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Samstag, 22. Juli 2023

Falling Down


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Joel Schumacher

Ein Tag zum Durchdrehen...

Der zweifache Oscarsieger Michael Douglas (1976 als Produzent für "Einer flog übers Kuckucksnest" und 1988 für seine Rolle in "Wall Street") spielte 1996 in Joel Schumachers Film "Falling Down" eine Person, die nach diversen privaten und geschäftlichen Rückschlägen immer mehr zu einer zornigen und gewaltbereiten Zeitbombe wird. Dabei hat sich sein angepassten und bürgerliches Leben keine Sicherheit mehr vorzweisen, die Zeit ist also reif für einen Amoklauf an diesem sonnigen, recht schwülen Sommertag in Los Angeles. Dieser Mann heißt William "D-Fence" Foster und man kann sich sehr leicht mit dem inzwischen arbeitslosen Raketenforscher identifizieren, denn jeder von uns hat diese Gedanken schon geäussert, die Mr. Foster während seines aggressiven Spaziergangs von 110 Freeway nach Venice Beach so in den Sinn kommen. Sozusagen eine bittere Bestandsaufnahme unserer heutigen Gesellschaft. Einerseits hat er ja recht bei allem was er so denkt, aber von einem Helden ist der Mann weit entfernt. Er wird an diesem Tag immer mehr zum unberechenbaren Schurken und er geht auch zum Äussersten und vor allem über Leichen.
Eine der besten Leistungen, die Michael Douglas je zeigte - seine Darstellung ist unheimlich fesselnd in diesem Film von Joel Schumacher (Flatliners, Lost Boys, Tigerland, 8mm, Der Klient, Die Jury).
Douglas gelingt es seine Filmfigur weder zu heiligen noch zu dämonisieren, das macht auch die Spannung der Geschichte aus. Am Ende fragt er "Bin ich wirklich der Bösewicht ?"....und ja er fragt dies möglicherweise zu Recht, nach den Ereignissen des gesamten Tages. Der Film spielte 96 Millionen Dollar und war damals seiner Zeit weit voraus. Heute nach mehr als 25 Jahren ist erkennbar wie treffend seine Analyse über unser heutiges Leben und unsere heutige Gesellschaft ist.
William Foster (Michael Douglas) steckt an einem heißen Tag im Verkehr fest. Als auch noch seine Klimaanlage ausfällt und er den Lärm und die Abgase um sich herum nicht mehr erträgt, lässt er sein Auto einfach stehen und läuft mit seiner Aktentasche quer durch Los Angeles nach Hause.
In einem Lebensmittelladen weigert sich der koreanische Besitzer, Wechselgeld für einen Telefonanruf herauszugeben - nur dann, wenn er auch etwas kauft. Foster beginnt, über die hohen Preise zu schimpfen. Der Besitzer ergreift einen Baseballschläger und verlangt, dass Foster geht. Foster nimmt den Schläger und zerstört einen Großteil der Waren, bevor er geht. Später, als er sich auf einem Hügel ausruht, wird er von zwei Bandenmitgliedern angesprochen, die ihn mit einem Messer bedrohen und seine Aktentasche fordern. Foster greift sie mit dem Schläger an und nimmt ihnen das Messer ab.
Die Bandenmitglieder, die inzwischen mit zwei Freunden in einem Auto unterwegs sind, suchen und finden Foster über ein Münztelefon. Sie eröffnen das Feuer im Vorbeifahren und treffen mehrere Passanten, aber nicht Foster. Der Fahrer verunglückt. Bei dem Zusammenstoß werden drei der Bandenmitglieder, darunter der Fahrer, getötet und einer schwer verletzt. Foster hebt eine der Waffen der Bande auf, schießt dem überlebenden Bandenmitglied ins Bein und verschwindet dann mit der Waffentasche der Bande. Foster trifft auf einen aggressiven Bettler und gibt ihm schließlich die Aktentasche, die nur Fosters Mittagessen enthält.
In einem Fast-Food-Restaurant versucht Foster, ein Frühstück zu bestellen, aber es ist eine Minute zu spät fürs Frühstück und man hat auf die Mittagskarte umgestellt. Nach einem Streit mit dem Manager zieht Foster eine Waffe und schießt versehentlich in die Decke. Nachdem er versucht hat, die verängstigten Angestellten und Kunden zu beruhigen, bestellt er das Mittagessen, ist aber verärgert, als der Burger nicht so aussieht wie auf der Speisekarte. Er verlässt den Laden, versucht von einer Telefonzelle aus zu telefonieren und schießt die Zelle in Stücke, nachdem er von einer Person bedrängt wurde, die darauf wartete, das Telefon zu benutzen. Nachdem Foster erneut "zu Hause" anruft und seiner geschiedenen Frau Beth (Barbara Hershey) mitteilt, dass er die Geburtstagsparty seiner Tochter Adele besuchen will, verständigt diese die Polizei, weil sie eine einstweilige Verfügung gegen ihn erwirkt hat.
Sergeant Martin Prendergast (Robert Duvall), der an seinem letzten Tag vor der Pensionierung steht, besteht darauf, den Fall zu untersuchen, obwohl seine ängstliche und hysterische Frau (Tuesday Weld) ihn beinahe zwingt so schnell wie möglich nach Hause zu kommen. Die Befragung von Zeugen führt Prendergast zu dem Verdacht, dass ein und dieselbe Person für alle Vorfälle, die nun langsam im Revier gemeldet werden, verantwortlich ist. Währenddessen ist Foster nach wie vor entschlossen bei der Geburtstagsparty seiner Tochter aufzutauchen....





