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Samstag, 8. November 2025

Jedem seine Hölle


 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Andre Cayatte

Die Entführung... 

Der französische Thriller "Chancun son enfer" (deutscher Titel: Jedem seine Hölle) ist vor allem auf seine Hauptdarstellerin Annie Giradot zugeschnitten, sie liefert eine sehr emotionale Vorstellung als Mutter eines entführten Mädchens ab. Andre Cayatte ist der Regisseur dieses Films, der bei seiner Veröffentlichung zunächst eine Altersfreigabe ab 18 Jahre bekam. Cayatte war nicht nur Filmemacher, sondern auch Rechtsanwalt und war auch ein bedeutender Kritiker des französischen Justizsystems und deren Mehtoden. Mit Filmen wie "Schwurgericht" oder "Vor der Sintflut" erlangte er große Bekanntheit. "Chancun son enfer" verzeichnete bei seinem Kinostart im Jahr 1977 beinahe 1 Millionen Zuschauer in Frankreich.  Die neunjährige Tochter von Madeleine und Bernard Girard (Annie Girardot und Bernard Fresson) fällt einem Entführer in die Hände. Die verzweifelte Mutter appelliert per Fernsehansprache an die Öffentlichkeit und wendet sich außerdem an die Polizei. Wenig später gehen eine hohe Lösegeldforderung und Instruktionen ein, die detailliert beschreiben, wie die Girards ihre Tochter wieder zurück bekommen. Obwohl alle Forderungen eingehalten wurden, findet Madame Girard am Übergabeort nur noch ihr totes Kind, eingeschnürt in einen Plastiksack. Das Mädchen wurde erdrosselt. Wut und Verzweiflung lassen die Familie Girard nach einigen Tagen selbst aktiv werden und sie versuchen, dem Mörder auf die Spur zu kommen. Da das Mädchen keinerlei Verletzungen aufweist und niemand ihr Verschwinden bemerkt hat, entsteht der Verdacht, dass die Neunjährige möglicherweise mit einem Bekannten mitgegangen ist. Wer ist der Täter ?....








André Cayattes Drama punktet von der ersten Minute an mit einem rasanten Tempo, welches Hauptdarstellerin Annie Girardot höchstpersönlich vorlegt. Ihre halsbrecherische Geschwindigkeit bildet sogleich den Zeitraum des Vorspanns, man sieht sie in ihrem Wagen, der auf Kollisionskurs mit anderen Autos geht, rote Ampeln werden überfahren und andere Fahrzeuge einfach aus dem Weg gehupt, bist sie in der Redaktion eines TV-Senders ankommt. Der Film zeigt die emotionale Anspannung der gesamten Familie, zu der auch der reiche Großvater (Fernand Ledoux) und Michel (Stephane Hillel), der Sohn von Madelaine aus erster Ehe, gehören. Als Kommissar ist Hardy Krüger zu sehen. Am Ende wartet der Film mit einem fiesen Plot auf. 









Bewertung: 8 von 10 Punkten 
 

Donnerstag, 1. Januar 2015

Die Wildgänse kommen




















Regie: Andrew V. McLaglen

Das Himmelfahrtskommando...

