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Sonntag, 27. September 2026

Die Verachtung















Regie: Jean Luc Godard

Eine Ehe zerbricht...

Jean Luc Godards Cinemascopefilm "Die Verachtung" ist ein Film, der auch nach seinem tragischen Ende noch nachhallt. Erzählt wird eine Geschichte von Kunst und Kommerz, Mythos und Realität, Leben und Tod. Das äußere Geschehen wird kontrapunktiert durch Reflexionen während der Verfilmung von Homers Odyssee durch die Regielegende Fritz Lang, derr sich selbst spielt. Ein intellektuell sehr anspruchsvolles Werk, dessen kühle Schönheit nicht jeden ansprechen wird. Es ist aber auch eine Geschichte über eine Liebe, die durch einen offen gelegten Charakterzug jäh endet. Die Filmmusik von Georges Delerue ist phasenweise wirkt nur hypnotisch, sie unterstreicht auch die Traurigkeit dieser überraschenden Ereignisse. Im Kontrast dazu hat Kameramann Raoul Coutard (Außer Atem, Schießen sie auf den Pianisten, Die süße Haut, Lola, das Mädchen vom Hafen, Jules und Jim, Die Braut trug schwarz, Z, Duell ohne Gnade) betörend schöne Kinobilder dazu entworfen. Der Titel des Films bezieht sich auf die weibliche Hauptfigur, die von Brigitte Bardot sehr sensibel gespielt wird. Durch eine einzige Situation verändert sich ihre Liebe zu ihrem Mann, einem Drehbuchschreiber. Im Film selbst kommt aber ebenso Godards Verachtung für die Entwicklung der Filmindustrie Hollywoods zum Ausdruck, wie sie personifiziert wird von der unangenehmen Figur des Produzenten Jeremy Prokosch. Denn Godard lag mehrfach im Clinch mit seinem Produzenten Joseph E. Levine, der sich Sorgen um die Einspielergebnisse machte. Daher mussten mehr Nacktaufnahmen von Brigitte Bardot nachgedreht werden. Der französische Schriftsteller Paul Javal (Michel Piccoli) befindet sich mit seiner jungen und attraktiven Frau Camille (Brigitte Bardot) in Rom. Er wurde dorthin eingeladen auf Wunsch des US-Filmproduzenten Jerry Prokosch (Jack Palance), damit er das Drehbuch eines Films über die Odyssee umschreibt. Fritz Lang wurde verpflichtet, den Film zu inszenieren. In einer ansonsten ereignislosen Szene kommt es zu einem Missverständnis  : Camille, die glaubt, Paul wolle sie ermutigen, steigt in Prokoschs Auto, das zunächst langsam losfährt, dann aber plötzlich mit hoher Geschwindigkeit davonrast. Die junge Frau wollte gar nicht erst in den Wagen steigen und lieber mit ihrem Mann ein Taxi zu Prokoschs Villa nehmen, doch Paul hat sogar darauf bestanden, dass Camille alleine in den Wagen steigt. Der Film erkundet, was sich in diesem Bruchteil einer Sekunde zwischen dem Paar abspielt. Irgendwie kommt in Camille der Gedanke auf, dass ihr Mann sie nicht vor der Zudringlichkeit des aggressiven Produzenten schützen will, sondern im Gegenteil noch dazu bereit ist sie für diesen hoch dotierten Drehbuchauftrag zu "verkaufen".Zwischen zwei Einstellungen ist Camilles Missverständnis in Verachtung für ihren Mann umgeschlagen. Sein verspätetes Eintreffen bei dem Haus des Produzenten treibt die Spannung zwischen dem Paar weiter voran. Zudem flirtet Paul in Gegenwart Camilles auch noch mit der Assistentin Francesca (Giorgia Moll). Das Treffen endet mit einer Einladung der beiden nach Capri, wo sie Zeugen der Dreharbeiten zu der Odysseus-Verfilmung sein sollen. Paul versucht dort, Lang für sich zu gewinnen, indem er ihm seine Absicht erklärte, die Geschichte von Odysseus und Penelope aus psychologischer Sicht neu zu erzählen und dabei seine Erfahrungen mit einer schwierigen Ehe einfließen zu lassen. Lang erwiderte offen, dass er an einem modernen, psychoanalytischen Ansatz nicht interessiert sei. Er tendiere eher zum klassischen Kino und interessiere sich für das Verhältnis zwischen Mensch und Natur in der mediterranen Landschaft. Camille erliegt Prokoschs Annäherungsversuchen, fest entschlossen, ihren Mann zu verlassen. Paul, der sie nicht verlieren will, erklärt ihr, er sei bereit, seinen Job aufzugeben, um sie an seiner Seite zu halten. Nun versteht er, warum Camille ihm gegenüber Groll hegt, und versucht, ihr das Gegenteil zu beweisen  ; seine Bemühungen, die Ehe zu retten, scheitern jedoch. Camille beendet die Beziehung zu Paul endgültig und geht mit Prokosch. Auf der gemeinsamen Autofahrt nach Rom kommen Camille und Prokosch ums Leben....










