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Samstag, 26. Oktober 2013

Stoker

























Regie: Park Chan Wook

Onkel Charlie kehrt zurück...

Fans von Hitchcocks "Im Schatten des Zweifels" sollten mal einen Blick auf "Stoker" wagen, der ersten internationalen Produktion (USA, Großbritannien) des Südkoreaners Park Chan Wook, der mit "Old Boy", "Lady Vengeance", "Sympathy for Mr. Vengeance" oder "I´m a Cyborg, but thats ok" allesamt Spitzenfilme des letzten Kinojahrzehnts schuf. Und auch mit "Stoker" trifft er bei mir voll ins Schwarze - der mysteriöse Streifen ist poetisch und immer wieder schimmert der Thriller durch. Denn möglicherweise kommt das Böse in die Stadt in der Gestalt von Onkel Charlie (Matthew Goode), der nach vielen Jahren Weltreisen zur Beerdigung seines älteren Bruders wieder im Familienkreis auftaucht. Ich liebe Filme, in denen ein Onkel Charlie mit einem schrecklichen Geheimnis wieder im Kreis der Lieben auftaucht. Und was mit Joseph Cotten und Teresa Wright funktionierte, klappt auch hier bestens. Matthew Goode wirkt charismatisch, aber vor allem der jungen Mia Wasikowska ist es zu verdanken, dass sich "Stoker" ein kleines Filmjuwel nennen kann.
Dieser Onkel Charlie hat Geheimnisse, aber auch Töchterchen India (Mia Waskikowska9 ist schwer durchschaubar. Das stille Mädchen ist Klassenbeste und wird eigentlich von den Jungs auf dem College (Lucas Will/Alden Ehrenreich) begehrt, doch sie gilt als nicht berührbar und unnahbar. Den toten Vater hat das Mädchen geliebt, gemeinsam gingen sie immer zur Jagd. Aussen vor stand immer die Mutter Evelyn (Nicole Kidman), die ständig mit der Tochter in Konflikten steht. Pltözlich taucht auch Tante Gin (Jacki Weaver) auf, doch die verschwindet auch bald wieder. Überhaupt ist sie nicht die einzige, die einfach so verschwindet...

 Mit grandiosen poetischen Bildern von Chung Chung-hoon ist dieser Film für mich eines der besten Werke dieses Kinojahres. Die Story mündet immer wieder in andere Richtungen, einerseits ist es ein Thriller, dann tauchen zunehmend Horror- und Mysteryelemente auf, auch die neue Dreiecksbeziehung im opulenten Anwesen der Stokers ist von einigen Interesse. Nach und nach erst erfährt der Zuschauer mehr von der Anziehung zwischen Onkel und Nichte. Doch am Ende bleibt das Mysterium und die subversiven Elemente wüten weiter.
Ein Spitzenfilm...

Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

Sonntag, 9. Dezember 2012

I´m a Cyborg, but that´s ok



Regie: Park Chan Wook

Der Roboter, der Dieb und Omas Gebiss...

Die junge introvertierte Young-gun (Lim Soo-jung) arbeitet in der Fließbandproduktion eines Elektronikunternehmens, dort baut sie Radiogeräte zusammen. Das junge Mädchen ist felsenfest davon überzeugt, ein menschlicher Roboter - ein Cyborg - zu sein.
Dort schneidet sie sich die Pulsadern auf, setzt sich unter Strom, weil sie sich direkt an eine Streckdose anschliesst. Sie wird gerettet, kommt aber in die Klapse, wo sie die Aufnahme von Nahrung verweigert. Ihre Mutter (Yong-nyeo Lee), eine Restaurantbesitzerin, gibt der Psychiaterin verzweifelt Auskunft und macht dabei selbst einen etwas sonderbaren Eindruck. Noch absurder klingt die Familiengeschichte, denn Young-guns Großmutter stellte ihrer Tochter irgendwann mal die neuen Geschwisterchen vor...es waren kleine Ratten, die die sonderbare Frau dann aufzog und Rettich zu essen gab. Da sie dann auch nur noch Rettich verspeiste und die ganze Wohnung danach stank, wurde sie ins Altersheim abgeschoben. Für die damals kleine Young-Gun brach eine Welt zusammen. Nun hockt sie in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie und lernt eine ganzen Kosmos durchgeknallter Mitpatienten kennen. Die Leute haben einen Knacks, aber auch immer mal ganz spezielle Fähigkeiten. Während das Mädchen weiterhin hungert, spricht sie mit dem Getränkeautomaten und den Deckenlampen. Der Roboter in ihr versucht verzweifelt an Energie zu gelangen. Il-sun (Jung Ji-hoon) interessiert sich sehr schnell für den Neuankömmling, der junge Mann ist ein Dieb von ganz besonderen Dingen. Als Kleptomane hat er es auf Eigenschaften seiner Mitmenschen abgesehen, die er ihnen versucht zu mopsen...


