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Samstag, 26. April 2025

No Man´s Land


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Danis Tanovic

Feinde - gmeinsam im Niemandsland...

"No Man´s Land " ist ein Film des bosnischen Schriftstellers und Regisseurs Danis Tanovic, der im Jahr 2002 einen Oscar als bester fremdsprachiger Film gewann und der es in sich hat. Die Kriegssatire beschreibt das Schicksal eines serbischen und zweier bosnischer Soldaten, die in einem Schützengraben im Niemandsland gefangen sind, weil von beiden Seiten unter Beschuß steht und thematisiert auch die Rolle von Friedenstruppen in diesem Kriegsgebiet sowie die Auswüchse von Berichterstattungen. Durch Letzteres wird man an Billy Wilders Meisterwerk "Reporter des Satans" mit Kirk Douglas erinnert.  Während des Bosnienkrieges geraten zwei verwundete Soldaten, ein Bosniake namens Čiki  (Branco Duric)und ein bosnischer Serbe namens Nino (Rene Bitorajac), im Niemandsland zwischen ihre Fronten. Die beiden Soldaten stehen sich in einem Schützengraben gegenüber und warten auf die Dunkelheit. Nach anfänglichen Beleidigungen finden sie schließlich zu einer gemeinsamen Basis. Erschwerend kommt hinzu, dass ein weiterer verwundeter bosniakischer Soldat namens Cera (Filip Sovagovic) aus der Bewusstlosigkeit erwacht. Die bosnischen Serben haben unter ihm eine Landmine vergraben; sollte er sich bewegen, würde sie explodieren. Ein französischer Sergeant namens Marchand (Georges Siatides) von der UN-Schutztruppe (UNPROFOR) greift trotz anfänglicher gegenteiliger Anweisungen des Oberkommandos in die Hilfe für die drei eingeschlossenen Soldaten ein. Die Mission der UNPROFOR in Bosnien besteht darin, humanitäre Hilfskonvois zu bewachen, neutral zu bleiben und als Zuschauer zu agieren. Glücklicherweise trifft eine britische Reporterin (Katrin Cartlidge) am Ort des Geschehens ein und übt medialen Druck aus, der das UN-Oberkommando dazu veranlasst, einzuschreiten und die Soldaten zu retten. Ein Streit zwischen den gestressten und erschöpften Čiki und Nino eskaliert selbst nach ihrer Rettung allmählich. Schließlich erschießt Čiki Nino und wird selbst von einem UN-Friedenstruppen angeschossen. Inzwischen stellt sich heraus, dass die Mine unter Cera nicht entschärft werden kann. Das UN-Oberkommando versucht, sein Gesicht zu wahren; es lügt, Cera sei gerettet, und verlässt das Gebiet zusammen mit den Reportern und allen anderen. In Wirklichkeit bleibt Cera allein und verlassen in den Schützengräben zurück, immer noch durch die Mine bewegungsunfähig - er ist sozusagen ein toter Mann. Inzwischen hat der UN-Kommandeur die Weitergabe falscher Informationen an bosnische und serbische Streitkräfte veranlasst, um sie glauben zu machen, ihre Feinde würden versuchen, den Schützengraben nachts wieder zu besetzen, was beide Seiten mit Artilleriefeuer kontern würden, das vermutlich Cera töten und die Beweise vernichten würde...










Der Film hat eine sehr intensive Wirkung und zeigt eindrücklich die Absurdität des Krieges. Bei einem Budget von ca. 2 Millionen Dollar spielte der Film nicht ganz 5 Millionen ein, was als kommerzieller Erfolg galt. Neben dem Oscar wurde er auch mit dem Golden Globe prämiert. Bei der Vergabe des europäischen Filmpreises gabs den Preis fürs beste Drehbuch (Danis Tanovic) sowie eine Nominierung für Branco Duric als bester Darsteller. Das Filmfestival in Cannes prämierte ebenfalls das Drehbuch und ausserdem gabs noch den Cesar als bestes Erstlingswerk. Durch seine schonungslose Machart ist der Film einer der besten des Jahres 2001. 











Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Papa ist auf Dienstreise



Regie: Emir Kusturica

 Umerziehung eines Staatsfeindes...