In den ersten Wochen nach Kinostart verzeichnete "Le Mepris" - so der Originaltitel - insgesamt 235.000 Zuschauer in den fünd exklusiv ausgewählten Pariser Kinos und belegte am Ende des Jahres sogar Platz 7 der französischen Kinocharts. Für einen Godard Film extrem erfolgreich, aber dennoch ein kommerzieller Misserfolg fürt einen Film mit dem Sexsymbol Brigitte Bardot. Die berühmteste Szene des Films wurde tatsächlich die Nacktszene am Anfang, in der Camille ihrem Mann einige Körperteile aufzählt und ihn fragt wie diese ihm denn gefallen.  Diese Serie von Fragen, die nach und nach fast alle Teile ihres Körpers streift, scheint sich nicht nur an den Ehemann, sondern ebenso an die Filmproduzenten zu richten, die die Nacktheit des weiblichen Körpers für ihre Zwecke ausbeuten. Während der Dreharbeiten verhielten sich die echten Produzenten immer mehr wie die Figur, die Jack Palance im Film verkörpert – ihr Hauptinteresse galt schließlich den Nacktszenen. Durch seine Einzigartigkeit ist "Die Verachtung" vielleicht sogar Godards bester Film. 











Bewertung: 9,5 von 10 Punkten. 

Sonntag, 18. Mai 2025

Zerrissene Umarmungen


 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Pedro Almodovar

Mädchen und Koffer...

