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Freitag, 18. November 2022

Kurz und schmerzlos


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Fatih Akin

Hamburgs Sackgassen...

Fatih Akins Filmdebüt "Kurz und schmerzlos" entstand 1998 und spielt in Hamburg-Altona. Es ist eine Geschichte über Migranten und deren Kindern und vor allem eine Geschichte über Freundschaft. Akins Erstling erinnert nicht nur von der Thematik her etwas an Martin Scorseses "Hexenkessel". Die spannende Mulitkulti Geschichte wirkt überaus realistisch, der Inszenierungsstil ist zurückhaltend bis er am Ende explodiert, denn er führt die drei Hauptfiguren des Films ins Dunkel von Hamburgs Sackgassen und Hinterhöfen ohne Ausweg. Seine Geschichte stellt die Menschen in der Vordergrund, der Regisseur konzentriert sich ganz auf die Schicksale seine drei Helden: Der Türke Gabriel (Mehmet Kurtulus, der Serbe Bobby (Alexandar Jovanovic) und der Grieche Costa (Adam Bousdoukos) sind schon seit ihrer Kindheit miteinander befreundet und alle drei sind in diesem Viertel großgeworden. Die drei Jungs gehen miteinander durch Dick und Dünn. Erwachsen sind alle drei noch nicht, immer wieder haben sie Dummheiten begangen und haben wenig Lust auf geregelte Arbeit. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt durch Straftaten. So hat Gabriel gerade eine Gefängnisstrafe verbüßt. Am Tag seiner Entlassung erwartet ihn seine Familie schon vor dem Gefängnistor, denn sein älterer Bruder heiratet an diesem Tag. Gabriels Vater gibt seinem Sohn zuerst mal eine Ohrfeige, bevor er ihn in die Arme nimmt. Und Gabriel hat sich vorgenommen ein bürgerliches Leben einzuschlagen. Er hofft auf einen Job als Taxifahrer, den er auch bekommt. Costa versucht es weiterhin mit Diebstählen, was seiner Freundin Ceyda (Idil Üner) langsam nervt. Ceyda ist Gabriels Schwester und hat heimlich eine Affäre mit einem deutschen Jungen (Marc Hoseman) - einer, der fest im Leben steht und auch später für eine Familie sorgen kann. Bobby hat gesteigerte kriminelle Ambitionen, denn er will bei der albanischen Mafia einsteigen und hat bereits Kontakt mit dem Paten Muhamer (Ralph Herforth) aufgenommen. Er ignoriert die Gefahr dieses Kontaktes und hört auch nicht auf seine Freundin Alice (Regula Grauwiller). In dieser Beziehung kommt es daher immer mehr zum Streit und die junge Frau, die ein Schmuckatelier betreibt, wendet sich in der Folgezeit immer mehr dem aus der Haft entlassenen Gabriel zu. Bei einem Waffendeal, den Bobby für die Albaner ausführen muss, kommt es zur Katastrophe...




Es ist dem Regisseur gelungen die drei Freunde ohne Wertung und moralischen Hintergrund zu beschreiben. Sozusagen eine Geschichte über Migration, über Integration, die das Leben schreibt und wo es keine Kommentare dazu braucht. Seine Protagonisten wirken lebendig und so bleibt der Film bis zum Ende sehr authentisch. Die Ode an das Gangstertum bleibt aus, sondern es entsteht eine bittere und kompromisslose Milieudarstellung mit  sozialem Sprengstoff. Der Film wurde ohne großes Budget realisiert - vielleicht sogar ein Glücksgriff, denn es machte diesen Kleinformatfilm umso intensiver. Nichts wurde hier zum Glück glattgebügelt.





Bewertung: 7,5 von 10 Punkten

Freitag, 21. August 2015

Der amerikanische Freund




Regie: Wim Wenders

Ripley und der Auftragsmörder...

