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Montag, 31. August 2026

Liebe ist nur ein Wort















Regie: Alfred Vohrer

Gefährliche Liason...

Die Idee des Produzenten Luggi Waldleitner ab den frühen 70er Jahren bekannte Romane des Erfolgsautors Johannes Mario Simmel zu verfilmen, erwies sich als Glücksfall. Bereits die erste Verfilmung "Und Jimmy ging zum Regenbogen" wurde einer der erfolgreichsten Filme des Jahres 1971 und lockte mehr als 3,4 Millionen Zuschauer ins Kino. Auch der Nachfolgefilm "Liebe ist nur ein Wort" war mit mehr als 2,1 Millionen Zuschauer ein Kassenhit. Ausserdem machte er den Nachwuchsdarsteller Malte Thorsten, der die Hauptfigur Oliver Mansfeld spielt, zum Star. Thorsten erhielt für diese Rolle im Jahr 1972 sogar den deutschen Filmpreis als bester Nachwuchsdarsteller. Der 21-jährige Oliver Mansfeld ist der Sohn eines korrupten Großindustriellen. Er versucht verspätet, in einem Internat sein Abitur zu absolvieren - im Grunde aber mehr auf Geheiss seines verhassten Vaters. Oliver ist bereits aufgrund von Frauengeschichten mehrfach aus anderen Internaten geflogen. Er hat jetzt aber vor die Schule durchzuziehen. Auf dem Flughafen sieht er die fast 20 Jahre ältere Verena Angenfort (Judy Winter), die sich wohl heimlich von einem Lover verabschiedet. Durch seinen Vater kennt er die Familie Angenfort. Verenas Mann Manfred (Herbert Fleischmann) ist ein Bankier, der Geschäfte mit Olivers Vater macht, die wohl nicht immer legal waren. Davon hat aber wohl nur Olivers Mutter (Inge Langen) Ahnung, die schon seit längerem in einer Psychiatrie lebt. Die unbefangene und lockere Art von Oliver machen es ihm leicht mit Verena in Kontakt zu treten und sehr schnell gibt er der verheirateten Frau zu verstehen, dass er sie unheimlich begehrenswert findet. Im Internat angekommen wird er von Internatsleiter Dr. Florian (Friedrich Siemers) begrüßt und schließt sehr schnell Freundschaft mit dem etwas jüngeren Hansi (Joey Schoenfelder), der gemeinsam mit einem muslimischen Jungen (Manuel Iregsusi) in einem Zimmer lebt. Olivers Mitschülerin Geraldine (Donata Höffer) wirft sofort ein Auge auf den "Neuen" und sehr spontan kommt es zum Sex zwischen den beiden Teenagern. Doch nach wie vor verfolgt Oliver seinen Plan Verena zu erobern. Bald gibt die unglücklich Verheiratete seinem ungestümen Werben nach, doch ihr Mann ahnt etwas...





Ab jetzt beginnt ein kaltes Netz aus Psychospielen. Es deckt Dekadenz, Korruption und Pseudomoral in den reichen Oberschichten auf, in denen echte Gefühle oft keinen Platz haben und für die Beteiligten „Liebe nur ein Wort“ im Sinne von Schein und Berechnung ist. Vielleicht ist dieses Drama bei den Oberen 10.000 am Ende zu dramatisch. Aber Alfred Vohrer hat sehr straff inszeniert und die guten Darstellerleistungen, auch in den Nebenrollen. Charly Steinberger war bei einigen Waldleitner/Vohrer Verfilmungen von Simmel Romanen der Kameramann. Für seine Leistung in den Filmen "Einer von uns beiden" (Regie: Wolfgang Petersen) und "Gott schützt die Liebenden" erhielt er 1974 das Filmband in Gold. 








Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Montag, 7. Dezember 2015

Alle Menschen werden Brüder

























Regie: Alfred Vohrer

Ungleiche Brüder...

