Samstag, 28. März 2026

One battle after another












Regie: Paul Thomas Anderson

Schlachten auf Leben und Tod...

Die Filme von Paul Thomas Anderson wurden schon oft für den Oscar nominiert. Auch er selbst fand sich schon oft unter den Nominierten in den Kategorien "Regie" undf "Drehbuch" - beispielsweise für "Boogie Nights", Licorice Pizza", "Der seidene Faden", Inherent Vice", "Magnolia" und "There will be blood". Mit 13 Nominierungen und 6 Siegen stellte aber der 2025 realisierte Politthriller "One battle after another" seine bisherigen Filme alle in den Schatten. Er gewann auch erstmalig den Regie-Oscar, ausserdem wurde seinem Film der Hauptpreis als bester Film zuerkannt - er war Mitproduzent. Ein dritter Oscar durfte er für sein Drehbuch in Empfang nehmen. Darüberhinaus gewann Sean Penn für seine Rolle als Col. Steven J. Lockjaw seinen dritten Oscar. Auch in den Kategorien "Bester Schnitt" und "Bestes Casting" war am Ende der Sieg das Resultat. Auch die Darsteller Leonardo diCaprio, Benico del Toro und Teyana Taylor wurden bei den Nominierungen berücksichtigt, gingen aber am Ende leer aus. Schade aber, dass die junge Chase infiniti keine Nominierung erhielt. Der Film ist vollgefüllt mit schwarzem Humor und hat die derzeitige unversöhnliche Spaltung der Gesellschaft in linksradikal und rechtsradikal zum Thema und einige Szenen wie beispielsweise die finale Autoverfolgungsjagd oder die zweite Vorstellung von Colonel Lockjaw bei dem ominösen Christmas Adventurers Club belben haften und sind so nachhaltig, dass man sie sofort in den Klassiker Status einordnet.  Pat Calhoun, genannt „Ghetto“ (Leonardo di Caprio), und Perfidia Beverly Hills (Teyana Taylor) sind ein Liebespaar und Mitglieder der linksextremen Revolutionsgruppe „French 75“. Bei einem Befreiungsversuch von inhaftierten Immigranten aus dem Otay Mesa Detention Center demütigt Perfidia den Kommandanten Steven J. Lockjaw  (Sean Penn) sexuell, der daraufhin von ihr besessen ist. Als Steven Perfidia beim Bombenlegen erwischt, lässt er sie gehen, nachdem sie seinem Angebot, sich mit ihm zum Sex zu treffen, nachkommt. Kurz darauf wird Perfidia schwanger, die Vaterschaft bleibt ungeklärt. Nach der Geburt ihrer Tochter Charlene (wird als Teenagerin von Chase Infiniti gespielt) versucht Pat, sie zur Sesshaft zu bewegen, doch sie verlässt Pat und Charlene, um ihre revolutionären Aktivitäten fortzusetzen. Perfidia wird verhaftet, nachdem sie bei einem bewaffneten Banküberfall einen Wachmann ermordet hat. Steven verschafft ihr