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Mittwoch, 1. Mai 2024

Short Cuts


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Robert Altman

Kurze Augenblicke...

Neben "The Player" aus dem Jahr 1991 gilt auch der ein Jahr später entstandene Episodenfilm "Short Cuts" als das Comeback eines Ausnahmereggisseurs, der in den 80er Jahren eine gewisse Schaffenskrise hatte, trotz des unterschützten Meisterwerks "Streamers" im Jahr 1983. Seine großen Klassiker entstanden vornehmlich in den 70er Jahren. Mit "Mash", "McCabe & Mrs. Miller", "Der Tod kennt keine Wiederkehr", "Diebe wie wir", "California Split", "Nashville", "Buffalo Bill und die Indianer" oder "Eine Hochzeit" gelang es ihm in die Riege der wichtigsten US-Regisseure einzusteigen. Ein besonderes Faible hatte Altman für den Episodenfilm mit einem großen Ensemble. "Nashville" zeigt eindrücklich das stilistische Merkmal von vielen seiner Filme: Diese Verküpfung verschiedener Handlungsstränge und Personenkonstellationen, die häufig erst auf den zweiten Blick einen tieferen Zusammenhang ergeben. Auch kommt in seinen Film oft auch ein schwarzer Humor zum Vorschein, der auch nicht gleich erkennbar ist.
Dieses Erfolgsrezept benutzte er auch in "Short Cuts".
Es ist aber ein unbehaglicher Epsiodenfilm, der finanziell kein Erfolg wurde - jedoch seinem Regisseur eine weitere Oscarnominierung einbrachte. Diese Geschichten von Menschen aus Los Angeles wirken nicht sofort fesselnd, man muss sich Zeit nehmen und die Alltagsepisoden auf sich wirken zu lassen. Dadurch entsteht tatsächlich auch ein eindrucksvolles, eher pessimistisches Zeitbild. Eine deprimierende Fülle von Glückserwartungen und Frustrationen, die gesellschaftlichen Probleme und Zwänge der Menschen sind greifbar. 188 Minuten, die nie langweilig werden - der Regisseur fügt dieses Mosaik an menschlichem Zusammenleben souverän ineinander.
Short Cuts zeichnet die Handlungen von 22 Hauptfiguren nach, sowohl parallel als auch an gelegentlichen losen Verbindungspunkten. Die Rolle von Zufall und Glück spielt im Film eine zentrale Rolle, und viele der Geschichten handeln von Tod und Untreue.
Der Film beginnt mit einer Hubschrauberflotte, die Insektengift versprüht, was verschiedene Charaktere entlang der Flugbahn zusammenbringt. Dr. Ralph Wyman (Matthew Modine) und seine Frau Marian (Julianna Moore) treffen Stuart Kane (Fred Ward), einen arbeitslosen Verkäufer, und seine Frau Claire (Anne Archer), die als Partyclown arbeitet, bei einem Konzert, in dem die junge Zoe Trainer (Lori Singer) auf dem Cello spielt. Sie beschließen spontan, sich sonntags zum Abendessen zu verabreden. Unterdessen ist Marians Schwester Sherri (Madeline Stowe) mit einem betrügerischen Polizisten namens Gene (Tim Robbins) verheiratet, der eine Affäre mit Betty Weathers (Frances McDormand) hat, während Betty sich von einem der Hubschrauberpiloten, Stormy (Peter Gallagher), scheiden lässt. Zu den anderen Charakteren gehören Doreen Piggot (Lili Tomlin), eine Kellnerin, die mit einem alkoholkranken Limousinenfahrer namens Earl (Tom Waits) verheiratet ist, und der Fernsehkommentator Howard Finnigan (Bruce Davidson), der gemeinsam mit seiner Frau Andie McDowell) und dem kleinen Sohn Casey (Zane Cassidy) neben der Jazzsängerin Tess (Annie Ross) und ihrer Tochter Zoe wohnt. Jerry Kaiser (Chistopher Penn) der Poolreiniger, ist mit Lois (Jennifer Jason Leigh) verheiratet, die von zu Hause aus als Telefonsex-Agentin arbeitet. Jerry und Lois sind mit Honey (Lli Taylor), Doreens Tochter, und ihrem Ehemann Bill (Robert Downey jr.), einem Maskenbildner, befreundet. Die Tragödie ereignet sich, als Casey, der kleine Sohn von Howard und Anne, versehentlich von Doreens Auto angefahren wird. Obwohl es ihm zunächst gut zu gehen scheint, wird Casey später zu Hause bewusstlos. Die besorgten Eltern bringen ihn schnell ins Krankenhaus, wo er ins Koma fällt. Währenddessen ruft der Bäcker Andy Bitkower (Lyle Lovett) immer wieder die Finnigans an, um sie über ihren bestellten Kuchen zu informieren. Howard, der die Telefonleitung frei halten möchte, beendet die Anrufe jedoch abrupt, was zu Frustration bei dem Bäcker führt. Howards entfremdeter Vater Paul (Jack Lemmon) kommt im Krankenhaus an und erinnert sich an einen Vorfall aus Howards Kindheit, der zur Kluft zwischen ihnen geführt hat...