Der koreanische Filmemacher Park Chan Wook mit einem eher untypischen Film, wenn man "I´m a Cyborg, but that´s ok" mit seiner Rachetrilogie "Old Boy", "Lady Vengeance" und "Sympathie for Mr. Vengeance" vergleicht.
In der Welt der Verrückten kann sich der Filmemacher wieder einmal so richtig austoben. Die wahnwitzigen Charaktere auf der Krankenstation sorgen für eine durchweg lebendige und amüsante Story. Spezialeffekte und phantastische Fantasiewelten runden das Ganze stilsicher ab und sorgen für wunderbare visuelle Highlights, nicht umsonst wird der Film als eine Art koreanische Ausgabe von "Die fabelhafte Welt der Amelie" angesehen. Highlight des Films ist jedoch die äusserst sensible, kleine Liebesgeschichte, die Park Chan Wook so ganz nebenbei erzählt.
Ein kleines, wunderbares Juwel des koreanischen Kinos.


Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Lady Vengeance




Regie: Park Chan-Wook

Die gutherzige Frau Guem-Ja

"Lady Vengeance" ist zum einen die Geschichte eines bösen Menschen Mr. Baek (Choi Min-Sik), der als angesehener Bürger seinen Beruf als Lehrer ausübt. Doch in ihm steckt der Tyrann und Sadist, ein Vergewaltiger, Kidnapper und Kindesmörder.
Seine Schülerin Lee Guem-Ja (Lee Yeong Ae) gesteht aber diesen Mord, der sich im Jahr 1991 ereignet und riesige Empörung in den Medien auslöst. Nicht nur die abscheuliche Tat selbst und die Jagd nach dem Mörder. Vor allem herrscht Entsetzen als sich ein hübsches, engelhaft wirkenden Mädchen, der man nachsagt sie habe Ähnlichkeit mit der Schauspielerin Olivia Hussey, als Mörderin herausstellt.
Dem Kommissar Detective Choi (Nam Il-Woo) kommen aber bei der Vernehmung Zweifel, weil die junge Frau die richtige Farbe des Lieblingsspielzeug des Kindes, eine Murmel, nicht mehr weiss.
Obwohl der Junge diese immer mit sich trug und diese auch beim Tatort gefunden wurde. Doch der Fall will wegen der Öffentlichkeit zum Abschluß kommen und Lee Guem-Ja wandert lebenslänglich ins Gefängnis.
Dort wandelt sich laut dem Anstaltspfarrer das Mädchen zum gütigen, christlichen Engel. Der Priester ist überzeugt, dass er den Engel in ihr nach vorne gebracht und die Hexe vertrieben hat.
So wird sie 2004 entlassen und noch am selben Tag merkt der Priester, dass alles nur Schein war. Lee Guem-Ja hat alles dafür getan, wieder nach draussen zu gelangen und einen perfiden Racheplan zu verfolgen.
Alles ist genauestens geplant, die Frau hat für ihre Rache einige ihrer ehemaligen Zellengenossinnen, die inzwischen draussen sind, als Komplizen gewinnen können. Während sie in einer Bäckerei eine Anstellung bekommt und den wesentlich jüngeren Geun-Shik ( Kim Si-Hoo) kennenlernt, der schwer auf die erfahrene Frau abfährt, setzt sie alles daran den Verbleib ihrer kleine Tochter Jenny (Kwon-Yea Yong) ausfindig zu machen, die damals vor Haftantritt zur Adoption freigegeben wurde...

