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Samstag, 26. April 2025

Die Ermordung Matteottis


 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Florestano Vancini

Der Beginn der Diktatur...

"Die Ermordung Matteottis" (Italienisch: Il delitto Matteotti) wurde 1973 von Florestano Vancini inszeniert. Es geht um die Ereignisse, die zum tragischen Ende des Parlamentariers Giacomo Matteottis führten und damit auch zur Errichtung der Diktatur durch Benito Mussolini in Italien.  Er wurde beim 8. Internationalen Filmfestival Moskau mit dem Sonderpreis der Jury ausgezeichnet. Am 30. Mai 1924 forderte Giacomo Matteotti, Sekretär der Unitarischen Sozialistischen Partei, in einer mutigen und engagierten Rede in Rom die Annullierung der Wahlen vom 6. April 1924 und stellte deren Gültigkeit infrage. Der Politiker behauptet, die Regierungsmehrheitsliste habe zwar nur nominell über mehr als 4 Millionen Stimmen verfügt, diese aber nicht rechtmäßig und frei erhalten. Er behauptet, das Ergebnis sei aufgrund der von der Nationalfaschistischen Partei propagierten Vergeltungsmaßnahmen und Gewalt manipuliert worden. Seine Worte lösen sofort Reaktionen im Parlament, kurz darauf auch in Presse und Öffentlichkeit aus, und auch innerhalb der Regierung breitet sich die Angst vor Volksaufständen aus. Die mysteriöse Entführung des Abgeordneten lässt sich nicht verhindern. Die öffentliche Meinung ist erschüttert, und die politische Opposition verfestigt sich und beschließt, die Arbeit des Parlaments zu boykottieren. Es ist schwierig, Ermittlungen zur Rettung Matteottis einzuleiten, doch der Druck der Medien und der Öffentlichkeit zwingt Benito Mussolini zu Entscheidungen. Am 3. Januar 1925 hält der zukünftige Duce eine Rede vor der Kammer, die sich als der eigentliche Beginn seiner Diktatur herausstellen wird. Aber zuvor befiehlt der zukünftige Duce (Mario Adorf in einer Glanzrolle) einem seiner Auftragsmörder Amerigo Dumini ((Umberto Orsini) den sozialistischen Abgeordneten Matteotti (Franco Nero) zu töten. Dieser wird am 10. Juni vor seinem Haus entführt. Zwei Tage nach dem Verschwinden bitten die Familie und die Parlamentskollegen, vertreten durch den Abgeordneten Modigliani (Piero Gerlini), die Behörden um Informationen. Polizeikommissar Bertini (Jose Quaglio) liefert jedoch vage Erklärungen und weigert sich, eine formelle Untersuchung einzuleiten. Anschließend berichtet er General Emilio De Bono (Mario Maffei) von dem Besuch. De Bono, dem Kommandeur der Miliz und damaligen Polizeichef, berichtet der Kommissar, dass er Dumini und seine Bande verdächtige und es einen Augenzeugen gebe, ihm aber keine Hinweise für konkrete Maßnahmen vorlagen. Der von De Bono beruhigte Kommissar erfährt jedoch, dass der Zeuge der Presse bereits das Kennzeichen des Wagens mitgeteilt hat und dass dieser, obwohl noch nicht gefunden, identifiziert wurde und zu der Garage gehört, die die Tageszeitung Corriere Italiano, deren Chef Filippo Filippelli (Pietro Bondi) ist, üblicherweise nutzt. Mussolini befürchtet, dass die Verbindungen zwischen Dumini, Filippelli und Cesare Rossi (Cesare Barbetti), seinem Kollaborateur der ersten Stunde und Organisator der sogenannten Ceka, einer Geheimorganisation zur Bekämpfung von Regimegegnern, zu ihm führen könnten. Nachdem De Bono ihn über die Reaktionen der öffentlichen Meinung informiert hat, beginnt er zu handeln. Der erste Schritt ist eine Erklärung gegenüber der Kammer über die bereits begonnene Suche nach dem Vermissten. Diese überzeugt die Opposition jedoch nicht. Sie behauptet, Mussolini müsse persönlich für Matteottis Schicksal geradestehen, und plant trotz der internen Meinungsverschiedenheiten eine Enthaltung von der parlamentarischen Arbeit, wodurch die Wahlen delegitimiert werden. Diese Enthaltung wird jedoch umgehend von Mussolini neutralisiert, der die Schließung der Kammer auf unbestimmte Zeit erreicht. Gleichzeitig ordnet er die Verhaftung Duminis, den Rücktritt De Bonos als Polizeichef und die Absetzung Cesare Rossis an. Rossi, der befürchtet, zum Sündenbock gemacht zu werden, bedroht Mussolini und erinnert ihn daran, dass er alles wisse und seine Befürchtungen verstanden habe. Inzwischen wird das für die Entführung verwendete Fahrzeug gefunden, in dessen Inneren deutliche Spuren einer Auseinandersetzung, vermutlich gefolgt von einem Mord, zu erkennen sind. Schließlich werden Ermittlungen eingeleitet, die von Dr. Mauro Del Giudice (Vittorio de Sica), unterstützt von Umberto Tancredi (Renzo Montagnani) geleitet werden. Die Ermittlungen werden eingeleitet, während im ganzen Land Stimmen gegen das Regime laut werden. Zu ihnen zählen unter anderem Piero Gobetti (Stefano Oppedisano), ein junger Journalist aus Turin, der Mussolinis Aufmerksamkeit erregt und bald darauf angegriffen wird und stirbt...






