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Mittwoch, 19. Mai 2021

Der zehnte Tag


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Claude Chabrol

Familiengeheimnisse...

Claude Chabrols "Der zehnte Tag" heißt im Original "La Décade prodigieuse" und entstand im Jahr 1971 nach dem Roman von Ellery Queen. Der Film entstand in Chabrols kreativster Schaffensphase Ende der 60er Jahre bis Mitte der 70er Jahre - in dieser Zeit entstanden Genreperlen wie "Das Biest muss sterben", "Der Schlachter" oder "Der Riß". "Der zehnte Tag" ist ebenfalls ein sehr interessanter, aber auch sehr skurriler Film geworden und beginnt mit dem Aufwachen des jungen Bildhauers Charles van Horn, gespielt von US-Schauspieler Anthony Perkins, in einem Pariser Hotel. Charles ist blutverschmiert und weiß nicht, wie er in das Hotel gelangte. In seiner Hilflosigkeit tätigt er einen Anruf bei seinem ehemaligen Professor Paul Regis (Michel Piccoli) an, der in Paris wohnt. Nur er kann ihm aus der Patsche helfen. Tatsächlich kommt Regis vorbei, möchte auch auf Charles Bitten die noch offene Hotelrechnung begleichen. Doch die wurde bereits bezahlt,  Charles kann sich auch daran nicht mehr erinnern. Aber er lädt Paul zu sich nach Hause ein. Er wohnt gemeinsam mit seinem Vater Theo van Horn (Orson Welles) und dessen Frau Helene (Marlene Jobert) in einem riesigen Schloß im Elsass. Dort wird Paul nichtsahnend in eine sehr vertrackte Familientragödie hieneingerissen. Hinter dem großen Luxus und dem riesigen Vermögen verbergen sich fatale Geheimnisse, die im Laufe des Besuchs langsam aber sicher offengelegt werden. Paul erfährt, dass Charles als Baby von Theo van Horn adoptiert worden ist, auch seine Frau Helene wurde von ihm als kleines Mädchen adoptiert und aufgezogen. Alle weiteren Ereignisse wie ein geheimnisvolles Labyrinth. Zudem offenbaren Charles und Helene Paul ihr heimliches Liebesverhältnis. Beide sind sehr unglücklich, sie müssen diese Beziehung geheimhalten, ja beenden. Denn keiner der beiden will Theo weh tun. Bald ist auch ein Erpresser aktiv...




Dabei sind es vor allem die interessanten vier Figuren, die sich vor den Augen der Zuschauer immer mehr seelisch entblättern und einer in diesem Quartett wird irgendwann darauf stoßen, dass es in diesem undurchdringlichen Labyrinth einen fiesen Mordplan gibt. Das Augenmerk liegt stets auf den Figuren - Chabrol ist weitaus mehr an den Charakterstudien interessiert als an dem Kriminalfall, der beiläufig mitläuft und sich erst am Ende in seinem ganzen Ausmaß entfaltet. 




Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Samstag, 3. April 2021

Sprengkommando Atlantik


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Andrew V. McLaglen

Ein Katzenliebhaber rettet das Vereinigte Königreich...

