Posts mit dem Label Jürgen Vogel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Jürgen Vogel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Mittwoch, 5. Dezember 2012
Die Welle
Regie: Dennis Gansel
Ein Experiment...
Die Welle von Dennis Gansel (Napola) ist mit ca. 2 1/2 Millionen Zuschauern ein sehr erfolgreicher deutscher Kinofilm, der auf dem Sozialexperiment The Third Wave basiert.
Im Mittelpunkt der Handlung steht ein brisantes Experiment des Gymnasiallehrer Rainer Wenger (Jürgen Vogel) mit seinen Schülern, dass spontan während einer Projektwoche zum Thema "Staatsformen" geboren wird und "Die Welle" heisst. Die Schüler hatten behauptet, dass im heutigen aufgeklärten Deutschland keine Gefahr mehr für eine Diktatur bestehen würde. Das Projekt zeigt bereits nach kurzer Zeit faschistische Tendenzen, allerdings wird von der Mehrheit der Schüler nur der positive Effekt der verschworenen und wieder erstarkten Gemeinschaft wahrgenommen, ein Effekt, der Egoismus reduziert und das Miteinander stärkt.
Trotzdem läuft das Projekt immer mehr aus dem Ruder....am Ende steht die Katastrophe.
"Die Welle" kann durchaus in einigen Kategorien punkten: Jürgen Vogel ist ein sehr guter Schauspieler und auch hier spielt er den selbstverliebten Lehrer, der sich immer etwas überschätzt und auch seine charismatische Wirkung auf Schüler eher narzistisch verarbeitet, sehr intensiv und glaubwürdig.
Mit Max Riemelt (Marco), Frederic Lau (Tim) oder Jennifer Ulrich (Karo) kommen auch neue frische Gesichter im deutschen Film zum Zug.
Das Ende des Films ist m.E. gut gelungen. Allerdings gibt es auch einige gravierende Schwachstellen, die mich doch gestört haben.
Der Stoff ist natürlich sehr anspruchsvoll und einiges seiner wichtigen Thematik löst der Film eher sehr oberflächlich bis lapidar.
Der Außenseiter, der Ausländer, der Hedonist und der Unterschichtler...diese Figuren werden dargestellt und natürlich sind sind sie alle anfällig für dieses "Wir" Gefühl, dass die Welle propagiert - ja mehr noch. In dieser Aufzählung fehlt aber die wichtigste Person...der Prototyp des heutigen Menschen, umgewandelt als Schüler eben diese Figur eines getriebenen Teenagers, dem Kind des Neoliberalismus, der sich den marktwirtschaftlichen Zwängen angepasst hat, der freizeitmässig alle Trends auslebt, während er beruflich die Karriereleiter hochzusteigen versucht und dem Materialismus fröhnt. Karo kommt diesem Typus noch am nächsten, aber gerade sie ist die Opposition im Film. Damit gibt der Film dem Status Quo seine Absolution und wird somit äusserst unkritisch gegenüber der heutigen Realität, die sich natürlich auch "wellenförmig" entwickeln könnte und sicherlich keine Sicherheit gegen Faschismus darstellt.
Für mich war der Film deshalb alles andere als ein grosser Wurf, auch wenn das Ende dann doch einen nachdenklichen Effekt brachte.
Bewertung: 5 von 10 Punkten.
Abonnieren
Posts (Atom)