Nach "Und Jimmy ging zum Regenbogen", "Liebe ist nur ein Wort" und "Der Stoff, aus dem die Träume sind" verfilmte Alfred Vohrer im Jahr 1973 mit dem Bruderdrama "Alle Menschen werden Brüder" zum vierten Mal einen Roman des Erfolgsautors Johannes Mario Simmel, der besonders in den 70er Jahren extrem populär war und mit seinem Büchern Millionenauflagen erzielte. Auch die Kinofilme waren äusserst erfolgreich. Zwar waren nicht alle Kritiker begeistert. Man warf den Filmen damals wie auch heute eine Überdosis Trivialität und zuviel Kolportagehaftes vor, aber immerhin gewann Klaus Schwarzkopf, der Darsteller des jüdischen Bordellbesitzers Boris Minski 1973 das Filmband in Gold als bester Schauspieler.
Wie die Vorlage vermischt auch Vohrers Film Aspekte des Spionageromans mit einer Brise Melodram. Als Rückblendenstruktur bekommt der Zuschauer eine komplexe und schicksalhafte Verwebung der deutschen Nachkriegsjahre mit der Nazivergangenheit geboten.
Es beginnt alles vor orientalischer Kulisse in Marrakesch, wo der Schriftsteller Richard Mark (Rainer von Artenfels) im Hotel mit dem Leichnam seines Bruders Werner (Harald Leipnitz) konfrontiert wird. Er flieht in einem Flugzeug nach Zürich, dort soll er irgendwelche geheimen Unterlagen an einen Agenten weitergeben. Doch in Zürich wird ihn durch die Leute, die ihn erwarten bewusst, dass er die Unterlagen bereits im Flugzeug in falsche Hände gegeben hat. In einer Rückblende erzählt Richard seine Geschichte und die Geschichte seines Bruders, der ebenfalls Schriftsteller war. Zu Todfeinden werden die beiden wegen Richards großer Liebe Lillian (Doris Kunstmann), die ihn mit irgendwann mit Werner betrügt. Jahrelang hört er nichts mehr von ihr, bis er eines Tages einen Anruf von Lillian erhält. Es hört sich so an, als läge sie im Sterben, als hätte sie gerade eine Suzidversuch unternommen. Sie kann gerettet werden und im Laufe der Ermittlungen wird aber klar, dass das Gift in ihrem Körper eigentlich für Lillians derzeitigen Lebensgefährten (Alf Marholm) bestimmt gewesen ist. Ein Mann mit einer dubiosen Vergangenheit und ein ehemaliger untergetauchter Nazi. Von dem fehlt auch jede Spur. Aber immerhin taucht er eines Tages im Frankfurter Nachtclub auf, der zu gleichen Teilen Richard und seinem Freund Boris Minski gehört. Mit Hilfe des amerikanischen GI Tiny (Roberto Blanco) kann die Vergangenheit des verschwundenen Mannes etwas näher beleuchtet werden. Aber was hat Werner mit der Sache zu tun ?

 In der Rolle des Werner ist Harald Leipnitz zu sehen, der eine gute Performance als durchtriebener, intelligenter und hinterlistiger Gangster mit Vergangenheit abliefert. Als Gegengewicht das Kinodebüt von Rainer von Artenfels. Die damals populäre Doris Kunstmann ist in der Rolle der begehrenswerten Femme Fatale zu sehen, die sich eigentlich nicht so richtig zwischen den beiden Brüdern entscheiden kann.
Klaus Schwarzkopfs Part ist zwar eher eine sehr wichtige Nebenrolle, aber seine Szenen sind alle klasse. Auch Herbert Fleischmann als Kommmissar Eilers oder Konrad Georg als Staatsanwalt Paradin runden die gute Leistung des Ensembles ab.
Der Film ist schön verzwickt, was aber seinen Reiz ausmacht und pendelt hin und her zwischen klassischer Dreiecksbeziehung, internationalen Spionagegeschäften und deutscher Vergangenheitsbewältigung. Sämtliche Ebenen des vielschichtigen Romans werden durch Alfred Vohrers gute Regieleistung eindringlich beleuchtet und fügen sich als Einheit zusammen. Das Szenario ist typisch 70er Jahre Style und sehr dicht und atmospährisch inszeniert. Kameramann Charly Steinberger fängt die verschiedenen Locations des Films gut ein, sowohl die Hitze in Marrakesch als auch die triste winterliche Stimmung in der noch jungen BRD. Sicherlich einer von Vohrers besten Simmel Filmen. 


