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Samstag, 26. Oktober 2019

Zwei Mädchen aus Wales und ihre Liebe zum Kontinent...

Regie: Francois Truffaut

Anne und Muriel...

"Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent" ist ein Film von Francois Truffaut aus dem Jahr 1971, der sehr stark an "Jules und Jim" erinnert. Kein Wunder, denn beides sind Romane von Henir-Pierre Roche mit einem kleinen Unterschied. "Jules und Jim" ist die Geschichte zweier Freunde, die während eines großen Teils ihres Lebens die gleiche Frau lieben; in "Zwei Mädchen aus Wales und ihre Liebe zum Kontinent" wird derselbe Mann zwanzig Jahre lang von zwei Schwestern geliebt. Truffaut hat den Film mit sehr viel Poesie angereichert und zeigt uns die Herzensregungen dreier junger, romantischer Leute, die über eine lange Zeit hin eine Leidenschaft erleben".
Die Geschichte führt den Zuschauer zurück ins Paris der Jahrhuntertwende, dort lernt der Franzose Claude Roc (Jean-Pierre Leaud) die junge Engländerin Anne Brown (Kiki Markham) kennen. Annes Mutter (Sylvia Marriot) und Claudes Mutter (Marie Mansart) sind Freundinnen. Auch Claude versteht sich auf Anhieb mit dem englischen Mädchen, denn sie teilen die gleichen Hobbys. So lädt Anne ihn in ihre Heimat nach Wales ein. Dort, direkt an der Küste, hat die verwitwete Mrs. Brown ein Haus. Und Anne hat eine zwei Jahre jüngere Schwester, die Muriel (Stacey Tendeter) heißt. Muriel ist puritanisch, eher scheu und ständig Probleme mit den Augen, weil sie auch tief in der Nacht viel schreibt. Claude hat das Gefühl, dass Anne ihre Schwester mit ihm zusammenbringen will. Und tatsächlich verliebt sich Claude in Muriel. Die ist unschlüssig und könnte sich dann doch den Heiratsantrag, den Claude macht, mit "Ja" beantworten. Mrs. Browm hält ihre Tochter noch für zu unreif und so beschließen beide Mütter den Liebenden eine einjährige Bedenkzeit aufzuerlegen. In dieser Zeit sollen sich die beiden auch nicht schreiben. Wenn die Liebe nach einem Jahr noch so groß ist, dann gäbe es keine Einwände mehr in eine Vermählung. Das Jahr hat es aber in sich. Muriel wird wankend und auch Claude, der in Paris eine Menge Damenbekanntschaften macht, nimmt Abstand von seinem Antrag. Stattdessen trifft er dort auch auf Anne, die sich in ihn verliebt und die beiden gehen eine heimliche Liebschaft ein. Muriel scheint vergessen. Doch als Claude Muriel nach einiger Zeit wiedertrifft, scheint die alte Liebe sofort wieder aufzuflammen. Als Anne von ihrem Verhältnis mit Claude erzählt, kehren beide Schwestern nach Wales zurück. Dann stirbt Anne an Tuberkulose. Jahre später treffen sich Claude und Muriel noch einmal. Sie lieben sich in einer Nacht und am Morgen danach trennen sie sich für immer...




Der Zuschauer wird mit einer sehr poetischen Liebesgeschichte konfrontiert, in der die Gefühle zuerst klar und eindeutig sind, dann aber unter dem Eindruck vieler anderer Einflüsse wieder an Stärke verlieren und dann doch noch einmal ganz groß werden. Mit der romantischen Musik von Georges Delerue wurde der Film bei seinem Kinostart in Frankreich von annähernd einer halben Million Franzosen gesehen. Superb wie immer sind die Bildkompositionen von Nestor Almendros, einer der größten Kameramänner der Filmgeschichte. Er sollte ein paar Jahre später für seine überwältigene Leistung in "In der Glut des Südens" mit dem Oscar geehrt werden. Verglichen mit einigen seiner unvergesslichen Meisterwerken ist "Zwei Mädchen aus Wales" heute beinahe in Vergessenheit geraten. Schade, denn hier ist ihm ein sehr schöner, aber auch trauriger Film gelungen über den Verlust der großen Liebe, der großen Leidenschaft - am Schluß steht aber das Ende und auch der Tod.




