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Mittwoch, 25. April 2018

Amadeus

























Regie: Milos Forman

Genie und Mittelmaß....

Der tschechoslowakische Regisseur Milos Forman verstarb am 13. April 2018 im Alter im Alter von 86 Jahren in Danbury, Connecticut. Einem internationalen Publikum wurde er durch seinen Fillm "Die Liebe einer Blondine" bekannt, der auch eine Oscarnominierung als bester fremdsprachiger Film erhielt. Nach dem Prager Frühling lebte Forman in den Vereinigten Staaten und bekam 1975 die US-Staatsbürgerschaft. "Einer flog übers Kuckucksnest" schrieb 70er Jahre Filmgeschichte und wurde mit 5 Oscars ausgezeichnet. Es folgten "Hair" und "Ragtime" - im Jahre 1985 gabs erneuten Oscarregen für "Amadeus", der es auf 8 Auszeichnungen brachte. Produzent Saul Zaenz durfte die Trophäe für den besten Film entgegen nehmen. Forman selbst bekam Oscar Nummer Zwei und der Saliieri Darsteller F. Murray Abraham spielte seinen Part so hervorragend, dass er seinen unmittelbaren Konkurrenten Tom Hulce als Mozart in der Kategorie "Bester Schauspieler" ausstach. Ausserdem wurde das beste Drehbuch (Peter Shaffer), das beste Szenenbild (von Brandenstein, Czerny), bestes Kostümdesign, bestes Make-up und bester Ton ausgezeichnet.
Ein gutes Make-up war auch dringend notwendig, denn der Film fängt im Winter 1823 an, also 32 Jahren nach Mozarts frühem Tod - dort unternimmt der alte Antonio Salieri (F. Murray Abraham) einen Selbstmordversuch und wird daher in eine Irrenanstalt eingeliefert. Der Mann gibt an den berühmten Mozart damals getötet zu haben - dies alles offenbart er dem Beichtvater Vogler (Richard Vogler) und schon ist der Zuschauer mitten in der schwelgerisch angelegten Rückblende, die zuerst sehr kurz Mozart und danach Salieri als Jungs zeigt, bevor sich die beiden Musiker in Wien kennenlernen. Dabei fällt dem angesehenen Hofkapellmeister Antonio Salieri sofort die große Begabung und das einzigartige Talent von Wolfgang Amadeus Mozart auf, der ebenfalls in die Dienste des Kaisers Joseph II (Jeffrey Jones) tritt. Das erste Treffen ist für Salieri dennoch sehr überraschend, denn der Mensch Mozart passt so gar nicht in das Bild des begnadeten Musikers. Die Manieren des jungen Mannes sind eher unreif und obszön. Dennoch bewundert der Italiener seinen jüngeren Kollegen und wünscht sich heimlich genauso begabt zu sein. Auf Geheiß des Kaisers soll Mozart eine Oper schreiben. Doch "Die Entführung aus dem Serail" erntet bei der Premiere vom Kaiser nur mittelmässige Kritiken, was das Ego des Komponisten doch hart trifft. Immerhin wird Salieri aber auch klar, dass Mozart ein richtiger Schürzenjäger zu sein scheint, denn er hat nicht nur ein Verhältnis mit Caterina Cavalieri (Christine Ebersole) dem Star der Aufführung gehabt, sondern verlobt sich auch noch mit einer Constanze Weber (Elizabeth Berridge). Diese Liason passt Mozarts übergroßem Vater Leopold (Roy Dotrice) nicht besonders, aber er akzeptiert dann auch die Hochzeit. In der Folgezeit ist es immer offensichtlicher, dass Mozart labile Züge hat, er trinkt auch zuviel, führt ein ausschweifendes, exzessives Leben, was natürlich auch gesundheitliche Folgen hat. Und Salieri wird immer verbitterter, weil dem Konkurrenten mühelos alles zufliegt, was für Salieri stets ein unerreichbares Ideal bleibt. Die Folge sind Neid und Verbitterung. Als Mozarts Vater stirbt, löst dies bei Mozart eine tiefe Erschütterung aus. Darüberhinaus klopft es auch noch am Abend an der Tür und ein geheimnisvoller maskierter Auftraggeber will, dass Moazrt ein "Requiem" für ihn schreibt. An dieser Auftragsarbeit zerbricht der Künstler...






"Amadeus" basiert auf Peter Shaffers gleichnamigen Bühnenstück, dass 1979 erstmalig aufgeführt wurde. Der Autor schrieb auch das Drehbuch. Herausragend ist die opulente Ausstattung dieses Kinoerfolgs, der im Jahr 1998 in der AFI Top 100 Liste der besten US-Filme einen hervorragenden 53. Platz belegte. Der überlange Historienfilm mit vielen Musikstücken von Mozart ist zu keiner Sekunde langweilig und ist sicherlich einer der populärsten Kinofilme der 80er Jahre. Der besondere Plot der Geschichte besteht natürlich darin, dass der Film dem Zuschauer suggeriert Salieri sei der Mann mit Maske, der die Totenmesse verlangt. Beide Darsteller F. Murray Abraham und Tom Hulce glänzen in ihren Rollen.







