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Donnerstag, 8. Juli 2021

Die Jury


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Regie: Joel Schumacher

Selbstjustiz...

Beim Publikum gilt "Die Jury" von Joel Schumacher als einer der besten Grisham Verfilmungen. Das Budget war 40 Millionen Dollar hoch, das weltweite Kassenergebnis fiel mit 152 Millionen Dollar beträchtlich aus. Auch Kritikerpapst Roger Ebert fand den Film sehr gelungen und die schauspielerischen Darbietungen sehr stark und überzeugend. Dem kann ich zwar anschließen, allerdings mag ich den Film nicht besonders. Vielleicht liegt es an der Thematik, jedenfalls hinterlässt der Film bei mir einen leichten negativen Beigeschmack. Vordergründig geht es in diesem Südstaaten-Justizthriller um den Rassenkonflikt, aber mehr und mehr entwickelt sich daraus eine Legitimation für Selbstjustiz. Ähnlich irritierend fand ich auch Alan Parkers Justizkrimi "Das Leben des David Gale", den ich aber noch misslungener finde wie Schumachers Film. Grisham selbst war aber von der Verfilmung seiner "Jury" sehr angetan.
In der Stadt Canton, Mississippi, geschieht ein furchtbares Verbrechen an einer zehnjährigen Afroamerikanerin. Die leine Tonya Hailey (Rae´ven Larrymore Kelly) wird von zwei einheimischen Weißen brutal vergewaltigt. Sie hat Glück, dass sie dieses Verbrechen überlebte. Schnell werden die beiden Täter Billy Ray Cobb (Nicky Katt) und James Willard (Doug Huchinson) gefasst. Doch werden sie im Süden der USA auch vor Gericht eine gerechte Strafe für ihr gemeines Verbrechen bekommen. Tonyas Vater Carl Lee Hailey (Samuel L. Jackson) findet, dass für die beiden Verbrecher nur eine Strafe in Betracht kommt. Sie sollen mit dem Leben dafür bezahlen. Carl befürchtet zu Recht, dass sie aufgrund ihrer weißen Hautfarbe mit einer milden Strafe davon kommen könnten. Er holt sich Rat beim Anwalt Jake Tyler Brigance (Matthew MacConaughy) und kündigt diesem bereits an, dass er selbst für Gerechtigkeit sorgen wird. Am Tag des ersten Gerichtstermin kommt es dann auch zu einem regelrechten Blutbad. Carl stürmt das Gerichtsgebäude mit einem M16 Sturmgewehr und durchlöcher die beiden Angeklagten. Deputy Dwayne Powell Loney (Chris Cooper) wird bei der Schießerei schwer verletzt und landet auf der Intensivstation im Krankenhaus. Durch diese Tat kommt Carl nun selbst auf die Anklagebank und hat beste Aussichten die Todesstrafe zu erhalten. Brigance übernimmt den Fall, wird aber bald in die daraus resultierenden Rassenunruhen mit hineingezogen, denn der Ku Klux Klan wird aktiv und bedroht auch Brigances Familie (Ashley Judd spielt seine Ehefrau Carla)....




In weiteren Rollen als engagierte Jurastudentin Ellen Roark ist Sandra Bullock zu sehen. Vater und sohn Sutherland spielen mit und Kevin Spacey agiert als Staatsanwalt Rufus Buckley, der den Angeklagten in der Gaskammer sehen will. Oscarpreisträgerin Brenda Fricker spielt die Rechtsanwaltgehilfin Ethel Twitty und auch Oliver Platt unterstützt MacConaughey tatkräftig. Samuel L. Jackson wurde für seine Rolle als bester Schauspieler für den Golden Globe nominiert.





Bewertung: 5 von 10 Punkten.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

