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Dienstag, 22. November 2016

Pauline am Strand




















Regie: Eric Rohmer

Der süße Duft des Sommers...

Viele seiner Filme hat der französische Regisseur Eric Rohmer (1920 - 2010) in Zyklen unterteilt. Seine ersten internationalen Welterfolge wie "Claires Knie" oder "Meine Nacht mit Maud" sind als "Moralische Erzählungen" bekannt. In den 80er Jahren drehte er seine Filme wie Das grüne Leuchten" oder "Der Freund meiner Freundin" in den Zyklus "Komödien und Sprichwörter" und mit "Frühlingserzählung" aus dem Jahr 1989 begann er sein filmisches Quartett "Erzählungen der vier Jahreszeiten". Rohmer hat eines sehr eigewilligen, kaum verwechselbaren Stil wie er seine Filme inszeniert. Sie sind dialoglastig und wirken vielleicht für sehr viele Zuschauer etwas spröde und durch wenig Action auch langweilig. Sein Lieblingsthema ist die Liebe, die Erotik und die Partnersuche.
"Pauline am Strand" aus dem Jahr 1983 gehört nicht zu seinen bekanntesten Filmen, aber für mich gehört diese wunderschön bebilderde Ferien- und Urlaubsimpression zu seinen besten Filmen. Für die Kamera-Arbeit war Nestor Almendros verantwortlich, dem für mich neben John Alcotts Leistung in "Barry Lyndon" für seine Bilder in Malicks "In der Glut des Südens" die beste Leistung aller Zeiten im Bereich der Cinematographie gelang.
Seine Bilder tragen sehr viel bei zu dieser sommerleichten Atmosphäre, in der die Geschichte spielt.
Ort der Handlung ist die Normanie. Dort haben die Eltern der 15jährigen Pauline (Amanda Langlet) ein Ferienhaus. Gemeinsam mit ihrer Cousine Marion (Arielle Dombasle)  will sie dort die letzten Tage der Sommerferien genießen. Das Haus liegt nur 5 km von einem schönen Strand entfernt. Marion ist frisch geschieden und etwa 10 Jahre älter als Pauline. Sie sucht wieder einen Partner und möchte sich verlieben. Sie fragt Pauline über ihr Liebesleben aus und findet heraus, dass das junge Mädchen noch nie so richtig verliebt war. Am Strand treffen sie auf Pierre (Pascal Greggory), der mal eine kurze Liason mit Marion hatte und immer noch sehr in sie verliebt ist. Marion hat aber nur Augen für Henri (Feodor Atkine), einem Bekannten von Pierre. Dieser ist einer Affäre nie abgeneigt, liebt aber die Freiheit und genießt vor allem den Augenblick. Nicht unbedingt der Mann, der sich gleich verliebt und sich bindet. Immerhin lernt auch Pauline schnell einen Verehrer kennen. Der ein Jahr ältere Sylvain (Simon de la Brosse) fängt gleich zu Flirten an und es kommt auch zwischen den beiden Teenagers schnell zu Zärtlichkeiten. Marion verbringt die Nacht mit Henri, sie sucht die große Liebe - aber der hat mit der Bonbonverkäuferin Louisette (Rosette) ein weiteres heißes Eisen im Feuer. An dem Tag als Marion und Pauline einen Ausflug zum Mont Saint-Michel machen, ergreift Henri die Gelegenheit für ein heimliches Rendezvous mit Louisette. Doch die beiden Mädels kommen zu früh zurück. Dies ist der Beginn von Lügen und einigen Fehleinschätzungen...