Bewertung. 8 von 10 Punkten.

Freitag, 10. Juli 2015

Die Antwort kennt nur der Wind

























Regie: Alfred Vohrer

Die Gier nach Geld...

Mit dem 1974 entstandenen "Die Antwort kennt nur der Wind" beendete Regisseur Alfred Vohrer seine drei Jahre andauernde Filmphase des Themenkreises "Johannes Mario Simnmel". Und möglicherweise war auch die Puste draußen. Verglichen mit den Vorgängern "Und Jimmy ging zum Regenbogen", "Liebe ist nur ein Wort", "Der Stoff, aus dem die Träume sind", "Alle Menschen werden Brüder" und "Gott schützt die Liebenden" bleibt der starbesetzte Kinoerfolg leider etwas blass. Zwar ist "Die Antwort kennt nur der Wind" kein schlechter Film, aber ich finde er bleibt hinter den Erwartungen zurück und schöpft die Möglichkeiten seiner Story kaum aus. Es liegt womöglich am schwachen Spiel des Hauptdarstellers, der nicht annähernd so überzeugen kann wie in "Fahrstuhl zum Schafott" oder "Nur die Sonne war Zeuge". Er bleibt irgendwie farblos - wobei dies vielleicht gar nicht mal so unapssend für die Rolle war, die er hier spielen musste. Einen gewiften Fahnder einer Versicherungsgesellschaft. Robert Lucas (Maurice Ronet) ist erfolgreicher Versicherungagent und wird von seinem Boss Gustav Brandenburg (Herbert Fleischmann) auf einen mysteriösen Todesfall angesetzt. Er muss taufklären, ob es sich beim Tod des wohlhabenden Bankiers Hellmann um Mord oder Selbstmord gehandelt hat. Dieser kam - gemeinsam mit der Besatzung und einigen seiner Angestellten - zu Tode, weil seine Jacht vor der Küste Cannes einfach explodierte und in die Luft geflogen ist. Für die Versicherung wäre natürlich der nachgewiesene Selbstmord die eleganteste Sache, denn gemß Klausel müssen die 15 Millionen nicht gezahlt werden, wenn der Versichungsnehmer sich suizdiert hat. Andernfalls darf sich aber die Witwe (Charlotte Kerr) auf das riesige Erbe freuen. Jedenfalls ist kommissar Lacrosse (Raymond Pellegrin) auch am ermitteln, für ihn ist es aber schwer genug den vermuteten Mord nachzuweisen. Obowhl Robert Lucas ein verheirateter Mann ist, lässt er sich in der sonnigen Umgebung mit der attraktiven Malerin Angela Delpierre (Marthe Keller) ein, die nur durch Zufall ein paar Stunden vor der Explosion die Jacht verließ und an Land ging. Sehr verdächtig verhält sich auch Nicole Monnier (Karin Dor), die Krankenschwester von Hellmanns Witwe. Nicole behauptet aber zu wissen, wer der Mörder Hellmanns war. ..