Haftverschonung im Austausch für Informationen über wichtige Mitglieder der „French 75“. Perfidia wird in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen, während Steven die von ihr gelieferten Informationen nutzt, um ihre Genossen aufzuspüren und ohne Gerichtsverfahren hinzurichten. Howard Sommerville (Paul Grimstad), Mitglied der French 75, verschafft Pat und Charlene gestohlene Identitäten als Bob und Willa Ferguson, während Perfidia aus dem Zeugenschutzprogramm nach Mexiko flieht. Sechzehn Jahre später lebt Bob zurückgezogen in der Zufluchtsstadt Baktan Cross in Kalifornien und ist zu einem paranoiden Kiffer geworden. Er beschützt Willa, die inzwischen eine lebensfrohe Teenagerin ist und Bobs Drogenkonsum verabscheut. Er hat sie glauben lassen, Perfidia sei ein Held. Durch seinen Kampf gegen Einwanderung ist Steven zum Oberst und einer einflussreichen Figur innerhalb der US-Sicherheitsbehörden aufgestiegen. Als Steven eingeladen wird, Mitglied des Christmas Adventurers Club, einer rassistischen Geheimgesellschaft, zu werden, versucht er, Willa zu töten, um seine frühere Beziehung zu Perfidia zu verbergen. Er heuert den Kopfgeldjäger Avanti Q (Eric Schweig) an, um Howard gefangen zu nehmen, wodurch ein Notruf an die French 75 abgesetzt wird. Unter dem Deckmantel einer Operation zur Bekämpfung von Einwanderung und Drogenhandel schickt Steven Truppen nach Baktan Cross. Deandra (Regina Hall), ein Mitglied der French 75, rettet Willa vor einer Razzia auf ihrem Schulball und bringt sie in ein Kloster revolutionärer Nonnen. Dort erfährt sie die Wahrheit über den Verrat ihrer Mutter. Während Bob zu Hause high ist, wird er von der French 75 vor Steven gewarnt, dessen Männer daraufhin sein Haus stürmen. Bob flieht durch einen Tunnel und erhält dabei Hilfe von Sergio St. Carlos (Benicio del Toro), Willas Karate-Sensei und Gemeindevorsteher, der auch Immigranten durch einen Geheimgang evakuiert. Nachdem Bob von einem anderen Mitglied der French 75 von dem Kloster erfahren hat, flieht er mit Sergios Schülern über die Dächer, stürzt jedoch und wird festgenommen, obwohl er nicht erkannt wird. Die Christmas Adventurers finden Beweise für Stevens Beziehung zu Perfidia, darunter die Möglichkeit, dass er ein Kind mit ihr hat, und schicken ihr Mitglied Tim Smith (John Hoogenakker)  los, um ihn und Willa zu töten. Durch die Ortung ihres Handys spürt Steven Willa im Kloster auf, wo Deandra verhaftet wird. Er nimmt Willa als Geisel und zwingt sie zu einem DNA-Test, der die Vaterschaft testen soll...









