Regie: Bertrand Tavernier
Dale Turner spielt Saxophon...
"Um Mitternacht" ist eine filmische Liebeserklärung an den Jazz. Geführt wird ein illustres Musikerensemble mit Wayne Shorter, Tony Williams, Billy Higgins, John McLaughlin, Eric Le Lann, Michel Perez, Freddie Hubbard, Pierre Michelot, Ron Carter und Dexter Gordon von Herbie Hancock, dem Komponisten der Filmmusik, der als Pianist ebenfalls einen Auftritt im Film hat. Bertrand Tavernier ist der Regisseur, der ursprünglich eine Hommage an den Saxophonisten Lester Young machen wollten, jedoch ist auch die Freundschaft zwischen Bud Powell und dem Franzosen Franics Paugras angelehnt. Es gelang dem Filmemacher ein sehr stimmiges Portrait eines Musikers und auch genauso authentisches Bild der Pariser Jazz-Szene zu zeigen. Die Hauptrolle spielt Dexter Gordon, der für seine hervorragende Leistung sogar mit einer Oscarnominierung belohnt wurde. Der Titel des Films stammt von Thelonious Monks Komposition "Round Midnight“ aus dem Jahr 1943, die in diesem Film in einer Hancock-Bearbeitung zu hören ist. Der Protagonist, der Jazzmusiker Dale Turner, basiert auf den real existierenden Jazzlegenden Lester Young (Tenorsaxophon) und Bud Powell (Klavier). Obwohl der Film fiktionalisiert ist, basiert er direkt auf der Biografie "Tanz der Ungläubigen“ des französischen Autors Francis Paudras, der sich während seiner Zeit als Auswanderer in Paris mit Powell angefreundet hatte und auf dem die Figur Francis basiert. Hancock gewann den Oscar für die beste Filmmusik. Der Soundtrack wurde in zwei Teilen veröffentlicht: "Round Midnight" und "The Other Side of Round Midnight". In New York der 1950er Jahre ist Dale Turner (Dexter Gordon) ein versierter Saxophonist, der sich mit Auftritten in lokalen Jazzclubs kaum über Wasser hält und mit Drogenmissbrauch, insbesondere Alkohol, zu kämpfen hat. Nach einem Gespräch mit einem kranken Musikerkollegen beschließt Dale, sein Leben zu verbessern. Er reist nach Paris und verdient seinen Lebensunterhalt mit Auftritten im Jazzclub Le Blue Note bis ihm das Glück aufgeht. Turner kommt in Paris an und freundet sich mit Francis (Francois Cluzet) an, einem französischen Grafikdesigner, der sich auf Filmplakate spezialisiert hat und mit dessen Tochter Berangere (Gabrielle Haker) zusammenlebt, da seine Ehe zerbrochen ist. Francis vergöttert den Musiker und versucht verzweifelt, ihm zu helfen, dem Alkoholmissbrauch zu entkommen. Mit der Zeit und nachdem Francis Turner erlaubt, bei ihm und seiner Tochter einzuziehen, gelingt es Turner, wieder auf die Beine zu kommen und beginnt, ohne Alkohol auszukommen. Schließlich beschließt er, nach New York zurückzukehren, um seine alten Freunde wiederzusehen und seine eigene Tochter wiederzutreffen. Francis begleitet Dale, und die New Yorker Musikszene ist bereit, den Musiker wieder aufzunehmen. Er schreibt ein Lied, das seiner Tochter gewidmet ist, in der Hoffnung, ihre Beziehung nach langer Trennung zu stärken. Er lädt sie in den Club ein, um dessen Debüt zu hören, schafft es jedoch, ihr wahres Alter zu verwechseln und dem Publikum zu erzählen, sie sei gerade 15 geworden; sie ist tatsächlich 14, und sie teilt dies Francis mit, der neben ihr im Publikum sitzt. Später in der Woche, als Dale versucht, seine Bindung zu ihr zu vertiefen, indem er mit ihr in einem örtlichen Diner isst, erkennt ihn dort ein alter Drogendealer, stellt sich erneut vor und deutet an, dass seine Vorräte Dale noch zur Verfügung stehen. Francis versucht mehrmals einzugreifen, um Dale vor seinen alten Lieferanten zu schützen, und versucht, mit allen in Kontakt zu bleiben. Nachdem Francis schließlich abgereist ist und nach Paris zu seiner Tochter zurückkehrt, erhält er ein Telegramm von Dales Musikmanager, in dem ihm mitgeteilt wird, dass der Musiker in einem örtlichen Krankenhaus gestorben sei...
"Round Midnight" mit dem deutschen Verleihtitel "Um Mitternacht" spielte insgesamt 10 Millionen Dollar ein und wurde in Paris und New York geddeht. Tavernier widersetzte sich dem Filmstudio, indem er darauf bestand, dass der echte Jazz-Tenorsaxophonist Dexter Gordon die Rolle des Turner übernahm. Gordon, der selbst Anfang der 1960er Jahre (und zu Beginn ihrer Karriere) mit Bud Powell in Paris spielte, half bei der Überarbeitung und Neufassung des Drehbuchs. Philippe Noiret und Martin Scorsese sind in Cameo Aufritten zu sehen. Francois Cluzet wurde einige Jahre später für "Kein Sterbenswort" mit einem Cesar ausgezeichnet und ist in Deutschland vor allem durch den anspruchsvollen Blockbuster "Ziemlich beste Freunde" bekannt geworden. Es ist ein "Special Interest" Movie, in dem die Begeisterung eines Musikers skizziert hat, der nur seine Musik hat und diese sein gesamtes Leben beherrscht. Ein intimer Film, der aber durch seine intensive Machart total überzeugt. Die Kraft dieser Musik, ihr Schmerz, ihre Melancholie, ihre Einsamkeit, wenn sie in den Bars nach Mitternacht erklingt, wirkt nachhaltig. Leise Trauer und die Schönheit, aber auch Vergänglichkeit des Augenblicks sind allgegenwärtig.
Bewertung; 8,5 von 10 Punkten.
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