Samstag, 23. Mai 2026

The Secret Agent










Regie: Kleber Mendonca Filho

Armando/Marcelo

The Secret Agent" ist ein Film des brasilianischen Filmemacher Kleber Mendonca Filho aus dem Jahr 2025, der für sein Land eine der fünf begehrten Oscarnominierungen für den besten fremdsprachigen Film erhielt. Interessanterweise weist "The Secret Agent" (Originaltitel: O Agente Secreto) einige Parallelen zu dem letztjährigen Oscargewinner in dieser Kategorie "Für immer hier" von Walter Salles auf, da ja beide Filme Brasilien in den 70er Jahren während der Militärdiktatur zum Thema haben. Wie Salles zuvor ist auch Mendonca Filho überzeugt davon, dass auch in seinem Film nach den turbulenten Präsidentschaftsjahren von Bolsonaro Bezüge zum heutigen Brasilien herstellen lassen, auch wenn in "The Secret Agent" eine fiktive Geschichte erzählt wird.  1977, während der politischen Wirren der brasilianischen Militärdiktatur, reist der ehemalige Forscher Armando (Wagner Moura) während des Karnevals nach Recife. Dort lebt sein junger Sohn Fernando (Enzo Nunes) seit dem Tod seiner Frau Fátima (Alice Carvalho) bei seinen Schwiegereltern. Er kommt in ein von der ehemaligen Anarchokommunistin Dona Sebastiana (Tania Maria) geführtes Refugium, wo er den Namen Marcelo annimmt und sich mit anderen politischen Dissidenten anfreundet, darunter Claudia (Hermila Guedes), Haroldo (Joao Vitor Silva)und die Flüchtlinge des angolanischen Bürgerkriegs, Thereza Vitória (Isabel Zuaa) und Antonio (Licínio Januáriocd). Zur gleichen Zeit werden der korrupte Chef der Zivilpolizei, Euclides (Roberio Diogenes), und seine Söhne Sergio (Igor De Araujo) und Arlindo (Italo Martins) während der Feiertage zu einem Einsatz gerufen, um ein abgetrenntes menschliches Bein zu untersuchen, das in einem gefangenen Hai gefunden wurde. Armando erhält von seinem Dissidentennetzwerk unter dem Decknamen „Marcelo“ eine Stelle im städtischen Personalausweisamt. Dort begegnet er zufällig Euclides, der ihm Freundschaft und Schutz anbietet. Armando ist sichtlich genervt von Euclides' arrogantem Verhalten, das unter anderem darin besteht, Hans (Udo Kier), einen jüdischen Holocaust-Überlebenden, der fälschlicherweise für einen Nazi-Flüchtling gehalten wird, zu schikanieren. Armandos Job ermöglicht ihm außerdem, nach Akten über seine verstorbene Mutter zu suchen, an die er nur wenige Erinnerungen hat. In São Paulo werden unterdessen die Auftragskiller Bobbi (Gabriel Leone) und Augusto (Roney Villela) vom ehemaligen Geschäftsführer von Eletrobras, Henrique Ghirotti (Luciano Ghirolli), angeheuert, um Armando zu töten, gegen den er eine politische und persönliche Fehde hegt. Im Kino São Luiz , wo sein Schwiegervater, Herr Alexandre (Carlos Francisco) , als Filmvorführer arbeitet, trifft Armando auf Elza (Maria Fernanda Candido), die Anführerin einer politischen Widerstandsbewegung im Nordosten Brasiliens. Armando gibt eine Aussage über Ghirottis korrupte Machenschaften ab und berichtet von einem Abendessen mit Fátima, das in einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit Ghirotti und dessen Sohn endete. Auslöser waren Bemerkungen über die niedrige soziale Schicht des Paares und dessen vermeintliche kommunistische Sympathien. Elza informiert Armando über einen in Auftrag gegebenen Mord und rät ihm zur Flucht. Sergio und Arlindo entsorgen das menschliche Bein im Fluss Capibaribe, wo es plötzlich wieder zum Leben erwacht und nachts schwule Männer in einem Park angreift. Die Geschichte, vermutlich eine Vertuschung der politischen Korruption und Gewalt während der Karnevalswoche durch die Zeitung, löst eine öffentliche Hysterie aus. Augusto und Bobbi heuern den mittellosen, ortsansässigen Schützen Vilmar (Kaiony Venâncio) an, um Armando zu finden und ihn zu töten. In Erwartung seiner Abreise verabschiedet sich Armando von Dona Sebastiana und den anderen Flüchtlingen....