Mit 212 Millionen Dollar Einspielergbnis ist dieser sechsfache Oscarsieger der bisher erfolgreichste Kassenhit von Regie-Wunderkind Paul Thomas Anderson. Der geniale wie absurde Thriller basiert auf der 1990 erschienenen Novelle "Vineland" von Thomas Pynchon. Wenn linksradikale Terroristen von rassistischen Soldaten gejagt werden, dann bietet sich ein erschreckendes Bild von dem Traumland USA. Hollywoods zweiter grimmige Beitrag in dieser Richtung ist "Eddington" von Ari Aster - auch hier sind linke wie rechte Ränder bis an die Zähne bewaffnet. Kameramann Michael Bauman, der ebenfalls für den Oscar nominiert wurde, überzeugte bereits in Anderson Vorgängerfilm "Licorice Pizza". 










Bewertung: 9,5 von 10 Punkten. 

F 1











Regie: Joseph Kosinski

Fulminantes Comeback....

"F1" ist ein US-amerikanischer Sportfilm aus dem Jahr 2025 mit Brad Pitt in der Hauptrolle des Formel-1-Rennfahrers Sonny Hayes. Nach 30 Jahren Pause kehrt er zurück, um das Außenseiterteam seines ehemaligen Teamkollegen, APXGP, vor dem Aus zu retten. Regie führte Joseph Kosinski nach einem Drehbuch von Ehren Kruger. Kosinskis Film war ein riesiger Kassenhit und spielte 633 Millionen Dollar ein. Ein Ergebnis, dass ihn zum neunerfolgreichsten Film des Jahres machte. Joseph Kosinskis vorheriger Film war der noch erfolgreichere "Top Gun - Maverick" mit Tom Cruise, der 1,5 Milliarden Dollar Kasse machte.  Die Entwicklung des Films begann im Dezember 2021. Pitt, Kosinski, Kruger und Produzent Jerry Bruckheimer waren an dem Projekt beteiligt; gedreht wurde auch an den Grand-Prix-Wochenenden der Weltmeisterschaften 2023 und 2024 in Zusammenarbeit mit der FIA, dem Dachverband der Formel 1. Die Rennszenen wurden realen Rennen nachempfunden, und Formel-1-Teams und -Fahrer, darunter Lewis Hamilton, der auch als Produzent fungierte, traten im gesamten Film auf. Hans Zimmer komponierte die Filmmusik, und zahlreiche Künstler trugen zum Soundtrack bei. Neben positiven Kritiken erhielt der Film vier Oscar-Nominierungen, darunter in der Kategorie „Bester Film“, und wurde vom National Board of Review zu einem der zehn besten Filme des Jahres gekürt. F1 gewann in der Folge zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Preis für den besten Ton bei den 98. Academy Awards, den 31. Critics' Choice Awards und den 79. British Academy Film Awards Der ehemalige Formel-1-Wunderknabe Sonny Hayes (Brad Pitt), der in die Jahre gekommen ist, lebt seit 30 Jahren als Rennfahrer auf Abruf. Sein Karriereende nach einem schweren Unfall beim Großen Preis von Spanien 1993 hat ihn schwer belastet, da er sein Potenzial nicht ausschöpfen konnte. Nach seinem Sieg bei den 24 Stunden von Daytona wird er von seinem ehemaligen Teamkollegen Rubén Cervantes (Yavier Bardem), dem Besitzer des angeschlagenen Formel-1-Teams APXGP, angesprochen. Dieser bittet ihn, zweiter Fahrer zu werden. Rubén erklärt, dass seine Investoren das Team verkaufen werden, sollte APXGP keinen der verbleibenden neun Grand Prix der Saison gewinnen. Sonny willigt widerwillig ein, nachdem Rubén beteuert hat, ein Sieg würde beweisen, dass er der „Beste der Welt“ ist. Sonny trifft das Team, darunter die technische Direktorin Kate McKenna (Kerry Condon) und den ehrgeizigen Rookie Joshua Pearce (Damson Idris). Joshua befürchtet, dass das kriselnde APXGP seine Karriere ruinieren könnte und versucht, das Interesse eines anderen Teams zu wecken. Sonny hat Schwierigkeiten mit den modernen Formel-1-Boliden, erkennt aber schnell die Schwächen von APXGP und schlägt vor, die