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Freitag, 22. Dezember 2023

Der Angriff der leichten Brigade


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Tony Richardson

Todesritt...

Im britischen Sprachraum wird der Ausdruck "Charge of the Light Brigade" noch heute verwendet, wenn man ironisch eine Unternehmung kennzeichnet, die zwar mit großem Mut und hoher Disziplin, aber mit mangelhafter Vorbereitung und untauglichen Mitteln durchgeführt wird. Ein Scheitern ist vorprogrammiert. Der Ausdruck geht zurück auf den Angriff britischer Kavalleristen in der Schlacht von Balaklawa, während des Krimkriegs. Dieser Todesritt der leichten Brigade am 25. Oktober 1854 führte zu großen Verlusten (mehr als 300 Soldaten),
Nach seinen hervorragenden Free Cinema Beiträgen "Blick zurück im Zorn", "Bitterer Honig" und "Die Einsamkeit des Langstreckenläufers" entschied sich der britische Filmemacher Tony Richardson im Jahr 1968 einen Film über diese Schlacht zu machen. Sein "Angriff der leichten Brigade" wurde von der Kritik hochgelobt, war jedoch kein großer Erfolg an der Kinokasse. Bei der Vergabe der britischen Filmpreise wurden aber immerhin 7 Nominierungen erzielt: 
Trevor Howard in der Kategorie Bester Schauspieler, daneben gab es Nominierungen für die beste Musik, das beste Szenenbild, die beste Kameraführung David Watkin (der Jahre später für "Jenseits von Afrika" einen Oscar gewann), die besten Kostüme, den besten Schnitt und den besten Ton. Der Film handelt von der Torheit des Krieges und dem schlechten Zustand der britischen Armee und ihrer Führung während des Krimkrieges (1853–1856). Großbritannien hatte seit der Schlacht von Waterloo im Jahr 1815 nicht mehr auf einem europäischen Kriegsschauplatz gekämpft, und die Armee war verhärtet und streng und an die Bürokratie gebunden. Die taktischen und logistischen Methoden waren seit vierzig Jahren nicht weiterentwickelt worden, und das gesamte Ethos der Armee war an überholte gesellschaftliche Werte gebunden. Der Antiheld der Geschichte ist ein relativ kompetenter Offizier, Captain Louis Nolan (David Hemmings) - ein Veteran der britisch-indischen Armee, ist in der Hierarchie seiner Zeit ungewöhnlich, sowohl weil er über Kampferfahrung verfügt als auch weil er seine Beförderung durch verdiente Leistungen und nicht durch Beziehungen und Geld erworben hat. Daher betrachtet er viele seiner Kollegen, bei denen es sich zumeist um aristokratische Dilettanten handelt, die das Leben ihrer Untergebenen verschwenden, mit Verachtung. Nolans Vorgesetzter ist der schroffe Lord Cardigan (Trevor Howard), der das Regiment unter seinem Kommando als sein persönliches Eigentum behandelt und Nolan als"indischen“ Offizier mit einem einheimischen indischen Diener nicht mag. Cardigans Männer sind typisch für die einfachen Soldaten ihrer Zeit; Obwohl sie im Vergleich zu den Russen recht gut ausgerüstet sind, sind sie auch schlecht ausgebildet und versorgt. Sie ertragen erbärmliche Lebensbedingungen und werden für die kleinsten Fehltritte bei der Erfüllung ihrer Pflichten gnadenlos bestraft. Nolan gerät bald in eine vielbeachtete Fehde mit Cardigan, der wütend auf ihn ist, weil er bei einem Bankett, bei dem alle Gäste Champagner trinken sollten, Wein bestellt hat. Die britischen Streitkräfte werden von Lord Raglan (John Gielgud) angeführt, einem Waterloo-Veteranen und einem liebenswürdigen, vage denkenden Mann, der sich als schlechter Kommandant erweist. Obwohl er jahrzehntelang ein Schüler des kürzlich verstorbenen Herzogs von Wellington war, verfügt er nicht über dessen militärisches Talent. Als die Vorbereitungen für den Wahlkampf beginnen, ist er mit einem schweren Fehler beschäftigt, den er bei der Zuteilung der Kommandos begangen hat. Er verlangt von Lord Cardigan, die Leichte Kavallerie-Brigade unter seinem ebenso unangenehmen Erzrivalen und Schwager Lord Lucan (Harry Andrews) zu leiten, der ernannt wurde die Kavalleriedivision zu befehligen. Kapitän Nolan, der als Raglans Adjutant angeworben wurde, ist froh, Großbritannien zu verlassen; Es gibt ihm einen Ausweg aus der moralisch unsicheren und heimlichen Liebschaft, die er mit Clarissa Morris (Vanessa Redgrave), der Frau seines besten Freundes William (Mark Burns), hat....







