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Samstag, 26. April 2025

Cinema Paradiso


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Giuseppe Tornatore

Eine Liebeserklärung an das Kino... 

Für seine Liebeserklärung ans Kino "Cinema Paradiso" aus dem Jahr 1988 wurde der italienische Regisseur und Drehbuchautor Giuseppe Tornatore 1990 mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet. Es folgten weitere Erfolgsfilme wie "Der Mann, der die Sterne macht", "Die Legende des Ozeanpianisten" oder "Der Zauber von Malena". In "Cinema Paradiso" lassen sich doch einige autobiographische Tendenzen entdecken, denn Filmfigur Salvatore (Salvatore Cascio als Kind, Marco Leonardi als Jugendlicher und Jacques Perrin als Erwachsener) und Regisseur Tornatore haben einige Gemeinsamkeiten: Beide haben ihre Kindheit in Sizilien verbracht, beiden haben den Ort ihrer Kindheit und Jugend verlassen und beide haben ihre Liebe zum Film zu ihrem Beruf gemacht. Sogar der Drehort ist Tornatore sehr bekannt und vertraut: Es war sein Heimatort. Im Rom des Jahres 1988 kommt Salvatore Di Vita (Jacques Perrin), ein berühmter Filmregisseur, eines Abends spät nach Hause. Seine Freundin erzählt ihm verschlafen, seine Mutter (Pupella Maggio und Antonella Attilli) habe angerufen und ihm mitgeteilt, Alfredo (Philippe Noiret) sei gestorben. Salvatore scheut feste Beziehungen und war seit dreißig Jahren nicht mehr in seinem Heimatdorf Giancaldo auf Sizilien. Als seine Freundin ihn fragt, wer Alfredo war, kann Salvatore nicht einschlafen und wird in seine Kindheit zurückversetzt. Einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ist der achtjährige Salvatore der verschmitzte, intelligente Sohn einer Kriegerwitwe. Mit dem Spitznamen Toto entdeckt er seine Liebe zum Film und verbringt jede freie Minute im örtlichen Kino, dem Cinema Paradiso. Obwohl sie anfangs ein angespanntes Verhältnis haben, entwickelt er eine Freundschaft mit dem Filmvorführer mittleren Alters, Alfredo, der ihn oft Filme aus der Projektionskabine schauen lässt. Während der Vorstellungen hört man das Publikum buhen, weil Teile fehlen, wodurch der Film plötzlich springt und Szenen mit romantischen Küssen oder Umarmungen ausgelassen werden. Der örtliche Pfarrer, der Besitzer des Kinos, hatte die Zensur dieser Teile angeordnet, und die gelöschten Szenen wurden von Alfredo aus den Filmrollen geschnitten und auf dem Boden des Vorführraums gestapelt, wo Alfredo sie aufbewahrt, bis er sie wieder zusammenfügen kann, um den Film in die nächste Stadt zu schicken. Alfredo bringt Salvatore schließlich die Bedienung des Filmprojektors bei. Eines Tages gerät das Cinema Paradiso in Brand, als Alfredo nach Ladenschluss "Die Feuerwehrleute von Viggiù“ auf die Wand eines nahegelegenen Hauses projiziert. Salvatore rettet Alfredo das Leben, doch nicht bevor ihm eine Rolle Nitrofilm ins Gesicht explodiert und ihn dauerhaft erblinden lässt. Das Kino wird von einem Bürger, Ciccio Spaccafico (Enzo Cannavale), mit seinem Gewinn aus einer Fußballlotterie wiederaufgebaut. Salvatore, noch ein Kind, wird als neuer Filmvorführer eingestellt, da nur er die Geräte bedienen kann. Etwa zehn Jahre später bedient Salvatore, inzwischen Schüler, immer noch den Projektor im "Nuovo Cinema Paradiso“. Seine Beziehung zu dem blinden Alfredo hat sich gefestigt, und Salvatore bittet ihn oft um Hilfe – Ratschläge, die Alfredo oft mit Zitaten aus klassischen Filmen erteilt. Salvatore experimentiert mit Filmen und benutzt dabei eine Heimvideokamera. Dabei lernt er Elena Mendola (Agnese Nano), die Tochter eines wohlhabenden Bankiers, kennen und filmt sie. Er verliebt sich in sie. Salvatore umwirbt Elenas Herz – und gewinnt sie, verliert sie aber aufgrund der Missbilligung ihres Vaters. Als Elena und ihre Familie wegziehen, verlässt Salvatore die Stadt, um seinen Wehrdienst anzutreten. Seine Versuche, Elena zu schreiben, sind vergeblich; seine Briefe kommen als unzustellbar zurück. Nach seiner Rückkehr vom Militär drängt Alfredo Salvatore, Giancaldo endgültig zu verlassen. Die Stadt sei zu klein, als dass Salvatore jemals seine Träume verwirklichen könne. Der alte Mann sagt ihm außerdem, dass Salvatore, sobald er weg sei, seinem Schicksal mit ganzem Herzen folgen müsse, niemals zurückblicken und niemals zurückkehren dürfe, nicht einmal für einen Besuch; er dürfe niemals der Nostalgie nachgeben oder auch nur darüber schreiben oder nachdenken. Unter Tränen umarmen sie sich, und Salvatore geht, um seine Zukunft als Filmemacher zu verfolgen. Zurück in der Gegenwart erkennt Salvatore, dass er beruflich, privat jedoch nicht mit seinem Leben zufrieden ist. Er beschließt, nach Hause zurückzukehren, um Alfredos Beerdigung beizuwohnen. Obwohl sich die Stadt stark verändert hat, versteht er nun, warum Alfredo es für wichtig hielt, wegzugehen. Alfredos Witwe erzählt ihm, dass der alte Mann Salvatores Erfolge mit Stolz verfolgt und ihm etwas hinterlassen habe: eine unbeschriftete Filmrolle und den alten Hocker, auf dem Salvatore einst stand, um den Projektor zu bedienen. Salvatore erfährt, dass das Cinema Paradiso abgerissen werden soll, um Platz für einen Parkplatz zu schaffen. Bei der Beerdigung erkennt er die Gesichter vieler Kinobesucher wieder, als er noch Filmvorführer war. Salvatore kehrt nach Rom zurück, wo er Alfredos Filmrolle sieht und entdeckt, dass sie alle romantischen Szenen enthält, die Alfredo auf Befehl des Priesters aus den Filmen schneiden ließ. Alfredo hatte jeden Kuss zu einer einzigen Filmrolle zusammengefügt – Toto findet Frieden mit seiner Vergangenheit und lächelt mit Tränen in den Augen...









