Montag, 13. Oktober 2014

Im August in Osage County

























Regie: John Wells

Eine ganz normale Horrorfamilie...

Tracy Letts wird in den USA als eine Art Quentin Tarantino der Theaterwelt gefeiert und mit "Bug" und "Killer Joe" wurden schon zwei seiner Werke durch William Friedkin verfilmt. Sein bislang erfolgreichstes Bühnenstück heißt "Im August in Osage County" und wurde mit dem Pulizer Preis geehrt. Der Autor selbst sagt, dieses Werk sei eine Huldigung an Tennessee Williams und William Faulkner und schildert die Familie als einen Ort des Schreiens, Streitens, Lachen und des Heulens. Die Verfilmung von John Wells kann auch auf ein solide Schauspielerensemble zurückgreifen und präsentiert Stars wie Meryl Streep, Julia Roberts, Chris Cooper, Ewan McGregor, Sam Shepard und Benedict Cumberbatch. Die beiden Erstgenannten wurden sowohl für den Oscar als auch für den Golden Globe nominiert. Tatsächlich wird man etwas an Filmklassiker wie "Wer hat Angst vor Virginia Wolff" oder "Die Katze auf dem heißen Blechdach" erinnert. Ob "Im August in Osage County" ebenfalls das Zeug zum Movieklassiker hat, wird sich noch in den nächsten Jahren herausstellen. Mein erster Eindruck ist zwar ganz gut, aber richtig gefesselt hat mich diese universelle Familientragödie mit Sitcom-Charakter nicht ganz. Die Darsteller - allen voran Meryl Streep - agieren zwar in dieser Psychoschlacht auf sehr hohem Niveau, aber irgendwie war mir das Szenario zu plakativ dargestellt. Die Handlung spielt während eines sehr heißen Sommers (ca. 40 Grad) in einem großen, etwas heruntergekommenen amerikanischen Landhaus. Dort leben Beverly (Sam Shepard) und Violet Weston (Meryl Streep) und machen sich in ihrer Ehe immer öfters gegenseitig die Hölle. Beverly ist mit seiner tablettensüchtigen Frau ziemlich überfordert und hat deshlab die Pflegerin Johnna (Misty Upham) eingestellt. Der pensionierte Lehrer hat ein extremes Alkoholproblem und kurz nach Johnnas Einstellung verschwindet er plötzlich. Violet informiert daraufhin die beiden entfernt wohnenden Töchter Barbara (Julia Roberts) und Karen (Juliette Lewis), die sehr schnell ins Elternhaus nach Osage County, Oklahoma anreisen. Barbara hat Probleme mit ihrem Mann (Ewan McGregor), der mit einer jüngeren Frau fremdgeht. Auch der Umgang mit der pubertären Tochter Jean (Abigail Breslin) ist nicht einfach. Bereits vor Ort ist die dritte Tochter Ivy (Julianne Nicholson), die ein heimliches Verhältnis mit ihrem Cousin "Little Charles" Aiken (Benedict Cumberbatch) hat. Dieser erwachsene Mann gilt als Sorgenkind seiner Eltern Mattie Fae (Margo Martindale) und Charlie (Chris Cooper). Karen reist mit ihrem neuen Lover Steve (Dermond Mulroney) an. Nach 5 Tagen morbider Familienidylle wird es dann bittere Gewissheit: Beverly hat sich das Leben genommen. Und natürlich geht die böse Schlammschlacht auch zwischen Beerdigung und Abreise munter weiter...


Die Dialoge sind natürlich giftig und bitterböse. John Wells präsentiert  ein einerseits altmodisches, andererseits sehr spaßiges Hauen und Stechen, ein Hervorzerren alter Familiengeheimnisse und brachialer Ehezerwürfnisse, das den Clan in Trümmer zu legen droht. Dennoch wirken die Rangeleien einer gewöhnlichen Familie in bester Bürgerlichkeit mit Exzessen wie Gewalt, Drogen, Suff und Irrsinn immer etwas künstlich und überzeichnet.


Bewertung: 6 von 10 Punkten.

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