Die Entdeckung von Matteottis Leiche, in einem Zustand, der die Feststellung der Todesursache unmöglich macht, löst erneute Empörung in der Bevölkerung aus, doch das Regime hält – erneut – stand. Unmittelbar danach übernimmt Mussolini die politische und moralische (aber nicht strafrechtliche) Verantwortung für das Geschehene und beantragte und erhielt vom König das Vorrecht, die Kammer aufzulösen. Danach wurde die Pressefreiheit unterdrückt, was der Diktatur Tür und Tor öffnete.  Ein glaubwürdiger und authentischer Politthriller, der Hintergründe aufdeckt und der mit dem Globo dóro ausgezeichnet wurde. Für einen Nichtkenner der italienischen Geschichte ist er etwas kompliziert, bleibt aber dennoch ein faszinierender Film. Die „Matteotti-Krise“ war ein Wendepunkt in der Politik Mussolinis. Hatte er vorher noch versucht, in einem gewissen Maß mit den parlamentarischen Institutionen zusammenzuarbeiten, setzte er danach auf eine konsequente Unterdrückung der Opposition, Einschränkung der Pressefreiheit und den Aufbau der Geheimpolizei









Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.  

 

Montag, 30. November 2020

Der Garten der Finzi Contini


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Vittorio de Sica

Ferrara 1938 bis 1943...

