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Dienstag, 16. Juli 2013

Taxi Driver





















Regie: Martin Scorsese

Du laberst mich an ????

26 Jahre alt, starke Kontaktprobleme und noch stärkere Schlafstörungen: Das ist der New Yorker Vietnam-Veteran und Marine Travis Bickle (Robert de Niro), der eine Stellung als Taxifahrer bekommt, weil er nachts nicht schlafen kann und auch in jeden Gast in jedes Viertel der Stadt fährt. Er arbeitet von 6 Uhr Abends bis 6 Uhr früh - wenn er dann immer noch nicht schlafen kann, geht er in ein Pornokino. Nachts, wenn in der Metropole das Vergnügen angesagt ist, fährt er durch die beleuchteten Straßen, untermalt wird dies von Bernard Herrmanns jazzigen, saxophonlastigem Score. Für Travis sind die Nachtgestalten einfach nur Abschaum. Tagsüber wird in der Stadt kräftig Wahlkampf für den designierten Präsidentschaftskandidaten Palantine gemacht. Auf die schöne Wahlkampfleiterin Betsy (Cybill Shepard) hat Travis ein Auge geworfen. Er beobachtet sie vom Taxi aus in ihrem Büro, wie sie von ihrem Arbeitskollegen Tom (Albert Brooks) umworben wird. Doch das erhoffte Kennenlernen geht schon bei der ersten Verabredung in die Brüche. Stattdessen rüstet sich Travis körperlich auf, er besorgt sich auch ein paar Waffen. Als er die 14jährige Prostituierte Iris (Jodie Foster) kennenlernt, die für den Zuhälter Sport (Harvey Keitel) anschafft, entwickelt er die besessene Idee das junge Ding aus den klauen des Rotlichtmilieus zu befreien...


 Ein verdammt guter Film, vielleicht immer noch Scorseses bester, trotz "King of Comedy" oder "Raging Bull" Der 1976 entstandene Film ist zu Recht einer der ganz großen Klassikern dieses sehr innovativen und progressiven Kinojahrzehnts. Scorsese inszeniert meditativ die Entleisung eines Psychopathen, der dem Alptraum Großstadt mit einem Amoklauf entgegenwirken will. Ausserst brutal geht er zu Gange und am Ende geht der Killer mit dem selbstzerstörerischen Wahn als Held aus der blutigen Geschichte hervor. Sehr dicht ist Scorsese am Geschehen und an der tragischen Hauptfigur, die von Robert de Niro großartig gespielt wird. 

Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Freitag, 7. Dezember 2012

Elephant



Regie: Gus van Sant

Todestag, heute....

20. April 1999...Dylan Klebold und Eric Harris richten an der Columbine High School in Littleton ein Massaker in der Schule an.
"Elephant" arbeitet diese tragische Ereignis in einer fast dokumentarischer Form auf. Dabei ist das Ereignis des Films zwar fiktiv, die beiden späteren Amokläufer heissen hier Alex und Eric.
Der Film schildert einen typischen Schultag und stellt einige Schüler John, Elias, Jordan, Carrie, Nicole, Brittany, Arcadia, Michelle, Benny, Nathan und auch Alex und Eric in ständig wechselnden Einstellungen und Episoden vor. Die Kamera beobachtet einen Tag wie jeder Andere, man trifft sich im Klassenzimmer, auf dem Flur, kleine Nöte werden beschrieben, jedoch nicht erklärt.

Die späteren Täter werden ebenso normal und unbefangen mit menschlicher Würde vorgestellt, sie werden nicht als die bösen, schuldigen Monster dargestellt.
Es wirkt spontan, so als hätte es kein feststehendes Drehbuch gegeben, lediglich einen roten Faden.
Es wird auch keine Erklärung für die Katastrophe gegeben, lediglich viele Kleinteile eines niemals kompletten Puzzles angerissen. So gibts Aufnahmen vom blauen Himmel, der Wetterlage - symbolhaft vielleicht für ein Schicksal, das der Mensch nicht steuern kann. Alex hört in einer kurzen Sequenz so was wie "Stimmen", als er die Cafeteria betritt. Eine Szene sehen wir, wie er ganz hinten im Klassenzimmer als Aussenseiter von den Kids vorne mit allen möglichen Utensilien beworfen wird, so als eine Art Abfalleimer. Die Freundschaft von Alex und Eric wird angerissen, Alex spielt "Für Elise" auf dem Klavier, während Eric grad per Videospiel haufenweise Leute abballert.
Am Tag des Massakers läuft eine Doku über Hitler in der Glotze.
Eine Art "Zärtlichkeit" zwischen beiden wird sichtbar, bevor sie zur Tat schreiten.
Die völlig normal laufende, tagtäglich erlebte Routine oder Idylle in der Schule wird dann von den beiden völlig zerstört. Erweiterter Suizid "heute werden wir sterben und wir nehmen noch ein paar andere mit" - Sportskanonen, die Streberin, die oberflächlichen Darlings....
Ich habe den Film gestern geschaut und ich muss sagen, dass mich der subtile und sensible Stil des Films tief beeindruckt hat, er ist niemals effekthaschend, nie belehrend, nie moralisch, nie voyeuristisch. Das Grauen, für das es keine allgemeingültige Erklärung gibt und das mit so einer erschreckend unerwarteten Wucht den Alltag auflöst, hat mich stumm gemacht.
Gus von Sant ist mit seiner Laien-Besetzung ein besonders wertvoller Film geglückt. Er regt zum Nachdenken auch über sehr viele andere Themen an, denn die Erklärungen dafür sind viel zu vielschichtig, als die Medien solche Katastrophen oberflächlich erklären.



Bewertung: 10 von 10 Punkten..