Doch er wird den nächsten Tag nicht mehr überleben. Am Ende kommt ein Sprung in unsere Gegenwart, denn die Geschichtsstudentin Flavia, gespielt von Laura Lufesi, hat einige Tonbandaufnahmen durchgehört und dieser Fall vom Schicksal Armandos geht ihr sehr nahe. So nahe, dass sie am Ende diese Aufnahmen dem inzwischen erwachsenen Sohn Fernando überbringt. 
Der thematisch vielschichtige und auch visuell fesselnde Politthriller ‚The Secret Agent‘ verbindet Grindhouse-Stilistik mit bissiger Gesellschaftskritik zu einer packenden, gefährlichen und zugleich zutiefst menschlichen Geschichte. “Der Film – stets interessant, aber manchmal etwas im Tempo gemächlicher, als es sein Stoff erfordert – ist gerade aber auch in seinen Abschweifungen oft am lebendigsten.
Mendonca Filhos Thriller fühlt sich irgendwie wie nicht gedreht anfühlt, sondern wie aus einem Traum entsprungen. Allerdings muss man sich auf die spröden Anteile auch einlassen können. In Cannes gewann "Secret Agent" vier Preise (Beste Regie, Bester Darsteller Wagner Moura, FIPRESCI Preis, Afcae-Preis). Es sprangen auch vier Oscarnominierungen heraus (Bester Film, Bester Darsteller, Bestes Casting, Bester Auslandsfilm) und 2 Golden Globe Siege (Wagner Moura und Bester fremdländischer Film) heraus. Bei einem Budget von 5 Millionen spielte der Film beinahe das fünffache der Kosten wieder ein. 






Bewertung: 8,5 von 10 Punkten. 
 

Friday Night Lights















Regie: Peter Berg

Die Highschool Football Meisterschaft...