In einer sonnigen Location vollzieht sich immer mehr ein Komplott, bei dem viele Akteure mit beteiligt sind. Der Zuschauer rätselt nun nicht nur darum, wer der Mörder von Hellmann war, sondern vor allem sind die Beweggründe für die Handlungen der Beteiligten äusserst interessant. Es darf aber soviel verraten werden, dass die Macht des Geldes allgegenwärtig ist und eine Hauptriebfeder für die Dynamik der Story istSimmels Storys spannen immer einen großen Bogen, ein Autor mit dem Hang zum Epos. Angereichert sind seine Geschichte mit zahlreichen Verweisen auf die damalig Welt- und Wirtschaftspolitik, daher darf es auch niemand überraschen, wenn plötzlich Friedrich Nowottny in einer kleinen Rolle als Friedrich Nowottny auftaucht. Unter anderem geht es um die Macht des internationalen Geldadels und um die menschliche Gier. Leider wird diese Komponente m.E. zu konventionell bearbeitet.  Ein spannendes Thema, dass leider etwas verschenkt wird. Für mich ist Vohrers letzter Ausflug in die Simmel Welten leider auch sein Schwächster. Trotz der Teilnahme des damals angehenden Weltstars Marthe Keller, die sich m.E. am besten aus der Affäre zieht.

Bewertung: 6 von 10 Punkten.

Dienstag, 23. Juni 2015

Gott schützt die Liebenden

























Regie: Alfred Vohrer

Die verschwundene Freundin....

"Gott schützt die Liebenden" war bereits die fünfte Verfilmung nach einer Vorlage von Johannes Mario Simmel, die Produzent Luggi Waldleitnter mit dem Regisseur Alfred Vohrer und Drehbuchautor Manfred Purzer in die Kinos brachte. Vorausgegangen waren die Filme "Und Jimmy ging zum Regenbogen", "Liebe ist nur ein Wort", ""Der Stoff, aus dem die Träume sind" und "Alle Menschen werden Brüder". Danach kam als Abschluß im Jahr 1974 "Die Antwort kennt nur der Wind. 
"Gott schützt die Liebenden" ist eine Coproduktion zwischen Waldleitners Roxy Film und der in München ansässigen Paramount-Orion Film. Die Dreharbeiten fanden vom 28. April bis zum 16. Juni 1973 statt. Für die Kostüme war Margot Schönberger verantwortlich, wie immer an Vohrers Seite die Regieassistentin Eva Ebner.
Für die Kameraarbeit wurde Charly Steinberger mit einem Filmpreis in Gold ausgezeichnet. Der Preis wurde ihm dank dieses Films und seiner Leistung für "Einer von uns beiden" zugesprochen.
Alle Filme waren an der Kasse sehr erfolgreich, es war die große Zeit der Simmel-Bücher und die Menschen wollten diese Storys auch als Film in Kino erleben. Sie erreichten in Deutschland ein Millionenpublikum und waren echte Zeitgeist-Filme. Das erklärt vielleicht, dass sie in all diesen vielen Jahren danach irgendwie filmgeschichtlich in Vergessenheit gerieten. Was sogar schade ist, denn ich finde Regisseur Vohrer lief bei diesen Filmen manchmal zur Höchstform auf und erklärt vielleicht heute auch die hohe Wertschätzung die er bei Kultfilmemacher Tarantino als "deutscher Hitchcock" geniesst.
Obwohl das Tempo in "Gott schützt die Liebenden" recht langsam ist und der Film auch weiß Gott keine Hochspannung bietet, ist Vohrer ein kleines Meisterwerk gelungen, dass bei seinen besten Stellen wie ein deutscher Giallo daherkommt, Überhaupt fällt eine nahe Verwandtschaft zu den italienischen Thrillern der gleichen Dekade auf. Filme wie "Der Mann ohne Gedächtnis" von Duccio Tessari oder Der Killer von Wien" von Sergio Martino kamen mir in den Sinn. Die Story ist zwar etwas verzwackt, aber keineswegs so vielschichtig und komplex wie in den Vorgängern "Und Jimmy ging zum Regenbogen" oder "Der Stoff, aus dem die Träume sind". Erzählt wird die Geschichte des Ingenieurs Paul Holland (Harald Leipnitz), der seine neue Freundin Sybille (Gila von Weitershausen) heiraten will. Kurz vor seiner beruflichen Reise macht er ihr einen Heiratsantrag und findet aber auch eine Pistole in deren Kleiderschrank. Der Ingenieur weiß leider weniger wie der Zuschauer - denn dieser bemerkt, dass Sybille von einem unbekannten Mann beobachtet wird und am Flughafen verfolgt wird. Als Paul wieder nach Hause kommt, ist seine Freundin verschwunden. Die Polizei sieht in dem Verschwinden der attraktiven Blondine nun nicht gleich großen Handlungsbedarf für eine ausgedehnte Suchaktion. Der Beamte meint sogar, dass sich Paul doch gar nicht wundern sollte, wenn ein anderen Mann im Spiel steht. Durch eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter kommt er aber zur Information, dass sich Sybille an einem der nächsten Tage in Wien aufhalten will. Eifersüchtig fährt er dorthin und bringt eine Adresse in Erfahrung, wo er sie finden kann. Statdessen liegt dort in dieser Villa ein Toter und er sieht nur noch wie seine Verlobte flüchtet.  Kommissar Putulski (Walter Kohut) gestaltet seine Kreuzverhör so, als wäre der verzweifelte Paul als Täter nicht auszuschließen. Doch er kennt Pauls verschwundene Freundin auch unter einem anderen Namen. Dies wird Paul verheimlicht, der auf eigene Faust in Wien weiter ermittelt. Er lernt dort auch die geheimnisvolle Laura (Andrea Jonasson) kennen...


