Posts mit dem Label Tom Wilkinson werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tom Wilkinson werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 1. Mai 2024

Der Geist und die Dunkelheit


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Stephen Hopkins

Menschenfresser...


"Der Geist und die Dunkelheit" ist ein Film von Stephen Hopkins aus dem Jahr 1996, er mehr als 75 Millionen Dollar Umsatz an der Kinokasse erzielen konnte. Der Film basiert auf dem Buch "Die Menschenfresser von Tsavo" von John Henry Patterson. Diese beiden Löwen haben tatsächlin den Bau der Brücke über den Fluss von Tsavo stark verzögert. Präparate dieser beiden Tiere kann man sich im Field Museum of Natural History in Chicago ansehen. Die größte Abweichung gegen diesen realen Löwen ist, dass die Löwen im Film Mähnen hatten. Die echten Tiere hatten keine, sie gehörten zu dieser Gruppe der dort ansässigen Löween, bei denen die Männchen keine Mähnen hatten. Bis auf eine Szenen wurden alle Einstellungen mit den beiden echten Löwen Bongo und Caesar gedreht. Die Tragödie, die sich dort im Jahr 1898 zutrug, bestand auch darin, dass in diesem Tsavo Delta zur Senkung der Baukosten auch indische Gastarbeiter eingesetzt wurden, diese Männer hatten keinerlei Erfahrung mit der afrikanischen Tierwelt.  Aus einem der Waggons, die für den Nachschub von Material eingesetzt werden mussten, wurde einer der Ingenieure von einem der beiden Löwen herausgezerrt und getötet. Berichten zufolge kamen bis zu 135 Menschen durch die Angriffe des Löwenduos ums Leben.  Im Jahr 1898 bittet Robert Beaumont (Tom Wilkinson), der Hauptfinanzierer eines Eisenbahnprojekts in Tsavo, Kenia, um die Expertise von Oberstleutnant John Henry Patterson (Val Kilmer), einem anglo-irischen Militäringenieur, um das Projekt termingerecht fertigzustellen. Patterson reist von England nach Tsavo und verspricht seiner Frau Helena (Emily Mortimer), dass er die Brücke fertigstellen und rechtzeitig zur Geburt des gemeinsamen Kindes nach London zurückkehren wird.  Kurz nach seiner Ankunft trifft er den britischen Vorgesetzten Angus Starling (Brian McCardy), den kenianischen Vorarbeiter Samuel (John Kani) und Doktor David Hawthorne (Bernard Hill). Hawthorne informiert Patterson über einen kürzlich erfolgten Löwenangriff, der sich auf das Unternehmen ausgewirkt hat. In derselben Nacht tötet Patterson mit einem einzigen Schuss das Leben eines Löwen, der sich ihm nähert, und verschafft sich so den Respekt der Arbeiter, die ihre Arbeit sicher wieder aufnehmen können. Doch nur wenige Wochen später wird Mahina (Henry Cele), der Bauleiter, aus seinem Zelt gezerrt. Bei Sonnenaufgang wird sein verstümmelter Körper geborgen und Patterson versucht eine weitere nächtliche Jagd, um den Löwen zu fangen, der Mahina gefressen hat, doch am Morgen wird er von Starling darüber informiert, dass die Leiche eines zweiten Arbeiters beim Gegner gefunden wurde.  Patterson befolgt den Rat von Samuel und beauftragt die Arbeiter mit dem Bau von Dornenzäunen um die Zelte, um das Eindringen von Löwen zu verhindern. Einige Tage später greift am helllichten Tag ein Löwe das Lager an und tötet einen anderen Arbeiter. Als Patterson, Starling und Samuel den Löwen in die Enge treiben, während er sich an dem Körper labt, springt ein anderer Löwe vom Dach eines Gebäudes auf sie, schneidet Starling die Kehle auf und verletzt Patterson am linken Arm. Patterson erholt sich und versucht, sie zu erschießen, aber beide Löwen entkommen. Samuel gibt an, dass es noch nie zuvor ein Paar Menschenfresser gegeben hat; Sie waren schon immer Einzeljäger. Die Arbeiter, angeführt von einem Mann namens Abdullah (Om Puri), beginnen, sich gegen Patterson zu wenden, und in der Folge kommt der Fortschritt auf der Brücke zum Stillstand. Patterson bittet um Schutz durch Soldaten aus England, was ihm jedoch verweigert wird. Während eines kurzen Besuchs vor Ort droht Beaumont Patterson, dass er seinen Ruf schädigen werde, wenn sein Auftrag nicht rechtzeitig abgeschlossen werde. Er kündigt außerdem an, dass er den berühmten Jäger Charles Remington (Michael Douglas) kontaktieren wird, um Patterson bei der Beseitigung der Bedrohung aufgrund seiner früheren Fehler zu helfen. Kurze Zeit später erreicht Remington Tsavo mit der Kompanie erfahrener Massai-Krieger. Doch die erste Jagd nach den beiden gefrässigen Tieren, endet damit, dass die Massai wieder abziehen, weil sie nicht mehr glauben, dass diese Tiere tatsächlich Tiere sind. Patterson, Remington und der einheimische Dolmetscher Samuel machen sich erneut auf die Jagd. Sie finden buchstäblich die Höhle des Löwen und stellen fest, dass die beiden Tiere aus purer Lust eine unvorstellbare Zahl von Opfern gerissen haben, Tiere wie Menschen. Sie bereiten eine erneute Falle vor und diesmal kann Remington tatsächlich einen der Menschenfresser töten. Am Abend feiern sie und philosophieren über das Leben, doch als Patterson am nächsten Morgen erwacht, hat der überlebende Löwe Remington verschleppt und getötet....