Alfredo warnt seinen jungen Freund der Nostalgie nachzugeben. Doch "Cinema Paradiso" ist ein nostalgischer Filmhappen durch und durch und eine sehr melancholische Liebeserklärung an das Kino und den Film. Eine vergangene Zeit in der das Kino in der Kleinstadt noch eine große Magie ausübte und wo die gesamte Bevölkerung gemeinsam das Lichtspielhaus besuchten. In einigen Szenen erweist Tornatore Klassikern der Filmgeschichte wie Renoirs "Nachtasyl", Fellinis "Müßiggänger", Chaplins "Knockout", Viscontis "Die Erde bebt" oder Mario Camerinis "Die Fahrten des Odysseus" seine Reverenz. Sehr gut war auch die Auswahl der Darsteller, allen voran Toto vom Kind bis zum Erwachsenen. "Cinema Paradiso" gewann nicht nur den Oscar. Hauptdarsteller Philippe Noiret gewann den Felix im Jahr 1990 als bester Hauptdarsteller, Regisseur Tornatore bekam bei der Verleihung in Paris den Preis der Jury. Der Film spielte 36 Millionen Dollar ein. 









 Bewertung: 8 von 10 Punkte.


Dienstag, 5. Dezember 2017

Der Zauber von Malena

























Regie: Giuseppe Tornatore

Meine Jugendliebe....

