Samstag, 25. Oktober 2014

Hexenkessel




Regie: Martin Scorsese

In den Straßen von Little Italy, Manhattan...

Denkt man an Martin Scorseses Mafiafilme, dann fallen zuerst "Good Fellas", "Departed" oder "Casino" ein. Dabei ist der 1973 entstandene "Hexenkessel" (Original: Mean Streets), der noch vor seinem Welterfolg "Taxi Driver" entstand, sein erster Film über das organisierte Verbrechen. Er ist aber im Vergleich zu den drei bekannteren Mafiafilmen etwas anders konzipiert und hat sein Augenmerk eher auf die unteren Stufen der Hierarchie in Little Italy, New York gelenkt. Seine Helden sind Kleinkriminelle, von denen vor allem der junge Charlie Cappa (Harvey Keitel) höhere Ambitionen hegt. Immerhin arbeitet er schon erfolgreich als Schuldeneintreiber für seinen Onkel Giovanni (Cesare Danova) und macht sich berechtigte Hoffnungen, dass er bald ein Restaurant für den Boss leiten darf. Man hat sich allerdings immer an die Gesetze der Cosa Nostra zu halten und daher verheimlicht Charlie auch sein Verhältnis zu Teresa (Amy Robinson), die aufgrund ihrer Epilepsien als "Verrückte" gilt. Ausserdem hängt Charlie auch mit Teresas Cousin Johnny Boy (Robert de Niro) herum, dem er extra einen Job besorgt hat, damit dieser seine diversen Schulden bei anderen Mafiosi zurückzahlen kann. Doch Johnny Boy ist ein unverbesserlicher,  aufgrund seiner Unberechenbarkeit fast schon psychopathischer Kerl, der seine Einkünfte sofort wieder für attraktive Frauen und teure Kleidung verspielt. Die Schulden, die er bei Michael Longo (Richard Romanus) hat, nimmt der unzuverlässige Johnny Boy auf die leichte Schulter und denkt noch nicht mal daran diese pünktlich abzustottern. Das ist natürlich auf die Dauer für Longo wie auch für die anderen Kredithaie, bei denen Johnny Boy in der Kreide steht, nicht länger hinzunehmen...



Scorsese skizziert einen Mann, der zwischen seinem frommen Katholizismus und seinen Ambitionen für die Mafia steht und daher innerlich etwas zerrissen erscheint. Darüberhinaus gibts da auch Diskrepanzen zwischen der Loyalität zu seinem Caporegime und der langjährigen Freundschaft zu einem unbesonnnen Spinner mit dessen fatalistischen Handlungsweisen. Am Ende wird auf einer Fahrt durchs nächtliche Brooklyn plötzlich geschossen und prägen den Moment. Ausserdem dürften die Perspektiven nach diesem Ausbruch von lebensgefährlicher Gewalt nicht besonders rosig sein.
Neben dem Alltag der Mafia ist "Mean Streets" vor allem auch ein äusserst gelungener und atmosphärisch dichter New York Film, wo sich das brodelnde Leben hauptsächlich in der Nacht abspielt und wo es - meist recht locker und spielerisch dargestellt - um nichts anderes geht als ums nackte Überleben. Und Scorsese lässt keinen Zweifel zu, dass hier nur die Starken und die Angepassten eine reele Chance haben.
Nicht nur die drastische Schlußszene ist zum echten Klassiker geworden, der Film erhielt bereits bei seiner Premiere ausserordentlich gute Kritiken. Man sprach von einem der originellsten amerikanischen Filme überhaupt. Tatsächlich ist der Film in jeder Phase sehr kraftvoll, was er auch seinen großartigen Schauspielern verdankt - der junge Robert de Niro stand damit kurz vor dem ganz großen Durchbruch durch "Der Pate II" und  brillierte in dieser wichtigen Rolle eines neurotischen Typs. Die Locations wie auch das Milieu...alles wirkt düster, bedrohlich, trist und dreckig - aber alles vermittelt auch pulsierendes Leben.
Filmhistorisch ist der mit einer eigenwilligen Großstadtpoesie ausgestattete Großstadtfilm "Mean Streets" als Vorläufer vieler bekannter amerikanischer Filmklassiker, von großer Bedeutung und großem Einfluß - seine authentische Machart prägte das weitere Kino der 70er Jahre mit und der Film vermittelt - ähnlich wie der einige Jahre vorher entstandene "Midnight Cowboy" - ein faszinierendes wie brüchiges New York Bild.



Bewertung: 9 von 10 Punkten.

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