L.A. Crash


Regie: Paul Haggis

Paul Haggis wurde bereits 2004 mit seinem Drehbuch zu "Million Dollar Baby" für einen Oscar nominiert. Bereits ein Jahr später gewann der den begehrtesten Filmpreis der Welt. Er wurde ausgezeichnet für das beste Originaldrehbuch zu seinem Regiedebüt "L. A. Crash" (heißt im Original einfach "Crash"). Der Film wurde mit zwei weiteren Academy Awards ausgezeichnet, einmal für den Hauptpreis "Bester Film" und für den besten Filmschnitt. Damit warf er als Überraschungssieger den großen Favoriten "Brokeback Mountain" aus dem Rennen.
Haggis war 35 Jahre lange Mitglied von Scientology und hatte sogar die höchste Stufe der Organisation "Operating Theatan VII" erreicht, beendete aber im Jahr 2009 seine Mitgliedschaft. Grund war die negative Haltung der Gemeinschaft gegenüber Homosexuellen und Lesben. In "Crash" spürt man diesen damaligen Einfluß ein bisschen. "Crash" selbst hatte zwar gute Kritiken, doch mit seinem Gewinn verstärkte sich die Kritik an dem Oscarsieger. Einige sprachen vom schlechtesten Oscarsieger aller Zeiten, sie empfanden den Film zu klischeehaft und melodramatisch. Tatsächlich spielt Haggis mit vorhandenen Klischees und treibt die auch stellenweise auf die Spitze und das Ende, wenn Anthony (Chris Bridges) die kambodschanischen Flüchtlinge in die Freiheit setzt und diese Menschen mit Erstaunen den Reichtum von Los Angeles wahrnehmen, ist tatsächlich zu übertrieben.
Ich habe den Film bisher dreimal angesehen und jedes Mal hatte ich wieder einen anderen Gesamteindruck. Bei ersten Mal fand ich dieses Zusammenfügen der einzelnen Episoden sehr geglückt, war sehr angetan und ordete "Crash" in die Nähe von Altmans "Short Cuts" ein. Beim zweiten Mal war ich erschrocken, wie schwach ich den Film diesmal fand und nun nach dem dritten Mal tendiere ich zur Mitte: Es gibt sehr viel Licht, aber auch etwas Schatten.
 Die Handlung spielt in der 12,8 Millionen Einwohner-Metropole und zeigt im Verlauf seiner Handlung ein paar Autocrashs, aber auch menschliche Begegnungen, die man durchaus als "Crash" bezeichnen darf. So wird auf die Distanz und auf die Nähe der Menschen untereinander Bezug genommen.
So wird der Bezirksstaatsanwalt Cabot (Brendan Fraser) in Begleitung seiner Frau Jean (Sandra Bullock) von zwei Afroamerikanern (Chris Bridges sowie Larenz Tate als Peter) auf belegter Straße überfallen. Das Auto wird den Opfern gestohlen und mit diesem Wagen gehts unglücklich weiter, denn aus Versehen überfahren die beiden Deliquenten einen koreanischen Passanten.
Auch L.A. beheimatet verschiedendste Nationen. Der Ladenbesitzer Farhad (Shaun Toub) stammt aus Persien, spricht nur sehr schlecht englisch und kauft sich eine Waffe, weil der Laden schon oft überfallen wurde. Daniel (Michael Pena) ist der Mann, der sein Schloß repariert, doch der merkt, dass die ganze Tür ausgewechselt werden muss. Darauf geht der äusserst verärgerte Farhad überhaupt nicht ein, wütend trennen sich die Männer, ohne das Farhad die Dienste des Schlüsseldienst bezahlt.
Auch die Polizei hat in der Großstadt sehr viel zu tun. Detective Graham Waters (Don Cheadle) und seine aus Mexiko stammende Kollegin Ria (Jennifer Esposito) sind gerade dabei einen Auffahrunfall aufzunehmen. Der Streifenpolizist Ryan (Matt Dillon) macht mit seinem jungen Kollegen Hansen (Ryan Philippe) Streifendienst. Aus Frust wegen seinem kranken Vater wird die nächste Verkehrskontrolle, die Ryan macht, zum Desaster für die Insassen eines Wagens, der zunächst ausgesehen hat wie der gestohlene Wagen des Bezirksstaatsanwalts. Der dunkelhäutige Regisseur Cameron (Terrence Howard) und seine etwas angetrunkene attraktive Frau Christine (Thandie Newton) müssen übelste Schikanen des weißen Polizisten über sich ergehen lassen, der die Frau bei seiner Durchsuchung unverholen sexuelle belästigt. Sein Kollege ist angewidert, lässt es aber geschehen. Am nächsten Tag erzählt er dies seinem dunkelhäutigen Vorgesetzten, der ihm rät, die Sache nicht aufzubauschen sondern einen driftigen privaten Grund vorschieben soll, damit er alleine auf Streife fahren kann...





Im Laufe der Geschichte brechen Aggressionen und Gewalt immer mehr durch, aufgrund der verschiedenen Kollisionen von Mensch zu Mensch. Es gibt Autojagden zwischen Polizei und Verdächtigen sowie ein Autounfall, bei dem einer der Wagen in Flammen aufgeht. Daniels kleine Tochter Lara (Ashlyn Sanchez) entgeht einer Pistolenkugel nur knapp - ein magischer Schutzanzug spielt in dieser Sequenz eine wichtige Rolle und der junge Hansen nimmt einen schwarzen Passanten (einer der Autodiebe) per Anhalter mit. Trotz gutem Willen beiderseits eskaliert die Situation im Wagen und es fällt dann tatsächlich ein tödlicher Schuß.
Später findet Graham Waters, der diesen Unfall untersucht, eine Madonna auf dem Boden. Es ist die Madonna seines Bruders Peter, der mit seinem Freund Anthony immer mehr ins kriminelle Milieu abdriftete.
Insgesamt wirkt "Crash" sehr bedrückend und nur bedingt hoffnungslos. Er zeigt aber sowohl die stärken als auch die Schwächer der Protagonisten und da sie "gut" genauso gut könnten wie "schlecht" gibts noch Hoffnung in der Metropole, wo es dauernd crasht und das reinste Chaos herrscht. Man möchte zwar meinen in einer Millionenmetropole wird man sich nie mehr finden, wenn man sich verliert, doch hier herrscht das Motto "man trifft sich immer zweimal" und so ist das Geflecht an Menschen, die Haggis hier skizziert, beinahe magisch miteinander verwoben, denn sie begegnen sich manchmal erneut. Es wird viel über Rassismus gezeigt, doch Sandra Bullock als Jean sagt noch einen bedeutenden Satz "ich glaube ich fühle mich nicht schlecht wegen dieses Überfalls, es muss noch was anderes sein". Eine Andeutung über die Unzufriedenheit unserer Zeit.




Bewertung: 8 von 10 Punkten.