Andrew V. McLaglen war ein britisch-amerikanischer Schauspieler, der viele Filme von John Wayne inszenierte. McLaglen (1920 bis 2014) kam schon sehr früh ins Filmgeschäft - er war der Sohn des bekannten Schauspielers Victor McLaglen. 1963 drehte er mit der Westernkomödie "MacLintock" seine erste Großproduktion fürs Kino. Es folgten Klassiker wie "Der Mann vom großen Fluß", "Weg nach Westen", "Bandolero", "Chisum" oder "Geier kennen kein Erbarmen". 1978 gelang ihm mit dem Söldner-Streifen "Die Wildgänse kommen" ein Riesenkinohit, der weitere filmische Verwandte wie "Sprengkommando Atlantik" oder "Die Seewölfe kommen" nach sich zog.
"Sprengkommando Atlantik" entstand 1979 und war für die beiden Hauptdarsteller Anthony Perkins und Roger Moore eine gute Gelegenheit aus ihrem typischen Rollenmuster auszubrechen. Roger Moore, der zu dieser Zeit James Bond und damit auch ein Frauenheld war, spielt hier einen bärtigen, exzentrischen, arroganten Katzenleibhaber und Frauenfeind, der jedoch über großartige strategische Fähigkeiten verfügt. Perkins spielt den äusserst cholerischen Anführer einer brutalen Gangsterbande, die zwei Bohrinseln in ihre Gewalt bekommen und die britische Regierung erpressen. So wie es sich natürlich zu Margaret Thatchers Zeiten gehört, ist auch in "Sprengkommando Atlantik" die britische Premierministerin eine Frau (Faith Brook).
Die ist auf den exzentrischen und katzenliebenden Berater für Terrorismusbekämpfung, Rufus Excalibur ffolkes (Roger Moore) angewiesen, der bereits vor einigen Wochen einen Notfallplan entwickelt hat, falls eine der versichterten Nordsee-Ölanlagen bedroht sein sollten. Sein kleines privates Sonderkommando übt schon fleißig für den Ernstfall und tatsächlich tritt dieser auch sehr schnell ein. Lou Cramer (Anthony Perkins) und seine Männer verschaffen sich Zutritt zum Nordsee - Versorgungsschiff Esther. Ein fataler Fehler, wie Captain Olafsen (Jack Watson) bald erkennen muss. Denn das Schiff wird von den Besuchern entführt. Nachdem die Bande Minen an den beiden Plattformen angebracht haben, erpressen sie die Regierung mit einer Lösegeldforderung in Höhe von 25 Millionen Pfund. Wie ernst es die Gangster meinen wird sehr schnell klar - es gibt Tote auf dem Schiff. ffloles Idee ist sich als Adjudant von Admiral Brindsen auszugeben und von Cramer aufs Schiff gelassen zu werden. Bei dieser Gelegenheit will er den Gangsterboss ausschalten - doch dieser schöpft beim Anblick des undurchsichtigen Adjudanten Verdacht...



Insgesamt ist McLaglen mit seinem Actionfilm ein guter Spannungsfilm gelungen, bei dem Roger Moore eine gute Figur macht. Seine Rolle macht ihm sichtlich Freude und er spielt diesen kauzigen Egozentriker super.




Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Dienstag, 30. August 2016

Catch 22 - Der böse Trick

























Regie: Mike Nichols

Das Schicksal des Bombenschützen einer B-52...