"Der amerikanische Freund" in Wim Wenbers 1977 inszenierten Neo-Noir Krimi ist der in Hamburg lebende Tom Ripley, gleichzeitig auch die populärste Romanfigur von Patricia Highsmith. Dieser Ripley ist ein ganz amoralsicher, hedonistischer Krimineller, der auch vor Mord nicht zurückschreckt, um seine Ziele zu erreichen. Gleich in ihrem ersten Roman "Der talentierte Mr. Ripley" bewies sie die Autorin ihre Faszination für das "Böse" und dessen Sieg über das Gute. Denn der junge attraktive Mann, der im Roman allein am Strand von Positano entlangläuft, wird im Laufe der Geschichte seinen Freund, den reichen Freund Philippe Greensleaf, auf dessen Boot ermorden, um an dessen Geld zu kommen. Highsmiths erster Ripley Roman bekam zusätzlich noch größere Popularität durch die ebenso erfolgreiche Verfilmung von Rene Clement aus dem Jahr 1960 mit Alain Delon in der Titelrolle. Durch diesen Mord kann Tom Ripley in seinen weiteren Romane ein sehr sorgenfreies Leben als Boheme führen.
1970 raffte sich die Schriftstellerin auf und schrieb mit "Ripley under Ground" einen weiteren Roman um diese schillernde Hauptfigur. Weitere sollten folgen. Darunter auch "Ripleys Game", der von Wim Wenders drei Jahre nach seinem Erscheinen recht eigenwillig verfilmt wurde.
Die Geschichte spielt in Hamburg. Dort lebt irgendwo in Hafennähe der Bilderrahmer und Restaurateur Jonathan Zimmermann (Bruno Ganz) mit seiner Frau Marianne (Lisa Kreuzer). Gemeinsam sind sie glücklich mit ihren kleinen Sohn Daniel (Andreas Dedecke). Doch die Zukunft sieht düster aus. Jonathan leidet an einer gefährlichen Leukämie. Bei einer Auktion wird ihm der Kunsthändler Tom Ripley (Dennis Hopper). Jonathan hat schon viel von diesem Mann gehört, hält aber nicht viel von dessen Art Kunstgegenstände wie Aktien zu behandeln. So fällt die Begrüßung sehr schroff aus. Später erfährt Ripley von Auktionator Gantner (Rudolf Schünder) unter dem Siegel der Verschwiegenheit von der lebensbedrohlichen Krankheit des Rahmenmachers. Ripley, der sich in Hamburg niedergelassen hat, verkauft über das Auktionshaus bislang unbekannte Bilder des als tot geglaubten Malers Derwatt (Nicholas Ray), obwohl sich dieser bei bester Gesundheit inkognite in New York aufhält. Durch den Tod werden die Prieise des Künstlers natürlich massiv in die Höhe getrieben. Durch Ripleys Freundschaft mit dem Gangster Minot (Gerard Blain) wird nun der unbedarfte Jonathan zu dem Hauptdarsteller eines gefährlichen Spiels. Der der totkranke Mann scheint für Minot der absolut unauffällige und perfekte Auftragsmörder zu sein. Eine hohe Summe müsste ihn bewegen können einen Mann in Paris zu erschießen. Das Geld könnte er seiner Frau und seinem Kind nach seinem Tod hinterlassen. So nimmt zuerst Ripley Kontakt mit Jonathan auf und macht kurze Zeit später bekommt er auch Besuch von seinem Auftraggeber....


Tatsächlich wird Jonathan so extrem manipuliert, dass er den relativ einfachen Auftragsmord in einer menschenleeren Pariser U-Bahn auch ausführt. Doch das ist nicht das Ende, ein zweites Mal wird Minot auf seine Dienste als Killer pochen. In der zweiten Aktion bekommt er aber unerwartet Hilfe von seinem amerikansichen Freund. Wenders inszenierte mit ruhiger Hand und stellte auch die Annährerung der beiden verschiedenen Männer in den Vordergrund. Im Laufe der Zeit schätzen die beiden einander immer mehr und es entsteht tatsächlich so etwas wie eine Männerfreundschaft, die im Grunde nicht viel Worte braucht um zu funktionieren.
Exzellent ist Wenders Rückbesinnung auf den klassischen Noir Film. Von Anbeginn faszinierend ist die atmosphärische Dichte des Großtstadtportraits. Hamburg wird von Kameramann Robby Müller grandios eingefangen. Diese Kombination aus ruhiger Erzählweise mit großartigem Lokalkolorit macht den Film zu einem Meisterwerk. Hamburg erweist sich mit seinem Hafenflair als eine wahrhaft prächtige Film Noir Kulisse. Wenders hat straff inszeniert, die dichte Atmosphäre sorgt für Spannung. Alles ist eingebettet  in höchster Perfektion und Stilsicherheit.



Bewertung. 9,5 von 10 Punkten.

Samstag, 14. März 2015

A most wanted man




















Regie: Anton Corbijn

Marionetten...

