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Donnerstag, 29. Januar 2026

Der Tiger















Regie: Dennis Gansel

Fahrt in die Hölle...

Mit seinem Film "Die Welle" konnte der Regisseur und Drehbuchautor Dennis Gansel im Jahr 2008 den Filmpreis in Bronze gewinnen. Weitere bekannte Filme von Gansel sind "Napola", "Wir sind die Nacht", "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" und "Jim Knopf und die wilde 13".  Mit "Der Tiger" drehte er 2025 einen originellen Antikriegsfilm, der von Amazon produziert wurde. Die Geschichte spielt im Jahr 1943 an der Ostfront im Zweiten Weltkrieg. Die Wehrmacht befindet sich nach der Niederlage bei Stalingrad auf dem Rückzug. Eine Brücke soll verteidigt werden, über die sich die deutschen Soldaten zurückziehen könnten. Unterstützt werden sie durch den Panzerkampfwagen VI Tiger. Nachdem alle Kameraden über die Brücke gingen, zieht sich auch der Panzer in den letzten Minuten vor der geplanten Brückensprengung durch deutsche Jagdbomber zurück. Dabei gerät die Besatzung unter der Leitung von Kommandant Philip Gerkens (David Schütter) in ein Inferno von diversen Explosionen. Danach erhält die fünfköpfige Besatzung (neben Schütter sind Laurence Rupp als Christian Weller, Leonard Kunz als Helmut, Sebastian Urzendowsky als Keilig und Yoran Leicher als Michel zu sehen)  einen geheimen Auftrag: Sie sollen mit ihrem Panzer hinter der Frontlinie operieren, in das sogenannte "Herz der Finsternis" vorstoßen, um einen Oberst Paul von Hardenburg (Tilman Strauß) zu retten oder zu verhaften, da er über geheime Informationen für den Rückzug der Wehrmacht verfügt. Zugleich ist von Hardenburg der Patenonkel von Gerkens’ Sohn und beide haben zusammen die Kriegsschule besucht...





Mit seinem unerwarteten Twist zum Schluss stellt der deutsche Antikriegsfilm, der hierzulande bei Amazon Prime Video zu sehen ist, alles auf den Kopf. Als sich der Panzer auf den Weg macht, geschehen zunehmend seltsame Dinge. Ein Kompass funktioniert nicht mehr, die Uhren sind stehen geblieben, im Inneren eines feindlichen Panzers liegen Skelette – obwohl dieser die Deutschen gerade noch angegriffen hat. Alle fünf Crewmitglieder stehen unter Drogen und können nicht schlafen. Es ist oft unklar, ob etwas „echt” ist oder ob sie halluzinieren. Dadurch verabschiedet sich die Geschichte von der Nähe zu Spielbergs "Saving Private Ryan", denn die Suche nach einem bestimmten Soldaten wird mehr und mehr zu einer mysteriösen Odyssee. Gansel gelang eine spannungsreiche Inszenierung in klaustrophobischer Enge. Ob der Schlußplot funktioniert ist vielleicht umstritten.  








Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Freitag, 29. März 2013

Napola




Regie: Dennis Gansel

Das Nazi-Internat...

Im dritten Reich wurden die Nationalpolitische Erziehungsanstalten auch "Napola" genannt. Es waren Internatsoberschulen, die vor allem aus Gemeinschaftserziehungsstätten fungierten. Der Besuch der Schule führte zur Hochschulreife. Die Schulen waren Eliteeinrichtungen zur Heranbidlung des nationalsozialistischen Nachwuchses. "Tüchtig an Leib und Seele für den Dienst an Volk und Staat" - so war der Leitgedanke. Die Lehrer hatten die Aufgabe ihre Schüle zur kommenden Führungsschicht Deutschland auszubilden. Es bliebt aufgrund des Krieges nicht aus, dass sich diese Schulen immer mehr zu Nachwuchsschulen für Wehrmacht und SS entwickelten. Dennis Gansels Film "Napola" aus dem Jahr 2004 erzählt seine Geschichte über eine Freundschaft von zwei sehr unterschiedlichen, gleichaltrigen Napola-Schülern. Der 17jährige Friedrich (Max Riemelt) ist ein begeisterter Sportler, vor allem das Boxen hat es ihm angetan. 1942 wird er von einem Sportlehrer der Napola (Devid Striesow) bei einem Boxkampf im Berliner Wedding gesehen und erhält von diesem den Rat sich dringend um einen Platz in die Napola Allenstein (fiktiv) zu bemühen. Tatsächlich schafft Friedrich ohne Wissen seines regimekritischen Vaters die Aufnahmeprüfung an der Eliteschule. Doch der Vater verbietet ihm die Schule zu besuchen. Heimlich fälscht Friedrich die Unterschrift des Erziehungsberechtigten und ist somit neuer Schüler des Nazi-Internats. Dort freundet er sich sehr schnell mit dem sensiblen Schöngeist Albrecht Stein (Tom Schilling), dessen Vater (Justus von Dohnany) ein angsehener Gauleiter ist und sich eher für seinen sanften Sohn zu schämen scheint. Die Methoden in der Schule sind mitunter nicht nur hart, sondern sehr unmenschlich. So muss der Bettnässer Siegfried Gladen (Martin Goeren) drakonische Strafen über sich ergehen lassen. Nur schwer kann Friedrich von der Faszination des Nazi-Menschenbildes abrücken....