Die Geschichte ist etwas zu übertrieben dargestellt, irgndwann driftet der spannende Abenteuerfilm in Richtung Tierhorror Movie ab. Natürlich sorgen die Bilder des genialen Kameramannes Vilmos Zsigmond (Oscar für "Unheimliche Begegnung der dritte Art") für eine stimmungsvolle und bedrohliche Atmosphäre, vor allem wenn die Kamera auf das hohe Gras zeigt und dann etwas darin entdeckt werden kann, was sich vielleicht als Löwe herausstellen könnte. "Der Geist und die Dunkelheit" gewann in der Kategorie "Bester Tonschnitt" sogar den Oscar.





Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Freitag, 5. Juni 2020

Batman Begins

























Regie: Christopher Nolan

Eine Fledermaus in Gotham City...

Seit den 40er Jahren taucht diese schwarzgekleidete Fledermaus auch in den Kinos auf. Die Rede ist von "Batman", der legendären Comicfigur von Bob Kane und die später von Bill Finger weiterentwickelt wurde. Der erste Batman Film war "Batman und Robin" und entstand 1943. In den 60er Jahren wurde aus dem trashigen Kinofilm "Batman hät die Welt in Atem" eine ganze Fernsehserie. 1989 drehte Tim Burton seine Version von Batman. Michael Keaton spielte den Titelhelden und der Film spielte 411 Millionen Dollar ein - nur "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" war in diesem Jahr an der Kinokasse noch erfolgreicher. Ein Nachfolger "Batman Returns" wurde nachgeschoben und auch dieser Film wurde ein Hit. Mit "Batman Forever" löste Joel Schumacher Burton als Regisseur ab, was sich leider nicht als Glücksgriff erwies. Das Einspielergebnis von 336 Millionen Dollar konnte sich zwar sehen lassen, doch der Film enttäuschte und fiel bei der Kritik durch. Noch schlimmer erging es Schumachers zweitem Versuch "Batman and Robin" - trotz Arnold Schwarzenegger als Zugpferd und Bösewicht waren die Kritiken katastrophal. Zu Recht: Beide Filme gehören mit zu den schlechtesten Blockbustern der 90er Jahre. Und die beiden Batman Darsteller Val Kilmer und George Clooney waren nicht schuld an diesem Desaster. Danach lagen "Batman" Filme sozusagen erstmal auf Eis. Erst nachdem mit der X-Men Reihe gutes Geld gemacht wurde, entschlossen sich die Studios dazu wieder einen neuen "Batman" ins Rennen zu schicken. Als Regisseur wurde Christopher Nolan verpflichtet - der in London geborene Filmemacher hatte sich vorher mit den Thrillern "Memento" und "Insomnia" einen guten Ruf erworben. Er schien der Mann zu sein, der dem Fledermausmann eine düstere und dunkle Note verpassen könnte.
Die Rechung ging auf. "Batman returns" erhielt glänzende Kritiken - kein Wunder bei dieser hochkarätigen Besetzung mit Christian Bale als Bruce Wayne, der zum "Batman" wird und Liam Neeson, Ken Watanabe, Michael Caine, Morgan Freeman, Cillian Murphy, Rutger Hauer, Tom Wilkinson, Gary Oldman und Katie Holmes als glänzend aufgelegte Mitspieler.