"A most wanted Man" von Anton Corbijn ist ein spannender und hochintelligenter Spionagethriller mit perfektem zeitgemäßen Bezug. Da der Film der Charakterzeichnung den Vorzug vor der "Action" gibt, steht in der Machart den großen Klassikern dieses Genres sehr nahe. Vor allem die großartige Darstellerleistung des leider viel zu früh verstorbenen Philip Seymour Hoffman ruft echte Begeisterung hervor. Nie war er besser als dieser manchmal nicht durchschaubare, aber dennoch aufrechte, gebrochene deutsche Nachrichtendienstler Günther Bachmann. Lediglich im grandiosen Sidney Lumet Alterswerk "Before the Devil knows you´re dead" konnte er mich ähnlich überzeugen. Er hätte für diesen Film auch eine Oscarnominierung als bester Darsteller verdient. Im Genre des Spionage- und Verschwörungsthrillers gabs in den letzten Jahren wenig ebenbürtige Filme, daher befindet sich "A most wanted Man" auf Augenhöhe mit Tomas Alfredssons "Dame, König, As, Spion" oder gar Polanskis "Ghostwriter".  Darüberhinaus ist dem Regisseur auch ein extrem interessanter "Hamburg" Film gelungen, denn die Handlung spielt basierend auf dem gleichnamigen Roman von John Le Carre in der Hansestadt: Von St. Pauli bis zur City Nord zeigt Corbijn eine Stadt, die unverkennbar Hamburg ist - und doch nichts mit üblichen Postkartenansichten gemein hat. Hier, zwischen trotzigen Waschbetonburgen und alten Patrizierwohnungen, protzigen Hafenfrontneubauten und verwinkelten Kiezhöhlen spielt sich im Verborgenen eine Story von Liebe, Verrat, Macht und dem modernen Anti-Terror-Krieg statt. Hamburg ist das Tor zur Welt und Große Freiheit. Dorthin verschlägt es den muslimischen Tschetschenen Issa Karpov (Grigori Eduardowitsch Dobrygin) nach der Flucht aus russischen und türkischen Gefängnissen. Er ist ein illegal Einreisender und ist auf der Suche nach dem Bankier Tommy Brue (Willem Dafoe).  Es  braucht aber nur die Aufnahme von einer der vielen öffentlichen Überwachungskameras, und der Mann taucht im Fahndungsraster der deutschen Sicherheitsbehörden auf. Somit steht er sofort im Visier der geheimen Antiterror-Einheit unter der Leitung von Günther Bachmann (Philip Seymour Hoffman), der noch an einem weiteren Fall arbeitet. Der muslimische Gelehrte Faisal Abdullah (Homayoun Ershadi) könnte hinter seiner wohltätigen Fassade auch ein Finanzier des Terrors sein. Bachmann hat viele Kontakte und Informanten (u.a. Medhi Debhi), die für ihn heimlich arbeiten. Zu Bachmanns Gruppe gehören auch Erna (Nina Hoss) und Max (Daniel Brühl). Issa selbst ist ein undurchsichtiger Mann, der sich jederzeit von der potentiellen zur akuten Bedrohung wandeln kann. Deshalb schalten sich auch die Amis in der Person der CIA-Residentin Martha Sullivan (Robin Wright) ein, auch Dieter Mohr (Rainer Bock) vom Verfassungsschutz übt Druck aus, da Berlin die Festnahme schnell und zügig über die Bühne bringen will. Doch Bachmann kann überzeugen, dass man mit einer unauffälligen Beobachtung des undurchsichtigen Issa vielleicht an größere Drahzieher des Terrors herankommen könnte. Er bekommt 72 Stunden Zeit. Inzwischen hat Issa Unterstützung durch die hübsche Anwältin Annabel Richter (Rachel McAdams) gefunden, die sich der Flüchtlingshilfe engagiert. Sie soll ein Treffen zwischen Issa und dem Banker möglich machen. Inmitten des langsam einsetzenden konkurrierenden Machtpoker der Geheimdienste  versucht Bachmann eine sehr riskante Mission...


am Ende bestätigt sich das Mißtrauen, dass man gegen diesen willkürlich agierenden Überwachungsapparten hegt. Sie arbeiten nicht miteinander, sondern verfolgen egoistisch eigene Ziele und Interessen. Obwohl der Strippenzieher Bachmann versucht im chronisch falschen Spiel das Richtige zu tun und sich eine gewisse Menschlichkeit bewahrt hat, wird auch er zum Spielball seiner Konkurrenten.  Denn die Amis und auch die deutsche Regierung in Berlin haben eigene Interessen. Überhaupt liefert die Hansemetropole die stimmigen und atmosphärischen Bilder, die die Geschichte braucht. Wie bereits in Corbijns 2010 entstandenen "The American" schrieb wieder Herbert Grönemeyer die Filmmusik für "A most wanted man". Er tritt sogar in einer Nebenrolle auf.



Bewertung: 9 von 10 Punkten.