Fahrzeuge mit verbesserter Aerodynamik auszustatten, um den Geschwindigkeitsnachteil auszugleichen. Beim Großen Preis von Großbritannien fahren Sonny und Joshua gegeneinander, anstatt zusammenzuarbeiten, was zu zwei Unfällen führt. Da das Team dringend Punkte benötigt, nutzt Sonny beim Großen Preis von Ungarn die Regeln aus, indem er absichtlich mit Konkurrenten kollidiert, um Safety-Car-Phasen auszulösen. Dadurch kann Joshua den Abstand zu den Führenden verringern und APXGP die erste Top-Ten-Platzierung sichern. Beim verregneten Großen Preis von Italien rät Sonny Joshua, auf Slicks zu fahren, um so weniger Grip und mehr Geschwindigkeit zu haben und auf den zweiten Platz vorzurücken. Joshua ignoriert jedoch Sonnys Anweisung, vor dem Überholen von Max Verstappen eine Gerade abzuwarten, gerät ins Schleudern und fliegt von der Strecke, während sein Auto in Flammen aufgeht Sonny rettet ihn, doch Joshua ist verletzt und verpasst die nächsten drei Rennen.Ein zunehmend arroganter Joshua kehrt beim Großen Preis von Belgien zurück und provoziert Sonny absichtlich zu einem Unfall. Anschließend wirft ihm Sonny vor, das Team für persönlichen Ruhm leichtfertig zurückgeworfen zu haben. Um die Spannungen abzubauen, organisiert Kate ein Pokerspiel, um ihre ähnlichen Lebensgeschichten hervorzuheben. Danach verbringen Sonny und Kate die Nacht zusammen. Später gesteht er ihr, dass er Rennen fährt, um die seltenen Momente wiederzuerleben, in denen er sich unantastbar fühlt.Nach einem anonymen Hinweis, dass Kates Auto-Upgrades illegal seien, ist APXGP gezwungen, diese zu entfernen, was das Team benachteiligt. Frustriert – und in dem Bewusstsein, dass er sein Ritual, eine zufällige Spielkarte im Cockpit zu haben, vergessen hat – fährt Sonny beim Großen Preis von Las Vegas rücksichtslos und verunfallt. Während seiner Genesung entdeckt Rubén, dass Sonnys Verletzungen von 1993 ihn medizinisch untauglich für die Formel 1 gemacht haben und die Gefahr von Erblindung oder Tod besteht. Er entlässt ihn zu seinem eigenen Schutz. APXGP-Vorstandsmitglied Peter Banning (Tobias Menzies) gesteht Sonny, dass er dessen Verpflichtung und den anonymen Tipp inszeniert hat, um das Team zu sabotieren und dessen Verkauf zu erzwingen. Er bietet Sonny eine hohe Entschädigung an, damit dieser APXGP scheitern lässt. Joshua beginnt unterdessen, Sonys Renntaktiken anzuwenden, gibt die Schuld an seinem vorherigen Unfall zu und bekennt sich erneut zum Team. Sonny verheimlicht seine Sehstörungen und Kopfschmerzen und überzeugt Rubén, ihn zurückkehren zu lassen, gerade als die FIA ​​Kate freigibt und ihre Upgrades wiederherstellt. Beim Saisonfinale, dem Großen Preis von Abu Dhabi, kämpft Joshua mit Lewis Hamilton und Charles Leclerc um die Führung. Nachdem Sonny in einen kleineren Unfall verwickelt ist, wird das Rennen mit der roten Flagge unterbrochen, sodass APXGP beide Autos reparieren kann, bevor es in einem Drei-Runden-Sprint ins Ziel geht. Beim Neustart überholt Sonny Leclerc und opfert seine eigene Siegchance, indem er Hamilton abwehrt, damit Joshua die Führung übernehmen kann. In der letzten Runde kollidieren Hamilton und Joshua, wodurch Sonny seinen ersten Formel-1-Sieg einfährt und die Zukunft von APXGP sichert. Joshua erhält ein Angebot von Mercedes, lehnt aber ab. Während das Team feiert, bereitet sich Sonny stillschweigend auf seine Abreise vor. Er verabschiedet sich im Guten von Joshua und verspricht, Kate bald wiederzusehen. Einige Zeit später startet er zur Baja 1000. Auf die Frage, wofür er fährt, lacht Sonny....