Es ist die Geschichte des Milliardärs Bruce Wayne (Bale spielt klasse), der als kleiner Junge (Gus Lewis) beim Spielen mit seiner Jugendfreundin Rachel (Emma Lockhard) in einen Brunnen fällt und dort von Hunderten von Fledermäusen attackiert wird. Es bleibt eine Angst vor diesen nachtaktiven Tieren. Als Kind muss der Junge nach einem Theaterbesuch mit ansehen, wie ein Straßenräüber seine Eltern (Linus Roache, Sara Stewart) in einer Nebengasse brutal und rücksichtslos erschießt. Bruce wird vom Butler der Familie Alfred Pennyworth (Michael Caine) großgezogen. Er schwört am Grab seiner Eltern, dass er seine Heimatstadt, die Metropole Gotham City, von dem Verbrechen befreien wird. Dafür trainiert er bei den besten Kampfkünstlern, unter anderem lernt er auch die Geheimorganisation "Gesellschaft der Schatten" und deren Köpfe (Ken Watanabe, Liam Neeson) kennen. Doch letztendlich kann er die brutalen Methoden der Organisation nicht teilen und kehrt nach 7 Jahren der Wanderschaft zurück nach Gotham City. Dort ist er zwar immer noch Besitzer der Wayne Enterprises, die Geschicke der Firma leitet aber inzwischen Mr. Earle (Rutger Hauer). In der Stadt herrscht Verbrechen und Korruption. Es gibt allerdings noch gute Menschen in der Stadt. Der Polizist Sergeant Gordon (Gary Oldman) hat es aber nicht leicht den Kampf mit dem organisierten Verbrechen aufzunehmen. Und auch die stellvertretende Oberstaatsanwältin Rachel Dawes (Katie Holmes) würde den Mafiaboss (Tom Wilkinson) oder den fiesen Psychiater Dr. Crane (Cillian Murphy) nur zu gerne hinter Gitter sehen. Doch solche Menschen wie Rachel oder Sergeant Gordon leben in der Stadt gefährlich. Bruce entschließt sich deshalb mit Hilfe seines Ziehvaters und dem in seiner Firma angestellten Lucius Fox (Morgan Freeman) in der Gestalt einer Fledermaus für Recht und Ordnung in der Stadt zu sorgen....





Die Zielvorstellung der Macher war die Anfänge des "Dunklen Ritters" auf möglichst moderne und realistische Weise zu erzählen. Dies ist dem Film bestens gelungen, in seinen besten Momenten erweist sich "Batman Returns" als ein sehr düsterer Großstadtthriller im Neo Noir Style. Selbst die surrealen Comic-Impressionen sind in darin perfekt eingebettet. Christian Bale macht viel mehr aus seiner Rolle als seine vielen Vorgänger. Man spürt die innere Zerissenheit, den Zwiespalt und die Unsicherheit des Helden, der versucht seinem Trauma mit einer anderen Identität zu entgehen.





Bewertung: 8 von 10 Punkten. 
 

Montag, 25. Dezember 2017

Vergiss mein nicht !

























Regie: Michel Gondry

Liebe aus dem Gedächtnis streichen...