Giuseppe Tornatores 2000 enstandener Film "Der Zauber von Malena" weckt ein bisschen Erinnerungen an Fellinis Amarcord und ist wie alle Filme des Regisseurs wunderbar nostalgisch. Tornatores vierter Filmerfolg nach "Cinema Paradiso", "Der Mann, der die Sterne macht" und "Die Legende des Ozeanspianisten" wurde allerdings für die USA und weitere Länder (auch Deutschland) stark gekürzt. Viele der erotischen Szenen zwischen dem noch sehr jungen Giuseppe Sulfaro, der den 13jährigen Renato spielt und Monica Belucci wurden herausgeschnitten. So bleibt in der deutschen Fassung sehr oft nur die Andeutung übrig, was sich der pupertierende Junge in seinen Träumen so alles auf sexuellem Gebiet vorstellt.  bleiben dem Zuschauer verborgen. Es bleibt dennoch eine interessante Geschichte über eine Jugenderinnerung aus der Zeit des 2. Weltkriegs und genauso die Geschichte seiner angebeteten Frau, die für ihn unerreichbar bleibt und die für ihre Schönheit bestraft wird. Dabei ist der erste Teil mit einer guten Portion Humor durchzogen, aber immer mehr wird die Geschichte zunehmend düster, am Ende steht die Melancholie. Dazu passt natürlich die wie immer markante Musik eines Ennio Morricone und auch die grandiose Kameraarbeit von Lajos Koltai. Eine Szene für die Film-Ewigkeit hat "Malena" auch zu bieten, denn wenn Monica Bellucci am Anfang bei wunderschönen Wetter über die Straße am Strand flaniert und den beobachtenden Jungs die Luft wegbleibt, versprüht der Film Tornatores typische Magie oder diesen unwiderstehlichen Zauber der Malena.
Malena lebt in der kleinen Stadt Castelcuto und ist eine wunderschöne Frau. Alle Männer gaffen ihr hinterher, wenn sie ausgeht. Sie pfeifen ihr nach oder machen anzügliche Bemerkungen. Kurz vor dem Ausbruch des Kriegs hat sie noch einen Offizier geheiratet, der nach der Kriegserklärung Italiens sofort eingezogen wird. Währenddesssen kümmert sich die Frau um ihren schwerhörigen Vater (Pietro Notarianni), der im Ort an der Schule unterrichtet. Natürlich bleibt die Attraktivität der Frau auch einer Gruppe von heranwachsenden Jungen nicht verborgen. Auch den Teenager Renato (Giuseppe Sulfaro) erwischt es heftig. Er verliebt sich in die erwachsene Frau und beobachtet sie sehr oft, er fährt ihr heimlich hinterher mit seinem aus Ersatzteilen zusammengeschraubtem Fahrrad. Die Frau nimmt keine Notiz von dem jungen Spanner. Bald erhält sie die traurige Nachricht, dass ihr Mann gefallen ist. Währenddessen trifft sich Renato mit seiner Clique und hat öfters mal Ärger mit seinem Vater (Luciano Federico), der sehr streng ist und kein Freund des Duce ist. Seine Mutter (Matilde Piana) ist wie alle italienischen Mütter streng katholisch und als die Eltern den Jungen beim ersten Onanieren erwischen, befürchten sie das Schlimmste für ihren missratenen Sprößling. Renato selbst wäre gerne erwachsen und würde dann endlich lange Hosen tragen dürfen, dann könne er seiner großen Liebe einen Antrag machen...




Eine gewitzte Story Coming of Age Story, die die kaum kontrollierbaren Hormonwallungen des 13jährigen sehr glaubwürdig in Einklang bringt mit der großen ersten Liebe.  Doch wo die Lust der Männer wächst, da wird auch der Neid der Frauen geboren. Insgesamt ein schwieriger Spagat im Film der Geschichte eine ganz dramatische Wendung zu verpassen. Vielleicht kann man Tornatore etwas kritisieren für die Künstlichkeit und für die wunderschöne Ästhetik, die insgesamt etwas zu stark durchschimmert.  Wer aber großes Kino der Emotionen mag und sowieso auf italienische Filme steht, dem wird "Der Zauber von Malena" auch sehr gut gefallen. Monica Belucci wurde durch diesen Film schlagartig weltberühmt.






Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Dienstag, 17. Februar 2015

The Best Offer

























Regie: Giuseppe Tornatore

Agoraphobie....

