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Dienstag, 11. Juni 2024

narziß und Goldmund


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie:  Stefan Ruzowitzky

Vom Klosterleben geprägt...

2008 wurde Stefan Ruzowitzkys Film "Die Fälscher" mit dem Oscar als bester fremdsprachiger Film mit dem Oscar geehrt. Neben dem 2000 entstandenen deutschen Horrorfilm "Anatomie" ist es der bekannteste Film des in Wien geborenen Regisseurs. Mit dem Neo Noir "Cold Blood" drehte er 2012 seinen ersten US-Film, der leider im gesamthaften Kinogeschehen nur wenig Beachtung fand. Seine Verfilmung von "Narziß und Goldmund" ist eine freie Adaption der bekannten gleichnamigen Erzählung von Hermann Hesse aus dem Jahr 1930. Ähnlich wie Marco Kreuzpaintners Jugendroman Verfilmung "Krabat" aus dem Jahr 2008 zielt auch Ruzowitzkys Film auf ein möglichst breites Publikum.
Das finstere Kloster und die idyllische umgebende Landschaft werden ebenso eindrücklich eingefangen wie die Orte, die zu den Stationen von Goldmunds späterer wilder Reise gehören. Es ist die Geschichte einer Freundschaft und sie spielt in der Klosterschule Mariabronn zur Zeit der frühen Renaissance.  Der Novize Narziß (oskrar von Schönfels) bekommt die Aufgabe sich um den noch jüngeren Schüler Goldmund (Jermeny Miliker) zu kümmern, der von seinem Vater (Johannes Krisch) abgegeben wurde, weil der Junge ihn zu sehr an seine Frau erinnert, die Schande über die Familie brachte. Goldmund schließt eine enge Freundschaft mit Narziß, dessen Scharfsinn er bewundert. Goldmund hat nur wenig Erinnerung an seine Mutter und lernt im Kloster ein religiöses Leben kennen. Einige Jahre vergehen. Aus den Kindern werden junge Männer (Yannis Niewöhner spielt Goldmund, Sabin Tambrea ist als Narziß zu sehen) Goldmund ist inzwischen ein blonder attraktiver junger Mann und möchte als Novize aufgenommen werden. (Im Buch von Hesse erkennt Narziß in Goldmund seinen Gegenpol und seine Ergänzung. In Gesprächen deckt Narziß die mütterliche Seite Goldmunds auf, die dieser verdrängt hat.) Goldmund stellt fest, dass etwas in ihm aufgebrochen ist, und erkennt das Bild seiner Mutter, einer Tänzerin und Männerverführerin, die vor langer Zeit ihre Familie verlassen hat und ins Ungewisse hinausgezogen ist. Nach seinem ersten Liebeserlebnis mit einer Fremden, der jungen Lise, beschließt Goldmund, wie einst seine Mutter in die Welt hinauszuziehen. Narziß hat diesen Augenblick erwartet, unterbricht seine asketischen Übungen und verabschiedet sich von seinem Freund. (Im Film wird auch das körperliche Verlangen von Narziß zu Goldmund sichtbar, die Mönche im Kloster erkennen diese Versuchung und Narziß bestraft sich selbst durch Selbstgeißelung um diese sündhaften Gedanken loszuwerden). Goldmund verlässt das Kloster und Narziß lässt ihn ziehen, weil es bereits Gerede unter den Mönchen gibt.Während Narziss weiterhin asketisch nach den strengen Regeln der Glaubensgemeinschaft lebt und handelt, macht sich Goldmund auf die Suche nach seiner Mutter. Dabei geht Goldmund immer wieder Beziehungen zu Frauen ein. Doch er findet nicht das erhoffte Glück und die Suche nach seiner Mutter endet mit der Erkenntnis, dass der Vater die Mutter ermordet hat. Er erlebte auf seinen Wanderjahren die Pest und verlor die Liebe seines Lebens, Lene (Henriette Confurius), als diese von einem Pestkranken vergewaltigt und angesteckt wurde. Da Goldmund auf seiner Wanderschaft das Bildhauerhandwerk erlernte, will er nun im Kloster einen Altar zur Ehre der heiligen Mutter Gottes fertigen. Ein Meisterwerk, dass noch niemand gesehen hat. Jede Heiligenfigur trägt das Anlitz einer Frau, die sein Leben geprägt hat. Nur das Gesicht der Gottesmutter Maria bleibt unvollendet. Der verbohrte Mönch Lothar (Andre M. Hennicke) sieht darin aber das Werk des Teufels...