"Short Cuts" ist kurzweilig, abe bitterböse - die meisten dieser Menschen stehen kurz vor dem Zusammenbruch. Und die bösen Seiten kommen schnell und überraschend. Etwa wenn der gefühllose Polizist so von Susie, dem Familienhund, so genervt ist, dass er ihn kurzerhand irgendwo in der Stadt einfach aussetzt oder wenn sich die aggressivsten Seiten des Poolreinigers in einem Mord entladen, der möglicherweise oder sogar sehr wahrscheinlich ungesühnt bleibt. Altmans Los Angeles ist funkelnd, korrupt und total verkommen.






Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Samstag, 20. Januar 2024

Ich glaub ich steh im Wald


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Amy Heckerling

Schüler der Ridgemont High School...

Beim Ansehen des Teeniefilms "Ich glaub ich steh im Wald" (Originaltitel: Fast Times at Ridgemont High") wird man eine Fundgrube späterer Kinostars entdecken. Der Film von Amy Heckerling (Clueless) zeigt Sean Penn, Nicholas Cage, Jennifer Jason Leigh, Forest Whitaker, Eric Stoltz, James Russo und Judge Reinhold am Anfang ihrer Filmkarriere. Der Film selbst erreichte einen Kassenumsatz von 50 Millionen Dollar weltweit und hat sich im Laufe der Zeit einen gewissen Kultstatus erworben. In der Stadt Ridgemont im San Fernando Valley kreuzen sich die Leben verschiedener Teenager, die die Ridgemont High School besuchen. Brad Hamilton (Judge Reinhold), ein beliebter Absolvent, freut sich auf sein letztes Schuljahr. Er hat einen Job bei All-American Burger, sein 1960er Buick LeSabre ist fast abbezahlt und er plant, sich von seiner Freundin Lisa (Amanda Wyss) zu trennen, damit er in seinem Abschlussjahr völlig frei sein kann. Seine jüngere Schwester Stacy (Jennifer Jason Leigh), eine 15-jährige Studienanfängerin, arbeitet zusammen mit ihrer älteren Freundin Linda Barrett (Phoebe Cates) bei Perry's Pizza in der Ridgemont Mall. Stacy möchte genauso sexuell erfahren sein wie Linda. Mike Damone (Robert Romanus) ist ein von sich überzeugter Schüler, der sich für einen weltgewandten Frauenhelden hält und sein Geld mit Sportwetten und dem Verkauf von Konzertkarten verdient. Mark „Rat“ Ratner (Brian Backer), Damones schüchterner, aber liebenswürdiger bester Freund, arbeitet als Platzanweiser im Kino gegenüber von Perry’s Pizza. Schließlich ist Jeff Spicoli (Sean Penn)ein sorgloser Kiffer und Faulpelz, der nur vom Surfen und dem Rausch lebt. Am ersten Schultag gerät Spicoli mit dem Geschichtslehrer Mr. Hand (Ray Walston)  in Konflikt, als er wie so oft zu spät zum Unterricht erscheint. Zwischen den beiden kommt es zu einem anhaltenden Geisteskampf, bei dem Mr. Hand versucht, Spicoli dazu zu bringen, die Schule ernst zu nehmen. Bei der Arbeit wird Stacy vom 26-jährigen Stereoverkäufer Ron Johnson (D.W. Brown) um ein Date gebeten. Stacy willigt ein, mit ihm auszugehen, lügt über ihr Alter und behauptet, sie sei schon 19 Jahre alt. Bei ihrem Date verliert sie in der Nacht auf den Zuschauerbänken eines Baseballfeldes ihre Jungfräulichkeit an ihn. Ron schickt ihr am nächsten Tag Blumen, verliert aber schnell das Interesse an ihr. Mark lernt Stacy im Naturwissenschaftsunterricht kennen und ist von ihr begeistert. Er nimmt sie mit in ein deutsches Restaurant. Danach lädt sie Mark zu sich Hause ein.  In ihrem Schlafzimmer beginnen die beiden sich zu küssen, aber er geht nervös, bevor sie weitermachen können. Stacy interpretiert seine Schüchternheit fälschlicherweise als Desinteresse. Linda rät ihr, weiterzumachen und einen anderen Jungen zu finden. Unterdessen wird Brad von seinem Job entlassen, nachdem er einen Kunden bedroht und Schimpfwörter benutzt hat. Und das sind lange nicht alle Episoden aus dem Leben dieser Teenanger...