Angetrieben von Brad Pitts lässiger Ausstrahlung und mit einem aufgemotzten Motor dank Joseph Kosinskis dynamischer Regie, bringt F1 den äusserst unterhaltsamen, dynamischen und nie langweiligen Film über die Ziellinie. In der Kategorie der Rennsportfilme spielt er in einer Liga mit Klassikern wie "Rush", "Le Mans 66", "Grand Prix", "le Mans",Fluchtpunkt San Francisco" oder "Two Lane Blacktop". Brad Pitt überzeugt auf ganzer Linie - genauso wie bei seiner Oscar gekrönten Leistung in Tarantinos "Once upon a time in Hollywood".








Bewertung: 8,5 von 10 Punkten. 

Donnerstag, 26. März 2026

Ein einfacher Unfall










Regie: Jafar Panahi

Der Täter und seine Opfer...

Der politische Thriller "Ein einfacher Unfall" (internationaler Titel: It was just an accident) ist eine iranisch-französische-luxemburgische Coproduktion des Regisseurs Jafar Panahi, der mit internationalen Preisen überhäuft wurde. Der Film aus dem Jahr 2025 spielte immerhin 10 Millionen Dollar ein und gewann in Cannes die Goldene Palme, erhielt vier Golden Globe Nominierungen (Bestes Filmdrama, bester Auslandsfilm, beste Regie und bestes Drehbuch), drei Nominierungen für den Europäischen Filmpreis (Film, Regie; Drehbuch Jafar Panahi) sowie zwei Oscarnominierungen (bester internationaler Film aus Frankreich und bestes Drehbuch) . Ein Mann (Ebrahim Azizi) mit einer Beinprothese fährt nachts mit seiner Frau (Afssaneh Najmabadi) und Tochter (Delmaz Najafi) Auto, als er versehentlich einen Hund überfährt. Um sein Auto reparieren zu lassen, geht er in eine nahegelegene Werkstatt. Dort erkennt ihn Vahid (Vahid Mobasseri), ein aserbaidschanischer Automechaniker, an dem Geräusch seiner Prothese, nachdem Vahid mit seiner Mutter telefoniert hat. Am nächsten Tag folgt Vahid dem Mann, entführt ihn und versucht, ihn in der Wüste zu vergraben. Er behauptet, seine Stimme und seinen unsicheren Gang als die von Eghbal (Spitzname „Holzbein“), seinem ehemaligen Peiniger in einem iranischen Gefängnis, wiedererkannt zu haben. Der Mann bestreitet, Eghbal zu sein, und fleht Vahid an, ihn nicht zu töten. Er sagt, die Narben an seinem Bein seien neu, anders als bei Eghbal. Da Vahid an der Identität des Mannes zweifelt, legt er dessen bewusstlosen Körper in den Lieferwagen und sucht Salar (Georges Hashemzadeh) in einer Buchhandlung auf. Salar weigert sich, ihm bei der Identifizierung des Mannes zu helfen, verweist ihn aber an eine Fotografin namens Shiva (Mariam Afshari), die gerade Hochzeitsfotos von Goli (Hadis Pakbaten) und Ali (Majid Panahi)  macht, einem verlobten Paar, das am nächsten Tag heiraten soll. Shiva, die ihm nur widerwillig hilft, erkennt den Geruch des Mannes als den von Eghbal, ist sich aber aufgrund der Tatsache, dass ihnen während der Folter und der Verhöre die Augen verbunden wurden, seiner Identität nicht sicher. Goli gibt zu, ebenfalls von Eghbal gefoltert worden zu sein, kann seine Identität aber auch nicht bestätigen. Daher bitten sie Hamid (Mohamad Ali Elyasmehr), Shivas ehemaligen Partner, um Hilfe, indem sie ihren Gefangenen betäuben und ihm die Ohren zuhalten.Hamid identifiziert den Mann sofort als Eghbal, nachdem er seine Beine berührt hat, und besteht darauf, ihn sofort zu töten. Vahid und Shiva halten ihn jedoch zurück, da sie ihn zuerst aussagen hören wollen. Nach einigen Beratungen und Diskussionen landen sie schließlich in der Wüste. Ein Handy klingelt neben der Leiche des Mannes. Vahid nimmt ab und hört die Tochter des Mannes, die behauptet, ihre schwangere Mutter sei ohnmächtig geworden....





Dem iranischen Filmemacher Jafar Panahi gelang eine packende, sich langsam entwickelnde Erzählung, die in einem unerwartet erschütternden Finale gipfelt und die politischen Realitäten des Landes sichtbar werden lässt. Gerade jetzt im Frühjahr 2026 ist der Film aktuell wie nie. 
Mehr als 150 iranische Künstler und Aktivisten, darunter Kronprinz Reza Pahlavi im Exil und Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi, unterzeichneten eine öffentliche Erklärung, in der sie Panahi als „herausragenden und mutigen iranischen Filmemacher“ würdigten und ihm zu seinem Gewinn der Goldenen Palme gratulierten. Sie bezeichneten dies als Zeichen dafür, dass „engagierte Kunst und die Stimme der Wahrheit, selbst inmitten von Zensur und Druck, die Welt dazu bringen können, diese Leistungen zu bewundern. Diese Leistungen sind eine Ehre für alle Iraner, die für Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde kämpfen. Sehr klug und weise erweist sich die Dynamik der Geschichte, weil sie die Frage stellt, wie man über Verbrecher richten soll und dabei den Weg der Menschlichkeit und Gerechtigkeit nicht ausser Acht lässt. Doch in der letzten Einstellung stockt dann der Atem des Zuschauers...





Bewertung: 8 von 10 Punkten. 
 

Eddington















Regie: Ari Aster

Wahnsinnige neue Zeit...