Pedro Almodovars Film aus dem Jahr 2009 heißt "Zerrissene Umarmungen" und ist ein sogenannter "Film im Film", da das Medium "Film" selbst reflektiert wird. Berühmte Beispiele sind "Achteinhalb" von Federico Fellini, "Die amerikanische Nacht" von Francois Truffaut, "The Player" von Robert Altman oder "Singin in the Rain" von Stanley Donen. "Los abrazos rotos" - so der Originaltitel - wird wie so oft bei Almodovar üblich von einem Ensemble seiner Stammschauspieler gespielt.  Lluís Homar spielt einen blinden Drehbuchautor aus Madrid, der sich an seine tragische Liebe zu Lena erinnert, der verstorbenen Hauptdarstellerin in seinem letzten Regiefilm "Mädchen und Koffer", die zugleich die Geliebte eines mächtigen, obsessiven Geschäftsmannes (José Luis Gómez) ist.  Inspiriert von der Dunkelheit und einem Foto eines Paares, das Almodóvar Ende der 1990er Jahre am Strand von El Golfo auf Lanzarote aufgenommen hat, ist der Film eine Hommage an das Filmemachen, das Kino und seine verschiedenen Filmgenres. Stilistisch wurde der Film als eine Mischung aus Film Noir und Melodram beschrieben. Thematisch behandelt das verschachtelte Werk Themen wie Voyeurismus, Unterdrückung, Prostitution, Tod, Rache, Fixierung, Krankheit und Drogen. "Zerrissene Umarmungen“ war einer der Filme, die bei den Filmfestspielen von Cannes 2009 um die Goldene Palme konkurrierten. Der Film wurde sowohl bei den British Academy Film Awards 2009 als bester fremdsprachiger Film nominiert als auch bei den 67. Golden Globe Awards. Harry Caine (Lluis Homar) ist ein blinder Schriftsteller, der sein Leben mit seiner Agentin Judit (Blanca Portillo) und ihrem erwachsenen Sohn Diego (Tamar Novas) teilt. Langsam wecken Ereignisse der Gegenwart Erinnerungen an die Vergangenheit. Harry erfährt vom Tod des Millionärs Ernesto Martel (Jose Luis Gomez); der junge Filmemacher Ray X (Ruben Ochandiano) taucht auf und entpuppt sich als Martels Sohn Ernesto Jr. Nachdem Diego wegen einer versehentlichen Überdosis Drogen in einem Madrider Nachtclub ins Krankenhaus eingeliefert wird, holt Harry ihn dort ab und kümmert sich um ihn, um seine mitreisende Mutter nicht zu beunruhigen. Die Haupthandlung wird in einer Rückblende erzählt, in der Harry Diego widerwillig eine tragische Geschichte von Schicksal, Eifersucht, Machtmissbrauch, Verrat und Schuldgefühlen erzählt. Die erste Rückblende führt ins Jahr 1992 und stellt Magdalena „Lena“ Rivero  (Penelope Curz) vor, Martels attraktive junge Sekretärin und aufstrebende Schauspielerin. Sie freundet sich mit Martel, einem millionenschweren Finanzier, an, um Geld für die Arztrechnungen ihres sterbenden Vaters aufzutreiben. 1994 wurde sie Martels Geliebte. Harry lebte zu dieser Zeit noch unter seinem richtigen Namen, Mateo Blanco, er ist ein angesehener Filmregisseur. Martel ist übermäßig besitzergreifend gegenüber Lena, doch sie ist entschlossen, Schauspielerin zu werden, und ergattert die Hauptrolle in Blancos Film "Chicagos y maletas“ (Mädchen und Koffer), indem sie Martel als Finanzier und Produzent engagiert. Martel spioniert Lena und Mateo aus, indem er seinen verklemmten, femininen schwulen Sohn Ernesto Jr. schickt, um die Produktion des Films zu filmen, angeblich für ein Making-of, und anschließend einen Lippenleser engagiert, um die Gespräche zu interpretieren. Martel, kochend vor Eifersucht, zeigt die Videos, während der Lippenleser die verstohlenen Flüstertöne über Lenas und Mateos leidenschaftliche Affäre kommentiert. Wütend stellt Martel Lena zur Rede, und als sie droht, ihn zu verlassen, stößt er sie die Treppe hinunter. Doch als sie den Sturz überlebt, gibt er nach und pflegt sie gesund. Lena schließt mit Martel einen Handel ab: Sie willigt ein, bei ihm zu bleiben, sofern er Mateo erlaubt, die Dreharbeiten zu beenden und den endgültigen Schnitt zu bestimmen. Widerwillig nimmt Mateo diese Vereinbarung an und beendet die Dreharbeiten. Doch sobald diese abgeschlossen sind, flieht er mit Lena nach Lanzarote und verwendet dabei den Namen "Harry Caine“, um nicht entdeckt zu werden..









Pedro Almodóvars vierter Film mit Penélope Cruz ist nicht sein bestes Werk, doch er bringt seine typische visuelle Brillanz in diese Noir-Geschichte ein, und die Besetzung liefert einige lobenswerte Leistungen ab - einmal mehr Penelope Cruz, für die Almodovar erneut eine perfekte Rolle fand. Almodovar hat sich einiger Stilmittel von Alfred Hitchcock bedient, denn er lenkt im Drehbuch mit Oberflächen ab, während sich darunter und noch nicht greifbar das Unheilvolle bereits entfalten kann. Alberto Iglesias erhielt für seinen Soundtrack den Europäischen Filmpreis. Penelope Cruz wurde in der Kategorie "Darstellerin" nominiert. Für den Regisseur gabs gar zwei Nominierungen: Einmal in der Regie-Kategorie und in beim Peoplees Choice Award for best Film. 







Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Sonntag, 19. Mai 2024

Der lange Tod des Stuntman Cameron


 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Richard Rush

Lebensgefährliche Stunts...