Das Drehbuch hat Cameron Crowe verfasst, der seit seinem 15ten Lebensjahr Artikel für Musikzeitschriften schrieb und in dieser Funktion die Allman Brothers auf einer Tournee begleitete. Später wurde er Redakteur beim "Rolling Stone". Nach dieser Zeit schrieb er mehrere Drehbücher und drehte schließlich als Regisseur selbst Filme. Seine Jugendzeit hat er in dem oscarprämierten Musikfilm "Almost famous" aufgezeichnet. Er erhielt für das Drehbuch zu seiner Regiearbeit den Oscar. Auch die Songs von "Fast Times at Ridgemont High" wurden Hits: Jackson Brownes Single "Somebodys Baby" erreichte Platz 7 der Billboard Charts. Sammy Hagar mit seinem Song "So much in Love" konnte sich ebenfalls in den Top100 platzieren. Insgesamt ist "Ich glaub ich steh im Wald" ein Film, der viel Zeitgeist offenbart und Amy Heckerling hat die Perspektive dieser Erzählung sehr eigenwilig ausgewählt. Die damals 19jährige Jennifer Jason Leigh zeigt ihr riesiges Talent. Leider wurde diese ausdrucksstarke Schauspielerin bei der Vergabe der Academy Awards nur ein einziges Mal - für die Rolle in Quentin Tarantinos Kammerspielwestern "Hateful Eight" - mit einer Nominierung belohnt.










Bewertung:  7,5 von 10 Punkten.

Donnerstag, 9. Juni 2016

The Hateful Eight

























Regie: Quentin Tarantino

Was wirklich in Minnies Kurzwarenladen geschah...

