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Samstag, 26. Dezember 2020

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Vaclav Vorlicek

Weihnachtsaschenputtel... 

1973 kam es zu einer filmischen Coproduktion zwischen der CSSR und der ehemaligen DDR (DEFA). Es entstand unter der Regie von Vaclav Vorlicek der Märchenfilm "Drei Hasennüsse für Aschenbrödel", der in all den Jahren inzwischen zu  einem echten Kultfilm avancierte und auch fester Bestandteil des Weihnachtsprogramms im deutschen Fernsehen wurde. Der tschechische Regisseur war bekannt für seine Märchenverfilmungen und auch die DDR konnte im Film auf eine lange Tradition vom Realisieren von Märchenfilmen zurückblicken. Der bekannteste Film daraus ist vielleicht Wolfgang Staudtes Verfilmung "Die Geschichte vom kleinen Muck".  Das Märchen "Aschenputtel" wurde von den Gebrüder Grimm 1812 geschrieben und geht zum Teil zurück auf Charles Perraults "Aschenputtel und der kleine Glasschuh" zurück. Auch die tschechische Schriftstellerin Bozema Nemcova veröffentlichte um 1843 erneut das Märchen mit gewissen Abwandlungen. Aus allen diesen Vorlagen wurde der Film realisiert - und wie es sich für einen kultigen Weihnachtsfilm gehört spielt die Geschichte im Winter. Aschenbrödel (Libuse Safrankova) ist ein hübschen junges Mädchen, doch nach dem Tod ihres geliebten Vaters, der das Mädchen immer mit auf die Jagd genommen hat, wird sie von ihrer herrischen Stiefmutter (Carola Braunbock) wie eine Dienstmagd behandelt. Sie wird auch ständig von ihrer Stiefschwester Dora (Daniela Hlavacova) schikaniert und gemobbt. Kein Wunder, denn Aschenbrödel sieht viel hübscher aus als ihre Peinigerin, die sich erhofft die Frau vom Königssohn (Pavel Travnicek) zu werden.  Am Anfang unserer Geschichte herrscht auch reges Treiben auf dem Gut der Stiefmutter, den der König (Rolf Hoppe), die Königin (Karin Lesch) und mit Ihnen der gesamte Hofstaat werden als Besucher erwartet. Dann wird der begehrte Prinz natürlich auch dabei sein und bei dieser Gelegenheit sollen die ersten zarten Bande zwischen ihm und Dora geschmiedet werden. Alles hat sich die gerissene Stiefmutter bereits ausgedacht. Doch der Thronfolger ist gar nicht dabei als der König Einzug auf dem Gut hält. Der ist lieber mit seinen Gefährten Kamil (Vitezlav Jandac) und Vitek (Jaroslav Drbohlav) im Wald beim Jagen. Dort begegnet der Prinz dem Aschenbrödel auch zum ersten Mal, denn als dieser ein kleines Reh erschießen will, bewirft sie ihn mit einem Schneeball. Der Schuß verfehlt, das Tier ist gerettet. Dem Mädchen gelingt die Flucht, obwohl der Prinz ihr nachrannte. Doch er wird sie natürlich wieder sehen. Einmal in einem Jagdgewand als junger begabter Jäger verkleidet, das dritte Mal beim Ball im Schloß. Dort sind alle potentiellen Frauen, die als Gemahlin für den Prinzen in Frage kommen, vom König eingeladen worden. Aschenbrödel findet aber einen Weg ohne Einladung zum Ball zu erscheinen. Als der Prinz die junge Frau mit dem schönen Ballkleid sieht verliebt er sich spontan in sie. Doch die beiden werden ein weiteres Mal durch ein Rätsel getrennt. Was bleibt ist ein Schuh, den die Angebetete verloren hat...




Dramaturgisch spielen natürlich auch die drei Haselnüsse eine Rolle, die der Knecht Aschenbrödel von einer Reise mitbringt. Diese Nüsse sind verzaubert und ebnen den Weg zum wichtigen Happyend. Mit dazu beitragen werden auch Aschenbrödels Schimmel Nikolaus, der Hund Kasperle und eine Schmuckschatulle, die von der Eule Rosalie bewacht werden. Auch die Tauben helfen tatkräftig dabei mit, dass am Ende alles gut ausgeht in diesem sehr schönen Märchen, dass gleich vom Anfang an eine bezaubernde Aura auf den Zuschauer ausstrahlt.




Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Sonntag, 19. Juli 2015

Into the Woods...

























Regie: Rob Marshall

Im musikalischen und moralischen Märchenwald...