Schöne wechselnde Locations sowie ein typischer 70s Flair sorgen für eine besondere Atmosphäre.  Anfänglich befinden wir uns in Deutschland, danach gehts nach Wien aufm Prater und dann wenn die Geschichte der Sybille erzählt wird befinden wir uns in Italien und ganz dramatisch wird es dann in einem Versteck an der spanischen Küste.
Dort lernt der Zuschauer eine interessante Mafiafamilie kennen mit einer Mama als Oberhaupt der Gang (Ingeborg Labsien) und deren drei ungleichen Söhnen. Vor allem der mittlere Emilio gespielt von Nino Castellnuova ist aus der Art geschlagen, da er zwar Macho erster Güte ist, aber kein Gangster wie seine Brüder Vittorio (Manuel Carco und Riccardo (Paolo Giusti).
Das ende bietet dann nochmal so viele Überraschungen und straft möglicherweise auch den optimistischen Filmtitel "Gott schützt die Liebenden" Lügen. Der Score des Films ist Hans Martin Majewski, ebenfalls mit italienisch wirkenden Einschlag komponiert.
Für mich ein kleines Meisterwerk und einer dieser grandiosen B-Pictures seiner Zeit, die leider nie so richtig als kultiger Edeltrash gewürdigt wurden.  Sein Manko ist es auch noch zusätzlich in Deutschland und nicht in Italien inszeniert worden zu sein, denn die Italiener hegen und pflegen ihre knalligen Filme von damals viel mehr und wertschätzen sie inzsischen auch als Perlen.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Samstag, 31. Januar 2015

Und Jimmy ging zum Regenbogen

























Regie: Alfred Vohrer

Die Geister der Vergangenheit...