Eine sehr interessante tiefgründige Geschichte nach einer Suche, die auch als Film ihre Wirkung nicht verfehlt. Die Darsteller sind gut ausgewählt und es gelingt die Sehnsüchte und Ängste junger Menschen sichtbar zu machen und auch das zu zeigen, was dann als Erwachsener von diesen Emotionen übrig blieb. Der Film startete ungünstigerweise zur Zeit des Corona Ausbruches und daher waren die Zuschauerzahlen mit 20.000 äusserst dürftig. Bei der Vergabe des deutschen Filmpreises 2020 gab es fürs Szenenbild und für die Maske zwei Nominierungen.









Bewertung: 7 von 10 Punkten. 
 
 

Mittwoch, 24. August 2016

Romeo und Julia

























Regie: Franco Zefirelli

Fünf Tage im Sommer....

"Romeo und Julia" ist eine der berühmtesten Tragödien von William Shakespeare, die er vermutlich in den Jahren zwischen 1594 und 1596 schrieb. Die Handlung selbst umfasst den kurzen Zeitraum von nur 5 Tagen, die sich in der Spätrenaissance zur Sommerzeit in der norditalienschen Stadt Verona abspielt. Dieser weltberühmte Theaterstoff wurde mehrfach verfilmt. Meistens mit Darstellern und Darstellerinnen, die die dreißig Jahre schon längst überschritten hatten. Daher war die 1968er Verfilmung von Franco Zefirelli auch beinahe schon revolutionär, weil die beiden Hauptdarsteller Olivia Hussey und Leonard Whiting bei den Dreharbeiten fast so jung waren, wie das Original es tatsächlich vorsieht. Denn damals gabs ganz andere Normen wie heute, wenn man Julias Mutter zu ihrer beinahe 14jährigen Tochter sagen hört:  "Gut, es ist nun Zeit daran zu denken; es gibt hier in Verona jüngere als ihr, und Frauenzimmer von Stand und Ansehen, die schon Mütter sind. Bei meiner Ehre, in dem Alter worinn ihr noch ein Mädchen seid, war ich schon eure Mutter. Ich will's also kurz machen, und euch sagen, daß sich der junge Paris um euch bewirbt". Gerade diese Wahl von zwei ganz jungen Protagonisten machte den Zefirelli Film auch zu einem riesigen Erfolg. Der farbenprächtige Historienstreifen, der an Originalschauplätzen in Italien gedreht wurde, spielte 1968 alleine in den USA 39 Millionen Dollar ein und war nach "2001 - Odyssee im Weltraum" und "Funny Girl" der dritterfolgreichste Kassenhit des Kinojahres. Es ist auch noch heute die mit Abstand beste Verfilmung des Stoffes für mich, denn sie deckt gleich drei Komponenten perfekt ab: Einerseits ist alles an diesem Film so authenisch, dass er es spielend schafft den Zuschauer in eine andere Zeit hineinzuversetzen. Ein Kunststück, dass sicher nicht allein Historienfilm so spontan und spielend gelingt. Andererseits ist "Romeo und Juila" auch ein zeitgenössisches Kinostück, denn es spiegelt irgendwie auch die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts perfekt ein. Diese Zeit des Umbruchs, den Siegeszug der Jugend durch die Popmusik und drittens muss man Heute feststellen, dass der Film keine Spur gealtert ist. Trotz des nostalgischen Soundtracks von Nino Rota, der ein bisschen an die Kinomelancholie eines Dr. Schiwago erinnert und noch einen tragischen Filmsong "A rose will bloom" von Bruno Filippini beisteuert, schmälert nichts diesen Eindruck des Ewig Aktuellen. Zwei Liebende und eine feindlich gesinnte Umwelt, die