Die Filme des in Sarajewo geborenen Regisseurs Emir Kusturica sind sehr oft politischer Natur und werden daher schon seit den 80er Jahren vielfach kontrovers diskutiert. Vor dem Balkankrieg vor allem in Yugoslawien selbst. 1984 drehte er den international sehr beachteten Film "Papa ist auf Dienstreise" - die Geschichte handelt vom plötzlichen Verschwinden einen politisch unliebsamen Bürgers und Familienvater. Im Land wurde von solchen Handlungsweisen der sozialistischen Partei natürlich nicht gesprochen, es hieß dann meistens, dass jemand auf Dienstreise ist. Die kann natürlich auch mal länger ausfallen, wie in Kusturicas Film.  Das Drehbuch schrieb der Dramatiker Abdulah Sidran. Der Untertitel lautet "Ein historischer Liebesfilm“. Produziert wurde der Film von Centar Film und Forum, zwei Produktionsfirmen mit Sitz in Sarajevo. Der Film spielt im Jugoslawien der Nachkriegszeit, so um 1950, während der Informbiro-Ära und erzählt die Geschichte aus der Perspektive des Jungen Malik (Moreno D´E`Bartolli), dessen Vater Meša (Miki Manojlović) in ein Arbeitslager geschickt wurde. Der Film gewann 1985 die Goldene Palme bei den Filmfestspielen von Cannes und wurde 1986 für den Oscar für den besten fremdsprachigen Film nominiert. Er verlor jedoch gegen den argentinischen Beitrag "Eine offizielle Geschichte" von Luis Puenzo.  Der Film fängt zunächst sehr heiter an: Im Juni 1950 bringt der betrunkene Čika Franjo (Predrak Lakovic) aus der Nachbarschaft Feldarbeitern ein Ständchen. Aus Selbsterhaltungstrieb singt er mexikanische Lieder, da er es im vorherrschenden Klima des Kalten Krieges für sicherer hält, Lieder der beiden dominierenden Supermächte – der USA und der Sowjetunion – zu meiden. Jugoslawien erlebt seit dem Tito-Stalin-Abschnitt einen paranoiden und repressiven internen Apparat, der versucht, Staatsfeinde zu identifizieren und zu beseitigen. Die Kinder aus der Nachbarschaft, darunter auch Malik, klettern auf Bäume und spielen herum. Maliks Mutter Sena (Mirjana Karanovic) erzählt ihm, sein Vater sei auf Geschäftsreise. Malik ist ein chronischer Schlafwandler, mit seinem etwas älteren Bruder Mirza (Davor Dujmovic) hat er meistens ein sehr inniges Verhältnis . Sein Vater, der kommunistische Funktionär Meša, wird tatsächlich von seinem eigenen Schwager, Senas Bruder Zijo (Mustafa Nadarezic), einem noch höherrangigen kommunistischen Funktionär, in ein Arbeitslager geschickt. Grund ist weit weniger politisch, denn der Schwager, der die schöne Ankica (Mira Furlan) begehrt, hat herausgefunden, dass Mehmed  Mesamit der attraktiven Frau ein aussereheliches Verhältnis hat. Wütend vor Eifersucht denunziert er seinen Schwager. Meša hatte in der Zeitung "Politika“ eine Bemerkung über eine politische Karikatur zum Tito-Stalin-Spaltungskrieg gemacht. Dort wird er für einige Zeit umerzogen, damit er für die Partei wieder ein wertvolles Mitglied ist. Nach einiger Zeit darf er auch Besuch bekommen, in dem Bergwerk, wo er die Haft verbüßt und später darf er auch Besuch bekommen. Nach der Entlassung muss er bei dem Aufbau eines Wasserkraftwerkes mithelfen...natürlich an einem Ort, eher abseits einer größeren Stadt.  Mešas Frau und Kinder ziehen zu ihrem Vater . Malik lernt Maša (Sylvia Puharic), die Tochter eines russischen Arztes (Aleksandar Dorčev), kennen und der kleine Knirps verliebt sich in sie. Er sieht sie jedoch zum letzten Mal, als sie ein Krankenwagen abholt. Auf der Hochzeit seines Onkels mütterlicherseits, Fahro, wird Malik Zeuge der Affäre seines Vaters mit einer Pilotin. Später versucht sie, sich mit der Spülschnur einer Toilette das Leben zu nehmen. Sena versöhnt sich mit ihrem Bruder Zijah, bei dem Diabetes diagnostiziert wurde...








Die Geschichte wird aus der Perspektive des sechsjährigen Jungen erzählt. Ausser der begehrten Oscar Nomnierung wurde der Film mit der Goldenen Palme von Cannes ausgezeichnet. Neben der politischen und zeitkritischen Kompomenten fällt vor allem eine Poesie auf, die ein bisschen an Francois Truffaut erinnert. 







Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 
 

Samstag, 17. August 2024

Schwarze Katze, weißer Kater



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie:: Emir Kusturica

Die Balkanhochzeit...