Ein bisschen Geld, ein paar Travellerschecks, ein Schlüsselbund und ein Gedichtband mit der Aufschrift "Poems" ist die Nachlassenschaft des sehr vermögenden südamerikanischen Chemikers Rodolpho Aranda, der in Wien verstorben ist. "Und Jimmy ging zum Regenbogen" führt uns in die Vergangenheit, ins Jahr 1969 zurück und der Film - nach einem Roman von Johannes Mario Simmel - beginnt mit der Landung eines Flugzeugs aus Buenos Aires. Mit an Bord war der Manuel Aranda (Alain Noury), der Sohn des Verstorbenen, der in Wien landet und aus rätselhaften Gründen sofort ins Visier der Geheimdienstler aus Frankreich (Herbert Fleichschmann als Mercier), den USA (Heinz Baumann als Grant) und der Sowjetunion (Peter Pasetti als Santarin) gerät. Mehr noch. Die Franzosen haben bereits einen Killer auf ihn angesetzt. Der Junge soll bloß nichts über die Hintergründe des Todes seines Vaters erfahren. Manuel hat aber viele Fragen, denn die Version, die er von dem klugen Hofrat Groll (Heinz Moog) der Wiener Polizei zu hören bekommt, wirkt äusserst rätselhaft. Der Vater soll von der alten Bibliothekarin Valerie Steinfeld (Ruth Leuwerik) mit Zyankali vergiftet worden sein. Als er am Grab der Mörderin erstmals deren hübsche Nichte Irene Waldegg (Doris Kunstmann) begegnet, ist das Gewehr des Auftragsmörders bereits auf ihn gerichtet. Er wird diesen höchst gefährlichen Moment gar nicht so wahrnehmen, aber es wird für ihn auch immer mehr zur Gewissheit, dass er in großer Gefahr steckt. Was weiß der herzkranke Bibliothekar Martin Landau (Konrad Georg) und dessen Schwester Tilly (Eva Zilcher). Die Begegnung mit der geheimnisvollen Nora Hill (Judy Winter) bildet aber den Auftakt einiger Rückblenden, die den Zuschauer ins Jahr 1938. Hitler annektiert Österreich. In dieser Zeit lebt Valerie Steinfeld mit ihrem Sohn Heinz (Frank Elkins) in Wien, der jüdische Vater hat sich nach London abgesetzt. Als der Halbjude Heinz in der Universität mit einem arischen Mädchen beim Rendezvous erwischt wird, fliegt er durch das Betreiben des Direktor Friedjungs (Paul Edwin Roth) von der Schule. Um den Sohn aus der Gefahr zu helfen sucht Valerie einen Anwalt (Horst Tappert) auf. Mit einer Lüge will man Heinz durch eine Arisierung eine Zukunft im Reich ermöglichen. Die Rückblende und die realen Geschehnisse des jungen Manuel in Wien wechseln sich ab, am Ende fügt sich das rätselhafte Puzzle zusammen...


ich habe mich bisher nicht für die Simmel Verfilmungen aus den 70ern interessiert. Im Zuge des besseren Kennenlernens von Regisseur Alfred Vohrer, der bereits ein Jahrzehnt früher mit einigen der besten Edgar Wallace Filme brilieren konnte, bin ich auf diese damals äusserst erfolgreiche Kinofilmreihe gestoßen. Heute sind die Filme etwas in Vergessenheit geraten - leider muss man sagen, denn ich bin nach der Sichtung von "Der Stoff, aus dem die Träume ist" und "Und Jimmy ging zum Regenbogen" doch sehr positiv überrascht von der sehr straffen spannenden Inszenierung. Natürlich ist der Stoff etwas überfrachtet, was aber auf alle Fälle an der Vielschichtigkeit der ausufernden Romane lag -man warf ja Simmel immer wieder Trivialiät vor. Man muss sich auf einige Handlungsstränge einstellen, aber die Geschichte selbst ist so aufbereitet, dass man nur Stück für Stück des Ganzen geliefert bekommt. Da kommt dann irgendwann das Nervengift AP 7 ins Spiel, das Dechiffrieren eines Manuskrips des Vaters mittels eines Gedichtbands, der kalte Krieg, die dunklen Kapitel deutscher Vergangenheit. Alles verpackt und noch eine Liebesgeschichte drauf gesetzt, die am Zentralfriedhof von Wien seinen Beginn und auch sein Ende hat. Dabei ist eine Szene bemerkenswert, denn Doris Kunstmann wird von Vohrer kurzzeitig genauso inszeniert wie in Carol Reeds berühmtem Wienfilm "Der dritte Mann". Im Grundgerüst haben ja diese beiden Filme sogar durchaus ähnlichkeiten. Einmal der Schauplatz Wien, einmal das Herrschen politscher Mächte in der Stadt, die Suche des Wien-Besuchers nach der Wahrheit über den Tod einer nahestehenden Person, das Kennenlernen einer Frau mit Geheimnis und nicht zuletzt die Aufdeckung des personifizierten Bösen. Erich Ferstl machte dazu die atmosphärische Filmmusik. Klar, die Handlung ist vielleicht manchmal plakativ und klischeebeladen, auch Judy Winter (die im Film um 50 Jahre älter gemacht wurde gestattet sich das eine oder andere Mal ein bisschen overacting. Aber insgesamt wirkt "Und Jimmy ging zum Regenbogen" wie aus einem Guß, die Macher wußten klar die wichtigsten Eckpunkte der Geschichte zu setzen und schufen damit sehr gutes deutsches Genrekino. Dafür gabs die Goldene Leinwand für mehr als 3 Millionen Zuschauer im Jahr 1972, das "besonders wertvoll" von der Filmbewertungstelle und von mir ein dickes Lob an Alfred Vohrer.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Sonntag, 18. Januar 2015