Wenn man die Filme "Die fantastische Welt von Oz" von Sam Raimi mit dem Filmmusical "Les Miserables" von Tom Hooper kreuzt und noch ein bisschen vom Fantasy-Spektakel "Jack and the Giants" von Bryan Singer hinzufügt, dann hat man den Geist von Rob Marshalls Fantasy Musical bestens erfasst. Am Ende ein Film, der genauso wie Terry Gilliams "Brothers Grimm" die klassische Märchenwelt der deutschen Sprachwissenschaftler und Volkskundler Jakob und Wilhelm Grimm reichlich kommerziell verwässert - dazu der sehr typische Musicalsound von Stephen Sondheim, dem Preisträger eines Academy Award (für den Filmsong "sooner or later" aus Dick Tracy) , mehrerer TonyAwards, mehrerer GrammyAwards, des Pulitzerpreises und der Freiheitsmedaille des Präsidenten. 1975 wurde sein bekanntester Song "Send in the clowns" mit dem begehrten Grammy zum Song des Jahres gewählt.
"Into the Woods" ist ein prächtig bebildertes Film-Musical der alten Schule, inszeniert von Rob Marshall, dessen Film "Chicago" schon zu höchsten Oscar-Ehren kam und auch der Nachfolgefilm "Die Geisha" war bei der Academy beliebt und erhielt drei Preise fürs beste Szenenbild, beste Kamera und bestes Kostümdesign. Es folgte "Nine" und der Blockbuster "Pirates of the Carribean - Fremde Gezeiten". Man kann "Into the Woods" auch als Huldigung an die längst vergangene Epoche der großen Film-Musicals ansehen, ein bisschen weht der große Geist von "Wizard of Oz" oder "Brigadoon" mit. Der Film basiert auf einigen bekannten Märchen und er hat es sich zum Ziel gemacht das Rotkäppchen, Rapunzel, Aschenbrödel und Jacks magische Bohnen als Einheit zusammenzufügen. Um was geht es:Ein Bäcker (James Corden) und seine Frau (Emily Blunt) wünschen sich nichts sehnlicher als ein Kind. Dieser Wunsch wird allerdings durch einen alten Fluch der Hexe (Meryl Streep) aus der Nachbarschaft blociert.  Doch die böse Alte bietet dem Bäcker und seiner Frau aber an, den Fluch aufzuheben, unter der Bedingung, dass das Pärchen ihr vier Dinge bringt: eine Kuh so weiß wie Milch, einen Umhang so rot wie Blut, Haare so gelb wie Mais und Schuhe aus reinem Gold. Also nichts wie in den Wald, wo die Märchen zu finden sind: Denn dort läuft auch schon der junge Träumer Hans (Daniel Huttlestone) mit seiner geliebten Kuh, die er auf Geheiß seiner strengen Mutter (Tracey Ullmann) verkaufen soll. Nicht weit weg spaziert auch schon das Rotkäppchen (Lila Crawford) zum Haus ihrer Großmutter. Unterwegs begegnet sie aber dem bösen Wolf (Johnny Depp), der Johnny Depp verblüffend ähnlich sieht. Auch die arme Aschenputtel (Anna Kendrick) lebt nicht weit entfernt. Natürlich ist sie mit ihren goldenen Schuhen auf der Flucht vor einem Prinzen (Chris Pine) und wird bei jeder Gelegenheit von ihrer Stiefmutter (Christine Baranski) und deren beiden leiblichen Töchter (Tammy Blanchard/Lucy Punch) gemobbt. Auf der Lichtung des Waldes lebt in einem Turm die junge Rapunzel (MacKenzie Mauzy) , die für ihre Mom (Hexe Meryl Streep) das Haar herunterlässt...aber neuerdings auch für einen blonden Prinzen (Billy Magnussen), der sich als jüngerer Bruder von Aschenbrödels Prinz herausstellt....



interessanterweise ist der erste Teil des Films ausgelassen, unterhaltsam, kurz und knackig und eigentlich wären die Macher gut gefahren den Film nach 90 Minuten zu beenden. Denn die sich noch dranhängenden 30 Restminuten sind dann bemühter in Richtung Moralstück unterwegs und trüben den heiteren Grundtenor des Films doch zusätzlich. Durch die Rache der Riesenfrau hat die Frau des Bäckers eine Affäre mit dem Prinzen, die sich daraufhin aus Schuldgefühlen heraus suizidiert - die Mutter von Hans muss sterben, weil sie sich für ihen Jungen einsetzt und alle Akteure beschuldigen sich gegenseitig für die Tragödie, die sich nun aufzeigt, verantworlich zu sein. Die Moral von der Geschicht: Jeder verändert sich und man rauft sich in anderen Konstellationen wieder zusammen. Der Kreis schließt sich durch die Erzählung des Bäckers, der seinem Kind ein Märchen erzählt, dass mit dem Worten "Es war einmal..."beginnt.
In Erinnerung bleibt ein üppiges, grandioses Produktionsdesign und die schwungvolle, ideenreiche Inszenierung. Trotz der ambivalenten Botschaft, die sich auf dem Höhepunkt der Schnitzeljagd im Wald einstellt, mangelt es dem Film dann doch an echter Substanz. Das ist zwar alles nett anzusehen, aber es hat kaum ein packendes Element. Ein bisschen suhlt sich der Film an der Machart der alten Vorbilder, die zu großen Klassikern der Filmgeschichte wurden. Ob "Into the Woods" in einigen Jahren einen ähnlichen Stellenwert im Genre aufweisen kann, wird sich aber erst noch zeigen.


Bewertung: 6 von 10 Punkten.