Emir Kusturica wurde 1954 in Sarajewo geboren und ist der bekannteste Regisseur aus Bosnien-Herzegowina. 1986 wurde sein Film "Papa ist auf Dienstreise" in der Kategorie "Bester Auslandsfilm" sowohl für den Golden Globe als auch für den Oscar nomininiert. Auch "Time of the Gypsies", "Arizona Dream", "Underground" und "Schwarze Katze, weißer Kater" wurden international bekannt und erhielten sehr gute Kritiken. Für "Underground" erhielt er sogar die Goldene Palme von Cannes. Der Nachfolgefilm "Schwarze Katze, weißer Kater" wurde bei den internationalen Filmfestspielen in Venedig mit dem Regiepreis ausgezeichnet. Es ist eine Hommage an die Sinti Kultur und sehr schnell zieht die absurde und chaotischen Story den Zuschauer in seinen Bann, die kraftstrotzende und schwarzhumorige Geschichte über einen Hochzeit, die völlig aus dem Ruder läuft, erzählt von Matko Destanov (Bajram Severdzan), einem kleinen Roma Schmüggler und Geschäftemacher und seinem 17jährigen Sohn Zare (Florijan Ajdini), die in einem baufälligen Haus an der Donau in Ostserbien - nahe der bulgarischen Grenze - leben. Er hat einen waghalsigen Plan vor, denn er möchte einen ganzen Zug mit geschmuggeltem Treibstoff stehlen. Allerdings fehlt ihm dafür das nötige Kleingeld - daher muss er Geld  für seinen Coup zu erhalten um bittet er den Gangster Grca Pitic (Sabri Sulejmani) um das notwendige Kapital. Da Matkos Vater Zarije (Zabit Memdedov) zweimal  das Leben von Grca gerettet hat, geht dieser auf den Deal. Er schenkt Matko sogar das Geld, dieser muss ihm lediglich Bericht erstatten wie das Geschäft gelaufen ist.
Matko plant die Einzelheiten des Auftrags mit einem Verbündeten namens Dadan (Srdan Todorovic), einem reichen, lebenslustigen, drogenschnupfenden Gangster, der einen Harem mit sich führt, mit Granaten jongliert und beim Glücksspiel betrügt. Dadan führt ihn aber hinters Licht und vermasselt den Deal, indem er Matko ein mit Drogen versetztes Getränk gibt und den Auftrag selbst ausführt, während Matko bewusstlos ist. Matko kann seinen Kredit nicht zurückzahlen, also macht Dadan einen Deal, bei dem er ihm die Schulden erlässt, wenn Matkos attraktiver Sohn Zane die kleinwüchsige Afrodita (Salija Ibraimova), Dadans Schwester, heiratet. Zare ist jedoch in Ida (Branca Katic) verliebt, eine Bardame, die in einem Lokal arbeitet, das von ihrer Roma-Großmutter Sujka (Ljubica Adsovic) geführt wird Auch Afrodita will nicht mit einem Mann verheiratet werden, den sie nicht liebt und wartet auf den Mann ihrer Träume. Dadan zwingt jedoch Afrodita zur Heirat, indem er sie in einen Brunnen taucht, während Zare von dem Plan, sie zu verheiraten, zum ersten Mal von seinem Schwarm Ida erfährt, die Dadans und Matkos Pläne in dem Restaurant, in dem sie arbeitet, belauscht hat. In der Zwischenzeit holt Zare seine Großvater Zarije mit Hilfe einer Zigeunerband aus dem Krankenhaus, in dem er festgehalten wird. Grga Pitić hat seine eigenen Probleme, da er möchte, dass seine Enkel, darunter der 2,00 m große Riese Grga Veliki (Jaspar Destani), heiraten. Die beiden, die zwangsverheiratet werden soll, ertragen widerstrebend die Hochzeitszeremonie in Matkos Haus, die Dadan trotz des plötzlichen scheinbaren Todes von Zarije nicht verschieben will. Sie sollten eigentlich nicht heiraten, während sie trauern, aber Dadan beschließt, die Todesnachricht zu verschieben, also verstecken Matko und Zarije Zarijes Leiche auf dem Dachbode -  in Eis gepackt. Ida und Sujka sorgen für das Catering bei der Hochzeit  und natürlich ist Ida bestürzt, ihren Geliebten mit einer anderen verheiratet zu sehen. Ganz klar, dass dieses Hochzeitsfest noch völlig aus dem Ruder laufen wird...









Diese chaotische Hochzeit ist aber auch eine wilde, schonungslose Feier des Lebens dieser Menschen. Wie Federico Fellini findet Kusturica in dieser Umgebung Anmut und Schönheit. Die Liebesszenen sind sehr schön gestaltet - ein Loblied auf Liebe, Freiheit und Freundschaft. Auch wenn die Oberfläche noch so laut und schrill aussehen mag. Es ist mit "Schwarze Katze, weißer Kater" ein sehr erdiger, dynamischer Film entstanden, der nie sicheren und bequemen Mustern folgt, sondern neu, fital und erfrischend wirkt. Die Feinheiten der Sinti und Roma Kultur werden hier auf sehr positive Weise festgehalten.









 
Bewertung: 10 von 10 Punkten.