Der französische Filmregisseur Michel Gondry drehte zunächst Videoclips für Künstler wie Massive Attack, Björk, Sinead O´Connor, Radiohead, White Stripes, Daft Punk. IAM, Cibo Matto oder Chemical Brothers bevor er sich 2001 mit "Human Nature" an seinen ersten Kinofilm heranwagte. Die Komödie nach einer Vorlage von Charlie Kaufman konnte in Frankreich einen passablen Erfolg verbuchen, in den meisten anderen Ländern floppt der Film allerdings. Aber die zweite Regiearbeit war "Vergiss mein nicht !" (im Original: Eternal Sunshine of a spotless mind und heißt soviel wie der Ewige Sonnenschein eines makellosen Geistes) wurde ein durchschlagender Erfolg und gehört mit zu den überzeugendsten Arbeiten des letzten Kinojahrzehnts. Bei der BBC Umfrage über die 100 größten Movies des noch neuen 21. Jahrhunderts belegte "Vergiß mein nicht" den phänomenalen 6. Rang.
Bevor es mit dem Hauptfilm losgeht, zeigt Gondry dem Publikum einen Werbespot der Firma Lacuna Inc. - um diese medizinische Firma geht es auch im Film, denn der Firmeninhaber Dr. Howard Mierzwiak (Tom Wilkinson) löscht für seine Kunden auf deren Wunsch schmerzhafte Erinnerungen.
Meistens wollen die Menschen ihre Partner aus dem Gedächtnis streichen, die sie immer noch lieben. Auch wenn die Beziehung schon auseinanderging. An einem kalten Februartag erwacht Joel Barish (Jim Carrey), er muss zur Arbeit. Er geht wie immer an den Bahnhof, doch dann entscheidet er sich um und nimmt den Zug nach Montauk am Meer. Als er dort sein Tagebuch zur Hand nimmt, stellt er fest, dass einige Seiten fehlen. Er kann sich aber nicht daran erinnern, dass er sie herausgerissen hat. Irgendwie sind dadurch einige Monate seines Lebens verschwunden und er hat auch keinen Bezug zu dieser Zeit.
Diese Szene wird am Ende des Films wieder eine große Rolle spielen. Aber es ist der Tag, an dem er dort am Strand auf eine junge Frau mit orangerotem Sweatshirt aufmerksam wird. Tatsächlich wird er von der Fremden (Kate Winslet) später auf der Heimfahrt im Zug angesprochen. Sie heißt Clementine und flirtet mit ihm und aus der zufälligen Begegnung entsteht eine Liebesbeziehung.
An diesem Glück nimmt der Zuschauer aber nicht lange teil, denn irgendwann sieht man einen weinender Joel verzweifelt in der Nacht im Auto umherfahren. Dann wird klar, dass die impulsive Freundin nicht nur Schluß mit ihm gemacht hat, sondern auch bei Lacuna Inc. war und ihren Lover aus dem Gedächtnis hat löschen lassen. Als Joel in der Buchhandlung auftaucht, in der sie arbeitet, erkennt sie ihn überhaupt nicht und küsst einen jungen Typen. Er erfährt allerdings von der Löschung und entscheidet nun für sich, dass auch er Clementine aus seinem Gedächtnis verbannen will. Der Arzt arbeitet mit drei Angestellten zusammen. Seine Sekretärin ist die hübsche Mary (Kirsten Dunst) und die beiden wissenschaftlichen Techniker Stan (Mark Ruffalo) und Patrick (Elijah Wood.
Der eigentliche Löschvorgang findet Nachts in Joels Wohnung statt. Er wird mittels Medikamenten in einen Tiefschlaf versetzt und von Stan und Patrick an ein Gerät angeschlossen, das die Erinnerungen im Gehirn lokalisiert und löscht. Doch dies ist bei Joels schwieriger als gedacht...



Was in dieser Nacht in Joels Wohnung geschieht, wird auf einer äußeren und einer inneren Ebene erzählt, die einander überschneiden und beeinflussen. Und auch die Lacuna Crew ist mit an den weiteren Geschehnissen beteiligt - Gondry jongliert mit dem Themen Erinnerungen und menschliches Gedächtnis, er inszenierte dabei äusserst innovativ und phantasievoll in seinem romantischen Liebesfilm, der gleichzeitig auch eine äusserst interessante Science Fiction Variante anbieten kann. Daher wandert nicht nur Joel durch seine Phantasien und durch sein Gedächtnis, sondern auch der Zuschauer erlebt einen wendungsreichen bis aberwitzigen Genremix. Dabei schreckt er auch nicht vor einer sehr chaotischen Erzählweise zurück, die Zeit bewegt sich vorwärts, dann rückwärts - aber keine Angst: Gondry führt die Geschichte zu irgendwann wieder zu einer Einheit aus Zeit und Raum.
Von der Idee her, lässt sich eine gewisse Verwandtschaft zu Filmen wie Gaspar Noes "Irreversible", zu Christopher Nolas "Memento" oder zu Cameron Crowes "Vanilla Sky" nicht leugnen. Der Film 2005 bekam 2 Oscarnominierungen, eine ging an die Hauptdarstellerin Kate Winslet, die aber Hillary Swank in "Boys don´t cry" unterlag. In der Kategorie "Bestes Original-Drehbuch", das Michael Gondry gemeinsam mit Charlie Kaufman und Pierre Bismuth schrieb,  wurde aber ein Sieg eingefahren.
"Vergiß mein nicht !" ist neben "Die Truman Show" und "Der Mondmann" der dritte Film, in dem Jim Carrey auch sein Können als Charakterdarsteller zeigen konnte. Leider wurde er in allen drei Fällen von der Academy übergangen - er wartet bis heute auf eine Nominierung in der Actor-Kategorie.




Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Sonntag, 19. Juli 2015

Selma


























Regie: Ava DuVernay

Die Märsche, von Selma nach Montgomery....

Es gibt einige sehr gute Filme über die großen, vor allem im Süden der USA stattfindenden Rassenunruhen der 60er Jahre. Unvergessen bleibt dabei Roger Cormans bereits 1962 (also mitten des Zeitgeschehens) inszenierter "Weißer Terrror", wo gerade die Aufhebung der Rassentrennung zu schwerwiegenden Konflikten in dem Moment führt, als die schwarzen Kids in Richtung Highschool marschieren. Nicht zu vergessen den großen oscarprämierten "Mississippi Burning" von Alan Parker, der sich mit der Aufklärung des Mordes an drei Bürgerrechltern durch zwei sehr unterschiedliche FBI Männer (gespielt von Willem Dafoe und Gene Hackman) beschäftigt. Die Ermittlungen werden vom offen zur Schau getragenen Rassismus und dem mächtigen Ku-Klux-Klan behindert. Nun kann man auch das Geschichtsdrama von Ava DuVernay aus dem Jahr 2014 zu diesen wichtigen Filmen über Rassenhass zählen. Das Thema erscheint auch aktueller denn je zu sein. Der Film ist somit auch einer der wenigen Filme, die sich anhand von tatsächlich stattfindenden Eregnissen eindrücklich mit dem Rassismus im eigenen Land auseinandersetzt - man mochte es kaum glauben: Die freiheitliche Nation, die nicht mal 20 Jahre vorher Europa vom Rassenwahn der Nazis befreite, ist Mitte der 60er Jahre diese demokratisch orientierte Nation mitten in ihrem eigenen Rassenthema und die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung erinnert an unser eigenes dunkles Kapitel. Dabei wurden zwar im liberaleren Washington durchaus schon durch Gesetze formuliert und verabschiedet, die gleiche Rechte für alle forderten - doch deren Verwirklichung scheiterte vor Ort.
"Selma" ist kein Biopic über den großen Bürgerrechtler Martin Luther King Jr., sondern die Handlung steigt ein mit dem grausamen Attentat auf die 16th Street Baptist Street, bei dem vier kleine dunkelhäutige Mädchen ums Leben kommen. Dann Szenenwechsel nach Stockholm, wo Martin Luther King kurze Zeit später für sein Engagement als Bürgerrechtler den Friedensnobelpreis in den Händen hält. Nächste Szene zeigt die engagierte Annie Lee Cooper (Oprah Winfrey), die sich beherzt und mutig in das Wählerregister von Alabama entragen lassen will, doch vom lokalen Beamten in demütigender Weise abgelehnt wird. Dieses Recht hatte so ein Behördenmitarbeiter, die kurzentschlosssen die Lesefähigkeit und Staatsbürgerkunde mit absurd schweren Fragen überprüfen konnten - alles darauf abgezielt, den Anwärter durchfallen zu lassen.
Mit dem Anführer Martin Luther King Jr. (David Oyelowo), dessen Frau (Carmen Ejogo) immer mehr Angst hat um ihren prominenten Mann, versuchen im Frühling 1965 mutige Demonstranten einen friedlichen Marsch im Bundesstaat Alambama von Selma nach Montgomery zu laufen. Dieser Marsch soll dazu dienen, dass ein uneingeschränktes Wahlrecht für alle vorhanden sein soll. Präsident Lyndon B. Johnson (Tom Wilkinson) schwankt - einerseits sieht er die Notwendigkeit solcher Gleichstellungen, andererseits schielt er auf das Beibehalten seiner Macht, denn die konservativen politischen Kräfte im Lande arbeiten mit sehr großem Druck. Auch George Wallace (Tim Roth), demokratischer Gouverneur von Alambama, torpediert die Bestrebungen der schwarzen Bevölkerung. Diese Märsche von Selma nach Montgomery werden blutig durch örtliche Sicherheitskräfte und State Trooper niedergeschlagen - der erste Marsch endet bereits gleich nach Verlassen der Stadt an der Edmund Pettus Bridge. Am 7. März 1965 wird das amerikanische Fernsehen unterbrochen - es läuft gerade Stanley Kramers "Judgement of Nuremberg" - und der geschockte Zuschauer bekommt live plötzlich die Bilder der Gewalt als aktuelle Nachrichten serviert. Durch diese Publicity entsteht aber eine Wendepunkt in der öffentlichen Meinung...



