Regie: Alfred Vohrer
Mord im Milieu...
Neben seinen vielen Edgar Wallace Filmklassikern wie "Die toten Augen von London", "Der Hexer", "Das Gasthaus an der Themse", "Der Zinker", "Das indische Tuch", "Neues vom Hexer", "Der Bucklige von Soho", "Die blaue Hand", "Der Mönch mit der Peitsche" oder "Der Hund von Blackwood Castle" hat Alfred Vohrer auch viele Simmel-Verfilmungen (Und Jimmy ging zum Regenbogen, Liebe ist nur ein Wort, Der Stoff, aus dem die Träume sind, Gott schützt die Liebenden und Die Antwort kennt nur der Wind") Erfolgreich zu Kino Kassenschlagern gemacht. Interessant sind auch seine beiden weniger bekannten Kriminalfilme "7 Tage Frist" und "Perrak", die er in in den Jahren 1969 und 1970 inszenierte. Vor allem letzterer ist ein sehr gelungenes Beispiel für einen deutschen "Exploitationfilm. Horst Tappert, der später mit "Derrick" zum internationalen Fernsehliebling wurde, gibt hier als Inspektor Perrak eine etwas hartgesottenere Variante des ermittelnden Kommissars. Wahrscheinlich deshalb, weil dieser Ermittler bei der Hamburger Sitte arbeitet und die raue Gangart dort erfolgreicher ist als das empathische Einfühlungsvermögen eines Inspektor Derrick. Auf der Hamburger Müllkippe wird die Leiche einer jungen Frau gefunden – die Kripo vermutet, dass es sich um eine Prostituierte handelt und zieht Kommissar Perrak (Horst Tappert) von der Sitte hinzu. Der kennt das Opfer und kann den Gerichtsmediziner gleich mal über einen wesentlichen Fehler seiner Diagnose belehren – die Leiche mag zwar tot sein, aber Toni, die Tote ist eine kiezbekannte Transe. Immerhin findet Perrak in Tonis Appartment eine Schatulle mit erstaunlich echten Klunkern, die ein kleiner Transen-Tänzer sich nicht leisten können sollte. Anderswo hat man schon weitere Schlüsse gezogen – Schrotthändler und Möchtegern-Unterweltgröße Kaminski (Hubert Schuschka) hat sich zusammengereimt, dass Toni einen seiner Freier erpresst hat und von diesem als zu gierig entsorgt wurde; was im Umkehrschluss bedeutet, dass die Erpresserposition wieder vakant ist und Kaminski selbige gern einnehmen würde.Nick (Wolf Roth), Angestellter seiner Pfandleihe, scheint mehr über die Angelegenheit zu wissen und wird von Kaminskis Gang (Art Brauss, Gilbert-Andre Ehoulan) sanft genötigt, seine Kenntnisse in den Dienst der guten schlechten Sache zu stellen. Perrak kommt bei seinen Ermittlungen zunächst nicht weiter, doch führt ihn eine Spur schließlich zur „Gemeinschaft der Grauen Nonnen“, einer höchst christlichen Betschwesterorganisation, die von Schwester Manuela (Judy Winter), Insidern bekannt als "Trompeten Emma" geleitet wird. Perrak entdeckt, dass die Nonnennummer nur Front für ein Etablissment ist, in dem jeder denkbaren Abartigkeit aus dem Branchenverzeichnis von Sodom und Gomorrah gehuldigt werden kann. Alles ist im Angebot, auch strafrechtlich relevante Sünden. Kaminski und Nick sind zu ähnlichen Ergebnissen gekommen und beschatten Emmas Vermieter Bottke (Werner Peters), der sie geradewegs zu Oblomov (Hans Daniel) führt – und der ist Sekretär der russischen Botschaft! Und wie passt der schwerreiche Wirtschaftskapitän Imhof (Hans Schellbach), mit dem Perraks Sohn Joschi (Georg Michael Fischer) schon unliebsame Bekanntschaft geschlossen hat, ins Bild? Imhoffs Frau Claire (Erika Pluhar) scheint unglücklich zu sein und hat vermutlich eine Affäre mit Dr. Rembold (Jochen Busse). Inzwischen haben die Gangster herausgefunden, dass der Landstreicher Ede (Walter Richter) möglicherweise einen Teil des wertvollen Schmucks besitzt....







In der Rolle des Transvestiten Pinky ist Angie Stardust zu sehen, die später auch in Rosa von Praunheims "Stadt der toten seelen" zu sehen war und in Hamburg zum Star des Pulverfass-Cabarets wurde. Produziert wurde der kleine dreckige Milieu-Reißer von Luggi Waldleitner und Horst Tappert hat sichtlich Freude an der Darstellung des Hamburgers Ermittlers. Er meinte auch "Perrak ist ein typischer Vertreter meiner Generation, der von vielen Dingen der heutigen Zeit frustriert ist. In seinem Beruf findet er nicht die erhoffte Erfüllung; den täglichen Ballast hat der satt bis oben hin. Seinem 18jährigen Sohn gegenüber ist er ziemlich hilflos – andererseits setzt er sich notfalls über dienstliche Befugnisse souverän hinweg". Die Szenen mit seinem Sohn sind meistens sehr heiter, auch wenn dessen Ente von einem wütenden Autofahrer zu Schrott gemacht wird. Im Kino zählte man 748.000 Zuschauer. Vohrer konzentriert sich in Übereinstimmung mit dem Script darum, die hässlichen Seiten der Waterkant abzufilmen – hässliche Hinterhöfe, miese Kellerspelunken, gigantische Müllhalden, heruntergekommene Hafenanlagen, das ist die Welt Perraks, nicht die stylischen Luxuswohnungen der Metropole.



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