Montag, 22. Juni 2026

Sehnsucht nach Afrika










Regie: Jean-Jacques Annaud

Sieg durch Gesang...

Der schweizer Filmproduzent Arthur Cohn (1927 bis 2025) war sechsfacher Oscargewinner. Drei der Academy Awards gewann er für die Dokumentarfilme "Nur Himmel und Dreck", "American Dream" und "Ein Tag im September". Die drei anderen durfte er aufgrund des Sieges in der Kategorie des besten Auslandsfilms mit nach Hause nehmen: 1972 für den deSica Film "Der Garten der Finzi Contini", 1977 für Jean Jacques Annauds Film "Sehnsucht nach Afrika" und 1985 für "Gefährliche Züge" von Richard Dembo. "Sehnsucht nach Afrika", der von der Elfenbeinküste eingereicht wurde,  konkurrierte damals mit "Cousin/Cousine" (Frankreich), "Jakob der Lügner" (DDR), Sieben Schönheiten" (Italien) und Nights and Days (Polen) und siegte überraschend in der Kategorie für den besten fremdsprachigen Film. Der Film spielt im afrikanischen Kriegsschauplatz des Ersten Weltkriegs, während der französischen Invasion der deutschen Kolonie Kamerun. Er vertritt eine dezidiert antimilitaristische Position und zeichnet sich dadurch aus, dass er die französische Seite noch schärfer als die deutsche verspottet.Der Film beginnt 1915 in einem abgelegenen französischen Außenposten in der afrikanischen Kolonie Kamerun. Die französischen Kolonisten, eine kleine Gruppe von Siedlern, leben ein ruhiges und zurückgezogenes Leben, völlig ahnungslos vom tobenden Ersten Weltkrieg im fernen Europa. Ihr Hauptaugenmerk liegt darauf, ein komfortables und gemächliches Dasein zu führen.Eines Tages trifft ein französischer Soldat namens Gabriel Fouquet ( Jean Carmet) im Außenposten ein und bringt die Nachricht vom Krieg. Die Kolonisten, darunter der Plantagenbesitzer De Sorgue (Jean Dufilho), seine Frau Lucie (Catherine Rouvel) und andere schillernde Persönlichkeiten, nehmen die Nachricht zunächst nicht ernst, da sie sie für irrelevant für ihr Leben halten.Als ihnen die Realität des Krieges jedoch allmählich bewusst wird, beschließen die französischen Kolonisten, gegen die Deutschen, die Kolonialherren im benachbarten Togo, vorzugehen. Sie sehen darin eine Gelegenheit, ihren Patriotismus und ihre Loyalität zu Frankreich unter Beweis zu stellen. Die Kolonisten mobilisieren ihre Ressourcen und organisieren einen turbulenten und abenteuerlichen Feldzug gegen die Deutschen.Angeführt von De Sorgue und Sergeant Bosselet (Jacques Spiesser) begibt sich die bunte Truppe auf eine Reise durch die afrikanische Wildnis und stößt dabei auf diverse Hindernisse und Herausforderungen. Sie trotzen nicht nur den rauen Bedingungen der Natur, sondern erleben auch kulturelle Konflikte und Missverständnisse im Umgang mit afrikanischen Stämmen.Trotz ihrer unbeholfenen und amateurhaften Kriegsversuche gelingt es den französischen Kolonisten, den Deutschen einige Schwierigkeiten zu bereiten, was zu einer Reihe humorvoller und unerwarteter Situationen führt. Der Film nutzt Satire und Ironie, um die Sinnlosigkeit und Absurdität von Krieg und Kolonialismus zu verdeutlichen.Im Verlauf der Geschichte erkennen die Kolonisten allmählich das wahre Wesen des Krieges und die Komplexität des Kolonialsystems. Der Film stellt die Unschuld und Naivität der Kolonisten den harten Realitäten des Konflikts gegenüber und hinterfragt so ihre romantisierten Vorstellungen von Heldentum und Patriotismus. Zur Hauptfigur wird wider Willen der junge Student und Geograph Hubert Fresnoy (Jacques Spiesser), der sich nur zeitweilig für eine Art Praktikum in Afrika aufhält, aber vorbehaltlos auf die Eingeborenen zu geht und eher verächtlich auf seine Landsleute herab schaut. Dies verstärkt sich noch für den Pazifisten und Sozialisten als das Kriegsgeschrei los geht und man die völlig unbeteiligten Afrikaner als Kanonenfutter für einen Angriff auf die Deutschen missbraucht. Fresnoys Idee mit dem deutschen Hauptmann Kraft (Dieter Schidor) vor dem Angriff zu sprechen, scheitert an der Hartnäckigkeit der Kriegstreiber, zu denen leider auch zwei Padres (Peter Berling und Jacques Monnet) gehören....







Jean Jacques Annaud drehte später den Welterfolg "Am Anfang war das Feuer" und "Der Name der Rose", "Der Bär", "Der Liebhaber" und "Enemy of the Gates" - dennoch nannte er "Sehnsucht nach Afrika" als seinen persönlichsten Film. Es sei ihn darauf angekommen, den Missbrauch von Einheimischer darzustellen. Die Mechanismen über den Kolonialismus werden seiner possenhaften Farce schnell aufgedeckt. Die zweite Hälfte des Films beschäftigt sich auch damit wie sehr die Macht auch ihn verändert. Denn Fresnoy zeigt zunehmend arrogante und machtbewusste Züge, wenn er dabei auch stets zivilisiert bleibt. Er hat mittlerweile zwar auch eine einheimische Geliebte, behandelt sie aber mit Respekt und lässt sie gleichberechtigt als „Frau des Hauses“ auftreten.









Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen