Regie: Martin Scorsese
Zwischen Kunst und Kommerz...
Der ungarische Kameramann Laszlo Kovaks wurde für viele Hollywood-Klassiker engagiert, wie beispielsweise "Easy Rider", "Bewegliche Ziele", "Paper Moon" "Five Easy Pieces", "Shampoo", "Frances", "Ghostbusters" oder "Copy Kill". Für Martin Scorseses Romantik-Musikfilm "New York, New York" lieferte er die wunderbare Optik im Film Noir Style. Fred Ebb und John Kander schrieben die Musik. Vor allem der Titelsong "New York, New York" wurde zum absoluten Klassiker und zum Highlight als eines der schönsten Filmsongs überhaupt. Noch erfolgreicher als Liza Minellis Original, das sie auf dem Höhepunkt des Films singt, wurde die Version von Frank Sinatra, die er zwei Jahre später in sein Repertoire aufnahm. Da "New York, New York" beim Umsatz unter den Erwartungen blieb (er spielte damals bei einem Budget von 9 Millionen Dollar nur 17 Millionen Dollar ein, was für die Producer natürlich eine Enttäuschung war) ignorierte ihn die Academy bei der Oscarvergabe total. Immerhin konnte Scorseses dunkle Hommage an die Frühzeit der Jazzmusik vier Golden Globe Nominierungen erhalten: Für den besten Song, als bester Film und für beide Hauptdarsteller Liza Minelli und Robert de Niro. Am 14. Juni 1980 erreichte die Single in der Version von Sinatra Platz 32 der Billboard Hot 100 und es war Sinatras letzter Top-40-Hit. Sowohl Sinatras als auch Minnellis Versionen sind eng mit Manhattan in New York City verbunden. Sinatra spielte die Nummer bis zu seinem Rücktritt 1995 bei fast allen seinen Konzerten, und Minnelli spielt sie weiterhin bei fast allen ihren Konzerten. Am V-J Day 1945 (Sieg über Japan) findet in einem New Yorker Nachtclub eine Feier statt, die vom Tommy Dorsey Orchestra musikalisch begleitet wird. Dort trifft der egoistische und gesprächige Tenorsaxophonist Jimmy Doyle (Robert de Niro) die unbedeutende Truppenbetreuungssängerin Francine Evans (Liza Minelli). Obwohl einsam, will sie nichts mit dem aufdringlichen und extrovertierten Jimmy zu tun haben, der sie nach ihrer Telefonnummer fragt. Am nächsten Morgen teilen sie sich ein Taxi, und gegen ihren Willen begleitet Francine Jimmy zu einem Vorsingen, bei dem er mit dem Clubbesitzer streitet. Um das Vorsingen wieder in Gang zu bringen, beginnt Francine den alten Klassiker "You Brought a New Kind of Love to Me“. Jimmy stimmt auf seinem Saxophon ein. Der Clubbesitzer ist beeindruckt, und zu Francines Erstaunen wird beiden ein Job als reisende Sängerin angeboten. Von diesem Moment an vertieft sich die Beziehung zwischen Jimmy und Francine zu einer Mischung aus Besessenheit und Liebe. Doch es gibt Probleme – vor allem Jimmys Neigung, sich mit seinen Kollegen zu streiten, sein übertrieben dramatisches Verhalten und seine zunehmend heftigen Auseinandersetzungen mit Francine, die schwanger wird. Ein besonders heftiger Streit zwischen den beiden führt dazu, dass bei Francine die Wehen einsetzen. Jimmy bringt sie eilig ins Krankenhaus, wo sie einen Jungen zur Welt bringt. Jimmy ist jedoch weder bereit, Vater noch ein guter Ehemann zu sein, und verlässt seine Frau. Er weigert sich, seinen neugeborenen Sohn zu sehen, als er das Krankenhaus verlässt. Einige Jahre später nimmt Francine in einem Aufnahmestudio "But the World Goes Round“ auf, eine kraftvolle Hymne, die in die Charts klettert und ihr zu einer beliebten Unterhaltungsfigur verhilft. In den folgenden Jahren sind Jimmy und Francine beide in der Musikbranche erfolgreich; er wird ein renommierter Jazzmusiker und Clubbesitzer, sie eine erfolgreiche Sängerin und Filmschauspielerin. Jimmy nimmt einen selbstgeschriebenen Song auf seinem Saxophon auf, der die Jazzcharts anführt, und Francine festigt ihren Ruhm mit dem Lied "New York, New York“, für das sie den Text beigesteuert hat. Ihr Auftritt, der von einem begeisterten Publikum gefeiert wird, findet in demselben Nachtclub statt, in dem sie und Jimmy sich Jahre zuvor kennengelernt hatten. Nach der Show ruft Jimmy seine Ex-Frau an und schlägt ein gemeinsames Abendessen vor. Francine ist versucht und geht zum Bühnenausgang, überlegt es sich aber im letzten Moment anders. Jimmy wartet auf dem Bürgersteig, merkt, dass er versetzt wurde und geht die Straße entlang...
Traurig, nicht wahr ? Es ist eine Lovestory zweier Künstler mit Höhen und Tiefen, die aber schließlich auseinandergeht. Für Scorsese war es ein Projekt, mit dem er den düsteren Realismus verlassen wollte, für den er so berühmt geworden war. Deshalb auch die künstlichen Kulissen, Martin Scorseses technische Virtuosität und Liza Minellis magnetische Präsenz kommen in diesem Film jedoch voll zur Geltung, auch wenn die Mischung aus schmachtendem Stil und knallhartem Realismus dieses ambitionierten Musicals ungewöhnlich ist. Wenn man ihn im Vergleich zu den vorherrschenden Filmthemen der progressiven 70er sieht, dann kann man vielleicht sogar von einem letzten Ausbruch aus dem alten Hollywood sprechen.
Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.
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