Bewertung: 8 von 10 Punkten. 
 

Sonntag, 23. November 2014

Der Mittler

























Regie: Joseph Losey

Ein Sommer in Brandham Hall...

Leslie Poles Hartley (Dez. 1895 – Dez. 1972) hat mit "Ein Sommer in Brandham Hall" ein wunderbares Buch über das Erwachsenwerden geschrieben, das von dem großen Filmemacher Joseph Losey unter dem Titel "Der Mittler" im Jahr 1970 verfilmt wurde. Es entstand dabei einer der schönsten Kostümfilme aller zeiten und ist neben dem 1976 entstandenen Spätwerk "Monsieur Klein" sogar Loseys bester Film - noch besser als "Der Diener" oder "Accident".
Erzählt wird die Geschichte durch den zwölfjährigen Helden des Romans, Leo Colston (Dominic Guard - bekannt auch durch die TV-Serie "So grün war mein Tal" und durch "Picknick am Valentinstag"), der den glühend heißen Sommer des Jahres 1900 auf dem Landsitz Brandham Hall beschreibt. Der Junge, der sich sehr für Magie interessiert, verbringt dort 19 Tage und wurde von der Familie seines Schulfreundes Marcus Maudsley (Richard Gibson). Er wird von den Maudsleys herzlich aufgenommen, auch wenn sie sich im edwardiansichen England mit seinen noch bestehenden Standesunterschieden ein bisschen lästern über die nicht gerade vermögende Mutter des Jungens. Dabei freundet sich der Junge vor allem auch mit Marcus älterer Schwester Marian (Julie Christie) an, in die sich der Junge sogar heimlich verliebt. Die wird aber als zukünftige Verlobte von Hugh Trimmingham (Edward Fox) gehandelt. Als Hugh auch Ted (Alan Bates), den nicht standesgemäßen Pächter des benachbarten Bauernhofs  kenennlernt, bittet ihn dieser ein Brief, der für Marian bestimmt ist, zu überbringen. Der Mann bittet dabei um die größte Geheimhaltung und maximale Diskretion. So wird der Junge zum Briefboten für die hochgeheime erotische Liason, die Marcus und Marian miteinander verbindet. Der Junge ist der  Mittler zwischen den beiden. Als Marians Mutter hinter den Briefwechsel kommt, entwirft Marian zunächst eine Lügengeschichte, dass die Briefe nicht für sie bestimmt seien. Doch die Lüge wird bald aufgedeckt....



Joseph Losey hat in überragend schönen und betörenden Bildern eine Adoleszentgeschichte verpackt, die zugleich für Schönheit und Vergänglichkeit, für Leben und Tod, für Jugend und Alter steht. Denn am Ende wird der alte Mann Leo (Michael Redgrave) im Jahr 1952 noch einmal zum Boten von Marian, sie bittet ihren jungen Verehrer von damals ihren eigenen Enkel zu besuchen und ihm eine Geschichte von damals zu erzählen, die verschwiegen wurde. Marians Enkel hat eine verblüffende Ähnlichkeit zum Bauern Ted und es stellt sich heraus, dass Marian damals schwanger war und ein Kind aus dieser verbotenen Liebe gebar. Die Geschichte ist mit großer Genauigkeit, voller Konzentration und perfekter Stimmung aufgebaut. In Ruhe und Klarheit entwickelt sich eine elementare Geschichte. Dabei strahlt der alternde Leo eine starke Traurigkeit aus - als Mittler war er vielleicht zu einem passiven Part verdamt. Dabei hatte dieser so insprierende Sommer so einen verheißungsvollen Klang. Ein wunderschöner Film, für mich ganz klar einer der besten britischen Filme aller Zeiten.




Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Das Privatleben des Sherlock Holmes





















Regie: Billy Wilder

Was sie schon immer über Sherlock Holmes wissen wollten, aber nie zu fragen wagten...