Bewertung: 9,5 von 10 Punkten. 

Montag, 13. Oktober 2014

Ich glaub mich tritt ein Pferd



Regie: John Landis

Delta gegen Omega und anderer Wahnsinn...

Am Anfang seiner Karriere als Regisseur in den Jahren 1977 bis 1981  hatte John Landis stets ein glückliches Händchen Kultfilme zu drehen. Unvergessen sind die Filme "Kentucky Fried Movie", "American Werwolf" oder "Blues Brothers". In dieser innovativen Phase entstand auch der Highschool-Katastrophenfilm "Ich glaub mich tritt ein Pferd" (im Original: National Lampoons Animal House) und präsentierte dem Kinopublikum auch erstmalig den leider sehr früh 1982 durch eine Überdosis Drogen verstorbenen John Belushi als wahnsinnigen Schüler John "Bluto" Blutarsky. Als der Film damals in den Kinos lief, fand ich fast ein bisschen zu chaotisch, jetzt in einer Wiederholung kam der anarchistische Filmspaß doch schon viel besser weg. Wobei ich gerne auf die Szene mit dem am Herzschlag verstorbenen Pferd verzichtet hätte, denn ich hasse es wenn Tiere im Film (wenn auch durch Trick) sterben müssen. Das Drehbuch stammt vom Trio Douglas Kenney, Chris Miler und Harold Ramis, die sogar ein bisschen autobiographisch gefärbt waren, denn Miller war als Student Mitglied der Bruderschaft in der Alpha Delta Phi am Dartmouth College. Einige der Jungschauspieler standen damals noch am Anfang ihrer Karriere, also freuen darf man sich auf Karen Allen, Tom Hulce und Kevin Bacon.
Zudem gilt die Komödie als eine der profitabelsten Filme überhaupt, denn mit einem relativ sparsamen Budget von 2,8 Millionen Dollar konnte man weltweit mehr als 141 Millionen Dollar Bruttoeinnahmen erzielen.
Besonders beliebt ist der Film natürlich bei den Amis selbst, er wird dort als einer der größten Komödien angesehen und steht in der berühmten AFI Liste der besten amerikanischen Kömödien auf Platz 36.
Die Geschichte führt uns zurück ins Jahr 1962. Dort versuchen die Lawrence-College Neulinge Larry Kroger (Tom Hulce) und Kent Dorfman (Stephen Furst) einer Studenten-Bruderschaft  der Faber High beizutreten. Doch die Aufnahmebedingungen sind hart. Sie besuchen sogar eine Party der rennomierten Omega Theta Pi, sind aber dort spontan richtige Aussenseiter. Vor allem der dickliche Kent macht einen schlechten Eindruck. Hier haben Eliteschüler wie Gregory Marmalard (James Daughton), Douglas C. Neidermeyer (Mark Metcalf) oder Chip Miller (Kevin Bacon) die Oberhand und vor allem der begeisterte Reiter Marmalard schikaniert den armen Kent bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Das lobt man dann schon die eher lockere Art der Konkurrenzverbindung: Im Delta Tau Chi Hause herrscht nämlich der ständige Wahnsinn. Kein Wunder bei den Bossen wie Eric "Otter" Stratton (Tim Matheson), Donald Schoen (Peter Riegert) oder dem verrückten "Bluto" (John Belushi), der mit einem Notendurchschnitt von 0,0 die Negativrekorde der Universitäts-Geschichtsbücher anführt und Alkohol im Exzess verschlingt. Natürlich hat der Dekan (John Vernon) diese subversive Studentenvereinigungen, die ständig Regeln bricht, auf der Abschußliste. Als die gesamten Deltas die Zwischenprüfung fatal verhauen, braucht er nur noch einen Zwischenfall um drastische Maßnahmen wie Rauswürfe zu verhängen. Doch die Deltas vertreiben sich inzwischen die Zeit mit Partys und den Mädels (u.a. Karen Allen, Sarah Holcomb, Mary Louise Weller, Martha Smith), guten Soulsängern (De Wayne Jessie), bekifften Paukern (Donald Sutherland) und der Vorbereitung zur Homecoming Party der Stadt, die natürlich im Fiasko endet..




Kritikerpapst Roger Ebert feierte den Filmspass als Meisterwerk und war ganz begeistert von dieser College-Satire. Für die gewisse Respektlosigkeit gibts Bonuspunkte, dazu schafft es der Film völlig unpolitisch zu wirken, denn er klammert die umwälzenden Themen der 60er, die auch an den Unis der USA Protestbewegungen auslösten, zumindest vordergründig völlig aus. Dennoch sind manche Szenen geradezu Zukunftsvisionen einer weniger rassistischen Gesellschaft: Die Deltas verbringen ihre Abende in sogenannten "Negerkneipen" und mit ihren unkonventionellen Methoden sind sie der revolutionäre Gegenpart eines gehobenen Etabishments der Spießbürger. Ja, mir hat der Film jetzt auch richtig Spass gemacht. Hinter der Klamotte steckt doch einiges an brisanten Themen.



Bewertung: 8 von 10 Punkten.