Der Film wirkt federleicht, hat aber immer eine melancholische Aura. Man muss interessiert sein an diesen ganz normalen Menschen, die alle auf der Suche sind und die sich Zärtlichkeit und manchmal etwas mehr erhoffen. Wie eine Sommerbrise - so leicht - genauso brüchig ist aber diese Konstellation, die sich spontan an diesem Urlaubsort ergibt. Man lernt sich kennen, man findet Gefallen am Gegenüber, aber genauso schnell wie die Emotionen da waren, geraten sie auch wieder in Vergessenheit, wenn man den Urlaubsort verlässt. Ob sich die fünf Figuren wieder treffen ? Als Sprichwort hat Rohmer dem Film ein Zitat von Chretien de Troyes vorangestellt "Wer zuviel redet, verliert sich selbst".
Die junge Amanda Langlet wurde auch für weitere Filme von Rohmer verpflichtet. Arielle Dombasle konnte in Frankreich eine recht erfolgreiche Karriere als Sängerin machen.
Simon de la Brosse, der Darsteller des jungen Sylvain, wurde leider nur 33 Jahre alt. Aufgrund schwerer Depressionen beging er im Jahr 1998 Selbstmord.





Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Samstag, 8. Dezember 2012

In der Glut des Südens



Regie: Terrence Malick

Das harte Leben amerikanischer Landarbeiter...

Die Geschwister Bill (Richard Gere) und Linda (Linda Manz) leben Anfang des 20. Jahrhunderts zur Zeit der immer mächtiger werdenden Industrialisierung in Chicago. Bill arbeitet in der Fabrik, ist allerdings ein Hitzkopf, der sich mit dem Vorarbeiter anlegt, diesen im Kampf tötet und somit verschwinden muß.
So beginnt für die Geschwister eine Reise mit dem Zug in Richtung Süden. Bills Freundin Abby (Brooke Adams) ist auch dabei, Bill gibt sich aber auch als deren Brüder aus.
Auf der langen Reise auf den Dächern der Güterzüge, die nach Süden führen, schliesst die junge Linda, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, Freundschaft mit einem anderen Mädchen (Jackie Shultis).
In Texas besteht die Möglichkeit etwas Geld zu verdienen, daher trennen sich die Wege der beiden Freundinnnen. Scharen von Erntehelfern werden auf den riesigen Weizenfeldern eines wohlhabenden Farmers beschäftigt. Die drei Flüchtigen werden eingestellt. Bill belauscht zufällig ein Gespräch des reichen, jungen Farmers (Sam Shepard) mit seinem Arzt und hört, dass der Farmer nur noch ein Jahr zu leben hat.
Diese Information weckt ihn im den Plan, endlich zu Reichtum zu kommen, denn der Farmer scheint sehr großen Gefallen an der hübschen Abby zu haben.
Der Vorarbeiter (Robert J. Wilke) misstraut allerdings Bill und Abby, hat aber keinen Beweis, dass die beiden etwas vorhaben...


 Terrence Malick schuf 1978 diesen legendären Film, der vor allem durch die überwältigend schöne Kameraarbeit von Nestor Almendros (Adele H, Der Wolfsjunge, Pauline am Strand), dem hier vielleicht die großartigste Kameraarbeit in einem Film gelang. Jede Einstellung für sich ist von überragender Schönheit.
Malick und sein Kameramann verzichteten weitgehend auf künstliches Licht und drehten die Außenaufnahmen hauptsächlich zur Morgen- oder Abenddämmerung oder nachts.  Malick verbrachte dann zusätzlich noch zwei Jahre um den Schnitt des Films zu optimieren. Diese im Film dominierenden außergewöhnlichen Lichtstimmungen lassen "In der Glut des Südens" zu einem äusserst poetischen und melancholischen Film werden.
In Cannes wurde der Regisseur bei den Internationalen Filmfestspielen als bester Director geehrt, nach der Preisverleihung sollte er sich dann 20 Jahre vom Filmgeschäft zurückziehen, bevor er mit einem weiteren Meisterwerk "Der schmale Grat" eindrucksvoll ein Comeback feierte.
Almendros erhielt zu Recht den Oscar für seine Kameraarbeit, die Musik stammt von Ennio Morricone, die auch herrlich die Stimmung des Filmes einfangen kann.
Für mich ist "In der Glut des Südens" einer dieser großen Filmwerke, die man nie wieder vergisst.

Bewertung: 10 von 10 Punkten.