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Samstag, 8. Dezember 2012

72 Stunden - The Next Three Days



Regie: Paul Haggis

Die Liebe zur Familie...

Wie weit würdest Du für das Glück deiner Familie gehen ?
Diese Frage stellt sich John Brennan (Russell Crowe), ein Mann Mitte Vierzig, glücklich verheiratet mit Lara (Elizabeth Banks), beide haben einen kleinen Sohn (Tye Simpkins).
Brennan ist angesehener Hochschuldozent im College von Pittsburgh, doch wie aus dem Nichts taucht ohne Vorwarnung das Unglück über die Familie herein.
Lara wird in der gemeinsamen Wohnung verhaftet, sie soll ihre Chefin in Parkhaus ermordet haben. Indizien gibts zuhauf. Die beiden hatten vorher einen fürchterlichen Streit, Blut an Laras Mantel. Noch dazu will man sie zur gleichen Zeit als die Chefin mit dem Feuerlöscher getötet wurde, im Parkhaus gesehen haben.
3 Jahre später: Lara sitzt verurteilt im Gefängnis und auch die Revision hatte Null Erfolg.
Aus Verzweiflung begeht die Frau, die lebenslänglich im Knast bleiben soll, ohne Aussicht jemals wieder ein normales Familienleben mit Mann und Sohn zu führen, einen Selbstmordversuch.
Danach wird auch Brennan aktiv, von einem Ausbrecher (Liam Neeson) kauft er sich gute Tipps.
Der Ausbrecherkönig sieht die Priorität in gefälschten Reisepässen für Ihn, für Sie, für das Kind. Dazu Sozialversicherungsnummern und Führerschein. Ausserdem muss man nach erfolgreichem Ausbruch den inneren Kreis der Stadt nach 15 Minuten überschritten haben, die Peripherie nach 35 Minuten. Pittsburgh besitzt wie alle anderen großen Städte Amerikas für die Terrorabwehr nach Anschlägen Abriegelungspläne, die alle Ausfallstraßen, Bahnhöfe und Flughäfen unpassierbar machen.
Der Tag des Ausbruchs naht...

"72 Stunden – The Next Three Days" ist ein Suspense-Thriller von Drehbuchautor und Regisseur Paul Haggis. Der Film ist ein Remake des französischen Thrillers "Pour Elle".
Ein interessanter Ansatz - auch für das Remake, das recht routiniert verfilmt wurde und mit Russell Crowe natürlich einen guten glaubwürdigen Darsteller präsentiert für den Mann, der aufs Ganze gehen will und der bereit ist das Äusserste zu wagen und völlig neu im Ausland anfangen will.
Ein Film über die Kraft des menschlichen Willens sozusagen.
Ingesamt hat mich der solide Streifen allerdings nie richtig gepackt, trotz der guten Unterhaltung, die er über weite Strecken bietet.

Bewertung: 5 von 10 Punkten.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