Nachdem die geschichtsträchtige Schlacht mit vielen Opfern endete, beginnen die Verantwortlichen und die Offizieren sofort darüber zu streiten, wer die Schuld an dieser Katastrophe hat. Sehr beeindruckende Animationen, die von Richard Williams geschaffen wurden, tauchen in vielen Szenen auf und bilden einen ironischen Beitrag zum Geschehen. Williams hat sich an zeitgenössischen Cartoons orientiert. Sie spiegeln den Journalismus im Viktorianischen Zeitalter wider, denn die britische Vorherrschaft und die ehrenvollen Taten werden verherrlicht. Der Film endet mit einer Skizzenzeichnung eines verfaulten toten Pferdes dieser leichten Brigade. Schauspielerisch ist der Film hervorragend mit Harry Andrews, Trevor Howard, John Gielgud, David Hemmings, Jill Bennett und Vanessa Redgrave besetzt. Letztere war von 1962 bis 1967 mit Richardson verheiratet.







Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Sonntag, 26. Juli 2020

Grenzpatrouille

























Regie: Tony Richardson

Gefährliches Grenzgebiet...

Tony Richardson erhielt im Jahr 1964 für die Verfilmung des historischen Schelmenromans "Tom Jones - Zwischen Bett und Galgen" den Regie-Oscar. Mit seinen weiteren Filmen wie "Bitterer Honig", "Die Einsamkeit des Langstreckenläufers" oder "Blick zurück im Zorn" schrieb er britische Filmgeschichte und erwies sich als einer der wichtigsten Filmemacher des britischen Free Cinema.
Sein Hollywooddebüt folgte 1965 mit "Tod in Hollywood". Die wichtigsten Filme, die er in den USA realisierte, waren "Hotel New Hamphsire", "Operation Blue Sky", der Jessica Lange den Schauspiel-Oscar einbrachte und der Neo Noir "Grenzpatrouille" aus dem Jahr 1981, bei dem ihm ausgezeichnete Charakterdarsteller wie Jack Nicholson, Warren Oates und Harvey Keitel zur Verfügung standen.
"Grenzpatrouille" entstand in einer Zeit als das Autorenkino zwar noch präsent war, aber sich schon im Niedergang befand und mit "Jäger des verlorenen Schatzes" oder "Das Imperium schlägt zurück" die bis heute andauernde Blockbuster-Ära ihren Siegeszug in den Lichtspielhäusern einläutete.
Richardsons Neo Noir spielte leider nur 6 Millionen Dollar wieder ein, dabei kostete er dem Studio mehr als 20 Millionen Dollar.
Erzählt wird die Geschichte von Charlie Smith (Jack Nicholson), der als Einwanderungsbeamter bei der United States Border Control an der mexikanisch-kalifornischen Grenze beschäftigt ist. Mit seiner verwöhnten und reichlich naiven Ehefrau Marcy (Vallerie Perrine) lebt er in einem Wohnwagen. Marcy kann jedoch ihren Mann überreden mit ihr zusammen nach El Paso, Texas zu ziehen. Sie kaufen sich eine Hälfte eines Bungalows, im anderen Teil des Hauses lebt Marcys Freundin Savannah (Shannon Wilcox) mit Ehemann Cat (Harvey Keitel), der ebenfalls bei der Grenzpatrouille seinen Dienst tut. Sehr schnell findet der rechtschaffene Charlie heraus, dass sowohl Cat als auch sein Boss Red in illegale Aktionen verstrickt und reichlich korrupt und bestechbar sind. Cat ist der Beamten, die an der Organisation der illegalen Einwanderungen von Mexikanern beteiligt ist. An der Armut dieser Menschen verdienen die Menschenhändler, die den Schmuggel organisieren und viele Geschäftsleute, die so an äusserst billige Arbeitskräfte kommen. Unter den Flüchtlingen ist auch die Mexikanerin Maria (Elpida Carillo), die bei einem Erdbeben ihren Mann verlor und nun mit ihrem kleinen Baby und ihrem Bruder Juan (Manuel Viescas) im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ihr Glück versucht. Durch seinen Job lernt Charlie die junge Frau kennen und will ihr helfen. Während seine Frau zuhause einem Konsumwahn verfällt und Swimmingpool, Wasserbett und Polstergarnituren bestellt, versucht Charlie in seinem korrupten Umfeld so etwas wie "einmal was Anständiges machen". Doch das hat tödliche Folgen...