 "Selma" ist ein sehr gut inszenierter Film, der die Fakten präzise schildert und zum wichtigen Zeitdokument wird. Dabei brilliert auch Hauptdarsteller David Oyelowo, der sich sehr zurückhält und so zum Glück nicht dieser überlebensgroße Held zeigt, sondern einen engagierten Menschen, der Stärken und Schwächen zeigt.
Bei der Oscarwahl 2015 gabs nur zwei Nominierungen, einmal für den besten Film. Als bester Filmsong konnte "Glory" von Common, John Legend sogar den Sieg davontragen.
Angesichts der erstaunlichen Tatsache, dass sich bislang kein großes Filmstudio mit irgendeinem Aspekt des Lebens von Dr. King oder der Bürgerrechtsbewegung beschäftigt hat, fühlte die junge Filmemacherin Ava DuVernay, dass es schon lange einen dringenden Bedarf daran gab, dieses wichtige Kapitel in der US-Geschichte zu erzählen. Keine Frage, es ist ihr hier ein sehr wichtiger Film gelungen.


Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Sonntag, 10. Februar 2013

RocknRolla



Regie: Guy Ritchie

Lennys Welt...

Guy Ritchie war mal der Ehemann von Madonna und hat mit seinen beiden Sherlock Holmes Verfilmungen seine bislang größten Kassenerfolge erzielt. Kultfilme waren aber seine beiden ersten Arbeiten "Bube Dame König Gras" von 1998 und "Snatch" aus dem Jahr 2000.
Beide Filme des jungen britischen Kinos wirkten extrem cool, weil es Ritchie verstand das Gangstermilieu ziemlich schrill und unmoralisch mit viel  schwarzem Humor versah und so ein Gegengewicht zur harten Brutalität herstellt. Der makabre, lakonische Stil passte auch sehr gut zum perfekt eingefangenen Lokalkolorit der Metropole London.
Kein Wunder also, dass Ritchie noch zwei ähnliche Filme nachschob, die aber beide nicht den Erfolg dieser beiden Filme hatten, dabei sind "Revolver" und "RocknRolla" eigentlich überhaupt nicht schlechter. Einziges Manko ist vielleicht, dass man den Stil Ritchies jetzt halt genau kennt und er nicht mehr so überraschen kann mit seinem respektlosen Fatalismus.
In "RocknRolla" jedenfalls gibts ein irres Kosmos aus der Londoner Unterwelt. Dort hat auch der Mafiaboss Lenny Cole (Tom Wikinson) das Sagen, vor allem im Baugewerbe zieht er an den Strippen.
Lennys rechte Hand ist Archy (Mark Strong), aus dessen Sicht der Film erzählt wird.
Etwas aus der Art geschlagen ist Lennys drogenabhängiger Stiefsohn Johnny Quid (Toby Kebell), der auch als Musiker einen Namen hat und seinen eigenen Tod vortäuscht, um die Umsätze für seine Platten zu steigern.
Lenny macht derzeit dicke Geschäfte mit den Russen, doch mit dem russischen Milliardär Uri Omovich (Karel Roden) ist nicht zu Spaßen, auch wenn er Lenny sein Lieblingsgemälde ausleiht, weil es angeblich Glück bringen soll.
Lenny verspricht dem Russen für 7 Millionen eine Baugenehmigung. Uris aufregende Buchhalterin Stella (Thandie Newton) soll das Geld transportieren. Sie spielt aber ein gefährliches Spiel und da kommen die Kleinganoven One Two (Gerald Butler), Mumbles (Idris Elba) und Bob (Tom Hardy) als weitere Spielfiguren in die chaotische, kriminelle Szenerie...

Richties Gangsterfilme sind natürlich Geschmackssache, aber mich hat "RocknRoll" sehr gut unterhalten. Der Hang zur Parodie ist deutlich und das macht wie immmer eine Menge Spaß. Bei den britischen Mobfilmen sitzt man bei Guy Ritchie immer noch in erster Reihe...das große Plus ist die ausstrahlende Energie und Dynamik des Films. Tom Wilkinson spielt auch grandios auf.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.