L.A. Crash


Regie: Paul Haggis

Paul Haggis wurde bereits 2004 mit seinem Drehbuch zu "Million Dollar Baby" für einen Oscar nominiert. Bereits ein Jahr später gewann der den begehrtesten Filmpreis der Welt. Er wurde ausgezeichnet für das beste Originaldrehbuch zu seinem Regiedebüt "L. A. Crash" (heißt im Original einfach "Crash"). Der Film wurde mit zwei weiteren Academy Awards ausgezeichnet, einmal für den Hauptpreis "Bester Film" und für den besten Filmschnitt. Damit warf er als Überraschungssieger den großen Favoriten "Brokeback Mountain" aus dem Rennen.
Haggis war 35 Jahre lange Mitglied von Scientology und hatte sogar die höchste Stufe der Organisation "Operating Theatan VII" erreicht, beendete aber im Jahr 2009 seine Mitgliedschaft. Grund war die negative Haltung der Gemeinschaft gegenüber Homosexuellen und Lesben. In "Crash" spürt man diesen damaligen Einfluß ein bisschen. "Crash" selbst hatte zwar gute Kritiken, doch mit seinem Gewinn verstärkte sich die Kritik an dem Oscarsieger. Einige sprachen vom schlechtesten Oscarsieger aller Zeiten, sie empfanden den Film zu klischeehaft und melodramatisch. Tatsächlich spielt Haggis mit vorhandenen Klischees und treibt die auch stellenweise auf die Spitze und das Ende, wenn Anthony (Chris Bridges) die kambodschanischen Flüchtlinge in die Freiheit setzt und diese Menschen mit Erstaunen den Reichtum von Los Angeles wahrnehmen, ist tatsächlich zu übertrieben.
Ich habe den Film bisher dreimal angesehen und jedes Mal hatte ich wieder einen anderen Gesamteindruck. Bei ersten Mal fand ich dieses Zusammenfügen der einzelnen Episoden sehr geglückt, war sehr angetan und ordete "Crash" in die Nähe von Altmans "Short Cuts" ein. Beim zweiten Mal war ich erschrocken, wie schwach ich den Film diesmal fand und nun nach dem dritten Mal tendiere ich zur Mitte: Es gibt sehr viel Licht, aber auch etwas Schatten.
 Die Handlung spielt in der 12,8 Millionen Einwohner-Metropole und zeigt im Verlauf seiner Handlung ein paar Autocrashs, aber auch menschliche Begegnungen, die man durchaus als "Crash" bezeichnen darf. So wird auf die Distanz und auf die Nähe der Menschen untereinander Bezug genommen.
So wird der Bezirksstaatsanwalt Cabot (Brendan Fraser) in Begleitung seiner Frau Jean (Sandra Bullock) von zwei Afroamerikanern (Chris Bridges sowie Larenz Tate als Peter) auf belegter Straße überfallen. Das Auto wird den Opfern gestohlen und mit diesem Wagen gehts unglücklich weiter, denn aus Versehen überfahren die beiden Deliquenten einen koreanischen Passanten.
Auch L.A. beheimatet verschiedendste Nationen. Der Ladenbesitzer Farhad (Shaun Toub) stammt aus Persien, spricht nur sehr schlecht englisch und kauft sich eine Waffe, weil der Laden schon oft überfallen wurde. Daniel (Michael Pena) ist der Mann, der sein Schloß repariert, doch der merkt, dass die ganze Tür ausgewechselt werden muss. Darauf geht der äusserst verärgerte Farhad überhaupt nicht ein, wütend trennen sich die Männer, ohne das Farhad die Dienste des Schlüsseldienst bezahlt.
Auch die Polizei hat in der Großstadt sehr viel zu tun. Detective Graham Waters (Don Cheadle) und seine aus Mexiko stammende Kollegin Ria (Jennifer Esposito) sind gerade dabei einen Auffahrunfall aufzunehmen. Der Streifenpolizist Ryan (Matt Dillon) macht mit seinem jungen Kollegen Hansen (Ryan Philippe) Streifendienst. Aus Frust wegen seinem kranken Vater wird die nächste Verkehrskontrolle, die Ryan macht, zum Desaster für die Insassen eines Wagens, der zunächst ausgesehen hat wie der gestohlene Wagen des Bezirksstaatsanwalts. Der dunkelhäutige Regisseur Cameron (Terrence Howard) und seine etwas angetrunkene attraktive Frau Christine (Thandie Newton) müssen übelste Schikanen des weißen Polizisten über sich ergehen lassen, der die Frau bei seiner Durchsuchung unverholen sexuelle belästigt. Sein Kollege ist angewidert, lässt es aber geschehen. Am nächsten Tag erzählt er dies seinem dunkelhäutigen Vorgesetzten, der ihm rät, die Sache nicht aufzubauschen sondern einen driftigen privaten Grund vorschieben soll, damit er alleine auf Streife fahren kann...