Tony Richardsons Film wirkt zwar nicht besonders aufregend, denn die Geschichte bietet kaum Überraschungen. Dennoch überzeugt er als ungewöhnlicher NeoNoir, vor allem durch die glaubwürdigen Darstellerleistungen. So sind die Handlungen von Charlie immer plausibel, selbst in dem Moment, in dem er auf den Vorschlag seines Nachbars eingeht etwas vom Kuchen abzubekommen, den der Menschenhandel abwirft.
Durch den Mißerfolg an der Kasse verschwand Richardson Film sehr schnell in der Versenkung. Er wollte auch so gar nicht mehr in die neue Kinolandschaft der oberflächlichen 80s passen. Große Studios übernahmen wieder die Herrschaft. Dennoch lohnt es sich diesen Film neu für sich zu entdecken, da er durch die Figur des Beamten Charlie Smith ganz stark mit der schwarzen Serie verwurzelt ist: Dieser Mann, dem langsam alles über den Kopf wächst und sein bürgerliches Leben zunehmend in eine Sackgasse mündet. Irgendwann ist er alleine auf verlorenem Posten, denn als Kontrolleur der Grenze ist er der Feind der illegal Einreisenden und wird aber auch bald Feind seiner Kollegen.
Die Musik stammt von Ry Cooder und Kameramann war Ric Waite (Long Riders, Die rote Flut, City Cobra, Footloose).



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Montag, 18. Juni 2018

Tom Jones - Zwischen Bett und Galgen




















Regie: Tony Richardson

Die Geschichte eines Findelkindes...