Schon seit den Kindertagen des Kinos gibt es Produktionen mit den spannenden Geschichten des Meisterdetektivs Sherlock Holmes und seinem Freund und Helfer Dr. Watson. Sherlock ist eine Kunstfigur, die der britische Schriftsteller Sir Arthur Conan Doyle schuf. In seinen Geschichten, die in der Zeit des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts spielen, muss der Detektiv viele knifflige Fälle lösen. Dies gelang ihm vor allem durch seine neuartige forensische Arbeitsmethode, die ausschliesslich auf detailgenauer Beobachtung und nüchterner Schlußfolgerung beruhte. Sehr oft gabs Serien im TV, die bekanntesten Kinofilme sind vielleicht "Der Hund von Baskerville", eine Hammerproduktion aus dem Jahr 1959 sowie die Jugenderlebnisse des Detektivs, die wir in "Der Fluch des verborgenen Tempels" bewundern konnten. Interessanterweise stellte in Sachen Publikumsgunst Guy Ritchie alle anderen Sherlock Filme weit in den Schatten. Seine Movies "Sherlock Holmes" (2009) und "Spiel im Schatten" wurden extreme Publikumsrenner und zog eine ebenso erfolgreiche Fernsehserie "Sherlock" mit Benedict Cumberbatch nach sich. Die vielleicht interessantesten Filme im unerschöpflichen Sherlock-Kosmos sind aber "Kein Koks für Sherlock Holmes" von Herbert Ross und Billy Wilders "Das Privatleben des Sherlock Holmes" mit dem er im Kinojahr 1970 einen überraschenden Flop hinlegte, was für den erfolgsverwöhnten US-Director österreichischer Herkunft sehr enttäuschend war, denn 7 Jahre vorher hatte er mit "Irma la Douce" noch einen Megablockbuster und auch "Der Glückspilz" lief gut im Kino. Schade eigentlich, denn ich mag Billy Wilders Sherlock Holmes Abenteuer sehr gerne...im Grunde sind es ja zwei Abenteuer, die er da unter Verschluß hielt und erst viele Jahre nach Dr. Watsons Tod der Nachwelt zugänglich gemacht werden konnte. Zum einen Bekommen Holmes (Robert Stephens) und sein Freund Dr. Watson (Colin Blakely) eine Einladung zum "Schwanensee" Ballett. Die beiden Männer leben zusammen in einer Wohnung in der Londoner Baker Street, bestens versorgt von der fürsorglichen Haushälterin Mrs. Hudson (Irene Handl) und Holmes leidet an der Unterforderung - es kommen keinerlei neue interessante Fälle.  Er verbringt seine Leere mit Kokain, doch auf gutes Zureden von Watson besuchen sie diese Aufführung des berühmten russischen Ballett-Ensemble, das in London gastiert. Tatsächlich könnte Holmes einen neuen Auftrag haben, denn die berühmte Primaballerina Madame Petrova (Tamara Tournanova) braucht einen Samenspender für ihr Kind - es soll schön wie die Mama und so klug wie der mögliche Vater werden. So in die Enge getrieben, behauptet Holmes, dass er schon lange eine Beziehung mit Dr. Watson hat. Dieser schäumt vor Wut als er erfährt, dass sein Freund zu dieser Lüge griff, nur um die Pläne der Primaballerina zu durchkreuzen. Da bringt eines Abend eine Kutsche eine junge Frau (Genevieve Page) borbei, die der Kutscher in letzter Sekunde aus der Themse retten konnte. Es stellt sich heraus, dass die Frau Gabrielle Valladon heißt und ihren Mann Emile sucht. Interessanterweise wird Holmes von seinem Bruder Mycroft (Christopher Lee) gedrängt die Suche nach dem Vermissten aufzugeben. Doch der Detektiv denkt nicht daran. Die Spur führt Holmes, Watson und die attraktive Gabrilelle ins schottische Hochland, nach Inverness. Im nahegelegenen Loch Ness entdecken die Drei dann sogar die sagenumwobene Nessie...



und dies alles ist total gut mit ruhiger Hand inszeniert und macht irre Spass. Dabei begeistern vor allem die Musik von Miklos Rosza und die Kameraarbeit von Christopher Challies. Man merkt den Machern an, dass sie viel Spass mit der Geschichte hatten. Alles ist leicht amüsant dargestellt und es schwingt eine kleine Prise Melancholie mit, die beim Schlußakkord gebraucht wird, wenn man etwas von der Gefühlswelt des Meisterdetektivs erfährt. Auch wenn dem Film etwas der Biss fehlt und man vielleicht Wilders markante Note vermisst ist er doch herrlich schräg und die Unterteilung in zwei getrennte, ungleiche Geschichte macht großen Spass und sorgt für total gutes nostalgisches Filmvergnügen. Ich persönlich finde, dass der Film viel mehr Wertschätzung verdient hätte.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Albert Nobbs

























Regie: Rodrigo Garcia

Große Geheimnisse...

