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Sonntag, 8. Mai 2022

Der Tag der Eule


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Damiano Damiani

Die Macht der Mafia...

Damiano Damiani hat in den Genres des Italowestern sowie des Mafiathrillers einige richtungsweisende Filme gedreht. Sein bester Spaghettiwestern ist der 1967 entstandene "Töte Amigo". Im Jahr 1975 drehte er mit "Nobody ist der Größte" einen weiteren sehr erfolgreichen Film dieser Sparte. Allerdings sind seine ab den späten 60er Jahren entstandene Mafiafilme noch nachhaltiger im Gedächtnis geblieben. Für den 1971 entstandenen "Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert" erhielt er sogar den Etoile de Crystal als bester Auslandsfilm des Jahres. Die Filme "Das Verfahren ist eingestellt, vergessen sie´s", "Girolimoni, das Ungeheuer von Rom", "Warum musste Staatsanwalt Traini sterben" und "Der Tag der Eule" sind von gleicher guter Qualität. "Der Tag der Eule" entstand nach dem gleichnamigen Roman von Leonardo Sciascia dessen Kriminalromane häufig in seiner sizilianischen Heimat spielen und die Macht der Mafia thematisieren. Bebildert wurde der Film von Tonino delli Colli, der die heiße Landschaft von Sizilien perfekt einfängt. Für die Hauptrollen wurden Claudia Cardinale, Franco Nero und Lee J. Cobb verpflichtet. Ein wunderschöner heißer Sommertag. Und leider auch ein schöner Tag zum Steben. Salvatore Colasberna, der Mitbegründer einer örtlichen Baugenossenschaft, ist bereits am frühen Morgen unterwegs in seinem Lastwagen und fährt vergnügt auf der Landstraße. Doch es wartet bereits versteckt ein Heckenschütze auf den Mann. Mit einem gezielten Schuß verletzt er den Fahrer, dessen Wagen zuerst zum Stehen kommt und dann langsam die straße wieder herunterrollt. Schwerverletzt kann sich Colasberna aus dem Wagen befreien, er schreit um Hilfe, denn auf der Anhöhe - keine 100 Meter von ihm entfernt - stehen Häuser. Doch bevor ihm jemand helfen kann, schießt der Schütze erneut auf ihn. Der Mann stirbt auf der Straße. Mit den Ermittlungen wird der von Norditalien aus Parma zugezogene Carabinieri Capitano Bellodi (Franco Nero) hinzugezogen. Sehr schnell ist für ihn klar, dass die Mafia dahinterstecken muss, denn der Tote war ein Mann, der sich geweigert hat mit der Organisation zusammenzuarbeiten. Interessanterweise ist auch der Baumschneider Paolo Nicolosi verschwunden, der nicht weit vom Tatort mit seiner Frau Rosa (Claudia Cardinale) und der kleinen Tochter wohnt. Im Ort wird gemunkelt, dass das Tatmotiv Eifersucht sein müsste. Es wird behauptet, dass Rosa ein Verhältnis mit dem Toten hatte und ihr Mann sei nun flüchtig. Nur gut, dass Bellodi bei seiner ersten Einschätzung bleibt, er geht davon aus, dass auch Nicolosi als zufälliger Zeuge des Mordes ebenfalls ermordet worden ist. Gekonnt versucht er zwei dubiose Verdächtige (Nehemiah Persoff/Tano Cimarosa) gegeneinander auszuspielen. Auch der Spitzel Parrieniedu (Serge Reggiani) könnte wertvolle Hinweise haben. Sein Ziel ist es den mächtigen Paten Don Mariano Arena (Lee J. Cobb) als Auftraggeber für diesen Mord zu entlarven....






Dabei zeigt Damiani eindrücklich die große Macht der Mafia. Denn obwohl die Ermittlungen des Carabinieri sehr gründlich sind, zeigt sich am Ende, dass die Organisation bestens mit Politik und Wirtschaft verbunden ist und dass die Verstrickungen bis ganz nach Oben reichen. Das Ende ist daher sehr ernüchternd, aber durchaus realistisch. 1968 wurde "Der Tag der Eule" mit dem italienischen Filmpreis David di Donatello als bester Film des Jahres ausgezeichnet.





Bewertung. 8 von 10 Punkten.

Freitag, 7. Dezember 2012

Lawman


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Michael Winner

Gesetz und Ordnung...