Tony Richardson Verfilmung des Historienromans "Tom Jones: Die Geschichte eines Findelkinds" von Henry Fielding war einer der großen Oscar-Abräumer des Jahres 1964. Die Mischung aus Comedy und Abenteuer wurde zum besten Film des Jahres gekürt, Tony Richardson wurde bester Regisseur und auch die Fillmmusik und das beste adaptierte Drehbuch von John Osborne wurden ausgezeichnet. Desweiteren gabs noch Nominierungen für vier Nebendarstellungen (Hugh Griffith, Edith Evans, Diane Cilento und Joyce Redman) und für das beste Szenenbild von Ralph Brinton. "Tom Jones" war damals auch ein großer Publikumserfolg - er lag mit 37 Millionen Dollar Einspielergebnis in den Kino-Jahrescharts auf Platz 4, für das British Film Institute zählt der Film immer noch zu den 100 besten britischen Filme aller Zeiten.
Genau genommen ist "Tom Jones" mit dem deutschen Zusatz "Zwischen Bett und Galgen" nicht nur ein sehr innovativ wirkender Historienfilm über einen unverbesserlichen Schelm, er strahlt darüberhinaus viel Sixties Flair aus und daher ist die frivole Machart immer wieder sehr präsent. Die 60s mit dem Umbruch auch im Kino. Weg mit den Zensuren und weg frei für mehr sexuelle Freiheit. Dies repräsentiert Richardsons mit viel Situationskomik und durch viel originellen Einfällen. So ist der Prolog wie ein Stummfilm konzipiert. Der wohlhabende und gutmütige Squire Allworthy (George Devine) lebt mit seiner Schwester Bridget (Rachel Kempson) auf seinem Landsitz in Sommerset. Er hält sich aber schon für längere zeit in London auf. Als er zurückkehrt, findet er ein Baby in seinem Bett vor. Als Eltern werden die Haushälterin Jenny Jones (Joyce Redman) und der Schulmeister Partridge (Jack McGowran) ermittelt und die beiden werden verjagt. Das Kind wächst jedoch in der Obhut des Gutsherren Allworthy auf und die Jahre vergehen. Aus dem Kind wird ein attraktiver junger Mann (Albert Finney), dem die Frauenherzen zufliegen.
Neben dem guten Aussehen hat er aber auch ein freundliches Herz und er liebt Sophie Western (Susannah York), doch als "Bastard" hat er keine Chancen die hübsche Frau zu ehelichen. Obwohl Sophies Vater (Hugh Griffith) ebenfalls große Sympathien für den jungen Draufgänger hegt. Sophie soll den jungen Bilfil (David Warner) heiraten - einen Langweiler, aber Sohn von Bridget und von Adel. Währenddessen hat Tom aber ein Verhältnis mit Molly Seagrim (Diane Cilento), die aber auch einen weiteren hohen Männerverschleiß hat. Gemeinsam mit den beiden Lehrern Mr. Thwackum (Peter Bull) und Mr. Square (John Moffat) startet der eifersüchtige Blifil ein Komplott gegen Tom mit dem Ergebnis, dass Mr. Allworthy Tom für einen fiesen Schurken hält. Er wirft ihn aus dem Haus. Sophie haut auch von zu Hause ab, um Tom nahe zu sein. Und Squire Western mit seiner resoluten wie betagten Schwester (Edith Evans) verfolgen die flüchtige Sophie. Währenddessen hat Tom ein Techtelmechtel mit einer Mrs. Waters (Joyce Redman), die er vor der Gewalt eines aggressiven Soldaten rettet. Nach diesem Abenteuer erreicht er London und dort hat die geheimnisvolle Lady Bellaston (Joan Greenwood) ein Auge auf Tom geworfen. Durch ein weiteres Komplott landet unser Tom im Kerker von Tyburn und eine aufgepeitschte Menschenmenge erwartet dann seine Hinrichtung...




Ob er dem Galgen entrinnen kann ? Ja, schließlich ist es eine Schelmengeschichte und gleich von Anbeginn macht der Film nichts anderes als auf das geniale HappyEnd zuzusteuern. Susannah York und Albert Finney geben ein klasse Filmliebespaar ab und das gesamte Schauspieler-Ensemble agiert hervorragend. Der Film ist eine Ode an die Sinnenfreude. Expemplarisch dafür steht die Wirtshausszene mit Tom und seiner Begleiterin, die sich schwelgerisch den Gaumenfreuden hingeben und diese Szene zum Sinnbild des Genusses erhöhen, auch anspielend auf die anschließende Sexualität. Das vitale Sittengemälde spielt um 1750 und es werden auch einige Sozialkritische Bezüge hinter der Comedy sichtbar.





Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.