Die Flucht vor dem Leben, der Fatalismus des Voyeurs, die Eitelkeit der Kunst – all dies sind Themen des Hitchcock-Ausflug "The Best Offer" von Giuseppe Tornatore. Der italienische Regisseur wurde vor allem durch seine poetischen und melancholischen Italienfilme "Cinema Paradiso" oder "Der Zauber von Malena" bekannt. Insofern ist sein geisterhafter Romantikthriller der Weg in eine ganz andere Richtung. Zum Lohn gab es einige Nominierungen zum europäischen Filmpreis 2013, hatte aber gegen Landsmann Paolo Sorrentino mit dessen ausufernder Rom-Orgie keine Chance. Gekonnt spielt der Film mit der Kunst, mit Gemälden - mit Originalen und Fälschungen und wenn "Vertigo" das Original ist, dann hat Tornatore mit seinem Thriller aber eine überaus hervorragende und stilvolle Fälschung hingelegt. Rational wird man den Thriller kaum so genießen können, wie auf der emotionalen Ebene - aber das war ja beim großen Vorbild von Hitchcock auch nicht anders. Man muss also nachvollziehen können, warum Scottie Ferguson von dieser Madeline Elster, die er beschatten soll, so fasziniert wird, dass sie zur Obsession wird. Ebenso muss ein Virgil Oldman (Geoffrey Rush spielt grandios) für glaubwürdig halten. Denn der exzentrische Einzelgänger steckt voller Neurosen und Zynismus. Der Mann ist reich und angesehen, weil er seit Jahren der gefragteste Kunst- und Antiquitätenauktionator der Welt ist. Sein Alltag besteht aus Auktion und dem Chillen in seinem geheimen Zimmer seiner Villa, wo sich wohl die wertvollste, epochenübergreifendste Sammlung von Frauenporträts befindet. Unter den Bildern befinden sich Gemälde von Rafael, Tizian, Dürer und Renoir.  Ausserdem hat der Sonderling eine arg feti­schis­ti­sche Faszi­na­tion für Leder­hand­schuhe. Diese Hand­schuhe dienen aber auch als Schutz, denn das psycho­lo­gi­sche Haupt­motiv ist eine unüberwindbare Scheu vor Menschen. Er hat Angst zu berühren. So verehrt er zwar die Frauen, hat aber noch niemals körperlichen Kontakt gehabt.  Zusammen mit seinem Vertrauten Bily (Donald Sutherland) preist er von zeit zu Zeit bedeutende Kunstwerke auch unter Wert an, um sie dann verdeckt selbst zu ersteigern - so wurde seine private Sammlung immer größer und der Wert dieser Kunstwerke nimmt inzwischen astronomische Summen an. Für seine aufwendigen Restaurationen benötigt er mitunter die Hilfe des Bastlers Robert (Im Stugress) an. Der junge Mann ist äusserst attraktiv und hat ständig Frauen um sich. Virgils Schicksal nimmt eine tragische Wendung, nachdem er im Haus seiner neuen Klientin Claire Ibbetson (Sylvia Hoeks) kleine Teile einer mehrere hundert Jahre alten Maschine entdeckt. Die Wahrscheinlichkeit liegt nahe, dass es Einzelteile eines bekannten, verschollenen Automaten von unschätzbarem Wert handelt. Und die Teile müssten in dieser Villa verstreut und zu finden sein. Finden tut er auch immer mehr die Besiitzerin des Hauses, die sich seltsam mysteriös benimmt. Sie erscheint nie persönlich und soll an einer unheilbaren Krankheit landen. So finden die Kontakt zuerst nur telefonisch statt, ab einem gewissen Zeitpunkt unterhält sich der 63jährige Neurotiker an der Tür vor ihrem abgeschlossenen Zimmer. Eine Seelenverwandte ? Er findet heraus, dass Claire seit ihrer Jugend an Agoraphobie leidet und das Zimmer nur dann verlässt, wenn sie alleine ist. Im Laufe der Katalogisierung des zu versteigenden Inventars wird Virgils Interesse an der unnahbaren Claire aber immer größer...


ein weiteres Leitmotiv neben dem großen Hitchcock Flair borgt sich Tornatore aus Martin Scorseses "Hugo Cabret" aus - das Automatom als Form zur Welt, denn eine große Magie soll hinter dem Uhrwerk stecken.  Wie James Stewart in "Vertigo" wird sich die Faszination des Mannes an der unnahbaren Frau immer mehr faszinieren und die Liebe folgt den Gefühlen und sagt dem Verstand möglicherweise Adieu. So wird Virgil Oldman im Hauptteil des Films von seinem Freund auch gewarnt, dass auch die Fälschung etwas "echtes" hat, genau wie bei den Gemälden. Den gleichen Rat bekommt der Liebende dann auch von seinem jungen Mechaniker. Geradezu wunderbar wie Tornatore mit seinem leisen Thriller einen bewussten Gegenpol zu dem hektischen und actiongeprägten Kino der Jetztzeit setzt. Immer mehr gleitet die Geschichte in einen hypnotischen Rhythmus, dem man sich nur schwer entziehen kann. Darüberhinaus zelebriert Kameramann Fabio Zamarion ein Fest für die Sinne, vor allem fürs Auge. Für Freunde von Auktionen, Kunst und Kunstgeschichte ist der suggestive Thriller sowieso ein Muß. Aber wie gesagt, man muss das Verhalten der Protagonisten nicht unbedingt rational deuten wollen, sie folgen dem Gefühl. Und auch vielleicht einem übergeordneten Plan, der nur dann funktioniert, wenn er auf lange Hand sorgfältig geplant ist und somit auch die komplexe Konstruktion und Inszenierung perfekt durchkomponiert ist. Und dies erscheint dann doch im Hinblick auf ein höherwertiges Ziel, dass erreicht sein will, dann doch wieder sehr logisch. "The Best Offer" hat mich sehr gefesselt mit seiner wahnwitzigen und fast albtraumartigen Geschichte.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.