Regie: Ken Russell
Taub, stumm und blind...
Die Rockoper "Tommy" erschien 1969 als Konzeptalbum der Gruppe "The Who". Das Werk gilt als Höhepunkt im künstlerischen Schaffen von The Who und natürlich insbesondere Pete Townshends, der fast alle Titel komponiert hat. Sechs Jahre später entstand unter der Regie von Ken Russell die Verfilmung als psychedelisches Musical Fantasy Spektakel. Die Geschichte handelt von einem tauben, stummen und blinden Jungen, der als junger Erwachsener Champion beim Flippern wird und später religiöser Führer. Der Film präsentierte eine Starbesetzung, darunter die Bandmitglieder selbst (vor allem Leadsänger Roger Daltrey, der die Titelrolle spielt), Oliver Reed, Ann-Margret, Elton John, Eric Clapton, Jack Nicholson, Robert Powell und Tina Turner. Der Prolog spielt im Jahr 1945 und zeigt in einer Montage die Flitterwochen von Group Captain Walker und seiner Frau. Nach seinem Urlaub zieht Walker als Bomberpilot in den Zweiten Weltkrieg, wird aber während eines Einsatzes abgeschossen. "Captain Walker“ gilt als vermisst und wird für tot gehalten, obwohl der schwer verbrannte Walker – ohne das Wissen seiner Familie – noch lebt. Warum wird dieser Tommy Walker (Barry Winch, als Erwachsener Roger Daltrey) in seiner Kindheit taub, stumm und blind ? Hier unterscheidet sich die Rockoper von der Filmversion. Ursprünglich erlebt er der Junge ein Trauma, wie er zufällig mitansieht, dass der aus dem Krieg heimgekehrte Vater (Robert Powell) den Geliebten (Oliver Reed) der Mutter (Ann Margaret) totschlägt - im Film liegt der Fall umgekehrt: getötet wird dort der Vater von seinem Onkel, der ein Verhältnis mit der Mutter begonnen hat. Tommy lebt fortan isoliert in seiner eigenen Welt. Weitere verstörende Erlebnisse kommen hinzu, wie die Misshandlung durch Verwandte Wie Cousin Kevin (Paul Nicholas) und einem Onkel Ernie (Keith Moon) oder durch obskure Heilversuche durch Acid Queen (Tina Turner). Selbst der Psychiater (Jack Nicholson) ist mit seinem Latein am Ende. Doch Tommy entdeckt sein Talent für das Spielen an Flipperautomaten, er gewinnt gegen den amtierenden Champion (Elton John) und wird umjubelter Weltmeister. Schließlich kann er geheilt werden, da er nach dem Zerbrechen seines Spiegelbildes vollständig wahrzunehmen und zu sprechen vermag. Diese „Wunderheilung“ lässt ihn zu einem Messias werden, der zahlreiche Anhänger um sich schart. Als Tommy jedoch ihre Erwartungen nicht erfüllt, weil er sich der Kommerzialisierung seiner Botschaft letztendlich widersetzt, lassen ihn seine Anhänger fallen und töten dabei auch seine Eltern...
Die Botschaft des Films wird erst in den letzten dreißig Minuten preisgegeben, in denen Tommy Opfer der Kommerzialisierung wird und seine Fans sich von ihm abwenden. Es ist aber von Anfang an eine sehr interessante Geschichte, die ein bisschen mit Kubricks "Uhrwerk Orange" verwandt ist. Denn die Story ist unberechenbar und treibend wie ein Flipperspiel, die Songs sind darin perfekt integriert. Hinzu kommt die visuelle Phantasie des Regisseurs. Natürlich wirkt alles etwas überproduziert, aber es funktioniert dennoch gut, weil es nie langweilig wird und der Film von Energie beherrscht wird. Grandios auch die Darstellung von Ann-Margaret als Tommys Mutter. Sie erhielt dafür gerechterweise eine Oscarnominierung und wurde mit dem Golden Globe geehrt. Der Film selbst spielte ca. 35 Millionen Dollar ein und wurde so zu Ken Russells erfolgreichstem Fim an der Kinokasse.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
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