"Catch 22 - Der böse Trick" ist ein verrückter Antikriegsfilm von Mike Nichols, der ganz in der Tradition des kurz zuvor gestarteten Altman Film "M.A.S.H." steht. Überhaupt war 1970 ein gutes Kinojahr für Kriegsfilme. "Patton" von Franklin J. Schaffner triumphierte in der Oscar-Nacht. "Tora Tora Tora" von Richard Fleischer Kiji Fukasaku und Toshio Mauda war ebenfalls ein Kinohit und auch "M.A.S.H." begeisterte das Publikum in Cannes. Am Ende gabs die Goldene Palme und einen Oscar in der Kategorie "Bestes adaptiertes Drehbuch" für die scharfe Satire, die den militärischen Imperialismus und die Bürokratie mächtig aufs Korn nahm. Schade, dass Mike Nichols "Catch 22 - der böse Trick" nicht ganz die Wertschätzung dieser drei Filme erreichen konnte - denn ich würde ihn in diesem guten Quartett der 70er Kriegsfilme fast als den besten Beitrag sehen. Der absurde Abstecher in den tödlichen Wahnsinn des Krieges ist ein United States Army Air Force Stützpunkt auf der besetzten Mittelmeerinsel Pianosa hat geniale Szenen und groteske Gags, bei denen das Lachen im Hals stecken bleibt. Der schwarzhumorige Antikriegsfilm basiert auf dem gleichnamigen Roman von Joseph Heller.
Tragischer Held der Geschichte ist Captain John Yossarian (Alan Arkin), ein Bombenschütze der riesigen B-25 Bomben, die die Alliierten von Italien aus gegen die Achsenmächte einsetzen. Yossarián will, um von den Kampfeinsätzen freigestellt zu werden, sich für verrückt erklären lassen, was ihm aber aufgrund der absurden Argumentationskette "Catch 22" nicht gelingen kann, denn dieses Gesetz besagt "Wenn ich fluguntauglich werden will, muss ich verrückt sein. Und wenn ich weiterfliege, muss ich auch verrückt sein. Aber wenn ich den Arzt (Jack Gilford) bitte, mich fluguntauglich zu schreiben, bin ich nicht mehr verrückt und dann muss ich natürlich weiterfliegen". Ein weiteres Problem ist die ständige Erhöhung der Flüge, die absolviert werden müssen, bevor man ne Pause einlegen kann. Dies ist Geschwaderkommandant Cathcard (Martin Balsam) und seiner rechten Hand Lieutenant Colonel Korn (Buck Henry) zuzuschreiben. Denn die wollen gut dastehen bei General Dreedle (Orson Welles), der während eines Besuchs auf dem Stützpunkt schon gerne mal einen Major (Richard Benjamin) erschießen lassen will, weil der einen Fehler gemacht hat.
Yossarian wird am Anfang des Films durch ein Attentat schwer verletzt, er phantasiert während dieser Zeit und spricht dabei mit seinen inzwischen verstorbenen Kameraden Nately (Art Garfunkel) oder Snowden (Jon Korkes). Er erinnert sich an einige Episoden, die er hier an diesem wahnsinnigen Ort bereits erlebt hat. So taucht auch Milo Minderbinder (Jon Voight) auf, der scheinbar irrsinnig geworden ist - aber auch auf der ultimativen Erfolgsschiene einen florienden Schwarzmarkt aufgebaut hat und von seinen Vorgesetzten gefördert wird. Was auch seine Profitgier immer mehr erhöht. Er erinnert sich an den Geistlichen Captain Tappman (Anthony Perkins), an Major Major (Bob Newhart) und an weitere Bomberpiloten wie 1st Lieutenant Dobbs (Martin Sheen) und Captain Orr (Bob Balaban), den größten Bruchpiloten von allen. Fünfmal wurde er schon abgeschossen und fünfmal gerettet und er wird in "Catch 22" die geniale Schlußpointe setzen...



Joseph Hellers absurd-grotesker Antikriegsroman erwies sich als ausserordentlich schwierig zu verfilmen. So konnte Mike Nichols nach seinen zwei ersten Megaerfolgen "Wer hat Angst vor Virigina Wolf" und "Die Reifeprüfung" mit "Catch 22" nicht mehr an diesen Erfolg anknüpfen. Vielleicht auch deshalb, weil es sich vielleicht um einen Film auf den zweiten Blick handelt. Es gibt herrliche Szenen, der Film ist auch in Sachen Kamera erste Sahne. Der Brite David Watkin war dafür verantwortlich. Viele Jahre später sollte er für "Jenseits von Afrika" den Oscar bekommen. In seiner Filmographie tauchen ausserdem Klassiker wie "Die Teufel", Richard Lesters "Die drei Musketiere/Die vier Musketiere", "Robin und Marian", "Die Stunde des Siegers", "Mondsüchtig", Zefirellis "Hamlet" oder "Yentl" auf.





Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Das war Roy Bean





Regie: John Huston

Der Richter...