Richard Rushs 1980 gedrehter Film "Der langsame Tod des Stuntman Cameron" ist ein wahnsinniger film über das Drehen eines Films und über einen völlig manischen Regisseur. Diese Figur des Eli Cross wird von Peter O´Toole gespielt und seine hinreißende Vorstellung sicherte ihm eine Nominierung als bester Hauptdarsteller bei der Oscarvergabe 1981, er musste sich jedoch von Robert de Niros Leistung in "Raging Bull" geschlagen geben. Richard Rush, der als Regisseur eine Nominierung bekam, konnte eine weitere Nominierung in der Kategorie bestes Drehbuch erreichen - gemeinsam mit seinem Partner Lawrence B. Marcus. Auch bei der Vergabe der Golden Globes gabs es für die "Beste Regie" und für das "beste Drehbuch" eine Berücksichtigung.
Als Sieger ging Dominic Frontere für die Filmmusik hervor, die Darsteller Peter O´Toole und sein Partner Steve Railsbeck errangen wie auch Richard Rush keinen Sieg.
Obwohl "Der lange Tod des Stuntman Cameron" immer wieder als Kultfilm bezeichnet wird, stockte die weitere Karriere von Richard Rush nach diesem künstlerischen Erfolg. Als einer der Wegbereiter des New Hollywood drehte er danach mit "Color of Night" nur noch einen bekannteren Film.
Cameron (Steve Railsbeck), ein Vietnam-Veteran, der wegen versuchten Mordes gesucht wird, wird von der Polizei gefasst, entkommt jedoch. Als er eine Brücke überquert, weicht er einem Auto aus, das ihn überfahren zu wollen scheint; Als er sich umdreht, ist das Auto verschwunden. Ein Hubschrauber fliegt in der Nähe der Brücke und ein Mann im Inneren sieht Cameron an. Später fühlt sich Cameron zu einem Filmdreh hingezogen – einer Kampfszene aus dem Ersten Weltkrieg. Danach bemerkt er eine ältere Frau, die durch das Set geht, die Schauspieler begrüßt, und dann ins Wasser fällt. Cameron taucht ein, um sie zu retten, und ist entsetzt, als sie ihr Gesicht abnimmt – eine Maske. Sie ist die Hauptdarstellerin des Films, Nina Franklin (Barbara Hershey, und testet Make-up für Szenen. Der Regisseur Eli Cross (Peter O´Toole), der Mann im Hubschrauber, steigt mit seinem Kamerakran vom Himmel herab. Er bietet Cameron einen Job an und erklärt, dass ihr letzter Stuntman gerade ein Auto von einer Brücke katapultiert habe. Sie haben die Leiche des Stuntmans aber nicht gefunden und Eli kann sich Produktionsverzögerungen nicht leisten, wenn die Polizei eingreift - die wollen, dass die Crew in 3 Tagen den Drehplatz verlässt. Der Polizeichef (Alex Rocco) ist sich des Unfalls bewusst, aber Eli überzeugt ihn, dass Cameron dieser Stuntman ist, der mit dem Auto in die Tiefe stürzte. Cameron nimmt den Job an. Eli zeigt das Filmmaterial der Polizei, das zu zeigen scheint, dass Cameron nie auf der Brücke war. Denise (Sharon Farrell), die Friseurin des Films, färbt Camerons Haare, damit er dem Hauptdarsteller Raymond Bailey (Adam Roarke) ähnelt und schwerer zu erkennen ist. Cameron ist überzeugt, dass Eli ihn an die Polizei verkauft, aber Eli versichert ihm, dass das nicht der Fall ist. Cameron lernt von Chuck (Charles Bail), dem Stuntkoordinator, und filmt eine Szene, in der er über das Dach eines großen Gebäudes gejagt wird und durch ein Oberlicht in ein Bordell fällt. Gleichzeitig lässt sich Cameron mit Nina ein, die einst eine Romanze mit Eli hatte, die eifersüchtig auf Cameron wird. Der letzte Dreh am aktuellen Drehort beinhaltet Camerons schwierigsten Stunt: Er fährt von einer Brücke und flüchtet unter Wasser – dieselbe Szene, die Burt drehte, als er starb. Cameron glaubt, dass Eli versucht, ihn zu töten. Dennoch will er diesen Stunt durchziehen...






Rushs Film ist ständig Überraschend und es ist ein sehr origineller Film über das Filmemachen. Er passt in keine Schublade und ist gleichwohl lustvolles Spektakle wie eine bösartige Satire. Ein Hybrid aus Drama, Klamauk und Melodram. Und nicht zuletzt bietet dieser schwer greifbare Film einen Blick auf menschliche Abgründe.






Bewertung: 8 von 10 Punkten.