das Glück verhindert. Zefirelli Präsentiert hier mit wunderschönen Kostümen und Kulissen, so dass der Zuschauer über die komplette Laufzeit gut unterhalten wird. Die Familienfehde und die Liebesgeschichte wird hier mit sehr schönen Bildern (Kameramann: Pasqualino de Santis) erzählt, für mich hat Zeffirelli mit diesem Film ein kleines Meisterwerk geschaffen. Das Verhängnis fängt an einem Sonntag, mitten im heißen Juli in Verona an. Die reichen Familien der Montagues (Antonio Pierfederici, Esmeralda Ruspoldi) und Capulets (Paul Hardwick, Natasha Parry) einschließlich ihrer Verwandten und Anhönger liegen schon seit langem im dauerhaften Streit. Immer wieder kommt es zum Streit auf den Straßen der Stadt. Benvolio (Bruce Robinson), ein Neffe der Montagues, befindet sich wieder einmal im Streit mit Tybalt (Michael York), dem Neffen der Carpulets, der so arg ausartet, dass der Prinz von Verona (Robert Stephens) öffentlich die Androhung der Todesstrafe verhängt, wenn es weitere Kämpfe gibt. So haben sich die Feinde daran zu halten, dass ab sofort eine Pause des Familienkrieges herrscht. Der leidenschaftliche 17-jährige Romeo Monague (Leonard Whiting) hat sich nicht an diesem Kampf beteiligt, denn er hat andere Sorgen. Er hat Liebeskummer wegen einer Rosalind und wurde von ihr abgewiesen. Im Hause der Capulets hat Graf Paris (Roberto Bisacco) um die Hand der fast 14jährige Tochter des Hauses, die schöne Julia (Oliva Hussey) angehalten. Eltern und Amme (Pat Heywood) sind entzückt und auch Julia scheint nicht abgeneigt, da sie eine artige Tochter ist, allerdings noch nichts von der Liebe weiß. Um Julia Gelegenheit zu geben Paris kennenzulernen, geben die Capulets ein großes Fest, von dem die Montagues erfahren. Benvolio und Romeos bestem Freund Mercutio (John McEnery) kommt der Einfall maskiert auf diesen Fest zu erscheinen. Auch der junge Romeo geht mit und sieht dort Julia. Es ist bei beiden Liebe auf den ersten Blick. Als beide die Identität ihrer neuen Liebe erfahren, ist die Kraft der Liebe natürlich größer als die unüberwindbare Brücke dieser Feindschaft der Familien. Die beiden Liebenden treffen sich heimlich, werden von Pater Lorenzo (Milo O´Shea) heimlich vermählt, was vielleicht den Krieg endgültig beilegen könnte. Doch dann gibt es auf den Straßen von Verona wieder Streit. Ein Streit mit tödlichem Ausgang...





Spätestens hier wird aus dem Drama eine katastrophale Tragödie, die nicht mehr gut ausgehen wird. Ja, das ist natürlich eine total bekannte Geschichte, aber sie wird hier von Zefirelli meisterhaft erzählt. Die jungen und extrem attraktiven Hauptdarsteller tragen die Geschichte mühelos und nach wie vor packt der Film auf ganzer Linie. Die Verse von Shakespeare wurden zwar gekürzt, aber die Poesie bleibt immer gewahrt: Es war die Nachtigalle und nicht die Lerche, die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang. Sie singt des Nachts auf dem Granatbaum dort, Glaub, Lieber, mir: Es war die Nachtigall". Was sich in manch einer anderen Shakespeare Verfilmung gestelzt anhört, erwacht hier zum echten Leben. Und man wünscht sich fast, dass diese schöne Sprache auch heute noch existieren würde.






Bewertung: 10 von 10 Punkten.