Der Stoff, aus dem die Träume sind

























Regie: Alfred Vohrer

Zwei Reporter auf gefährlicher Spur...

Alfred Vohrer ist ein deutscher Regisseur, den es noch zu entdecken gilt. Durch Horst Wendland, den Produktionschef der Rialto Film gelang ihm mit den Edgar Wallace Streifen der Durchbruch, sein "Die toten Augen von London" ist mit Sicherheit auch einer der besten deutschen Filme der 60er Jahre. Selbst Quentin Tarantino schätzt seine Arbeiten und hat ihn sogar schon einmal als eine Art deutschen Alfred Hitchcock bezeichnet. In den 70er Jahren hatte Vohrer erneut mit einer Filmserie großen Erfolg. Es lag damals im Trend die Romane von Johannes Mario Simmel zu verfilmen und so realsierte Vohrer für die Münchner Roxy Film unter Luggi Waldleitner 1971 "Und Jimmy ging zum Regenbogen", der ein riesiger Erfolg an der Kasse wurde und die Goldene Leinwand für mehr als 3 Millionen Kinozuschauer erhielt. Es folgte "Liebe ist nur ein Wort", "Der Stoff, aus dem die Träume sind", "Alle Menschen werden Brüder" und "Gott schützt die Liebenden". Das Drehbuch zu "Der Stoff, aus dem die Träume sind", der nur knapp die verlangte 3 Millionen Zuschauer Hürde für eine Goldene Kamera verfehlte schrieb Manfred Purzer. Zahlreiche gute Schauspieler wie Hannelore Elsner, Arno Assmann, Paul Edwin Roth, Klaus Schwarzkopf, Malte Thorsten, Charles Regnier, Rainer Basedow, Arthur Brauss verpflichtet werden. Die Hauptrolle bekam der Nachwuchsstar Paul Neuhaus. Die stärksten Darbietungen gehen aber auf das Konto von Herbert Fleischmann, der den humpelden Fotografen Bernie Engelhard, Kompagnon von Journalist Walter Roland, der von Neuhaus gespielt wird und von Edith Heerdegen als schizophrene Pflegerin Luise Gottschalk, die in einem Flüchtlingslager arbeitet und von den Geistern der Vergangenheit, der Gegenwart und sogar der Zukunft besucht wird. Allein die Szene, als sie den toten kleinen Karle auf ihren Armen wegträgt, ist von einer erhabenen Größe gekennzeichnet. Als Musikuntermalung komponierte Peter Thomas einen zeitgemäßen Sound der 70er Jahre.
Zur Handlung: Journalist Walter Roland und sein Fotograf Bertie recherchieren derzeit auf der Suche nach einer brisanten Story, die den Ausgangspunkt bei zwei jungen Überläufern aus der CSSR hat. Dabei wollte sein Chefredakteur Herford (Arno Assmann) eher eine Story über den "Mann total" - wir sind in einer Zeit kurz nach den 68ern. Der Prager Frühling der kurz zuvor blutig zerschlagen wurde und die sexuelle Befreiung durch eine freie Sexualität. Dies sind Themen für die "Blitz", die Zeitung, bei der Walter Roland seine Brötchen verdient. Als einer der beiden Flüchtlinge erschossen wird, versuchen Waler und Bertie, etwas über die Hintergründe der Tat herauszufinden. Sehr schnell ist es offensichtlich, dass der Tod des kleinen Karle irgendwie auch im Zusammenhang mit der jungen Irina (Hannelore Elsner) steht, die sich ebenfalls in diesem Flüchtlingsjager aufhält. Sie floh in den Westen, um ihrem Geliebten Jan Bilka (Rick Parse) zu folgen, von dem sie ein Kind erwartet. Er soll sich in Hamburg aufhalten, doch das Telefongespräch wird von ihm selbst unterbrochen. Warum ? Roland und Engelhardt bleiben dran und fahren gemeinsam mit der jungen Frau nach Hamburg. Dort werden ihre Ermittlungen immer rigoroser behindert. Es gibt sogar Zeugen, die plötzlich tot sind. Kein Wunder: Bilka hat Kentniss von den mitteleuropäischen Aufmarschplänen des Warschauer Paktes und zwei dazugehörige Mikrofilme. Die Journalisten geraten dabei immer mehr zwischen die Fronten von KGB, CIA und dem deutschen Verfassungsschutz....