Für den Kostümfilm "Albert Nobbs" konnte Glenn Close ihre sechste Oscarnominierung erringen. Gewonnen hat sie den Preis bisher nicht, weder mit "Garp und wie er die Welt sah", "Der große Frust", "Der Unbeugsame" oder mit "Eine verhängnisvolle Affäre. Allerdings hätte sie die begehrte Trophäe spätestens als fiese Marquise Isabelle de Merteuil in "Gefährliche Liebschaften" mehr als verdient. Und auch ihre Rolle als Butler "Albert Nobbs" war imponierend - leider hat sie wieder verloren, diesmal gegen Meryl Streep als "Eiserne Lady" - ich finde die beiden Darstellerinnen sind sich irgendwie sehr ähnlich. Somit wird es immer wahrscheinlicher, dass Glen Close in spätestens 10 bis 15 Jahren einen Ehrenoscar für das Lebenswerk erhält - genauso war es auch bei Deborah Kerr, die ebenfalls 7 Nominierungen hatte und auch nie gewinnen konnte. "Albert Nobbs" wurde 2011 in drei Kategorien nominiert, neben der Hauptdarstellerin wurde auch Janet McGeer als beste Nebendarstellerin sowie Martial Conrevil, Lynn  Johnston und Matthew W. Mungle für das Make up, das aus sanften, aber starken Frauen etwas sonderbare Männer machte.  Fürs Szenenbild oder für die Kostüme hätte man ruhig auch eine Nominierung vergeben können, der der Film von Rodrigo Garcia ist optisch ein würdiger Verwandter der von mir hoch geschätzten Ivory/Merchant Produktionen wie "Zimmer mit Aussicht" oder "Wiedersehen in Howards End".  Dabei lässt der Regisseur auch das Interesse an interkulturellen Konflikten, Unterdrückung von Individuen und Klassenunterschieden niemals links liegen. So erinnert beispielsweise die Performance von Glen Close auch manchmal an die Nöte, die Barbra Streisand in ihrem "Yentl" durchmachen musste. Zu guter Letzt ist "Albert Nobbs" auch ein moderner Klassiker des Queer Cinema, denn nicht nur die Unterdrückung der Frau in der Mitte des 19. Jahrhunderts wird zum Thema gemacht, sondern auch die Suche nach einer sexuellen Identifikation wird anhand der Hauptfigur interessant gestaltet. Zuerst bleibt der Zuschauer im Unklaren, warum eine Frau in die Rolle dieses Butler Albert Nobbs geschlüpft ist und schon seit Jahren dieses Geheimnis bewahrt. Man kann es sich irgendwie denken, wenn man sieht, dass Albert in seiner Kammer - nach der Arbeit des Tages - das ersparte Geld zählt und es wieder unter dem Fußboden versteckt. Es dürfte klar sein, dass eine Frau nie diese Anstellung bekommen hätte und als alleinstehende Frau wäre man damals schutzlos einer männnerdominierenden Welt ausgeliefert gewesen. So wird schnell klar, dass der kleine Butler Träume hat, die er irgendwann verwirklichen will. Als die Hotelbesitzerin Mrs. Baker (Pauline Collins) den Anstreicher Hubert Page (Janet McTeer) beherrbergt, befielt sie, dass Albert mit diesem Arbeiter das Bett in der Nacht zu teilen hat. Durch eine Flobiß wird der Mann zum Mitwisser des streng gehüteten Geheimnisses. Doch er verspricht Stillschweigen. Mehr noch: Kurze Zeit später wird klar, dass auch Hubert in Wahrheit eine Frau ist und sogar offiziell mit einer Frau (Bronagh Gallagher) glücklich verheiratet ist. Dieses Geständnis lässt Albert Nobbs nicht mehr los. Es herrscht in Gedanken Rätselraten, ob die Frau dies Wahrheit schon vor oder erst nach der Hochzeit wusste. Albert beginnt sich auch immer mehr für eine seiner Arbeitskolleginnen, das junge Dienstmädchen Helen Dawes (Mia Wasikowska) zu interessieren. Die ist aber schwer verliebt in den flatterhaften Joe Mackins (Aaron Johnson), der ebenfalls seit kurzem in den Diensten der gestrengen Mrs. Baker steht, allerdings den großen Traum hat viel Geld zu haben und nach Amerika auszuwandern.  Trotz der Liason der beiden jungen Leute, wagt Albert die hübsche Helen zu fragen, ob sie mit ihm ausgehen würde..