Der Film endet tragisch und hinterlässt den Zuschauer mit dem Eindruck, dass er einem bösen Psychogramm beigewohnt hat. Bei einigen Szenen bleibt das Lachen im Hals stecken. So etwa in der Szene als ein kleiner dunkelhäutiger Junge Foster zeigt man einen Granatwerfer benutzt. Ansonsten ein Fußmarsch durch Los Angeles, der es in sich hat und der leider bei der Oscarvergabe komplett ignoriert wurde.







Bewertung: 9 von 10 Punkten.. 

Donnerstag, 8. Juli 2021

Die Jury


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Regie: Joel Schumacher

Selbstjustiz...

Beim Publikum gilt "Die Jury" von Joel Schumacher als einer der besten Grisham Verfilmungen. Das Budget war 40 Millionen Dollar hoch, das weltweite Kassenergebnis fiel mit 152 Millionen Dollar beträchtlich aus. Auch Kritikerpapst Roger Ebert fand den Film sehr gelungen und die schauspielerischen Darbietungen sehr stark und überzeugend. Dem kann ich zwar anschließen, allerdings mag ich den Film nicht besonders. Vielleicht liegt es an der Thematik, jedenfalls hinterlässt der Film bei mir einen leichten negativen Beigeschmack. Vordergründig geht es in diesem Südstaaten-Justizthriller um den Rassenkonflikt, aber mehr und mehr entwickelt sich daraus eine Legitimation für Selbstjustiz. Ähnlich irritierend fand ich auch Alan Parkers Justizkrimi "Das Leben des David Gale", den ich aber noch misslungener finde wie Schumachers Film. Grisham selbst war aber von der Verfilmung seiner "Jury" sehr angetan.
In der Stadt Canton, Mississippi, geschieht ein furchtbares Verbrechen an einer zehnjährigen Afroamerikanerin. Die leine Tonya Hailey (Rae´ven Larrymore Kelly) wird von zwei einheimischen Weißen brutal vergewaltigt. Sie hat Glück, dass sie dieses Verbrechen überlebte. Schnell werden die beiden Täter Billy Ray Cobb (Nicky Katt) und James Willard (Doug Huchinson) gefasst. Doch werden sie im Süden der USA auch vor Gericht eine gerechte Strafe für ihr gemeines Verbrechen bekommen. Tonyas Vater Carl Lee Hailey (Samuel L. Jackson) findet, dass für die beiden Verbrecher nur eine Strafe in Betracht kommt. Sie sollen mit dem Leben dafür bezahlen. Carl befürchtet zu Recht, dass sie aufgrund ihrer weißen Hautfarbe mit einer milden Strafe davon kommen könnten. Er holt sich Rat beim Anwalt Jake Tyler Brigance (Matthew MacConaughy) und kündigt diesem bereits an, dass er selbst für Gerechtigkeit sorgen wird. Am Tag des ersten Gerichtstermin kommt es dann auch zu einem regelrechten Blutbad. Carl stürmt das Gerichtsgebäude mit einem M16 Sturmgewehr und durchlöcher die beiden Angeklagten. Deputy Dwayne Powell Loney (Chris Cooper) wird bei der Schießerei schwer verletzt und landet auf der Intensivstation im Krankenhaus. Durch diese Tat kommt Carl nun selbst auf die Anklagebank und hat beste Aussichten die Todesstrafe zu erhalten. Brigance übernimmt den Fall, wird aber bald in die daraus resultierenden Rassenunruhen mit hineingezogen, denn der Ku Klux Klan wird aktiv und bedroht auch Brigances Familie (Ashley Judd spielt seine Ehefrau Carla)....