Regisseur Vittorio de Sica war bereits beinahe 70 Jahre alt als er "Der Garten der Finzi Contini" verfilmte. Der Film basiert auf dem Roman "Die Gärten der Finzi Contini" von Giorgio Bassani (1916 bis 2000), der 1962 veröffentlicht wurde und für den der Autor im gleichen Jahr den Premio Viareggio erhielt. Der Roman war sehr autobiographisch gefärbt und bündelte seine moralischen, intellektuellen und politischen Erfahrungen. Ebenso wird darin, bedingt durch die immer mehr menschenverachtenden Rassengesetze der faschistischen Regierung, der Zerfall des reichen jüdischen Bürgertums in der Stadt Ferrara beschrieben.
Die Verfilmung selbst wurde zu einem späten Triumph für Regisseur de Sica, der damit noch einmal sein großes Können unter Beweis stellte und noch einmal einen großen Klassiker schuf, der qualitativ in Augenhöhe mit seinen Meisterwerken "Fahrraddiebe", "Schuhputzer", "Wunder von Mailand" und "Umberto D." bestehen kann.
Für die wunderschönen Bilder war Kameramann Ennio Guarnieri verantwortlich, die Musik zum Film schrieb Manuel de Sica.
"Die Garten der Finzi Contini" hatte am 4. Dezember 1970 Kinopremiere und folgte dem damaligen Trend in Italien Kinofilme über den Faschismus zu drehen. In dieser Zeit entstanden weitere wichtige Filmwerke wie "Der Konformist" von Bertolucci und "Die Verdammten" von Luchino Visconti. Beim den Berliner Filmfestspielen wurde er mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet - bei der Oscarverleihung gewann de Sica in der Kategorie "Bester ausländischer Film".
Wer einen extrem dramatischen und spannenden Film erwartet, der wird sicherlich überrascht sein. Denn "Die Garten der Finzi Contini" ist ein sehr stiller, elegischer Film, der mit ruhiger Hand eine ganz bestimmte Atmosphäre schafft, die beinahe bis zum Schluß anhält. Erst am Schluß trifft dann mit voller Wucht das Ergebnis der jahrelang sich aufbauenden, immer strikeren Rassengesetze. Trotz aller Schönheit der Bilder ist "Der Garten der Finzi Contini" ein sehr trauriger Film. Vittorio de Sica hat diese Zeit wieder auferstehen lassen. Der Zuschauer fühlt sich mittendrin in diesen wunderschönen Gärten der reichen Familie Finzi Contini. Der wohlhabende Vater (Camillo Cesari) ist ein angesehener Literaturprofessor und gerät nach dem Siegeszug des Faschismus immer mehr unter Druck seine Gärten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Italiens Rassengesetze sind zwar noch nicht so drastisch wie im befreundeten Nazideutschland, aber immer weniger wird der vorher sehr angesehenen jüdischen Bevölkerung erlaubt. Immer weniger dürfen sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Um seinen beiden Kindern Micol (Dominique Sanda) und Alberto (Helmut Berger) die Möglichkeit zu geben sich auch mit ihren Freunden draußen zu treffen ist diese rieisige Gartenanlage geradezu optimal. Dort trifft Michol auch wieder auf den etwa gleichaltrigen Giorgio (Lino Capoliccio), ebenfalls jüdisch, aber aus bürgerlichem und nicht privilegiertem Haus. Die beiden haben sich im Alter von 12 Jahren kennengelernt und himmelten sich damals gegenseitig an. Nun sind sie beinahe erwachsen und besonders bei Giorgio flammt für Micol eine große Leidenschaft auf. Beinahe sieht es so aus als könnte daraus die große Liebe entstehen, doch Micol gibt ihrem Verehrer einen Korb und beginnt stattdessen mit Albertos Kommilitonen Bruno Malnate (Fabio Testi) eine Affäre. Giorgio entdeckt dies und ist von großem Liebeskummer geplagt. Seinem Vater (Romolo Valli) gelingt es ihn etwas zu trösten. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Die jüdische Gemeinde muss die Stadt verlassen, sie werden deportiert - keiner weiß, wohin die Reise gehen wird...





Aber diese Szene zeigt eindrücklich, dass nun sämtliches menschliches Mitleid abgelegt wurde. Von Ordnungshütern der Stadt und vom Militär werden die Menschen, die ihre letzten Habseligkeiten dabei haben, in ein Gebäude gedrängt, es wird schon dort keine Rücksicht mehr genommen wer zu wem gehört. Micol und ihre betagte Großmutter, gespielt von Inna Alexaiewna, werden vom Rest der Famlie getrennt und werden in einen anderen Raum geführt, in dem ebenfalls Dutzende von Menschen verharren, die auf unbekannte Reise und in eine wenig erfreuliche Zukunft geschickt werden. Dort treffen sie auf Giorgios Vater, der ebenfalls deportiert wird, aber Micol erzählt, dass Giorgio die Flucht aus Italien gelungen ist. Diese Bilder treffen den Zuschauer wie ein Vorschlaghammer.
Für mich gehört de Sicas Film zu den besten Filmen der frühen 70er Jahre. Dadurch, dass der Hauptpart die Geschichte der Jugendlichen darstellt und die politischen Veränderungen ganz beiläufig mit ablaufen, vermittelt "Die Garten der Finzi Contini" die größte Glaubwürdigkeit.






Bewertung: 10 von 10 Punkten.