Es wurde noch gar nicht gebührend vermerkt, aber das Filmjahr 2016 scheint große Western hervorzubringen: Nach dem wuchtigen Trapperfilm "The Revenant" von Alejandro Gonzalez Inarritu und dem fiesen Schlachterwestern "Bone Tomahawk" von S. Craig Zahler kann auch Quentin Tarantino seinen zweiten Western in Folge präsentieren. Und "The Hateful Eight" ist um soviel anders als "Django Unchained", seine vielberühmte Spaghetti-Westen Hommage aus dem Jahr 2012. Der US-Autorenfilmer scheint sich mit seinem neuen Werk wieder an seine ursprünglichen Stärken zurückzuerinnern und verzichtet auf das Zusammenfügen großer Filmzitate und Liebeserklärungen auf das Kino von Gestern. "The Hateful Eight" erinnert irgendwie an die Dialoglastigkeit seines erstes Riesenerfolgs "Reservoir Dogs", der auch nur einen begrenzten Handlungsort zur Verfügung stellte. Und so wird "Minnies Kurzwarenladen", eine Herberge irgendwo in der Wildnis von Wyoming, zum Hauptort der Handlung. Hier laufen die Fäden der Geschichte zusammen und hier kommt es auch zum ultimativen brutalen Höhepunkt der Story. Einige Kritiker haben Tarantino natürlich angelastet, dass er statt großer Landschaftsbilder, die gute Spätwestern auszeichnen, weitestgehend verzichtet und stattdessen den Focus auf eine kammerspielartige, theaterhafte Inszenierung im warmem Zufluchtsort legt, während draussen ein fieser Schneesturm tobt. Der Film spielt einige Jahre nach dem Sezessionskrieg und in bei Minnie Mink (Dana Gurier) treffen acht hasserfüllte Charaktere aufeinander. Denn dort kommt schon die zweite Postkutsche an. Der Kutscher O.B. Jackson (James Park) soll den gut zahlenden Fahrgast John Ruth (Kurt Russell), genannt "Der Henker" und seine Gefangene Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) nach Red Rock bringen, dort kassiert Kopfgeldjäger Ruth 10.000 Dollar für die steckbrieflich gesuchte Frau. Er musste aber auf der Fahrt durch die winterliche Landschaft zwei Männer in der Kutsche mitfahren lassen. Der erste...so ein Zufall...ist ebenfalls ein gefürchteter Kopfgeldjäger. Dieser Major Marquis Warren (Samuel L. Jackson) hat drei tote Banditen bei sich für die er in Red Rock ebenfalls 8.000 Dollar kassieren kann. Doch es herrscht sehr viel Verkehr in dieser einsamen Winterlandschaft. Ein gewisser Chris Mannix (Walton Goggins) behauptet sein Pferd verloren zu haben und ausserdem wäre er der neue Sheriff von Red Rock. So kommen sie zu fünft endlich zur Herberge. Zu Warrens Überraschung ist Minnie gar nicht da und scheint ihre Herberge einem Mexikaner (Demian Bichir) während ihrer einwöchigen Abwesenheit überlassen zu haben. In der Herberge sind weitere Gäste. Ein alter schweigsamer Konföderirtengeneral Sanford Smith (Bruce Dern), der Cowboy Joe Gage (Michael Madsen) und der Brite Oswaldo Mobary (Tim Roth), der behauptet, dass er als Henker in Red Rock gebraucht wird. Keine Frage, hier hat sich mit den acht Hauptfiguren ein illustres Pulverfass versammelt und erst langsam durchschaut der Zuschauer den doppelten Boden in diesem Raum...



Natrülich darf man mal wieder den sehr unkonventionellen Inszernierungsstil von Tarantino bewundern, der in diesem fast dreistündigen Western nach dem Höhepunkt und Showdown noch eine Rückblende auf die Ereignisse präsentiert, ehe die Geschichte komplett erzählt wurde. Er kann sich wie immer auf ein herrlich aufgelegtes Schauspieler-Ensemble verlassen. In kleineren Rollen sind auch Channing Tatum und Zoe Bell zu sehen. Die besten Szenen haben Kurt Russell und Samuel L. Jackson bekommen. Aber auch die Figur, die Walton Goggins spielt, bekommt iimmer mehr Profil im Laufe der Geschichte. Der Schlagabtausch in Form von interessanten Dialogen ist natürlich sehr Tarantino typisch und an manchen Stellen wieder genial. Von einigen Kriikern wurde der Film als geschwätzig bezeichnet, manche fanden diesen Western auch sperrig. Der Einwand mit der Geschwätzigkeit muss man wohl so stehen lassen, aber genau dies war auch ein positiver Faktor seiner Meisterwerke "Reservoir Dogs", "Pulp Fiction" oder "Jackie Brown". Hier ist wieder mehr darin zu finden als in "Django Unchained" oder "Inglorious Basterds". Sperrig finde ich den Film aber überhaupt nicht. Er ist als Western sogar um einiges eingeständiger als sein Vorgänger und er kann trotz der Kammerspielinzenierung bis zum Schluß gekonnt die Spannung aufrechterhalten. Die Figuren sind halt wie immer markant gezeichnet und man interessiert sich für sie. Bei der Oscarverleihung konnte Enno Morricone den Oscar für die beste Filmmusik erhalten. Ausserdem hört man auch einen Song von Roy Orbison im Abspann. Nominiert wurden auch Nebendarstellerin Jennifer Jason Leigh und Kameramann Robert Richardson.



Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Dienstag, 1. Juli 2014

Letzte Ausfahrt Brooklyn

























Regie: Uli Edel

Drogen, Sex, Schmutz, Elend...

