Montag, 31. August 2026

Liebe ist nur ein Wort















Regie: Alfred Vohrer

Gefährliche Liason...

Die Idee des Produzenten Luggi Waldleitner ab den frühen 70er Jahren bekannte Romane des Erfolgsautors Johannes Mario Simmel zu verfilmen, erwies sich als Glücksfall. Bereits die erste Verfilmung "Und Jimmy ging zum Regenbogen" wurde einer der erfolgreichsten Filme des Jahres 1971 und lockte mehr als 3,4 Millionen Zuschauer ins Kino. Auch der Nachfolgefilm "Liebe ist nur ein Wort" war mit mehr als 2,1 Millionen Zuschauer ein Kassenhit. Ausserdem machte er den Nachwuchsdarsteller Malte Thorsten, der die Hauptfigur Oliver Mansfeld spielt, zum Star. Thorsten erhielt für diese Rolle im Jahr 1972 sogar den deutschen Filmpreis als bester Nachwuchsdarsteller. Der 21-jährige Oliver Mansfeld ist der Sohn eines korrupten Großindustriellen. Er versucht verspätet, in einem Internat sein Abitur zu absolvieren - im Grunde aber mehr auf Geheiss seines verhassten Vaters. Oliver ist bereits aufgrund von Frauengeschichten mehrfach aus anderen Internaten geflogen. Er hat jetzt aber vor die Schule durchzuziehen. Auf dem Flughafen sieht er die fast 20 Jahre ältere Verena Angenfort (Judy Winter), die sich wohl heimlich von einem Lover verabschiedet. Durch seinen Vater kennt er die Familie Angenfort. Verenas Mann Manfred (Herbert Fleischmann) ist ein Bankier, der Geschäfte mit Olivers Vater macht, die wohl nicht immer legal waren. Davon hat aber wohl nur Olivers Mutter (Inge Langen) Ahnung, die schon seit längerem in einer Psychiatrie lebt. Die unbefangene und lockere Art von Oliver machen es ihm leicht mit Verena in Kontakt zu treten und sehr schnell gibt er der verheirateten Frau zu verstehen, dass er sie unheimlich begehrenswert findet. Im Internat angekommen wird er von Internatsleiter Dr. Florian (Friedrich Siemers) begrüßt und schließt sehr schnell Freundschaft mit dem etwas jüngeren Hansi (Joey Schoenfelder), der gemeinsam mit einem muslimischen Jungen (Manuel Iregsusi) in einem Zimmer lebt. Olivers Mitschülerin Geraldine (Donata Höffer) wirft sofort ein Auge auf den "Neuen" und sehr spontan kommt es zum Sex zwischen den beiden Teenagern. Doch nach wie vor verfolgt Oliver seinen Plan Verena zu erobern. Bald gibt die unglücklich Verheiratete seinem ungestümen Werben nach, doch ihr Mann ahnt etwas...





Ab jetzt beginnt ein kaltes Netz aus Psychospielen. Es deckt Dekadenz, Korruption und Pseudomoral in den reichen Oberschichten auf, in denen echte Gefühle oft keinen Platz haben und für die Beteiligten „Liebe nur ein Wort“ im Sinne von Schein und Berechnung ist. Vielleicht ist dieses Drama bei den Oberen 10.000 am Ende zu dramatisch. Aber Alfred Vohrer hat sehr straff inszeniert und die guten Darstellerleistungen, auch in den Nebenrollen. Charly Steinberger war bei einigen Waldleitner/Vohrer Verfilmungen von Simmel Romanen der Kameramann. Für seine Leistung in den Filmen "Einer von uns beiden" (Regie: Wolfgang Petersen) und "Gott schützt die Liebenden" erhielt er 1974 das Filmband in Gold. 








Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Und der Regen verwischt jede Spur















Regie: Alfred Vohrer

Schicksalshafte Romanzen..