.sehr imponierend ist die subtile Herangehensweise an den Stoff. Der Regisseur verleiht der Hauptfigur eine große Würde und man ist sehr schnell an dem Schicksal dieses ungewöhnlichen Menschen interessiert. Dabei stellt die Geschichte gekonnt mit der Figur des Hubert Page eine völlig anders agierende Persönlichkeit vor, die aber die gleiche Maske trägt. Nur traut sich der Lebemensch Hubert viel mehr zu und er fordert den schüchternen Albert Nobbs dazu auf sein Leben glücklich zu leben und auch in Liebesdingen seine Träume zu verwirklichen. Das Ende ist wie im richtigen Leben einerseits sehr tragisch, andererseits auch mal sehr ungerecht - aber auch im letzten Bild hoffnungsvoll. Ein sehr schöner Film, gut geeignet für die kommende kalte Jahreszeit.


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Donnerstag, 3. Januar 2013

Abbitte



Regie: Joe Wright

Falschaussage...

Der Film "Abbitte" von Joe Wright (Stolz und Vorurteil)  gliedert sich in vier Teile, die sich sowohl in der Atmosphäre und in der Zeit unterscheidet. Der erste Teil spielt im Jahre 1935, in dem die Hauptfigur Briony Tallis (Saorise Ronan) ein 13-jähriges Mädchen ist. Im zweiten Teil werden die Kriegserlebnisse von Robbie Turner (James MacAvoy), einer weiteren Hauptfigur geschildert. Zeitgleich findet die Ausbildung Brionys (Romola Garai) zur Krankenschwester statt, dies wird im dritten Abschnitt dargestellt. Der vierte Teil zeigt Briony (Vanessa Redgrave) als kranke und gealterte, jedoch auch erfolgreiche, Schriftstellerin und spielt viele Jahre nach den ersten drei Parts.
Alles fängt an im Sommer 1935, auf dem Gut der Familie Tallis.
Mit den Augen eines Kindes an der Schwelle zum Teenager nimmt das Mädchen ihre Umgebung wahr. Briony beobachtet aus dem Fenster ihres Zimmers, wie ihre ältere Schwester Cecilia (Keira Knightley) in Unterwäsche und völlig durchnässt am Brunnen im Garten steht, neben ihr steht Robbie, der Sohn der Haushälterin. Der junge Mann wird von Brionys Vater unterstützt, indem er ihm das Studium finanziert.
Briony schwärmt auch ein bisschen für den hübschen jungen Mann, doch die Beoachtung, die sie da gerade gemacht hat, ist schon etwas schockierend.
Eine Szene später zeigt der Film die gleiche Szene von einer neutralen Ebene aus, dort ist die Szene überhaupt nicht verfänglich.
Zu Besuch bei den Tallis sind Brionys Cousine Lola Quincey (Juno Temple) und deren beide Brüder Jackson und Pierrot (Felix und Charlie von Simson).
Im Laufe des Tages kommt auch noch Brionys Bruder Leon (Patrick Kennedy) mit seinem Bekannten Paul Marshall (Benedict Cumberbatch).
Es wird zu einem echten Schicksalstag für Briony, für deren Schwester Cecilia und für Robbie.
Denn Briony wird noch zwei weitere Beobachtungen machen. Der Film "Abbitte" handelt von der Lebensgeschichte einer Frau, die als Kind noch zu jung war, um die Dinge, die sie sah und tat, zu begreifen und deren Konsequenzen sie ein Leben lang nicht zur Ruhe kommen lassen.