 Kritikerpapst Roger Ebert bezeichnete den Briten Michael Winner als eher mittelmässigen Regisseur, der allerdings durch einen konsequenten Stil auffällt. Mit letzterem hat er sicherlich Recht und inzwischen urteilt man vielleicht über sein Können als Filmemacher etwas besser, denn immerhin gehen einige überragende Genreklassiker der 70er Jahre auf sein Konto: Kalter Hauch, Ein Mann sieht rot, Chatos Land...allesamt veredelt durch die Präsenz vom großartigen Charles Bronson.
Aber auch Burt Lancaster gehörte zu Winners bevorzugten Darstellern. Mit Burt Lancaster drehte er "Scorpio, der Killer" und den 71er Spätwestern "Lawman".
Der reiche Rancher Vincent Bronson (Lee J. Cobb)  hat gemeinsam mit seinen treu ergebenen Cowboys einen Viehtransport aus dem aufstrebenden Städtchen Sabbath über den Kiowa gebracht. Auf dem Rückweg kommen sie in der Kleinstadt Bannock vorbei, einige seiner Männer betrinken sich sinnlos im Saloon und  schießen im Rausch wild um sich, verursachen einen Häuserbrand und töten dabei - eher aus Versehen - einen alten Mann. Wochen danach reitet Marshall Jered Maddox mit der Leiche eines der gesuchten Männern und Haftbefehlen für die Männer Vernon Adams (Robert Duvall), Jack Dekker (Ralph Waite), Harvey Stenbaugh (Albert Salmi) und Hurd Price (J.D. Cannon) nach Sabbath.
Die Bürger der Stadt sind vom Rancher Bronson alle abhängig, er ist der Geldgeber und Patriarch der Stadt.
Selbst Sheriff Cotton Ryan (Robert Ryan) sitzt nur deshalb auf diesem Posten, weil Bronson es so will.
Sein ein und alles ist sein Sohn Jason (John Beck) und Ziehsohn Harvey Stenbaugh, der auch per Haftbefehl gesucht wird.
Bronson will mit dem "Lawman" Maddox verhandeln, er bereut die Tat seiner Männer und hofft, dass das Prinzip "Geben-Nehmen" auch bei Maddox zieht. Doch der Gesetzeshüter ist ein knallharter Prinzipienvertreter und in keiner Weise käuflich. Er zieht seine Mission ohne Gnade durch, auch seine ehemalige Geliebte Laura (Sheree North) kann seine harte Gangart dem Gesetz alles unterzuordnen nicht verändern. Sie ist inzwischen mit einem der gesuchten Männer verheiratet. Die Situation droht zu eskalieren: Bronsons Männer wollen mit der Pistole regeln, die Bürger von Sabbath möchten den furchteinflössenden Gesetzeshüter ebenfalls - egal wie - loswerden. Es gibt erste Tote...



Michael Winner inszenierte seinen "Lawman" als eine Art Mischung aus klassischer Machart und des Italowesterns.
Dabei ist ihm ein sehr spannender Genrebeitrag gelungen, der vor allem durch die drei glänzend aufspielenden Stars Lancaster, Ryan und Cobb auffällt. Auch die Nebenrollen sind mit Darstellern wie Albert Salmi, Robert Duvall, J. D. Cannon, John McGiver, Jospeh Wiseman, Richard Jordan, Ralph Waite oder John Beck sehr gut besetzt. Dabei wird das im Genre gängige und beliebte Gut und Böse Schema gehörig auf den Kopf gestellt. Der Film zeigt vielmehr gezeichnete Männer, die ihre besten Jahre schon erlebt haben und die durch die Pionierzeit geprägt wurden.
Maddox erscheint zuerst als geradliniger, gesetzestreuer Marshall, der persönliche Bedürfnisse unter das Gesetz stellt. Im Laufe der Handlung wird aus dieser vermeintlichen Tugend eine üble Besessenheit bis der Showdown sogar ein noch weitaus erschreckenderes Gesicht unter der Maske offenbart.
Sein Berufskollege Cotton Ryan ist ein heruntergekommener Mann, den seine eigenen Korruptheit anwidert, sie jedoch nicht aufgeben kann, weil sie Vorteile bringt. Erst nach und nach erinnert er sich an seinen ehemals aufrechten Charakter und handelt ein bisschen danach.
Bronson ist der typische Patriarch, ein Mann der das weite Land nur gewinnen konnte, indem er gegen Indianer und viele andere Feinde siegreich war. Ein Mann, der die ganze Stadt beherrscht, aber im Grunde seines Herzens ein Menschenfreund ist. In einer schönen Sequenz steht er nachts unter dem Sternenhimmel vor seinem Land und erinnert sich an früher und schwärmt seinem Gegenüber, dem unbesonnenen Cowboy Choctaw Lee (William Watson), vom großartigen Volk der Komantschen. Er solle nie glauben, dass die Indianer hinterhältig und böse waren.
"Lawman" ist durch dieses besondere Augenmerk auf den Charakter der Männer ein klasse Western und eine klare Empfehlung.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.