Nachdem Filmproduzent Luggi Waldleitner mit Regisseur Alfred Vohrer in den frühen 70er Jahren drei Verfilmungen nach den Romanen von Johannes Mario Simmel in die Kinos brachte ("Und Jimmy ging zum Regenbogen", "Liebe ist nur ein Wort" und "Der Stoff, aus dem die Träume sind") und riesigen Erfolg damit hatte, plante er die Verfilmung der Novelle "Der Schneesturm"  von Alexander Puschkin, die im Jahr 1811 spielt. Doch das Wagnis war diese dramatische Geschichte in die moderne Zeit zu verlegen. Ein bisschen schielte man auf den damaligen Blockbuster "Love Story", der alle Rekorde an der Kinokasse brach und der auch eine tragische Liebesgeschichte mit tödlichem Ende als Thema hatte.Christine Luba (Anita Lochner) und der französische Student Alain (Alain Noury) erleben die erste große Liebe und eine unbekümmerte Zeit. Alles könnte so perfekt sein, wenn Christines Vater, der Großindustrielle Luba (Wolfgang Reichmann) ihren Freund akzeptieren würde, doch dieser scheint ihm nicht gut genug für seine Tochter zu sein. Es sieht so aus, als würde Luba versuchen, das Glück seiner Tochter mit allen Mitteln zu torpedieren. Doch die verwöhnte Tochter hat ein sehr unkritisches Bild von ihrem alten Herrn und kann nicht glauben, dass er zu derartigen Maßnahmen im Stande wäre. So trifft sie sich mit ihrer Mutter Irene (Ruth-Maria Kubitschek), die sie seit Monaten nicht mehr gesehen hat und mit der es seit der Scheidung der Eltern ohnehin nur noch sporadischen Kontakt gibt. Christine wird mit eindringlichen Warnungen vor der Eifersucht ihres Vaters konfrontiert und beschließt schon bald, mit Alain eine Weile nach Frankreich zu gehen. Doch er kommt nicht zum vereinbarten Treffpunkt und ist danach wie vom Erdboden verschluckt. Anschließend lernt sie Martin (Malte Thorsten) kennen, einen jungen Mann aus reichem Hause, in den sie sich auch verliebt. Doch auch dieses Glück wird nicht von langer Dauer sein...









Denn "Und der Regen verwischt jede Spur" ist eine griechische Tragödie, auch wenn manches etwas zu konstruiert wirkt. Ein Plus sind die Darsteller Anita Lochner, Ruth Maria Kubitschek, Malte Thorsten, Alain Noury, Wolfgang Reichmann und Eva Christian als Karin, die Schwester von Herrn Luba. In einer kleinen Nebenrolle ist Henry Vahl zu sehen. Es werden sehr reizvolle und atmosphärisch dichte Aufnahmen der alten Hansestadt Lübeck präsentiert. Alfred Vohrers Beitrag ganz im Stil der Simmel-Verfilmungen stellt sich bereits nach wenigen Minuten als beachtliche Überraschung heraus und steht dieser von Vohrer selbst inszenierten Konkurrenz in keinerlei Hinsicht nach. Eher ist das genaue Gegenteil der Fall, denn "Und der Regen verwischt jede Spur" behauptet sich seinen Platz im Rahmen des komplexeren deutschen Unterhaltungskinos problemlos und absolut zielsicher, außerdem besitzt dieser Beitrag sogar mehrere Vorzüge, als einige Original-Simmel-Filme. Die Geschichte erscheint zunächst trügerisch einfach zu sein: Die Jungdarsteller Anita Lochner und Alain Noury überzeugen im Rahmen der Veranschaulichung der ersten Liebe und des großen Glücks. Eigentlich programmieren sie eine strahlende Zukunft absolut glaubhaft, wenn da nicht das Schicksal mit all seinen Helfershelfern wäre. Die anfängliche Einfachheit des Geschehens ist angenehm anzusehen, die Unbeschwertheit von Alain und Christine wird packend und greifbar dargestellt, doch beim Zuschauer kann trotz dieser Eindrücke ein Gefühl der Beunruhigung aufkommen, denn bereits der Vorspann gibt puzzleartigen Aufschluss darüber, dass eine Katastrophe in der Luft liegt. So besteht die Raffinesse der Inszenierung letztlich darin, dass sich die Atmosphäre schleichend zuspitzt und eine noch nicht zu definierende Verheißung über dem Gesamtgeschehen liegt, bis sich die Dramatik plötzlich und buchstäblich überschlägt, und sich Protagonisten und Zuschauer in einem Schraubstock wiederfinden. Das Leitmotiv Regen gibt dem Titel einen äußerst bitteren Beigeschmack und der Geschichte schlussendlich eine sehr perfide Note, da der Regen hier nicht nur jede Spur verwischen wird, sondern als Synonym für unzählige Tränen greift, die man im Regen aber erst gar nicht zu sehen bekommen wird. So handelt es sich in Einklang mit Alfred Vohrers Gespür und handwerklicher Raffinesse um Dramatik der intelligenteren, außerdem Unterhaltung der anspruchsvolleren Sorte. Der Film erhielt das Prädikat "Wertvoll".











Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.  

Perrak















Regie: Alfred Vohrer

Mord im Milieu...