Der Nordire Seamus McGarvey ist verantwortlich für die exzellente Kameraarbeit, die maßgeblich zur guten Qualität dieses britischen "Jetzt schon" Klassikers beiträgt.
Mich hat "Abbitte" ein bisschen auch an alte Michael Powell Arbeiten wie "Leben und Sterben des Colonel Blimp" erinnert und ebenso schwingt natürlich Merchant/Ivory Feeling mit.
Die Darstellerleistungen sind klasse, allen voran die eindringliche Darstellung der jungen Saorise Ronan.
Das grüne Kleid, das Keira Knightley im Film trägt, wurde zum Anfang des Jahres 2008 von der amerikanischen Modezeitschrift "In Style" zum schönsten Kostüm der Filmgeschichte gewählt, gefolgt von Marilyn Monroes weißem Kleid aus "Das verflixte 7. Jahr" und Audrey Hepburns schwarzes Kleid im legendären "Frühstück bei Tiffany".


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Samstag, 22. Dezember 2012

The Illusionist



Regie: Neil Burger

Der große Eisenheim...

The Illusionist" ist vor allem ein Fest fürs Auge. Kein Wunder, dass der britische Kameramann Dick Pope (Nackt, Lügen und Geheimnisse) für seine großartige Leistung mit einer Oscar-Nominierung in der Sparte "Beste Kamera" belohnt wurde.
Seine Bilder sind es, die den Fantasy Thriller von Neil Burger veredeln.
Der Film, der sowohl fiktionale und historische Figuren enthält, beginnt mit einer später noch einmal gezeigten Schlüsselszeene, in der der Chef Inspektor von Wien, Walter Uhl (Paul Giamatti) mit seinem Männern in die Vorstellung des Illusionisten Eisenheim (Edward Norton) drängen, mit dem erklärten Ziel den Scharlatan zu verhaften. Denn Eisenheim lässt Tote aufersehen. DDie Zaubershow mit dem Heraufbeschwören von Toten hat somit ein Ende. DDann beginnt er, die Geschichte des Menschen Eisenheim zu erzählen, der vor allem viel später für Kronprinz Leopold (Rufus Sewell) zu einer großen Gefahr wird.
Eisenheim wurde als Sohn eines Schreiner in Wien als Eduard Abramovich geboren. Als Bauernjunge im Teenageralter (Aaron Johnson) trifft er in einer Wanderausstellung Zauberer, einige Tricks will er erlernen und bald ist der Junge besessen vom Gedanken Zauberer zu werden. Zu dieser Zeit verliebt er sich in die etwa gleichaltrige adlige Sophie, Herzogin von Teschen (Eleanor Tomlinson), doch der Standesunterschied ist zu groß. Die junge Liebe wird berboten und die beiden Teenager gewaltsam getrennt.
Eisenheim verlässt die Heimat und reist jahrelang um die Welt und bemüht sich um die Perfektionierung seines Handwerks. Er kehrt nach Wien Jahre später als Magier (Edward Norton) zurück. Dort trifft während einem seiner bestaunten Auftritte auf seine einstige Jugendliebe Sophie (Jessica Biel), die ihn zuerst nicht erkennt. Sophie ist inzwischen mit Kronprinz Leopold liiert, der die Absicht hat sie zu ehelichen.
Sofort kristallisiert sich spontan eine Feindschaft zwischen dem Kronprinz und dem Magier heraus. Der Monarch lädt den Künstler aber zu einer privaten Vorstellung aufs Schloß ein. Dort kommt es während der Vorstellung beinahe zu einem Eklat...


Der sehr liebevoll ausgestattete Film spielt auf zeitgenössische Zauberkunststücke an, wie etwa auf Jean Eugène Robert-Houdins Orangenbaum sowie auf die um die Jahrhundertwende in Wien populären Geisterprojektionen etwa im Theater von Anton Kratky-Baschik. Die fachliche Beratung leistete Ricky Jay.
Lobenswert sind die glänzend aufgelegten Darsteller Edward Norton, Paul Giamatti und Rufus Sewell. Die Story ist mit einem hypnotischen Hauch von Magie durchzogen. Somit ein Fest für Fans von düster-romantischen Historienfilm. Am Ende beweist sich der Meister der Illusion mit einem doppelten Boden. Eine gute Atmosphäre ist schon von Anfang an geboten, wenn der Illusionist die Bühne betritt, auf seinem Stuhl Platz nimmt und der Zuschauer auf die Magie hofft.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.