In weiteren Rollen als engagierte Jurastudentin Ellen Roark ist Sandra Bullock zu sehen. Vater und sohn Sutherland spielen mit und Kevin Spacey agiert als Staatsanwalt Rufus Buckley, der den Angeklagten in der Gaskammer sehen will. Oscarpreisträgerin Brenda Fricker spielt die Rechtsanwaltgehilfin Ethel Twitty und auch Oliver Platt unterstützt MacConaughey tatkräftig. Samuel L. Jackson wurde für seine Rolle als bester Schauspieler für den Golden Globe nominiert.





Bewertung: 5 von 10 Punkten.

Samstag, 3. April 2021

Tigerland


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Joel Schumacher

Das Übungscamp...

Der US-Regisseur Joel Schumacher verstarb am 22. Juni 2020 im Alter von 80 Jahren an einer Krebserkrankung. In seiner Filmographie tauchen Nieten wie "Batman Forever" und "Batman und Robin" auf, aber auch gut gemachte Kommerzfilme wie  "St. Elmos Fire", "Flatliners", "Lost Boys", "Falling Down", "Der Klient", "Die Jury" oder"8 MM". Der im Jahr 2000 entstandene Kriegsfilm "Tigerland" fällt dabei deutlich aus dem Rahmen und obwohl der Film keinen Erfolg an der Kinokasse erzielen konnte, muss er zu den besten Arbeiten von Schulmacher gezählt werden.
Der Film sieht ein bisschen aus wie eine Dokumentation. Dies verstärkt die beklemmende Atmosphäre deutlich, die in einem Trainingslager der US-Armee im Jahr 1971 herrscht. In diesem Trainingslager, das "Tigerland" genannt wird, sollen die Soldaten Bedingungen vorfinden, wie sie in Vietnam sind. Der Weg der Soldaten ist damit vorgezeichnet: Zuerst Grundausbildung, dann Tigerland und dann ab nach Vietnam. "Tigerland" ist nicht fiktiv, es gab tatsächlich dieses harte Ausbildungscamp in Fort Polk, Louisiana. Dies war kein Zufall, denn die Gegend rund um das Fort war feucht und schwül und hatte damit Umweltbedingungen, die mit Südvietnam, dem späteren Einsatzgebiet, vergleichbar war.
Einer der Wehrpflichtigen ist der rebellische Roland Bozz (Colin Farrell), der gegen den Krieg ist und wenig Respekt vor Vorgesetzten und Autorität besitzt. Mit seinem Kameraden Jim Paxton (Matthew Davis) freundet er sich ein bisschen an. Jim hat sich freiwillig gemeldet und will seine Kriegserlebnisse in einem Roman verabeiten. Gemeinsam lernen die beiden Soldaten während des Ausgangs zwei Mädels kennen, mit denen sie sich später in ein Hotelzimmer verziehen. Bald macht sich Bozz einen Namen, weil er für schwächere Kameraden Schlupflöcher im Gesetz herausfindet, um aus der ungeliebten Armee austreten zu können. Dies macht ihn bei vielen Kameraden beliebt, auch wenn sie sich manchmal gegen den Ungehorsam und die Unverschämtheiten von Roland Bozz ärgern. Schließlich gibt auch manchmal Strafen für die ganze Einheit, wenn ein Einzelner aufmuckt. Mit dem rassistischen Fanatiker Wilson (Shea Whigham) schafft er sich aber bald einen Feind auf Leben und Tod. Und tatsächlich eskaliert die Situation in "Tigerland" - als der vietnamerfahrene Staff Sergeant Cota (Cole Hauser) die Männer in zwei Gruppen aufteilt. Eine Gruppe sind amerikanische Soldaten, die andere Gruppe müssen Dorfbewohner in Vietnam spielen, bei denen einer ein Spion des Vietkong sein muss...





Als Private Miter ist Clifton Collins jr. zu sehen, Michael Shannon spielt Sergeant Filmore. Für die Bilder war der Kameramann Matthew Libatique verantwortlich, der sehr oft mit Darren Aronofsky zusammenarbeitet und bisher zwei Oscarnominierungen für "Black Swan" und "A star is born" erhielt. Zweifelsohne hat "Tigerland" ein bisschen Ähnlichkeit mit dem ersten Teil von Stanley Kubricks "Full Metal Jacket", der ebenfalls die Ausbildung der Soldaten zum Thema hat. Colin Farrell ist in einer seiner besten Rollen zu sehen - auch Newcomer Matthew Davis überzeugt als dessen bester Kamerad.




Bewertung: 8 von 10 Punkten.