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Donnerstag, 10. Juli 2025

Anora

 



Regie: Sean Baker

Turbulente Heirat...

Sean Bakers "Anora" ist eine romantische und irre Dramedy über eine Sexarbeiterin. Eine Art "Pretty Baby" - nur viel krasser und weniger märchenhafter. Er interessierte sich für Konflikte in einer widersprüchlichen Welt. Am Ende kommt eine gewisse Verzweiflung zum Tragen, ein Gefühl der Verlorenheit kommt auf. Dennoch bleibt alles irgendwie leicht in dieser Mischung aus Comedy und Drama. Ein echter Glückgriff ist die Hauptdarstellerin Mikey Madison, die für ihre Rolle als Stripperin und Sexarbeiterin Anora den Oscar als beste Schauspielerin erhielt. Desweiteren gab es auch Auszeichnungen als bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch und bester Schnitt und da Sean Baker bei allen vier Kategorien federführend oder zumindest mitbeteiligt war, hat er am 2. März vier Academy Awards mit nach Hause nehmen können. Der russische Schauspieler Juri Borrisow wurde in der Kategorie "Nebenrolle" nominiert."Anora" feierte am 21. Mai 2024 bei den 77. Filmfestspielen von Cannes Premiere, wurde von der Kritik gefeiert und mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Der Kinostart erfolgte am 18. Oktober 2024 bei Neon. Der Film spielte weltweit 59,9 Millionen US-Dollar bei einem Budget von 6 Millionen US-Dollar ein und war damit Bakers umsatzstärkster Film. Anora „Ani“ Mikheeva (Mikey Madison), eine 23-jährige Stripperin, lebt in Brighton Beach, einem russisch-amerikanischen Viertel in Brooklyn, New York City. Ihr Chef stellt sie Ivan „Vanya“ Zakharov (Mark Eidelschtein) vor, dem 21-jährigen Sohn des russischen Oligarchen Nikolai Zakharov (Aleksei Serebryakov), der sich jemanden mit fließenden Russischkenntnissen wünscht. Obwohl Vanya in den USA studiert, verbringt er die meiste Zeit damit, in Clubs zu feiern und Videospiele in der luxuriösen Villa seiner Eltern in Brooklyn zu spielen. Vanya engagiert Anora für mehrere sexuelle Begegnungen. Er lädt sie zu einer Silvesterparty in die Villa ein und bietet ihr am nächsten Tag 15.000 Dollar, damit sie eine Woche lang seine Freundin ist. Während der Woche feiert Anora mit Vanya und seinen Freunden, und alle machen eine extravagante Reise nach Las Vegas. Am Ende der Reise enthüllt Vanya, dass er dauerhaft nach Russland zurückkehren muss, um in der Firma seines Vaters zu arbeiten, und äußert seine Verachtung für seine Eltern. Er meint, er müsse nicht gehen, wenn er eine Amerikanerin heirate, und macht Ani spontan einen Heiratsantrag. Sie zögert zunächst, willigt aber ein, nachdem Wanja ihr versichert, dass seine Gefühle echt seien. Sie heiraten heimlich in einer Hochzeitskapelle in Las Vegas. Wanja kauft ihr daraufhin einen großen Ehering und einen teuren Pelzmantel. Sie kündigt ihren Job und zieht in Wanjas Villa. Als die Nachricht von ihrer Hochzeit Russland erreicht, beauftragt Wanjas Mutter Galina (Darya Ekamasova) ihren armenischen Paten Toros (Karren Karagulian), die beiden zu finden und eine Annullierung der Ehe zu arrangieren, während sie und sein Vater Nikolai in die USA fliegen. Toros schickt seine Handlanger Garnik (Watsche Towmasjan) und Igor (Juri Borissow) zur Villa. Sie informieren Wanja, dass seine Eltern ihn zurück nach Russland bringen, und erzürnen Anora, indem sie sie eine Prostituierte nennen und andeuten, Wanja habe sie nur wegen einer Green Card geheiratet. Wanja flieht aus dem Anwesen, und Anora gerät in einen heftigen Kampf mit Garnik und Igor, bevor diese sie festhalten können. Dann überschlagen sich die Ereignisse....









Der Film wirkt mitreissend und bewegt sich im prallen Leben einer Großstadt. Ein moderner Film, der aber auch an ältere Formen des Kinos erinnert, ein bisschen Lubitsch schwingt mit. Auch brodelt unter der Oberfläche all dieser Flirts und Streitereien eine Dunkelheit. Ani wird ständig hin- und hergerissen, erniedrigt und missachtet, doch Madison ist eine Wucht in ihrer Darstellung einer selbstbewussten Frau, die zwar Sexarbeit verrichtet, aber sich keineswegs über ihren Beruf definiert. Sie leistet sich Emotionen und Zielsetzungen für ihre Zukunft. 









