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Samstag, 22. Juli 2023

Das große Dings bei Brinks


 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: William Friedkin

Der Bankraub des Jahrhunderts...

"Das große Dings beim Brinks" gehört leider zu den weniger bekannten Filmen des Regisseurs William Friedkin (Der Exorzist, Cruising, Brennpunkt Brooklyn) und war auch beim Kinostart im Jahr 1978 ein finanzieller Flop. Dabei ist Friedkins Krimikomödie sehr authenisch und gelungen, man erinnert sich auch ein bisschen an den Filmhit "Der Clou" von George Roy Hill, der ein paar Jahre älter ist und einige Oscars absahnen konnte. Für Friedkins Film blieb es bei einer Nominierung, Dean Tavoularis wurde für sein klasse Szenenbild nominiert.
An der Kinokasse spielte "Das große Dings bei Brinks" nur etwas mehr als 14 Millionen Dollar ein.
Der Film basiert auf dem s.g. "Brinks Überfall" im Jahr 1950, der sich in Boston ereignete. Die Räuber stahlen Bargeld, Schecks und Staatspapiere im Wert von 2,7 Millionen Dollar.
Der kleine Bostoner Gauner Tony Pino (Peter Falk) versucht, sich einen Namen zu machen. Wann immer sie können, verüben er und seine fünf Mitarbeiter einen Raubüberfall, seine Frau Mary (Gena Rowlands) ist stolz auf ihren Mann. Tony stolpert über die Tatsache, dass die Sicherheitsmaßnahmen im Geldtransportunternehmen Brink's unglaublich lax sind. Er und seine Bande stehlen mühelos über 100.000 Dollar Bargeld aus einem geparkten Brink's-Panzerwagen. Um mehr herauszufinden, verkleidet sich Tony als Zündkerzenverkäufer, um einen Einblick in Brinks große und sogenannte "uneinnehmbare Festung“ Zentrale im North End der Stadt zu erhalten. Es wurde angenommen, dass das Unternehmen als private "Bank“ an der gesamten Ostküste über unantastbare Sicherheit verfügt. Drinnen erkennt Tony, dass Brink’s alles andere als eine Festung ist und dass die Mitarbeiter das Geld wie Mül“ behandeln. Tony ist immer noch misstrauisch gegenüber Brinks öffentlichem Image und bricht eines Nachts ein, nachdem er das Gebäude eingehüllt hat. Er stellt fest, dass nur zwei Türen im Gebäude verschlossen sind und eine davon leicht umgangen werden kann, indem man über ein Tor springt. Das Einzige, was im Gebäude verschlossen ist, ist der Tresor. Tony erkennt auch, dass es im Tresorraum selbst entgegen den Behauptungen von Brink nur einen 10-Cent-Alarm gibt, der kaum auszulösen ist. Offenbar hatte sich Brink's so sehr auf seinen Ruf verlassen, dass es sich nicht einmal die Mühe gemacht hatte, die Türen zu verschließen. Pino beginnt einen Raubüberfall zu planen und nutzt dabei das Dach eines Nachbargebäudes als Aussichtsplattform. Tony und sein düsterer Schwager Vinnie (Allen Garfield) stellen eine bunt zusammengewürfelte Diebesbande zusammen. Zu ihnen gehören der elegante Jazz Maffie (Paul Sorvino), ein Iwo-Jima-Veteran, Specs O'Keefe (Warren Oates) sowie seine Kumpel Sandy (Gerard Murphy) und Stanley (Kevin O´Connor). Trotz der Einwände der Crew bittet Pino auch den arroganten Hehler-/Spirituosenladenbesitzer Joe McGinnis (Peter Boyle) ein, bei der Arbeit mitzuhelfen. Am Abend des 17. Januar 1950 macht sich die Bande mit über 1,2 Millionen Dollar Bargeld sowie weiteren 1,5 Millionen Dollar an Wertpapieren und Schecks auf den Weg vom Tatort nach Hause. Die Polizei verhaftet die üblichen Verdächtigen und auf dem Höhepunkt der Kommunisten-Paranoia vermutet das FBI und Edgar Hoover (Sheldon Leonard), dass die rote Gefahr dahinter steckt...





Die Akteure wirken alle so gut aufgelegt, dass man sich als Zuschauer gerne von ihrem Optimismus anstecken lässt. Die Diebe werden später auch wie Helden gefeiert, auch wenn sie geschnappt wurden. Friedkin hat auch die komischen Anteile dieser Story über den "Bankraub des Jahrhunderts" sehr gekonnt herausgearbeitet, was einfach gute Laune macht. Auch Spannung und Rafinesse kommen nicht zu kurz.





Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Freitag, 13. Oktober 2017

Good Fellas

























Regie: Martin Scorsese

30 Jahre Gangsterleben...

"Solange ich denken kann, wollte ich immer Gangster werden" - dies ist der Leitspruch des Halbitalieners Henry Hill. Als Junge, aufgewachsen in den 50ern Jahren in Brooklyn, ist er total fasziniert von Leben der lokalen Mafiagrößen und von ihrem Lebensstil. Martin Scorsese kehrte mit dem Film "Good Fellas" in die verschworene Welt der Mobster zurück, die er bereits mit seinem 1973 inszenierten "Hexenkessel" betrat. Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit und zeigt Aufstieg und Fall einer Gangstertruppe, die der Cosa Nostra angehören.
Bei der Oscarverleihung zählten neben dem späteren Gewinner "Der mit dem Wolf tanzt" auch zwei Mafiaepen zu den Favoriten. Der eine war der langersehnte dritte Teil des Paten, der zweite Martin Scorseses nüchterner, aber ebenso spannender Verwandter. Insgesamt 6 Nominierungen fielen ab: Bester Film, beste Regie, beste Nebendarstellerin Lorraine Braco, Bester Nebendarsteller Joe Pesci, bester schnitt und bestes Drehbuch. Aber lediglich Joe Pesci war siegreich. Und dies völlig berechtigt, denn auch wenn Robert de Niro wie gewohnt brilliant den Gangster gibt, ist es doch Pescis Figur Tommy, die beinahe allen die Schau stielt. Pesci ist geradezu überwältigend als haltloser Psychopath, dessen großes Ziel es ist bei den ganz Oberen der Familie aufgenommen zu werden.
Erzählt wird aber vor allem die Geschichte von Henry Hill. Schon als 11jähriger Halbitaliener (Christopher Serrone) träumt er von einer Karriere als Krimineller. Er bricht die Schule ab und verschafft sich erste Botengänge bei der Lucchese Familie und wird tatsächlich von ihrem Kopf Paulie Cicero (Paul Sorvino) protegiert. So beginnt sein Aufstieg bei der Mafia. Er lernt dabei auch sein Idol Jimmy the Gent Conway (Robert de Niro) kennen, der zu seinem besten Freund und Mentor wird. Natürlich wird der Youngster irgendwann erwischt, doch er hält dicht und verrät keinen der Familie. Damit ist der Grundstein gelegt ein erfolgreicher Mobster zu werden, integriert in eine einflussreiche Gangsterfamilie, die mit ihrem Feinden keine Gnade walten lässt. 10 Jahre später ist aus dem pfiffigen Jungen ein rücksichtsloser Gangster (Ray Liotta) geworden.  Neben Jimmy ist auch der durchgeknallte Tommy DeVito (Joe Pesci) sein Freund, der immer wieder von Null auf Hundert fiese Wutausbrüche bekommt, die ihn für seine Umbebung unberechenbar machen. Geld haben die Jungs immer. Kein Wunder, denn sie finanzieren sich mit lukrativen Diebstählen, Einbrüchen und mit effektiven Schutzgelderpressungen. Durch Tommy lernt Henry auch seine spätere Frau Karen (Lorraine Braco) kennen. Ein attraktives jüdisches Mädchen aus gut bürgerlichem Hause, die aber auch fasziniert ist vom Lebensstil ihres Mannes und deshalb im Laufe der Jahre auch zu einer gewissen Komplizin ihres Mannes wird. Am Ende der Geschichte steht aber der tiefe Fall von Henrys Gangstertum und damit auch der Bruch mit der "Familie"...




Kameramann Michael Ballhaus begeistert mit einer nüchternen Optik und zeigt durchweg gelungene Bilder der verschiedenen Dekaden, angefangen von den 50s bis hin zu den 80ern. Somit ist auch der Soundtrack ein buntes chronologisches Panorama geworden und Scoreses gelingt es fast zweieinhalb Stunden Spannung und Faszination auf hoher Stufe zu halten. "Good Fellas" gilt inzwischen als einer der besten Filme von Martin Scorsese. Das American Film Institute wählte Scorseses Maifaepos sowohl 1998 als auch 2007 in die Liste der 100 besten amerikanischen Filme aller Zeiten. Bei den Filmfans steht "Good Fellas" fast genauso hoch im Kurs wie "Taxi Driver" oder "Raging Bull".






Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.