Freitag, 17. Oktober 2014

Asphalt Cowboy

























Regie: John Schlesinger

Ein amerikanischer Traum...

Ein Film wie John Schlesingers "Asphalt Cowboy" könnte heute nicht mehr gedreht werden. Die Kinoproduzenten sind heute fast ausschliesslich am Profit und Einspiel interessiert. So sah es selbst dessen Producer Jerome Hellman und man muss ihm uneingeschränkt beipflichten. Der Film über zwei Aussenseiter wurde aber damals 1969 sowohl vom Publikum als auch von den Kritikern begeistert aufgenommen. Es galt auch als echte Sensation, dass das düstere Großstadtportrait bei der Oscarverleihung 1970 den Hauptoscar als bester Film gewann und damit gegen "Zwei Banditen" und "Königin für 1000 Tage" triumphieren konnte. Es schien aber auch die Zeit für solche Stoffe gekommen zu sein, denn auch eine anderer filmischer amerikanischer Alptraum von Sydney Pollack "Nur Pferden gibt man den Gnadenschuß" erreichte im gleichen Jahr die stattliche Anzahl von 9 Nominierungen.  Die Zuschauer wollten plötzlich solche Stoffe und das Kino von opulenten Heileweltfiilmen wie "Hello Dolly" war vorbei. Noch ein Jahr zuvor mussten sich Meisterwerke des neuen Kinos wie "2001 Odyssee im Weltraum" dem farbenprächtigen Musical "Oliver" von Carol Reed geschlagen geben. "Midnight Cowboy" entstand in einer Zeit als das neue Hollywood geboren wurde und auch schon der innovative 70er Jahre Film vor der Tür stand. Wegbereiter waren auch Werke wie "Easy Rider" oder "Bonnie und Clyde".
Der Film erzählt vom amerikanischen Traum des Tellerwäschers Joe Buck (Jon Voight), der in einer Kleinstadt in Texas lebt. Dort wuchs er auch auf und in seinen Erinnerungen kommen die Bilder seiner Kindheit und Jugend auf: Der starke Bezug zur Großmutter, der Traum vom Cowboy, die erste Freundin, das fest verankerte Rodeoreiten. Nun hat er die Nase voll vom wenig lukrativen Job und versucht sein Glück in der Großstadt. Zu den Klängen einer perfekten Filmmusik ("Everybody´s talking about me" von Nilsson) verlässt er das Kaff, wo ältere Frauen in Lockenwicklern auf der Bank in der Straße sitzen und im Greyhound Bus gehts in die Freiheit. Der attraktive Joe hat dort vor als Gigolo für ältere Damen gute Kohle zu machen. Diese vielen Frauen warten doch nur auf einen solchen "Mietrammler" aus Texas. Doch die Realität sieht anders aus. Auf der Suche nach diesen gelangweilten New Yorker Ladies verlieht der Sonnyboy sein ganzes Geld. Mit seiner provinziellen Naivität ist er ausgebufften Großstadtleuten wie der älteren Cass (Sylvia Miles), der gelangweilten Shirley (Brenda Vaccaro) schwulen Studenten (Bob Balaban) oder schmierigen Kleinstadtganoven wie Rizzo (Dustin Hoffman), der ihm die letzten Kröten abluchst, heillos unterlegen.  Doch er findet in der Metropole diesen verkrüppelten Betrüger wieder, denn die Subkultur ist irgendwie ein großes Dorf. Die beiden Verlierertypen freunden sich irgendwie an und Joe kommt bei dem Ganoven unter. Dieser haust in einem leerstehenden Abrissblock, wo er in einer dieser dort befindlichen extrem schäbigen Wohnungen haust. Alles ist hier verdreckt, es gibt weder Heizung noch Elektrizität. Die Nächte sind kalt und Rizzo hustet und scheint nicht gesund zu sein...


 Die tragikomischen Erlebnisse des Neuankömmlings, der sich als "Stricher" durchschlägt sind von traurigen, aufwühlenden Rückblenden durchtränkt, so wird auch kurz eine Rückblende gezeigt, die einen Angriff mehrerer Männer auf Joe und dessen Jugendfreundin Annie zeigt. Abgebrannt und einsam läuft Joe mit seinem schwindsüchtigen neuen Freund dem Abgrund entgegen. New York erweist sich als Trugschluß. Als Illusion wird der Traum vom besseren Florida aufrechterhalten. Dort könnte es besser werden. Schlesinger hat einige Szenen entworfen, die sich nicht mehr aus dem Gedächtnis brennen lassen. So sieht man Joe bei der Ankunft in New York mitten auf der belebten Straße, wo auf dem Gehweg ein lebloser Mann liegt. Die vielen Passanten nehmen keine Notiz von dem Mann, der Hilfe bräuchte, falls es noch nicht zu spät ist. Doch er bleibt ohne Beachtung und nur Joe nimmt irritierend Notiz, ist aber selbst auch nicht in der Lage zu helfen.
Oder auch die Szene im Greyhound-Bus mit Impressionen vom amerikanischen Traum, der suggeriert wird, wenn man durchs Fenster guckt. Auf dem Sitz aber ein Mann, der dort stirbt. Schlesinger zeigt perfekt die verzweifelte Isolation seiner Figuren. Schlesinger selbst sagte in einem Interview 2002 "Ich konnte noch Filme drehen, als das Kino es noch wagte, von Menschen und ihren Beziehungen zu erzählen" - das großartige Meisterwerk des amerikanischen Films zeigte unverblümt Themen wie Homosexualität oder Prostitution. Dieser Wahnsinnsfilm gehört für mich neben "Tag der Heuschrecke" und "Marathon Mann" zu den ganz großen Filmen des 2003 verstorbenen britischen Regisseurs.



Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

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