Bewertung: 9 von 10 Punkten.  
 

Mittwoch, 18. Juni 2025

A Real Pain


 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Jesse Eisenberg

Reise nach Polen...

Bei einem Budget von 3 Millionen Dollar spielte die Tragikomödie "A Real Pain" von Jesse Eisenberg sehr gute 24 Millionen Dollar weltweit wieder ein. Ein Riesenerfolg für den eher als Schauspieler bekannten Regisseur. Jesse Eisenberg, der durch die Horrorkomödie "Zombieland" international bekannt wurde und für seine Rolle als Marc Zuckerberg in "Social Network" eine Oscarnominierung bekam. Neben der US-Staatsbürgerschaft besitzt Eisenberg auch die polnische Staatsbürgerschaft. Sein viel beachteter Film "A Real Pain" ist eine amerikanisch-polnische Coproduktion. Es ist die zweite Regiearbeit Eisenbergs nach "When you finish saving the world" Es ist ein sehr persönlicher Film über jüdische Vergangenheit und zu diesem Zweck reisen zwei sehr unterschiedliche Cousins - Jesse Eisenberg und Kieran Culkin, der für seine Rolle den Oscar als bester Nebendarsteller gewann - in das Land ihrer Großmutter, nach Polen. Am John F. Kennedy International Airport wartet Benji Kaplan (Kieran Culkin) auf die Ankunft seines einst engen Cousins ​​David (Jesse Eisenbeg), damit sie ihren Flug antreten können. Mit dem Vermögen ihrer verstorbenen Großmutter planen die Kaplans eine Reise zum jüdischen Erbe Polens in der Hoffnung, ihre Heimat, in der sie aufgewachsen ist, wiederzusehen und eine Verbindung zu ihrer Familiengeschichte herzustellen. Ihre gegensätzlichen Persönlichkeiten führen zu mehreren Auseinandersetzungen: Benji ist ein freigeistiger und freimütiger Herumtreiber, der David dafür kritisiert, seine frühere Leidenschaft und Spontaneität verloren zu haben, während David ein pragmatischer und zurückhaltender Familienvater ist, der mit Benjis ungefilterten Ausbrüchen und seiner Orientierungslosigkeit im Leben zu kämpfen hat. Darüberhinaus ist David reichlich neurotisch. In Warschau angekommen, treffen David und Benji die Mitglieder ihrer Reisegruppe: Mark und Diane (Daniel Oreskes und Lisa Sadovy) , ein Rentnerpaar aus Shaker Heights, Ohio; Marcia (Jennifer Grey), eine frisch geschiedene Frau aus Kalifornien; und Eloge (Kurt Egyawan), ein Überlebender des Völkermords in Ruanda, der zum Judentum konvertiert ist. Die Tour wird von James (Will Sharpe) geleitet, einem sanftmütigen, sachkundigen und nichtjüdischen Reiseleiter aus Yorkshire. Am ersten Tag besucht die Gruppe das Denkmal für die Helden des Ghettos, den Grzybów-Platz und das Denkmal des Warschauer Aufstands. Benji unterstützt die ganze Gruppe bei einer Nachstellung des Warschauer Aufstands rund um die letztgenannte Skulptur. David steht verlegen abseits und macht Fotos mit den Handys der Teilnehmer. Am zweiten Tag reist die Gruppe mit dem Zug nach Lublin. Benji ist beunruhigt, dass es nicht passt, in der ersten Klasse einer Holocaust-Tour durch das ehemalige, von