Dienstag, 24. Dezember 2013

Maurice

























Regie: James Ivory

Die Sehnsucht des Maurice Hall...

Vorhang auf in die Zeit um 1900: Während einer Reise an einem windigen Strand werden dem 11jährigen, vaterlosen Schüler Maurice Hall von seinem Lehrer (Simon Callow) Aufklärungshinweise gegeben, es geht um die nahende Pubertät und um die Geheimnisse beider Geschlechter. Jahre später, im Jahr 1909, besucht Maurice (James Wilby) die Universität in Cambridge, wo er mit zwei Kommilitonen Freundschaft schließt, mit dem adligen Risley (Mark Tandy) und dem reichen und attraktiven Clive Durham (Hugh Grant). Dieser verliebt sich in Maurice, doch dessen Geständnis empfindet Maurice zuerst nur absurd und irritierend. Doch er bemerkt bald, dass er ähnliche Gefühle hegt. Sie beginnen eine heimliche Affäre, die allerdings auf Clives Beharren - abgesehen von körperlicher Nähe und harmlosen Küssen - rein platonisch bleiben wird. Immer ist die Angst vor Aufdeckung und die damit verbundene Kriminalisierung und gesellschaftliche Ächtung allgegenwärtig. Als Risley wegen versuchtem Sex mit einem Soldaten verurteilt wird, bricht Clive langsam aber sicher die verhängnisvolle Affäre mit Maurice. Dieser beginnt eine neue Karriere als Börsenmakler und muss zusehen, wie sein Freund unter dem Druck der verwitweten Mutter die reiche Anne (Phoebe Nicholls) heiratet. In der Folgezeit sucht Maurice Wege der Heilung vom sündhafen und frevelhaften Begehren und konsultiert den Hausarzt Dr. Barry (Denholm Elliot) und den Hypnotiseur Lakser Jones (Ben Kingsley). Ein Leben in Unterdrückung der eigenen Sehnsüchte steht ihm bevor, auch wenn er immer wieder in Clives Anwesen Pendersleigh gern gesehener Gast wird. Dadurch lernt er auch den Wildhüter Alec Scudder (Rupert Graves) kennen, den er zunächst nicht beachtet. Doch durch den Mut Scudders kommt es zu einer heimlichen Liebesnacht...


 Anfang des 20. Jahrhunderts war es keine gute Zeit um homosexuell zu sein. Der gleichnamige Roman von E.M. Foster enstand zwar 1913/1914, wurde allerdings erst im Jahr 1971 posthum veröffentlicht und wurde wie bereits vorher "A Room with a view" und "Wiedersehen in Howards End" von James Ivory gedreht und von Ismael Merchant produziert. Und alle drei Arbeiten sind perfekt in ihrer Machart, sie sind sowohl inhaltlich als auch optisch sehr stark in Szene gesetzt. Wie immer herrscht eine große Liebe zum Detail vor. Vielleicht ist sogar "Maurice" aufgrund seines Themas der beste der drei Filme, da sein Thema auch heute noch gesellschaftlich diskutiert wird und auch heute noch ein Coming out als schwierige Hürde betrachtet werden kann. Die feindliche Sexualmoral hat sich imemrhin weitestgehend gelöst, aber ein "Maurice" ist heute noch gut denkbar, ebenso ein "Clive" - dagegen ist aber  eine Lucy Honeychurch "Zimmer mit Aussicht" oder ein Henry Wilcox "Howards End" Vergangenheit, die man aus heutiger Sicht ungläubig betrachten kann.  James Ivory erweist sich aber stets als "europäischer Regisseur", auch wenn er aus Oregon stammt.  Trotz allem ist "Maurice" eine Geschichte seiner Zeit, vor allem wenn man über die Klassenunterschiede im viktorianischen England bzw. in nachfolgenden Zeitalter Edwards nachdenkt. Daher ist die erste Nacht mit dem ungehobelten Wildhüter sowohl ein Befreiungsschlag in Richtung eigener sexuellen Identität als auch ein Aufllösen der Klassengrenzen, da der als sozial minderwertig erachtete Liebhaber sich auf Augenhöhe erhebt. Man mag das Ende rein oberflächlich als HappyEnd für eine verbotene Liebe ansehen, aber "Maurice" wäre ja auch kein Meisterwerk, wenn es nicht einen Widerhaken setzen würde. Denn er entlässt die beiden Männer, die sich lieben, in eine ungewisse Zukunft. Sie haben sich zwar für die Freundschaft entschieden, aber es dürfte kein Zweifel geben, dass auch diese Liason in einer Zeit des ersten Weltkrieges arge Probleme bekommen wird. Wird sie an der Heimlichkeit scheitern oder nicht ? Aber immerhin gönnt der Autor Forster seinem Paar das Glück eines Augenblicks.
Die Besetzung ist hervorragend und bis in die kleinsten Nebenrollen (Denholm Elliot, Simon Callow) perfekt besetzt. 


Bewertung: 10 von 10 Punkte. 

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