Dennis Gansels "Napola" ist erst in zweiter Linie Geschichtsaufarbeitung, dominierend funktioniert das Jugenddrama als Genrefilm mit viel Ähnlichkeit zu Filmen wie "Evil" oder "King of Devils Island", also so eine Art "Club der toten Dichter" in historischem Gewand. Dabei kann Gansel auf zwei hervorragende Jungdarsteller zurückgreifen, die den Film mühelos tragen können. "Napola" ist für mich eine viel bessere Arbeit als Gansels "Die Welle", dem populären Jürgen Vogel Film über ein Sozialexperiment und offensichtliche Parabel über das dritte Reich.  "Napola" setzt auf eine effektive Kameraarbeit: Thorsten Breuers Bilder zeigt perfekt ausgeleuchtete blonde Jünglinge mit nacktem Oberkörper - die Riefenstahl Optik sorgt bein Zuschauer für das zwiespätige Gefühl, dass der Film lange Zeit vermitteln will. Erst durch die Erschießung der polnischen Jugendlichen wird der Zuschauer wachgerüttelt. Dies hat Gansel dramaturgisch sehr gut gemacht, denn spätestens hier erfolgt dann auch  Demaskierung der Ideologie.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Die Welle






















Regie: Dennis Gansel

Ein Experiment...

Die Welle von Dennis Gansel (Napola) ist mit ca. 2 1/2 Millionen Zuschauern ein sehr erfolgreicher deutscher Kinofilm, der auf dem Sozialexperiment The Third Wave basiert.
Im Mittelpunkt der Handlung steht ein brisantes Experiment des Gymnasiallehrer Rainer Wenger (Jürgen Vogel) mit seinen Schülern, dass spontan während einer Projektwoche zum Thema "Staatsformen" geboren wird und "Die Welle" heisst. Die Schüler hatten behauptet, dass im heutigen aufgeklärten Deutschland keine Gefahr mehr für eine Diktatur bestehen würde. Das Projekt zeigt bereits nach kurzer Zeit faschistische Tendenzen, allerdings wird von der Mehrheit der Schüler nur der positive Effekt der verschworenen und wieder erstarkten Gemeinschaft wahrgenommen, ein Effekt, der Egoismus reduziert und das Miteinander stärkt.
Trotzdem läuft das Projekt immer mehr aus dem Ruder....am Ende steht die Katastrophe.
"Die Welle" kann durchaus in einigen Kategorien punkten: Jürgen Vogel ist ein sehr guter Schauspieler und auch hier spielt er den selbstverliebten Lehrer, der sich immer etwas überschätzt und auch seine charismatische Wirkung auf Schüler eher narzistisch verarbeitet, sehr intensiv und glaubwürdig.
Mit Max Riemelt (Marco), Frederic Lau (Tim) oder Jennifer Ulrich (Karo) kommen auch neue frische Gesichter im deutschen Film zum Zug.
Das Ende des Films ist m.E. gut gelungen. Allerdings gibt es auch einige gravierende Schwachstellen, die mich doch gestört haben.
Der Stoff ist natürlich sehr anspruchsvoll und einiges seiner wichtigen Thematik löst der Film eher sehr oberflächlich bis lapidar.

 Der Außenseiter, der Ausländer, der Hedonist und der Unterschichtler...diese Figuren werden dargestellt und natürlich sind sind sie alle anfällig für dieses "Wir" Gefühl, dass die Welle propagiert - ja mehr noch. In dieser Aufzählung fehlt aber die wichtigste Person...der Prototyp des heutigen Menschen, umgewandelt als Schüler eben diese Figur eines getriebenen Teenagers, dem Kind des Neoliberalismus, der sich den marktwirtschaftlichen Zwängen angepasst hat, der freizeitmässig alle Trends auslebt, während er beruflich die Karriereleiter hochzusteigen versucht und dem Materialismus fröhnt. Karo kommt diesem Typus noch am nächsten, aber gerade sie ist die Opposition im Film. Damit gibt der Film dem Status Quo seine Absolution und wird somit äusserst unkritisch gegenüber der heutigen Realität, die sich natürlich auch "wellenförmig" entwickeln könnte und sicherlich keine Sicherheit gegen Faschismus darstellt.
Für mich war der Film deshalb alles andere als ein grosser Wurf, auch wenn das Ende dann doch einen nachdenklichen Effekt brachte.
Bewertung: 5 von 10 Punkten.