Samstag, 7. Dezember 2013

Only God Forgives

























Regie: Nicolas Winding Refn

Rache in Bangkok...

Seit "Walhalla Rising" und "Drive" gilt der Däne Nicolas Winding Refn als riesige Regiehoffnung und mit seinem neuen Werk "Only God forgives" dürfte seine Fangemeinde noch wachsen. Allerdings ist dieser extrem hypnotische und magische Film nicht Jederrmanns Sache und dementsprechend unterschiedlich fallen die Kritiken dazu aus. Man wird sicherlich optisch beinahe erschlagen, so sehr legte der Filmemacher Wert darauf, dass seine Bilder wirken - sie werden stylisch und düster wahrgenommen und sind der eigentliche Motor des Films, sie treiben voran und es entstand eine Sogwirkung, wenn man sich darauf einlässt.
Erzählt wird in diesen auserlesenen Setting, innerhalb dieser grandiosen Bildsprache die Geschichte einiger gestrandeter Existenzen in Thailand. Dorthin hat es die Brüder Julian (Ryan Gosling) und Billy Thompson (Tom Burke) verschlagen. Die beiden Amis betreiben in Bangkok einen Boxclub. Julian hat früher selbst gekämpft, heute betreut er junge Boxer. Darüberhinaus verdienen sich die ungleichen Brüder, die allerdings beide hochkrominell sind, am Drogenhandel. Billy ist der brutalere von beiden, er tötet im Rausch eine noch minderjährige Prostituierte und wird dann von der Polizei noch am Tatort gestellt. Doch statt der Festnahme gibt der leitende Lieutenant Chang (Vithaya Pansingarm) dem Vater des Mädchens die Möglichkeit Billy brutal zu ermorden. Damit beginnt eine nicht enden wollende Spirale der Gewalt und Rache. Denn Crystal (Kristin Scott Thomas) die Mutter der Brüder reist ein und will Blut sehen. Dabei ist es ihr egal, dass die Tat ihres Lieblingssohns erst diese Gewaltorgie möglich machte. Sie empfindet Julians Bemühungen zu soft und schickt selbst Killer, um den Vater der Prostituierten zu killen. Während Julian sich mit der Edelprostituierten Mai (Ratha Phongarn) beschäftigt, wird das Szenario immer mehr mit tödlicher Gewalt überzogen...

Nicholas Winding Refn hat einen Film ohne Identifikationsfiguren geschaffen. Der Zuschauer bleibt irgendwo auf Distanz zu den Figuren, aber er hat Mühe sich der Geschichte und der Bilder zu entziehen - die suggerieren etwas sehr intimes in diesem surrealen Panoptikum der Rache und der Obsessionen. Nur sehr bruchstückhaft kann man einige der Figuren deuten. Dabei ist die Figur des Julian vielleicht die zerissenste, denn hier deutet sich ein labiler Charakter an, der nicht glücklich ist mit seinem Dasein als Krimineller und der irgendwie seinen guten Kern entdeckt. Kristin Scott Thomas darf sich richtig austoben als Horrormutter und Vithaya Pansingarn scheint aus einem David Lynch Film entsprungen zu sein, soviel Böses und Hintergründiges steckt in seiner Figur des Karaoke singenden Bullen.
Hinter der künstlerisch gestalteten, fast abgehobenen Kulisse manifestiert sich immer mehr eine dreckige Fassade. Manche werden den Film vielleicht kritisieren, weil er auf den ersten Blick vielleicht zu prätentiös und selbstgefällig erscheint. Es lohnt sich aber ein Blick hinter die Kulissen der Geschichte. Für mich neben "Stoker" und "Königreich des Verbrechens" der beste Film des Kinojahres.


Bewertung: 9,5 von 10 Punkten. 

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