Mit einem Einspielergebnis von ca. 62 Millionen Dollar war der Sportfilm "Friday Night Lights" von Peter Berg im Jahr 2004 ein guter Kinoerfolg. Er wurde in Deutschland jedoch direkt auf DVD veröffentlicht. Kameramann war der in Baden-Baden geborene Tobias A. Schliessler, der auch für die Bilder in den Filmen "Dreamgirls", "Hancock", "Lone Survivor", "Die Schöne und das Biest" und "Die Entführung der Pelham 123" verantwortlich war. In "Friday Night Lights"  dreht sich alles um American Highschool Football, Peter Berg schrieb gemeinsam mit David Aaron Cohen das Drehbuch. Der Film ist rasant und effektiv geschnitten und  basiert auf dem gleichnamigen Roman von H. G. Bissinger aus dem Jahr 1990. Der Film begleitet den Trainer und die Spieler eines Highschool-Footballteams in Odessa, Texas. Er erzählt die Geschichte der Permian High School Panthers im Jahr 1988 auf ihrem Weg zur Staatsmeisterschaft. Die Geschichte ist nicht fiktiv, es ist eine wahre Geschichte. Als im August 1988 das Vorbereitungstraining für die Footballmannschaft der Permian High School beginnt, sind die Erwartungen in der footballverrückten Stadt Odessa, Texas, hoch. Die Spieler und ihr Trainer Gary Gaines (Billy Bob Thornton) sollen mit ihrem heiß umworbenen Star-Runningback James „Boobie“ Miles (Derek Luke) die Staatsmeisterschaft gewinnen. Quarterback Mike Winchell (Lucas Black) ist darauf angewiesen, den Ball in den meisten Spielzügen an Miles abzugeben. Fullback Don Billingsley (Garrett Hedlund) hat Probleme mit dem Ballhandling und wird von seinem alkoholkranken Vater Charles (Tim McGraw) gedemütigt, gekränkt und misshandelt, da der Vater in seiner Jugend mit Permian die Staatsmeisterschaft gewonnen hat. Die Spieler feiern häufig, um mit dem Druck der hohen Erwartungen in Odessa fertigzuwerden.Im Saisonauftaktspiel gegen die Marshall Bulldogs machen die Permian Panthers einen deutlichen Sieg daraus, und Miles zeigt vor zahlreichen Scouts renommierter Universitäten sein ganzes Können. Gaines wollte Miles in den Schlussminuten eigentlich auf die Bank setzen, ließ ihn aber im Spiel, nachdem Ersatzspieler Chris Comer(Lee Thompson Young) versehentlich seinen Helm verlegt hatte und somit nicht einsatzbereit war. Miles wurde eingewechselt, riss sich aber im folgenden Spielzug bei einem Tackle am Knie das Kreuzband. Nach dem Vorfall erntete Gaines heftige Kritik aus der Bevölkerung, weil er Miles im Spiel gelassen hatte. Im nächsten Spiel, dem Auftakt der Bezirksliga, wurde Permian deutlich geschlagen, da Winchell in seiner größeren Rolle mit Leistungsschwankungen zu kämpfen hatte. Nachdem die Panthers im nächsten Spiel mit 14 Punkten zurücklagen, kam Comer für den verletzten Ersatz-Runningback ins Spiel und half Winchell und Billingsley, Permians Offensive wieder in Schwung zu bringen, was zu einem Comeback-Sieg führte. Trotz ihrer geringen Körpergröße erwies sich Permians Verteidigung unter der Führung von Safety Brian Chavez (Jay Hernandez) und Linebacker Ivory Christian (Lee Jackson) als robust, und die Panthers starteten eine Siegesserie von fünf Spielen.Miles hofft, bald wieder spielen zu können. Doch leider zeigt sein MRT, dass er sich einer sofortigen Knieoperation unterziehen muss und für den Rest der Saison ausfällt. Miles leugnet dreist die Schwere seiner Knieverletzung und lügt Gaines an, um wieder spielen zu können. Sein Onkel und Vormund L.V. (Grover Coulson) steht ihm zur Seite. Permian bestreitet sein letztes Bezirksspiel gegen Midland Lee, in dem es um den ersten Platz und die Playoff-Teilnahme geht. Die Panthers geraten in Rückstand, und Gaines bringt Miles in seiner Verzweiflung ins Spiel, doch Miles verletzt sich kurz darauf erneut. Winchell führt eine Aufholjagd an, doch Permian verliert letztendlich, da sein letzter Pass über die Hände des Receivers fliegt. Nach dem Spiel streitet Billingsley mit seinem betrunkenen Vater, der seinen Meisterschaftsring an den Straßenrand wirft. Am nächsten Tag offenbart Don seinem Vater, dass er den Ring gefunden hat und gibt ihn ihm zurück. Charles entschuldigt sich halbherzig und betont, dass seine Meisterschaft das Beste war, was ihm je passiert ist, und dass er nun nichts Schönes mehr hat außer diesen Erinnerungen. Die Niederlage bringt Permian in ein Dreier-Gleichstand mit Lee und Abilene Cooper an der Tabellenspitze. Ein Münzwurf entscheidet über die beiden Playoff-Teilnehmer. Permian und Lee gewinnen, und Miles räumt seinen Spind, während sich die Panthers auf die Playoffs vorbereiten. Im Auto seines Onkels weint er, weil seine Zukunft nach dem Ende seiner vielversprechenden Footballkarriere düster aussieht.Permian schlägt sich in den Playoffs gut, doch alle Augen sind auf die übermächtige Dallas Carter High School gerichtet. Permian und Carter erreichen das Meisterschaftsspiel, das im Astrodome als neutralem Austragungsort stattfindet. Miles kehrt zum Team zurück und beobachtet die Panthers von der Seitenlinie aus. Anfangs sind sie von Carters körperlicher Überlegenheit überfordert und geraten in Rückstand. Doch das Spiel ist noch nicht beendet...














Berg hat äusserst spannend inszeniert und auch wenn man sich nicht so sehr mit dem American Football auskennt, der Film hat aber packende und emotionale Szenen. Bergs scharfsinnige Analyse des fußballverrückten amerikanischen Mittelwestens überzeugt sowohl als bewegendes Drama als auch als mitreißender Sportfilm überzeugt. Nicht zuletzt auch durch die authentischen Darsteller, allen voran Billy Bob Thornton als Trainer. Er genießt den Ruf ein besonders guter Vertreter des Sportfilms zu sein - auch in vielen Listen über die besten Highschool Filme ist dieser Film zu finden. In einer Nebenrolle ist Amber Heard zu sehen. 












Bewertung: 8 von 10 Punkten. 
 

Streamers (Windhunde)















Regie: Robert Altman

Eskalation in der Baracke...