Neben seinen vielen Edgar Wallace Filmklassikern wie "Die toten Augen von London", "Der Hexer", "Das Gasthaus an der Themse", "Der Zinker", "Das indische Tuch", "Neues vom Hexer", "Der Bucklige von Soho", "Die blaue Hand", "Der Mönch mit der Peitsche" oder "Der Hund von Blackwood Castle" hat Alfred Vohrer auch viele Simmel-Verfilmungen (Und Jimmy ging zum Regenbogen, Liebe ist nur ein Wort, Der Stoff, aus dem die Träume sind, Gott schützt die Liebenden und Die Antwort kennt nur der Wind") Erfolgreich zu Kino Kassenschlagern gemacht. Interessant sind auch seine beiden weniger bekannten Kriminalfilme "7 Tage Frist" und "Perrak", die er in in den Jahren 1969 und 1970 inszenierte. Vor allem letzterer ist ein sehr gelungenes Beispiel für einen deutschen "Exploitationfilm. Horst Tappert, der später mit "Derrick" zum internationalen Fernsehliebling wurde, gibt hier als Inspektor Perrak eine etwas hartgesottenere Variante des ermittelnden Kommissars. Wahrscheinlich deshalb, weil dieser Ermittler bei der Hamburger Sitte arbeitet und die raue Gangart dort erfolgreicher ist als das empathische Einfühlungsvermögen eines Inspektor Derrick. Auf der Hamburger Müllkippe wird die Leiche einer jungen Frau gefunden – die Kripo vermutet, dass es sich um eine Prostituierte handelt und zieht Kommissar Perrak (Horst Tappert) von der Sitte hinzu. Der kennt das Opfer und kann den Gerichtsmediziner gleich mal über einen wesentlichen Fehler seiner Diagnose belehren – die Leiche mag zwar tot sein, aber  Toni, die Tote ist eine kiezbekannte Transe.  Immerhin findet Perrak in Tonis Appartment eine Schatulle mit erstaunlich echten Klunkern, die ein kleiner Transen-Tänzer sich nicht leisten können sollte. Anderswo hat man schon weitere Schlüsse gezogen – Schrotthändler und Möchtegern-Unterweltgröße Kaminski (Hubert Schuschka) hat sich zusammengereimt, dass Toni einen seiner Freier erpresst hat und von diesem als zu gierig entsorgt wurde; was im Umkehrschluss bedeutet, dass die Erpresserposition wieder vakant ist und Kaminski selbige gern einnehmen würde.Nick (Wolf Roth), Angestellter seiner Pfandleihe, scheint mehr über die Angelegenheit zu wissen und wird von Kaminskis Gang (Art Brauss, Gilbert-Andre Ehoulan) sanft genötigt, seine Kenntnisse in den Dienst der guten schlechten Sache zu stellen. Perrak kommt bei seinen Ermittlungen zunächst nicht weiter, doch führt ihn eine Spur schließlich zur „Gemeinschaft der Grauen Nonnen“, einer höchst christlichen Betschwesterorganisation, die von Schwester Manuela (Judy Winter), Insidern bekannt als "Trompeten Emma" geleitet wird. Perrak entdeckt, dass die Nonnennummer nur Front für ein Etablissment ist, in dem jeder denkbaren Abartigkeit aus dem Branchenverzeichnis von Sodom und Gomorrah gehuldigt werden kann. Alles ist im Angebot, auch strafrechtlich relevante Sünden.  Kaminski und Nick sind zu ähnlichen Ergebnissen gekommen und beschatten Emmas Vermieter Bottke (Werner Peters), der sie geradewegs zu Oblomov (Hans Daniel) führt – und der ist Sekretär der russischen Botschaft! Und wie passt der schwerreiche Wirtschaftskapitän Imhof (Hans Schellbach), mit dem Perraks Sohn Joschi (Georg Michael Fischer) schon unliebsame Bekanntschaft geschlossen hat, ins Bild? Imhoffs Frau Claire (Erika Pluhar) scheint unglücklich zu sein und hat vermutlich eine Affäre mit Dr. Rembold (Jochen Busse). Inzwischen haben die Gangster herausgefunden, dass der Landstreicher Ede (Walter Richter) möglicherweise einen Teil des wertvollen Schmucks besitzt....







In der Rolle des Transvestiten Pinky ist Angie Stardust zu sehen, die später auch in Rosa von Praunheims "Stadt der toten seelen" zu sehen war und in Hamburg zum Star des Pulverfass-Cabarets wurde. Produziert wurde der kleine dreckige Milieu-Reißer von Luggi Waldleitner und Horst Tappert hat sichtlich Freude an der Darstellung des Hamburgers Ermittlers. Er meinte auch "Perrak ist ein typischer Vertreter meiner Generation, der von vielen Dingen der heutigen Zeit frustriert ist. In seinem Beruf findet er nicht die erhoffte Erfüllung; den täglichen Ballast hat der satt bis oben hin. Seinem 18jährigen Sohn gegenüber ist er ziemlich hilflos – andererseits setzt er sich notfalls über dienstliche Befugnisse souverän hinweg". Die Szenen mit seinem Sohn sind meistens sehr heiter, auch wenn dessen Ente von einem wütenden Autofahrer zu Schrott gemacht wird. Im Kino zählte man 748.000 Zuschauer. Vohrer konzentriert sich in Übereinstimmung mit dem Script darum, die hässlichen Seiten der Waterkant abzufilmen – hässliche Hinterhöfe, miese Kellerspelunken, gigantische Müllhalden, heruntergekommene Hafenanlagen, das ist die Welt Perraks, nicht die stylischen Luxuswohnungen der Metropole.








Bewertung:7,5 von 10 Punkten.