Der südkoreanische Filmemacher Park Chan-Wook ist einer der wichtigsten Regisseure des asiatischen Kinos.
Seine filmischen Vorbilder sind so unterschiedliche Meister wie Robert Aldrich, Ingmar Bergman, Sam Fuller, Roman Polanski, Kim Ki-Young oder Alfred Hitchcock.
"Lady Vengeance" ist der dritte Teil seiner Rachetrilogie, die ihren Anfang mit "Sympathy for Mr. Vengeance" begann, mit dem sehr brutalen "Oldboy" fortgesetzt wurde und mit dem eher verschnörkelten "Lady Vengeance" nun abgeschlossen wurde.
Dieser dritte Teil ist in seiner Machart zuerst etwas gewöhnungsbedürftig, weil Park Chan-Wook seine Geschichte nicht chronologisch erzählt, sondern dem Zuschauer Fragmente in erlesenen Bildkompositionen liefert. Daher wirkt am Anfang alles wie ein Puzzle, dass man erst zusammenfügen muss.
Dies geschieht dann auch durch eine verstörende Beleuchtung zum Thema Selbstjustiz, die nachhaltig wirkt und in einer alten Fabrikhalle mit allen erdenklichen Emotionen und menschlichen Abgründen und Aggressionen entlädt.
Im Gegensatz zu diesem Alptraum stehen andere Szenen, die begleitet von Orchesterklängen und hypnotischen Engelsgesängen des Moho Baroque Ensembles, die dem Zuschauer Schönheit suggerieren, weil er soviele strahlend helle Bilder entdeckt. Doch der Schein trügt...
Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Samstag, 8. Dezember 2012

Sympathy for Mr. Vengeance



Regie: Chan Wook-Park

Die Entführer und der Rächer...

Ryu (Ha-kyun Shin) ist ein taubstummer, junger Mann, der schon lange mit der linksextremen, anarchistischen Freundin Cha (Doona Bae) befreundet ist. Seine ältere Schwester (Ji Eun Lim) arbeitet, um Ryus Studium mit zu finanzieren. Doch die junge Frau ist schwer nierenkrank. Um das Geld für eine geeignete Spenderniere aufzutreiben, beginnt Ryu in einer Fabrik zu buckeln, denn die Operation - sofern eine Niere gefunden wird - ist teuer.
Zu allem Übel hat Ryus Schwester eine seltene Blutgruppe, was die Wartezeit merklich verzögert. Verzweifelt wendet sich Ryu an eine Gruppe ominöser Organschmuggler, die scheinbar in der Lage sind viel schneller als das Krankenhaus eine Niere aufzutreiben.
Bei einem bizarren Treffen in einem Hochhaus, dass sich noch im Bau befindet, geht Ryu den Deal ein seine Niere abzugeben und auch das ersparte Geld.
Als er von der Narkose aufwacht, sind die Gangster weg und er hat nur noch eine Niere und kein Geld mehr.
Seine Freundin macht ihm Vorwürfe wegen dieser grenzenlosen Dummheit. Beide planen eine positiv verlaufende Entführung eines kleinen Mädchens zu organisieren. Ryus Freundin will das Mädchen eines Geschäftsmannes kidnappen. Erst sollte das Opfer Ryus Ex-Boss sein – der Plan ändert sich aber, und der Geschäftsmann Park Dong-jin (Kang Ho-Song) wird ausgewählt, um von ihm das Geld zu erpressen.
Dessen kleine Tochter Yu-Sun (Bo-Bae Han) ist auch ein leichtes Entführungopfer, denn die Kleine geht gerne mit den beiden jungen Leuten mit und freundet sich mit ihnen in deren Wohnung an.
Der Vater geht auf die Bedinungen der Kidnapper ein und verständigt auch keine Polizei. Er ist auch - wie die Kidnapper - davon überzeugt, dass die Entführung für alle Parteien gut ausgehen wird.
Doch das Schicksal will es anders...