Nazi-Deutschland besetzte Polen zu reisen, wodurch die Cousins ​​ihre Haltestelle verpassen. Nachdem sie den Rückweg gefunden haben, führt James die Gruppe zu den kulturellen Sehenswürdigkeiten der Stadt, wie dem Grodzka-Tor und dem Alten Jüdischen Friedhof. Benji kritisiert James' mangelnde Authentizität während des Friedhofsbesuchs und stellt seinen Fokus auf Fakten und Statistiken in Frage. Benji benimmt sich weiterhin daneben und macht beim gemeinsamen Abendessen am selben Abend unangenehme Bemerkungen. Als er den Tisch verlässt, erzählt David der Gruppe von der Komplexität ihrer Beziehung. Er enthüllt, dass sich die beiden auseinandergelebt haben, nachdem Benji sechs Monate zuvor einen Selbstmordversuch mit einer Überdosis Schlaftabletten unternommen hatte. Am nächsten Tag besuchen David und Benji an ihrem letzten Tag mit der Gruppe Majdanek, ein nationalsozialistisches deutsches Konzentrations- und Vernichtungslager. Sie sehen die Gaskammer, die Krematoriumsöfen und einen riesigen Haufen Schuhe der Opfer. Tief getroffen von dem, was sie gerade gesehen haben, sitzt die Gruppe fassungslos da, als ihr Van nach Lublin zurückkehrt. Benji sitzt neben David und schluchzt. Zurück im Hotel verabschiedet sich die Gruppe voneinander. James erzählt Benji, dass er der Erste auf einer seiner Touren ist, der ihm ehrliches Feedback gibt, und dankt ihm für seinen Perspektivwechsel, obwohl Benji sich an den Ausbruch nicht zu erinnern scheint. Die Kaplans rauchen in ihrer letzten Nacht in Polen gemeinsam Marihuana auf einem Hoteldach. Benji konfrontiert David mit seiner veränderten Persönlichkeit und fragt, warum er ihn nie besucht. David antwortet zunächst, er sei mit seiner Frau und seinem Sohn beschäftigt, bricht aber schließlich zusammen und erklärt, er könne nach Benjis Selbstmordversuch den Gedanken nicht ertragen, dass sich jemand mit Benjis Talent, Charme und Lebensfreude das Leben nimmt. Am Morgen fahren die Cousins ​​zum ehemaligen Haus ihrer Großmutter in Krasnystaw. Benji erinnert sich an einen Moment, als sie ihn ohrfeigte, nachdem er zu spät und betrunken zum Abendessen gekommen war. Das gab ihm ein Gefühl von Klarheit und Demut. Er bedauert, dass sie die Einzige war, die ihn zur Disziplin bringen konnte. David schlägt vor, Gedenksteine ​​am Haus aufzustellen, doch ein Nachbar bittet sie, die Steine ​​zu entfernen, da sie eine Stolperfalle darstellen. Die beiden fliegen zurück nach New York und verabschieden sich. David lädt Benji zum Abendessen zu sich nach Hause ein und bietet ihm an, ihn mitzunehmen, doch Benji lehnt ab, woraufhin David ihm eine Ohrfeige gibt. Sie versöhnen sich sofort wieder und gestehen sich, dass sie einander sehr mögen. David kehrt zu seiner Frau und seinem Sohn nach Hause zurück und hinterlässt einen Gedenkstein vor seiner Tür, während Benji zu seinem Platz am Flughafen zurückkehrt und mit Tränen in den Augen die Reisenden beobachtet...









