die sexuelle Revolution der späten 60er Jahre. Mehrere der Songs wurden zu Hymnen der Friedensbewegung gegen den Vietnamkrieg und wurden auch zu Hits in den Charts. Dabei stieß der Inhalt sofort auf Kontroversen, die den Konsum illegaler Drogen, das Ausleben der Sexualität sowie die Respektlosigkeit gegenüber amerikanischer Werte, zeigten. Im Genre des Musicals betrat "Hair" auch Neuland, zumal erstmalig die Musik sehr rocklastig war. Weitere Klassiker wie "Tommy" oder "Jesus Christ Superstar" folgten ein paar Jahre später. Claude Hooper Bukowski (John Savage) aus Oklahoma verabschiedet sich von seinem Dad, weil die Army ihm die Einberufung geschickt hat. Er fährt mit dem Bus nach Nwe York und hat noch ein bisschen Zeit die Stadt zu erkunden. Der Junge vom Land ist ein aufrechter Amerikaner und ist erstaunt wieviele Hippies sich im Central Park aufhalten. So auch George Berger (Treat Williams) mit seinen Leuten Lafayette (Dorse Wright), Woof (Don Dacus) und der schwangeren Jeannie (Annie Golden). Die vier Jugendlichen leben irgendwie in den Tag hinein und die Jungs schlafen abwechselnd mit dem Mädchen. Ausserdem sind sie dafür den Wehrdienst zu verweigern. Eine andere Welt verkörpert Sheila Franklin (Beverly D´Angelo), ein Mädchen aus reichem Hause, dass gemeinsam mit ihren Freundinnen auf Pferden durch den Park reitet. Claude sieht Sheila und verliebt sich in die hübsche junge Frau. An diesem Abend lädt Berger Claude ein Marihuana mitzurauchen. Claude gefällt dieses lockere Leben ohne Verpflichtungen, doch er weiß, dass es bald ernst wird und er sicherlich nach Vietnam muss. Am nächsten Morgen findet Berger einen Zeitungsausschnitt, dort ist das Mädchen abgebildet, dass gestern durch den Park ritt. Sie wohnt wohl in Short Hills, New Jersey - also in einer Gegend, wo vor allem gut betuchte Familien wohnen. Berger schlägt vor, Sheila einen Besuch abzustatten, damit Claude sie noch einmal sehen kann. Dort ist gerade eine ausgewählte Dinnerparty im Gange und die Hippies inklusive Claude fallen sofort als ungebetene Gäste ohne Einladung auf. Sheila selbst findet das Auftauchen der Gruppe eher amüsant, zumal die starre Umgebung der Gesellschaft durch die Hippies aufgelockert wird. Das Ende vom Lied: Die Polizei wird gerufen, durch Bergers wilde Tanzeinlage auf dem Tisch geht einiges an wertvollem Geschirr kaputt und die Fünf landen vorübergehend im Knast. Als sie wieder frei kommen, besuchen sie eine Friedenskundgebung im Park, wo Claude zum ersten Mal LSD nimmt. Und es gibt auch auch Wiedersehen mit Sheila...






Hippies, die in New York City ein Bohème-Leben führen und gegen die Einberufung in den Vietnamkrieg kämpfen. Sie  kämpfen darum, ihr junges Leben, ihre Liebe und die sexuelle Revolution mit ihrer Rebellion gegen den Krieg und ihre konservativen Eltern und die Gesellschaft in Einklang zu bringen. Schließlich muss Claude, die Hauptfigur des Films, sich entscheiden, ob er sich wie seine Freunde der Einberufung entziehen oder in Vietnam dienen will. Das Musical setzt auch immer wieder gekonnte Widerhaken in das scheinbar perfekte Dasein als Hippie. Lafayettes Frau (Cheryl Barnes) erscheint mit ihrem Kind und bittet ihren Mann wieder Verantwortung für seine Familie aufzunehmen. Dazu singt sie den Song "Easy to be hard" - eine der schönsten Lieder des Muscials. Genauso stark sind songs wie "Aquarius" gesungen von Renn Woods oder "Let the sun shine in", "Good morning star shine", "Hair", "I got live", "Walking in space" oder "Black Boys/White Boys"...viele Szenen sind ihrer damaligen Zeit weit voraus und erteilen alten Werten eine Absage. Am Ende steht ein Opfer, dass in den Tod mündet. "Hair" ist auch als Film eine gekonnte Anklage gegen den Krieg. Mit einem Umsatz von 11 Millionen Dollar wurde an der Kinokasse 38 Millionen Dollar erzielt. Die Kritik war gespalten und die Academy ignorierte den Film ganz. Immerhin gabs zwei Golden Globe Nominierungen (Treat Williams und bester Film Musical/Komödie), auch bein der Cesar Verleihung wurde der Film als bester ausländischer Film nominiert, musste sich aber von Woody Allens "Manhattan" geschlagen geben.






Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

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