 "Das war Roy Bean" wurde bei seinem Kinostart in Deutschland stark gekürzt. Auf der DVD liegt der John Huston Klassiker nun in der ungekürzten Fassung vor, was man nur begrüssen kann. Das Drehbuch wurde von John Milius verfasst und man sah in dem Western viel mehr seine Handschrift als die des Regisseurs. Der Filmsong "Marmalade, Molasses and Honey" wurde für einen Oscar nominiert und das Filmdebüt von Victoria Principal (die spätere Pam aus "Dallas") wurde mit einer Golden Globe Nominierung belohnt. "Roy Bean" wurde in den US-Bundesstaaten Arizona, Kalifornien und Texas gedreht, es entstand Produktionskosten in Höhe von 4 Millionen Dollar, doch dank des charsmatischen Hauptdarstellers Paul Newman spielte der Western mehr als 16 Millionen Dollar ein.
Einmal mehr wird die Geschichte des selbsternannten und selbstgerechten Richters Roy Bean erzählt. Die bekannteste Verfilmung stammt aus dem Jahr 1940 - in William Wylers "Der Westerner" spielte Walter Brennan den Richter so perfekt, dass er dafür einen Oscar erhielt. Die Version von John Huston geht etwas weniger sorgfältig mit den historischen Fakten um, aber John Huston gelingt eine Art schrilles Panoptikum des Wilden Westens.  Sein Biopic ist schrill, überzeichnet, respektlos,  vieles wirkt grotesk und der Regisseur gefällt sich in der Rolle, den Western mal nicht so bierernst zu zeigen.
Die Geschichte beginnt in einem Teil des Wilden Westens, wo noch kein Gesetz herrscht. In der Grenznähe zu Mexico, westlich des Rio Pecos, existiert ein Nest namens Vinegaroon. Dort sollen Outlaws vor dem Zugriff der staatlichen Gewalt geschützt werden. Doch der Kneipenbesuch endet für Roy Bean (Paul Newman) fast tödlich. Er wird von den dort ansässigen Banditen und einigen Prostituierten ausgeraubt. Dank der Hilfe der jungen Mexikanerin Maria Elena (Victoria Prinzipal) bleibt er am Leben und er kann blutige Rache nehmen. Ab diesem Zeitpunkt ernennt er sich selbst zum Richter des Städtchens, ernennt einige später vorbeiziehende Gesetzlose zu seinen Mitarbeitern und sorgt auf seine ganz besondere Art und Weise für Recht und Ordnung in dem Städtchen, dass von nun an den Namen Langtry trägt - inspiriert von seinem Idol, der Sängerin Lillie Langtry (Ava Gardner) - für ihn die schönste Frau der Welt.
Im Laufe seiner Amtszeit und unerbittlichen Herrschaft kommen viele seltsame Figuren in die Stadt. Angefangen von einem seltsamen Reverend (Anthony Perkins), einem Mountain Man namens Grizzly Adams (John Huston), der seinen Bär in Beans Obhut gibt oder der durchgeknallte Geisterbob (Stacy Keach), der den Richter abknallen will.
In späteren Jahren zieht der Anwalt Frank Gass (Roddy McDowall) geschickt seine Fäden und leitet zeitgleich wie der Eisenbahnbau auch eine Wende im alten Westen ein. Statt Outlaws sind nun korrupte Politiker und Wirtschaftsbosse am Zug....
John Hustons Western entstand in einer für ihn etwas chaotischen Zeit. Seine Filme wirkten nicht mehr ganz so einheitlich, er versuchte sich an mehreren Genres. Dennoch hat Huston in dieser Zeit kleine verkannte Genreperlen wie "A walk with love and dead", "Fat City" oder "Der Mann, der König sein wollte" gemacht, die alle nicht ganz den Klassikerstatus seiner frühen Meisterwerke erreichten.
Sicherlich gehört auch "Roy Bean" zu diesen verkannten Perlen...in weiteren Nebenrollen sind Jacqueline Bisset als Beans resolute Tochter zu sehen und Tab Hunter taucht als Pferdedieb auf, der von Bean keine Gnade zu erwarten hat.
 
 




"Roy Bean" hat einen recht guten Stellenwert im Genre Spätwestern, vielleicht gerade deshalb, weil er so unverschämt respektlos mit den Mythen umgeht.
Auch heute noch macht der coole Film Spass beim Anschauen.





Bewertung: 8 von 10 Punkten.