Der amerikanische Filmregisseur Andrew V. McLaglen verstarb am 30. August 2014, er wurde vor allem durch seine Zusammenarbeit mit den amerikanischen Westernhelden John Wayne (insgesamt 5 gemeinsame Filme, u.a. Geier kennen kein Erbarmen, Chisum, MacLintock) und James Stewart (vier Filme, ua. Der Mann von großen Fluß, Bandolero) bekannt. Er galt immer als guter Techniker, ohne große innovativen Ideen. In den späten 70er Jahren wechselte er von seinem Lieblingsgenre ins Fach der Söldnerfiilme und vor allem sein in Großbritannien gedrehter "Die Wildgänse kommen" wurde ein riesiger Kinoerfolg. In Deutschland gingen 3,7 Millionen Menschen ins Kino. Durch diesen Erfolg machte der Regisseur mit ähnlichen Strickmuster weiter: Sprengkommando Atlantik, Die Seewöfe kommen oder Steiner 2 machten ebenfalls gute Kasse.
Möglicherweise ist der Abenteuerfilm mit Starbesetzung auch sein bester Film, trotz der extremen Zwiespätigkeit und dem fragwürdigen Inhalt. Denn die Figuren, die der Film als Helden zeigt, sind nichts anderes als Sölnder, die für Geld auch rücksichtslos morden. Und diese Geisteshaltung wird im Laufe des 134 Minuten langen und sehr spannendem Actionfilm auch sichtbar.
Der steinreiche Bankier Matherson (Stewart Granger) erteilt dem in die Jahre gekommenen Colonel Allen Faulkner (Richard Burton) den äusserst lukrativen Auftrag im afrikanischen Staat Zembala (fiktiv) den gestürzten und gefangengenommenen Regierungschef Limbani (Winston Ntshona) zu befreien. Der einflussreiche Banker erhofft sich dadürch die großen Vorkommen an Kupfer ausbeuten zu können. Doch für dieses Unternehmen braucht es eine fünfzig Mann starke Gruppe von schwerbewaffenten Söldnern, denn Limbani wird von einer großen Einheit Soldaten in einem Militärlager bewacht. Faulkner willigt ein, doch er zwei Männer, die er unbedingt für dieses Unternehmen braucht: Sein langjähriger Söldnerkamerad und Freund Rafer Janders (Richard Harris) und den versierten Piloten Shawn Fynn (Roger Moore). Fynn ist aber auf der Flucht vor der Mafia, da er vor kurzem zwei Drogendealer der Familie einfach nach Selbstjustiz-Manier ins Jenseits befördert hat. Janders hat sich zur Ruhe gesetzt und möchte eigentlich nur noch für seinem kleinen Sohn Emile (Paul Spurrier) da sein und sich mehr um den Jungen kümmern, der im Internat lebt.
Nachdem alle Probleme aus dem Weg geschafft wurden, gehts los ins Trainingscamp und die Männer werden von dem alten Veteranen RSM Sandy Young (Jack  Watson) gedrillt, der dafür sogar seine Frau verlässt. Dann gehts los: Aus einer Lockheed C-130 Hercules springen die Männer über dem Zielgebiet in Zembale ab. Limbani wird von einem Teil der Männer (u.a Hardy Krüger) befreit und die andere Hälfte der Männer hat inzwischen den nahe gelegenen Flughafen erobert. Doch der Heimflug gestaltet sich schwieriger als vermutet...


 Andrew McLaglen hat sehr straff inszeniert und der Film hat von Anfang bis Ende einen grimmigen Unterton. Politische Korrektheit darf man hier nicht erwarten - aber trotz dieser Einschränkungen ist "Die Wildgänse kommen" ein sehr spannendes Actionkino geworden, wobei das Männlichkeitsideal des brutalen Draufgängers stark zelebriert wird. Kameradschaft ist das oberste Gebot. Verrat ist ein definitives Todesurteil und die Soldaten haben Null Erbarmen mit dem Gegner. Am Ende steht natürlich die Rache. Dabei imponieren vor allem Richard Burton und Richard Harris als Freunde, die sich durch ihre Gegensätze ergänzen. Burton spielt den eiskalten Typen, bei Richard Harris funkelt immer wieder die Emotion durch und auch der Wunsch nach einer anderen, viel bürgerlicheren Existenz. Aber auch er kann nicht anders. Er ist faszniert vom Kriegsspiel und unterwirft sich wider besseren Wissens dem fragwürdigen Männlichkeitskult. Der Titelsong wird von Joan Armatrading gesungen.


Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Samstag, 20. Dezember 2014

Das rote Zelt


























Regie: Michael Kalatosow

Verloren im Ewigen Eis....