Gleich zu Anfang entüuppt sich Ari Asters "Eddington" als traumatischer Rückblick auf die COVID-19-Pandemie und präsentiert mit Joe Cross, dem Sheriff einer Kleinstadt in New Mexico, einen überzeugten Maskenskeptiker. Doch viele weitere zeitgenössische Gesellschaftsprobleme kommen im Laufe der Handlung hinzu, bald geht es auch um die Gewalt der Polizei in Amerika (es ist die Zeit der George Floyd Proteste), es geht auch um Klimaprobleme, um Ausbeutung, um Verschwörungstheorien, um Rassismus und auch die Selbstgerechtigkeit meist junger, weißer Aktivisten erhält einen Platz in dieser Dynamik. Auch sexueller Missbrauch in der Kindheit mit Blick auf Opfer und Täter wird in Ari Asters Drehbuch verbraten. Dazu kommen noch einige Morde hinzu, die die Kleinstadt erschüttern und das Chaos noch chaotischer machen.  Ende Mai 2020 verhängt Bürgermeister Ted Garcia (Pedro Pascal) von Eddington, New Mexico, aufgrund der COVID-19-Pandemie einen Lockdown und setzt die Maskenpflicht gemäß den Anordnungen des Gouverneurs durch. Sheriff Joe Cross (Joaquin Phoenix) ist damit nicht einverstanden und argumentiert, die Maskenpflicht verletze die freie Wahl. Joe lebt mit seiner emotional labilen Frau Louise (Emma Stone) und deren Mutter Dawn (Deirdre O´Connell) zusammen, die Verschwörungstheorien anhängt. Nach Auseinandersetzungen mit Ted, der sich mit einem technologieorientierten Wahlkampf, der den Bau eines Rechenzentrums ermöglichen würde, zur Wiederwahl stellt, beschließt Joe, gegen ihn anzutreten – sehr zum Missfallen der zurückgezogen lebenden Louise. Er rekrutiert die Hilfssheriffs Guy (Luke Grimes) und Michael (Michael Ward) als Wahlkampfhelfer. Louise und Dawn laden den radikalen Sektenführer Vernon Jefferson Peak (Austin Butler) zum Abendessen ein, und während einer Diskussion über ihre Verschwörungstheorien zu Pädophilie und Kinderhandel deutet Louise an, dass ihr Vater sie missbraucht hat. Joe glaubt Vernons vorgeblicher Hintergrundgeschichte, die auf wiedererlangten Erinnerungen beruht, nicht. Unterdessen engagiert sich Teds Sohn Eric (Matt Gomez Hidaka) mit seinem Freund Brian (Cameron Mann) und der sozial engagierten Sarah (Amelie Hoeferle) bei Black-Lives-Matter-Protesten. Sarah versucht vergeblich, Michael für ihre Sache zu gewinnen. Um die Wahl zu seinen Gunsten zu beeinflussen, behauptet Joe bei einer Wahlkampfveranstaltung, Ted habe Louise sexuell belästigt. Nachdem sie die Anschuldigungen in einem Online-Video zurückgewiesen hat, verlässt sie mit Vernon die Stadt. Am nächsten Tag konfrontiert Joe Ted unter dem Vorwand einer Lärmbeschwerde während einer Spendenveranstaltung. Ted ohrfeigt Joe vor den Gästen der Veranstaltung. Am Abend erschießt Joe als erste wahnsinnige Handlung einen Obdachlosen und wirft dessen Leiche in einen nahegelegenen Fluss. Anschließend ermordet er Ted und Eric in ihrem Haus mit einem Gewehr mit Zielfernrohr und inszeniert den Tatort als Antifa-Angriff. Zur gleichen Zeit fliegt ein mysteriöser Privatjet mit schwer bewaffneten Terroristen an Bord in Richtung Eddington. Polizistin Butterfly Jimenez (William Belleau) vom Pueblo-Stamm schaltet sich in die Ermittlungen zu den Todesfällen ein, nachdem Joe auf Pueblo-Land mit seinem Gewehr geschossen hat. Joe schiebt Michael die Schuld in die Schuhe und sperrt ihn ein, um von den anderen abzulenken. Butterfly stellt jedoch Verbindungen her, die auf den Sheriff hinweisen....







Es wird aber noch chaotischer. Eine ungewöhnliche, aber auch überfrachtete Geschichte wird hier von Ari Aster präsentiert. Doch die Struktur wird etwas uneinheitlich und so richtig packt die Geschichte aufgrund der Überzeichnung nicht. Immerhin setzt sich "Eddington" mit der Spaltung der Gesellschaft auseinander, die auf dem gesamten Planeten zu spüren ist. Vielleicht kann es auch möglich sein, dass man diesen hier gezeigten unangenehmen und alltäglichen Wahnsinn gar nicht wahrhaben will, weil er uns bereits die Fähigkeit reduziert hat Wahrheiten zu erkennen und wir schon zu sehr abhängig von unserer digitalen Welt sind. Es ist eine Satire ohne Humor. Ein Horrorfilm ohne Schockeffekte. Ein Western ohne offensichtlichen Bösewicht. Ein Gesellschaftskommentar ohne moralischen Kompass.







Bewertung. 7 von 10 Punkten.