 Alfred Vohrer setzte auch hier auf seiner langjährigen Crew mit Assistentin Eva Ebner, Drehbuchautor Manfred Purzer und Kameramann Charly Steinberger. Dabei erwies sich vor allem Edith Heerdegen als hellseherische Luise als Herzstück des Films. Ihre Szenen geben der Geschichte eine sehr seltsame Note, sie bildet sozusagen ein etwas irrealer, aber in der Tiefe nicht zu unteschätzender Gegenpart zu dem modernen Abenteuer zweier Journalisten, die an eine sehr brisante und vor allem lebensgefährliche Geschichte andockten.
Auch Arno Assmanns Performance als berechnender und Bibelverse zitierender Verlagsleiter Herford bietet eine kleine Galavorstellung. Diese Kleinigkeiten sind es, die den Film in einigen Phasen veredeln können und die Story offeriert interessante Querverbindungen einer Liebesgeschichte zur internationalen Spionage, zur deutschen Vergangenheit, zu einer schweren psychiatrischen Erkrankungen und zur zeitgenössischen Presse, die hier in den 70ern genauso voyeuristisch auftritt wie Heute.
Vohrer inszenierte mit der nötigen Ruhe, die die vielschichtige Geschichte auch braucht. Dabei bleibt es aber die gesamte Laufzeit von 142 Minunten interessant und spannend.
Sämtliche Ebenen werden durch die Regie eindringlich beleuchtet, die Rückblenden sind packend erzählt und äußerst glaubhaft gefilmt, die Ensembleleistung ist gut – die Verzahnung und Kettenreaktionen der einzelnen Ereignisse und Personen darzustellen, gelingt Vohrer unglaublich dicht und atmosphärisch. Szenenwechsel und Handlungssprünge sind präzise gesetzt.  Lediglich der Einsatz von Standbildern, um von einer Szene in die andere zu wechseln, irritierte mich ein bisschen. Ich finde diese Hilfe hätte der Zuschauer nicht gebraucht, um sich noch in den verschiedenen Handlungsabläufen zurechtzufinden. Ich hatte sogar beim ersten Standbild den Eindruck, dass meine DVD im Player hängt. Ansonsten ist Vohrer aber ein endeckenswerter deutscher Thriller gelungen, der seinen guten Ruf als Deutschlands großer Genrefilmer nur bestätigt.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.