In Hubert Selbys Roman "Letzte Ausfahrt Brooklyn", der 1964 entstand, wird ein schonungloses Bild des New Yorker Stadtteils Brooklyn in den 50er Jahren und einigen seiner Bewohner gezeigt. In dem Skandalroman geht es um einen harten, kompromisslosen Blick auf die niedrige Klasse mit Tabuthemen wie Drogenkonsum, Gewalt in der Straßen, Vergewaltigung, Homosexualität oder Transvestismus. 1989 folgte dank Produzent Bernd Eichinger die Verfilmung der episodenhaften Geschichte. Hier wird eine Bande von jungen Ganoven gezeigt, die sich gemeinsam mit der Prostituierten Tralala (Jennifer Jason Leigh) darauf spezialisieren, dass sie US-Armee-Soldaten berauben. Zu diesem Zweck lockt das Mädchen die sexgeilen Soldaten in einen Hinterhalt, während die dann glauben, dass ein Liebesspiel folgt, haben sie schon von hinten eine Flasche über den Schädel bekommen. In den nächtlichen Straßen treibt sich auch der Transvestit Georgette (Alexis Arquette) herum, immer auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit, vielleicht bei Vinnie (Peter Dobson), Boss der Gang. Vom eigenen Bruder verachtet, feiert Georgette Partys mit Gleichgesinnten. Der Zufall will es, dass dort auch Harry Black (Stephen Lang) , Mitarbeiter der lokalen Gewerkschaft, auftaucht. Der Mann hat Familie und gehört momentan zu den Streikenden, die für mehr Lohn in der Fabrik kämpfen. Mit seinen Spesengeldern geht der naive Harry recht locker um und hat auch Kontakt zu der Straßengang. Er geht sogar eine heimliche Affäre mit der Drag Queen Regina (Bernard Zette) ein. Tralala versucht auch ihr Glück und landet beim jungen Soldaten Steve (Frank Military), der es ehrlich mit ihr zu meinen scheint. Für einige Stunden erleben die beiden ein bisschen Glück, doch Korea wartet auf den Lieutenant. Und der findet auch in Brooklyn statt. Immerhin geschieht dort aber auch alltägliches wie eine Schwangerschaft und Big Joe (Burt Young), der Vater der Braut ist sehr neugierig zu erfahren, welcher Mistkerl seine Kleine geschwängert hat...


So eigenwillig wie der Roman präsentiert sich auch Uli Edels Film, der mit einem beinahe schon künstlichen Stil Zeit und Ort auferstehen lässt. Dabei wirkt das Szenenbild tatsächlich wie ein 50er Jahre Film, die Ausstattung ist perfekt gestaltet. Man erinnert sich etwas an die Atmosphäre der "West Side Story", wird aber sehr schnell auf den Boden der Tatsachen heruntergeholt. Hier in dieser Ecke der Welt, in einem Stadtteil einer Metropole, ereignen sich menschliche Schicksale und so schnell sie sichtbar werden, so schnell verschwinden sie wieder als eine weitere, beinahe unbedeutende Episode des Daseins. Dies verleiht dem Film eine Stärke, dennoch behält man als Zuschauer das unangenehme, beklemmende Element. Horrormässig läuft dann als Höhepunkt sozusagen die Massenvergewaltigung der Dirne ab, die noch einige Stunden zuvor ein bisschen vom echten Glück abbekommen konnte, denn sie wurde in einem Moment geliebt und begehrt. Ansonsten herrscht Brutalität und Grausamkeit im Umgang miteinander vor. Neben diesem Wahnsinn läuft auch noch der große Fabrikstreik zeitgleich. Der Film ist umstritten und wird nicht uneingeschränkt geliebt: Kein Wunder, denn "Letzte Ausfahrt Brooklyn" ist kein Wohlfühlfilm und bietet keine einzige Figur an, mit der man sich identifizieren wollte. Es sind Figuren mit großen menschlichen Schwächen, die sich in ihrer Umgebung gehen und unterkriegen lassen. Ein sehr unangenehmer amerikanischer Alptraum wird hier gezeigt. 1990 gabs aber beim deutschen Filmpreis eine positive Überraschung, denn der gallige Film erhielt den Hauptpreis als bester Film.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Samstag, 8. Dezember 2012

Flesh and Blood


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Paul Verhoeven

Sex und Crime im ausgehenden Mittelalter...