"Streamers" (deutscher Kinotitel: Windhunde) aus dem Jahr 1983 entstand nach dem gleichnamigen Bühnenstück von David Rabe und spielt in der beklemmenden Enge einer Army Baracke. Dort warten vier junge Männer angespannt auf den Marschbefehl nach Vietnam. Der Film wurde leider in Deutschland leider nie auf DVD herausgebracht, gehört aber dennoch zu den besten Filmen des Regisseurs Robert Altman. In seiner aktiven Zeit wurde Altman fünfmal (Mash, Nashville, The Player, Short Cuts und Gosford Park) in der Kategorie "Beste Regie" für einen Oscar nominiert. Zu seinen besten Filmen gehören auch Klassiker wie "MacCabe & Mrs. Miller", "California Split", "Der Tod kennt keine Wiederkehr", "Buffalo Bill und die Indianer" und "Eine Hochzeit". 2005 ehrte ihn die Academy mit einem längst überfälligen Ehrenoscar. "Streamers" ist im Grund ein Kammerspiel mit einer Handvoll Männer, die in dieser Baracke untergebracht sind:  Der konservative und wortgewandte Billy (Matthew Modine), der zurückhaltende, sensible Afroamerikaner Roger (David Alan Grier), der intellektuelle, effiminierte Richie (Mitchell Lichtenstein) und Martin (Albert Macklin), der der Einberufung mit einem Selbstmordversuch entgeht. Die Jungen, die von den ständig besoffenen Korea-Veteranen Cokes (George Dzundza) und Rooney (Guy Boyd) beaufsichtigt und geneckt werden, unterhalten sich, scherzen und trinken miteinander und befassen sich unwillkürlich mit Fragen von Rasse, Klasse und Sexualität: Ist Richie wirklich homosexuell? Als der aggressive Ghetto-Schwarze Carlyle (Michael Wright) sich in die Diskussionen einmischt, eskaliert die Situation. Zuvor ist die Angst gegenwärtig, wird aber unterdrückt - zumindest der Grund wird verschwiegen - und so stürzen sich die Diskussionen auf Nebenschauplätze, die aber bald so bedeutend werden, dass das Fass zum Überlaufen kommt. Der Druck, der auf den Männern lastet, ist der Druck der Existenz selbst, das nicht mehr als ein trostloses Leben zum Tode ist. Altman, unsentimentaler Realist, wenn nicht gar Zyniker,  versteht es meisterlich, diese Hoffnungslosigkeit einzufangen. Billy, ein College-Absolvent, hat sich mit den Zuständen arrangiert. Obwohl er den Militärdienst hasst, geht er den Weg des geringsten Widerstandes und fügt sich den Vorschriften. Auch der farbige Roger, ohnehin an Erniedrigungen gewöhnt, will ohne Ärger die Dienstzeit hinter sich bringen. Richie, ein sensibler und etwas blasierter Junge aus reicher Familie, wird trotz seines homosexuellen Geredes als Kamerad akzeptiert. Das labile Gleichgewicht wird jedoch durch die Ankunft des schwarzen Rekruten Carlyle gestört. Carlyle ist unangepasst, aggressiv und neurotisch. Aber hinter seinen Provokationen verbirgt sich eine unausgesprochene Sehnsucht nach Zärtlichkeit und Anerkennung. Als sich Richie und Carlyle sexuell näherkommen, gerät Billy, von Angst und Widerwillen geschüttelt, in Panik. Schlagartig explodiert die angespannte Situation in Gewalt. Rogers Vermittlungsversuche scheitern. Am Ende liegen zwei Tote im Schlafsaal: Carlyle hat Billy und einen betrunkenen Ausbilder erstochen...









Bei den 40. Internationalen Filmfestspielen von Venedig gewann das gesamte Ensemble gemeinsam den Volpi-Pokal für den besten Schauspieler. Robert Altman wurde für den Goldenen Löwen nominiert. Der Film wurde 1983 außer Konkurrenz bei den Filmfestspielen von Cannes gezeigt. In den USA kam er am 14. Oktober 1983 in die Kinos und wurde von United Artists Classics veröffentlicht. Der Film erhielt positive Kritiken, er ist aber bis heute nie aus dem Status eines Geheimtipps herausgekommen. Ein eher unbequemer und sperriger Film, aber es lohnt sich sehr diesen anspruchsvollen Film zu entdecken. Er ist aber sicherlich nicht für jeden Zuschauer geeignet.







Bewertung: 9 von 10 Punkten.