"Sympathy for Mr. Vengeance" ist ein Spielfilm des südkoreanischen Regisseurs Park Chan-wook aus dem Jahr 2002 und Nachfolgefilm seines großen Erfolgs mit dem Politfilm "Joint Security Area".
Es ist auch gleichzeitig der erste Teil einer Filmtrilogie, die durch das gemeinsame Thema "Rache" verbunden wird und aus diesem Film, Oldboy (2003) und Lady Vengeance (2005) besteht.
Dabei gelang dem südkoreanischen Director ein eindringliches Meisterwerk des düsteren Noirfilms und schildert eine Verkettung unglücklicher Umstände und daraus resultierend das Schicksal zweier unterschiedlicher Männer und ihrer Angehörigen.
Dabei bleibt der Film in weiten Teilen nüchtern und mit roher Gewalt einhergehend, doch immer wieder wird eine melancholische Poesie in dieser Katastrophe sichtbar. Beste Szene ist die Fahrstuhlszene, die ohne Worte einen dieser unvergesslichen magischen Kinomomente tragisch zelebriert.

Bewertung: 9,5 von 10 Punkten

Freitag, 7. Dezember 2012

Joint Security Area



Regie:  Park Chan-wook

Geteiltes Land...

Die "Joint Security Area" ist eine Art gemeinsame, demiralisierende Sicherheitszone, die entlang der Grenze zwischen Nord- und Südkorea verläuft. Dieses Grenzgebiet steht unter Aufsicht der neutralen Nationen, die sich aus Schweden und der Schweiz zusammensetzt.
In dieser Pulverfass-Region kommt es eines Tages zu einem Zwischenfall. Zwei nordkoreanische Grenzposten werden erschossen aufgefunden, der mutmaßliche Täter ist der südkoreanische Soldaten Lee Soo-yeok (Lee Byung-hun), der von seinen Vorgesetzten aufgrund dieser Tat unverhohlen gelobt wird. Er hat ja immerhin Kommunisten erledigt. Auf der nordkoreanischen Seite war der Soldat Sgt. Oh Kyeong-pil (Song Kang-Ho) Überlebender der Schiesserei und gleichzeitig Augenzeuge.
Der Aufsichtsbehörde der neutralen Nationen geht es vor allem darum, die drohende diplomatische Krise zu vermeiden. Wichtig ist den Ermittlern vor allem der Grund, warum dies so passiert ist. Major Sophie E. Jean (Lee Yeong-Ae), Tochter einer Schweizerin und eines Koreaners, ist Angehörige der Schweizer Armee und wird mit den Ermittlungen beauftragt.
Dabei wird von ihren Vorgesetzten immer wieder erwähnt, wie wichtig es ist, dass die Ermittlungsergebnisse beiden Seiten nicht schaden sollen.
Ein schwieriges Unterfangen, zumal Sophie sehr schnell Ungereimtheiten in den Aussagen entdeckt und langsam eine Geschichte über das traurige Scheitern einer unmöglichen Freundschaft offenlegt...



Regisseur Park Chan-wook ist einer der bekanntesten und wichtigsten Filmemacher aus Südkorea.
Er drehte Filme wie "Sympathie for Mr. Vengeance", "Oldboy"Žund "Lady Vengeance".
Seinen Druchbruch beim heimischen Publikum hatte er aber mit "Joint Security Area" im Jahr 2000.
Der Film zog in Korea sechs Millionen Zuschauer in die Kinos und behandelt das heikle Thema der Teilung des Landes in zwei ideologisch unterschiedliche Staaten.
Ein Thema, dass wir Deutschen ja auch gut nachfühlen können.
Der Film hat viel geleistet in Punkto "Annäherun2, denn er verzichtete auf politische Polemik und stellt die Menschlichkeit und das Thema Freundschaft in den Mittelpunkt der tragischen und traurigen Geschichte.
"Joint Security Area" erhielt mehrere Filmpreise in Asien und war auch bei der Berlinale 2001 als Wettbewerbsfilm am Start.
Leider ist der Ton der "DVD" nicht ganz perfekt, ich musste den Lautstärkeregler schon nach oben bedienen.
Das Bild ist aber gut.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.