Angeführt von einer szenenraubenden Wendung von Kieran Culkin ist "A Real Pain" eine kraftvoll witzige, emotional mitreißende Dramedy, in der Drehbuchautor, Regisseur und Star Jesse Eisenberg seine Stärken auf beiden Seiten der Kamera voll ausspielt. Die Geschichte ist gleichermaßen lustig, von Herzen kommend und bewegen. Mit sarkastischem Witz und einer gewissen Feierlichkeit, die auf dieser Reise mitschwingt, entsteht eine gute Balance um die Ernsthaftigkeit aufrecht zu erhalten. Die Kulissen sind düster, die Reise in die Vergangenheit ist gespickt mit Leid, Verlust und Tod. Eisenbergs Drehbuch wurde ebenfalls oscarnominiert. Bei den Golden Globes war Kiran Culkin ebenso erfolgreich. Ausserdem gelang es Eisenberg sowohl als Hauptdarsteller als auch als Drehbuchautor nominiert zu werden. Der Film selbst unterlag in der Kategorie "Bester Film" dem französischen MusicalThriller "Emilia Perez".








Bewertung: 8 von 10 Punkten  

Sonntag, 7. Juli 2024

Fallende Blätter


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Aki Kaurismäki

 Eine Chance für die Liebe...

Die 2023 gedrehte finnische romantische Komödie "Fallende Blätter" ist ein Film von Aki Kaurismäki, der damit seine von 1986 bis 1990 entstandene proletarischen Trilogie "Schatten im Paradies", "Ariel" und "Das Mädchen aus der Streichholzfabrik" um ein Quartett erweitert. In Cannes gewann Kaurismäki mit diesem intensiven Film den Jurypreis und schaffte es auch auf die Shortlist für den besten internationalen Film bei der Oscarverleihung.
Ansa (Alma Pöyisti) ist eine alleinstehende Frau, die in Helsinki lebt. Sie arbeitet in einem Supermarkt und füllt die Regale auf. Der ebenso einsame und deprimierte Holappa (Jussi Vattanen) arbeitet als Sandstrahler und trinkt häufig während der Arbeit. Eines Abends schlägt sein Arbeitskollege und Mitbewohner Huotari (Janne Hyytiäinen) vor, in eine Karaoke-Bar zu gehen und Holappa willigt widerstrebend ein. Dort trinken die beiden viel und Huotari singt für das Publikum. Sein Gesang wird von Liisa (Nuppu Koivu) gelobt, die mit ihrer Freundin und Arbeitskollegin Ansa ebenfalls unter den Zuschauern ist. Während Huotari versucht  Liisa zu verführen, aber scheitert, bemerken Holappa und Ansa einander, sprechen aber nicht miteinander. Später, als Ansa nach Hause geht, sieht sie Holappa betrunken und bewusstlos auf einer Bank liegen. Nachdem sie sich vergewissert hat, dass es ihm gut geht, geht sie, bevor er aufwacht. Ansa wird schließlich gefeuert, weil sie abgelaufene Lebensmittel aus dem Supermarkt mitgenommen hat. Da sie dringend Geld braucht, beginnt sie, für einen mageren Lohn in einer Bar zu arbeiten. An ihrem zweiten Arbeitstag wird ihr Chef verhaftet und sie ist wieder arbeitslos, trifft aber Holappa, der ihr einen Kaffee und ein Gebäck spendiert. Später sehen sie sich im Kino "The Dead Don't Die" von Jim Jarmush an und scheinen sich gut zu verstehen. Am Ende des Dates schreibt sie Holappa ihre Telefonnummer auf, verrät ihm aber nicht ihren Namen. Als er anhält, um eine Zigarette zu rauchen, lässt er unwissentlich das Papier fallen und verliert es. Ansa ist enttäuscht, als sie auf einen Anruf wartet, während Holappa keine Möglichkeit hat, sie aufzuspüren. Als er sich daran erinnert, dass Ansa ihm gesagt hat, dass sie in der Nähe des Kinos wohnt, geht er wiederholt dorthin und wartet stundenlang am Eingang. Schließlich erleidet er bei der Arbeit eine Verletzung und wird gefeuert, nachdem er einen Alkoholtest nicht besteht, was auch dazu führt, dass er aus dem Firmenwohnheim geworfen wird. Ansa und Holappa treffen sich schließlich eines Abends vor dem Kino wieder und Ansa lädt ihn zum Abendessen ein. Alles scheint gut zu laufen, bis sie ihn dabei erwischt, wie er in ihrer Wohnung aus einer Flasche trinkt. Aufgrund der Tragödien, die der Alkoholismus ihrer Familie zugefügt hat, wirft eine wütende Ansa Holappa raus. Ohne ein Zuhause schläft er nachts auf Bänken und bekommt einen Job auf dem Bau, wird aber wieder gefeuert, weil er bei der Arbeit trinkt. Eines Tages, als Ansa von der Arbeit nach Hause kommt, rettet sie einen obdachlosen Hund, indem sie ihn adoptiert. Zu Hause wäscht sie den Hund und behandelt ihn liebevoll. Währendessen versucht Holappa mit dem Trinken aufzuhören. Finden die beiden vielleicht doch noch einen Weg miteinander ?







Ein sehr schöner Film, der mit dem Bild eines glücklichen Paares mit Hund endet. Der Hund bekommt in der letzten Szene den Namen "Chaplin" und tatsächlich erinnert dieser Film phasenweise in seiner Schlichtheit an die schönen Chaplin Klassiker wie "City Lights". Der Aufbau erinnert auch Kaurismäkis andere proletarische Filme, so setzt er hier auch das Radio ein, dass über die Kriegsereignisse in der Ukraine berichtet. Einige schräge finnische Songoldies dürfen natürlich auch nicht fehlen. Bei den European Film Awards schaffte "Fallende Blätter" fünf Nominierungen: Bester Film, beste Regie, Beste Darstellerin und bester Darsteller, bestes Drehbuch. Auch bei den Golden Globes gab es für Alma Pöysti eine Nominerung, ebenso in der Kategorie des ausländischen Films. Kaurismäki erzählt aufrichtige Geschichten über Menschen, die einem tristen Alltag unterworfen sind und die um die grundlegenden Dinge kämpfen – Nahrung, Obdach, Würde, Liebe.







Bewertung: 9 von 10 Punkten.