Im Laufe der Geschichte brechen Aggressionen und Gewalt immer mehr durch, aufgrund der verschiedenen Kollisionen von Mensch zu Mensch. Es gibt Autojagden zwischen Polizei und Verdächtigen sowie ein Autounfall, bei dem einer der Wagen in Flammen aufgeht. Daniels kleine Tochter Lara (Ashlyn Sanchez) entgeht einer Pistolenkugel nur knapp - ein magischer Schutzanzug spielt in dieser Sequenz eine wichtige Rolle und der junge Hansen nimmt einen schwarzen Passanten (einer der Autodiebe) per Anhalter mit. Trotz gutem Willen beiderseits eskaliert die Situation im Wagen und es fällt dann tatsächlich ein tödlicher Schuß.
Später findet Graham Waters, der diesen Unfall untersucht, eine Madonna auf dem Boden. Es ist die Madonna seines Bruders Peter, der mit seinem Freund Anthony immer mehr ins kriminelle Milieu abdriftete.
Insgesamt wirkt "Crash" sehr bedrückend und nur bedingt hoffnungslos. Er zeigt aber sowohl die stärken als auch die Schwächer der Protagonisten und da sie "gut" genauso gut könnten wie "schlecht" gibts noch Hoffnung in der Metropole, wo es dauernd crasht und das reinste Chaos herrscht. Man möchte zwar meinen in einer Millionenmetropole wird man sich nie mehr finden, wenn man sich verliert, doch hier herrscht das Motto "man trifft sich immer zweimal" und so ist das Geflecht an Menschen, die Haggis hier skizziert, beinahe magisch miteinander verwoben, denn sie begegnen sich manchmal erneut. Es wird viel über Rassismus gezeigt, doch Sandra Bullock als Jean sagt noch einen bedeutenden Satz "ich glaube ich fühle mich nicht schlecht wegen dieses Überfalls, es muss noch was anderes sein". Eine Andeutung über die Unzufriedenheit unserer Zeit.




Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Im Tal von Elah


























Regie: Paul Haggis

Unangenehme Wahrheiten

Kriegsveteran und Patriot Hank Deerfield (Tommy Lee Jones) erzählt dem kleinen Sohn der Polizistin Emily Sanders (Charlize Theron) die biblische Geschichte vom kleinen, mutigen David gegen den übermächtigen Goliath, eine Geschichte, die sich im Land von Elah abgespielt hat.
Deerfields eigener Sohn wird vermisst. Mike, der erst vor kurzem von einem Irak-Einsatz in die USA zurückkam, kehrte von einem Ausgang nicht mehr in seinen Stützpunkt zurück und als einige Zeit später seine verstümmelte, in kleine Teile zerlegte und völlig verkohlte Leiche, die ausserdem 42 Messerstiche aufweist, gefunden wird, kreuzen sich die Wege der Ermittlerin und des trauernden und nach Antworten suchenden Vater.
Mögliche Spuren gibt es einige, Drogendeal könnte ein wichtiger Anhaltspunkt sein - zumindest führen einige Spuren ins Drogen- und Rotlichtmilieu. Die Kameraden des toten Mike schweigen, haben sie Angst ? Deerfield hat als einzigen Anhaltspunkt und Trost Mikes Mobiltelefon als möglichen Wahrheitsbringer, das digitale Durcheinander zeigt aber nur Bilder aus der jünngsten Zeit im Irak. Die im Kriegsgebiet stationierten GIs als Art Handyreporter, die mit ihren Erinnerungsschnappschüssen gegebenenfalls die heroische Propaganda eines geschönten Krieges unterwandern, denn die Amateuraufnahmen vor Ort, in ziemlich schlechter Qualität zeigt auch verbrannte Leichen, dazu krakeelende Gesichter zwischen abgetrennten Händen. Wie soll das zusammenpassen ?

Paul Haggis hat einen Film gedreht, der sich einem hochaktuellen und sehr präsenten Thema annimmt, ein perfektes "Up to date" sozusagen. Vordergründig läuft eine lange Zeit ein Kriminalfilm im Militärmilieu ganz in der Tradition von "Frage der Ehre" ab, jedoch wird das "Whodunit" Puzzle langsam und subtil zur grossen Tragödie einzelner Menschen dieser Geschichte, die am Ende völlig machtlos im Gehorsam der Autorität ausgeliefert sind. Ist Goliath doch stärker als David ? Ein engagierter Film, der versucht den jüngsten Erschütterungen der amerikanischen Nation Ausdruck zu verleihen und dies glücklicherweise nicht moralisch sondern sehr menschlich bewegend tut.
Dass dies ausserordentlich nachhaltig funktioniert, ist der beeindruckenden Darstellerleistung von Tommy Lee Jones zu verdanken.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.