Der italienische Luftschiffpionier und General Umberto Nobile (Peter Finch) wurde durch seine Polarfahrten mit dem Luftschiff weltberühmt. Die erste Polarfahrt fand am 12. Mai 1926 im Luftschiff Norge gemeinsam mit Roald Amundsen (Sean Connery) statt. Damit waren die beiden die ersten Menschen, die den Nordpol zweifelsfrei erreicht haben.  Die italienisch-russische Coproduktion "Das rote Zelt" des Regisseurs Michail Kalatosow (bekannt durch "Die Kraniche ziehen") befasst sich vor allem mit der zweiten Fahrt zum Nordpol, die er ohne Amundsen unternahm. Am 23. Mai 1928 startete er mit dem Luftschiff Italia von Spitzbergen aus, er fuhr am 24. Mai über den Pol. Doch auf dem Rückflug am 25. Mai stürzte die Italia mit 16 Besatzungsmitgliedern vom Nordpol in der Nähe von Spitzbergen ab, wobei die Gondel mit Nobile selbst und neuen seiner Expeditionsmitgliedern sowie einem kleinen Hund auf das Eis krachte. Beim Schleudern aufs Eis verlor einer das Leben, andere wurden zum Teil schwer verletzt. Das Luftschiff selbst - durch den Absturz der Gondel - um ein Vielfaches erleichert stieg mit sechs an Bord verbliebenen Männern rasch wieder auf. Man fand aber nie wieder eine Spur von ihnen. Zum Glück hatte Nobile vor dem Start ein kleines Kurzwellenfunkgerät für den Wellenbereich 30 bis 50 m im Luftschiff deponiert. Dies war Glück im Unglück, denn mit Hilfe dieses Geräts gelnag es dem italienischen Funker Biagi (Mario Adorf) Notrufe abzusetzen. Tagelang hatte dies aber kein Erfolg, erst am 2. Juni 1928 empfing der russische Funkamateur Nikolai Reinhold Schmidt den SOS-Ruf der Nobile-Expedition. Die Rettungskaktionen wurden daraufhin verstärkt.
"Das rote Zelt" ist ein klassischer Abenteuerfilm, der sich die Individualität leistet seine Geschichte als sonderbare Rückblende zu erzählen. Der alte Nobile kann nachts nie richtig schlafen, denn immer noch plagen ihn die Schuldgefühle - obwohl die Katastrophe am Nordpol Jahrzehnte her ist. Er wurde anfangs sehr angefeindet, weil man ihm vorwarf, dass er für den Absturz des Luftschiffs verantworlich war und dass er sich als Expeditionsleiter zuerst von dem schwedischen Piloten Lundborg (Hardy Krüger) retten ließ. Eigentlich war dieser von der Krankenschwester Valeria (Claudia Cardinale) engagiert worden, deren Freund Finn Malmgren (Eduard Marzewitsch), einer der Teilnehmer der Expedition, zu suchen und zu finden. Nobile flog als erster - gemeinsam mit dem Hund - mit dem Flieger in Richtung Zivilisation, da dieser den strikten Befehl hatte zuerst Nobile zu retten. Valeria konnte auch Roald Amundsen für die Rettungsaktion gewinnen, doch dieser kam dabei ums Leben. Und heute - wie in so vielen anderen Nächten - bekommt Nobile imaginären Besuch von den damaligen Wegbegleitern, manche von ihnen überlebten die Katastrophe nicht. So mutet dieser in der Phantasie sich abspielende Schauprozess mitunter sogar wie eine Totenmesse an.



 Die Action ist nie vordergründig, was der Geschichte sehr große Authentizität verleiht. Der interessanteste Aspekt an dieser Form der Erzählung ist dabei aber, dass der Regisseur sich auch mit individueller Schuld, vor allem aber dem Problem, von ihr aufgefressen zu werden, befasst. Denn die Hauptfigur Nobile kann sich selbst nach vielen, vielen Jahren immer noch nicht vergeben und leidet darum noch Jahrzehnte nach dem Ereignis unter dessen Ausgang. Am Ende könnte sich aber eine Versöhnung mit sich selbst andeuten, eine Art Vergebung. Denn der Film beleuchtet beim Thema Schuld einige Facetten, er stellt auch die Frage welche Qualitäten ein Anführer haben muss und wo er sich von seinen direkten Untergebenen vielleicht unterscheiden muss. Insgesamt gefiel mir "Das rote Zelt" trotz einer gewissen Old School Machart sehr gut - der Film lässt sich Zeit seine Geschichte und deren Auswirkungen zu entfalten. Für die Musik war Ennio Morricone verantwortlich - perfekt passend zu diesem roten Zelt inmitten vom ewigen Eis.



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.