 Irgendwo in Westeuropa, wir schreiben das Jahr 1501: Die Burg des Fürsten Arnolfini (Fernando Hilbeck) ist von fremden Rittern eingenommen worden. Doch der Schloßherr will seine Festung wieder zurückerobern. Dazu heuert er einen riesigen Sölndertrupp an. Diese bunte Mischung aus Söldnerheer, Hurentrupp und verwirrtem Prediger belagert die Burg und schlägt erfolgreich zu, als der Fürst verspricht, dass die Meute bei erfolgreicher Mission einen Tag lang nach Herzenslust plündern darf.
Seinen geliebten Sohn Steven (Tom Burlinson), der in seiner Freizeit ein glühender Anhänger der Wissenschaften ist, hat auch eine Idee, wie die Burg einzunehmen ist, doch seine neuartige Erfindung wird vom Vater nicht ganz ernst genommen. Der setzt eher auf schonungslose Härte und auf die tödliche Aggressivität seiner Söldner.
Tatsächlich erobert die Meute die Burg zurück. Doch plötzlich will Arnolfini nichts mehr von der Belohnung wissen und schließt mit Hawkwood (Jack Thompson) dem Anführer der Söldner einen Pakt gegen dessen eigene Männer. Die werden aus der Stadt gejagt. Der neue Anführer wird der geschätzte Martin (Rutger Hauer). Der Kardinal (Ronald Lacey) suggeriert den anderen immer mehr, dass Martin von Gott gelenkt wird. Als die Hure Celine (Susan Tyrrell) ihr Kind im Mutterleib verliert und im gleichen Augenblick eine große Heiligenfigur St. Martin im Dreck gefunden wird, steht der Racheplan der Betrogenen fest.
Währenddessen hat Arnolfini beschlossen seinen Sohnemann zu verheiraten. Der weiss noch nichts von seinem Glück und soll die Braut Agnes (Jennifer Jason Leigh) während einer Jagd "ganz zufällig" kennenlernen und in Augenschein nehmen. Doch dem Sohn missfällt die Bevormundung des Vaters, so dass das erste Treffen nicht unter dem besten Stern steht.
Allerdings schafft es die hübsche Agnes den jungen Fürsten zu bezaubern. Ob es die Zauberkraft der Alraune war, die sie an einem Galgenbaum im Grünen ausgrub und von der beide gegessen haben ?
Jedenfalls wird der fürstliche Trupp von den Sölndern in einen Hinterhalt gelockt und die Braut wird geklaut.
Und wir wären nicht im Mittelalter des Paul VErhoeven, wenn die nicht zur Einstimmung von den Sölndern schonungslos vergewaltigt werden würde.
Steven sucht natürlich nach seiner Geliebten, die er zuerst gar nicht wollte und Agnes findet langsam aber sicher Gefallen am Liebesleben mit einem Gesetzlosen...







"Flesh and Blood" ist die erste amerikanische Arbeit des Holländers Paul Verhoeven, der später mit "Robocop", "Total Recall" oder "Basic Instinct" Weltruhm erringen konnte.
Sein Mittelalterepos behandelt viele Themen dieser Zeit:  Hexenzauber, Liebestränke, arrangierte Zwangehen, Vergewaltigung, Pest, Burgbelagerungen und tiefe Religiosität aber auch Aberglaube.
Geprägt von fleischlicher Lust und gieriger Sinnlichkeit werden die drei Hauptfiguren des Films (Der Gute, der Böse und das Mädchen, dass sich zwischen den beiden entscheiden muss) stimmungsvoll und vital in Szene gesetzt.
Dabei gelingt Verhoeven eine sehr authentische Atmosphäre, die von Dreck, Blut und Sex gezeichnet ist.
Das Leitmotiv des „heiligen Martin“ sorgt für stimmungsvolles Zeitkolorit.
Untermalt wird der Film von der Musik von Basil Poledouris, die genau in dieses mittelalterliche Ambiente passt.
Auch Kameraman Jan de Bont war selten besser.
Herzstück des Films ist die Figur der Agnes, die von Jennifer Jason Leigh prima dargestellt wird. Eine junge Frau, deren Gefühle wegen zwei Männern Achterbahn fährt....






Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.