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Montag, 10. Juli 2023

Kids - In den Straßen von New York


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Dito Montiel

Zurück in die Vergangenheit....

" A guide to Recognizing your saints" aus dem Jahr 2006 ist ein Film von Dito Montiel, der auch das zu Grunde liegende Buch schrieb. Montiel schrieb seinen autobiographischen Roman drei Jahre zuvor, das Buch wurde in den USA ein Bestseller. Auf Zelluloid gefällt der Film und ist eine glaubwürdige Milieu- und Jugendstudie.
Dabei spielt Montiels Film auf zwei verschiedenen Zeitebenen. Eine davon im Hier und Jetzt, also im Jahr 2003 - Dito Montiel (Robert Downey jr) ist inzwischen ein erfolgreicher Schriftsteller geworden - immer unterbrochen durch Rückblenden, die dem Zuschauer einen Einblick in die Ereignisse des Jahres 1986 geben. Zu dieser Zeit lebt der junge Dito (Shia LaBeouf) bei seinen Eltern, den puerto ricanischen Einwanderern Monty (Chazz Palminteri) und Flori Montiel (Dianne Wiest) im New Yorker Stadtteil Astoria.
Dito fühlt sich im Viertel nicht wohl, er wurde gerne - ganz wonanders - einen Neubeginn startet. Verliebt ist er in die hübsche Laurie (Melonie Diaz, später Rosario Dawson).
Meistens hängt Dito mit seinen Freunden ab: Antonio (Channing Tatum), ein übermütiger, unberechenbarer Junge mit einem misshandelnden Vater. Er ist der Beschützer von Dito, denn der wird vom puertoricanischen Gangmitglied Reaper (Michael Rivera) immer wieder bedroht und verprügelt.
Der Zuschauer lernt dann Antonios jüngeren Bruder Giuseppe (Adam Scarimbolo) kennen - rücksichtslos, zerstörerisch und möglicherweise etwas irre. Das Boys-Quartett wird von Nerf (Peter Tambakis, später Scott Campbell) komplettiert.
Mike O'Shea (Martin Compston), ein weiterer Freund von Dito, ist ein schottischer Junge, den Dito in der Schule kennenlernt und der davon träumte, Musiker zu werden. Mike und Dito planen, mit einem Bus nach Kalifornien zu fahren. Sie arbeiten für einen schwulen Drogenabhängigen Frank (Anthony deSanto), der Hunde ausführt. Die darauffolgenden  Ereignisse dieser Zeit führen dazu, dass Dito seiner Heimat den Rücken kehrt und nicht wiederkommt...bis ein Anruf seiner Mom ihn dazu bringt wieder nach Hause zu kommen. Der Vater ist schwer krank und weigert sich ins Krankenhaus zu gehen. Kann Dito ihn vielleicht zu diesem Schritt bewegen ?




Zunächst war Montiel im Zweifel wegen Hauptdarseller Shia LaBeouf. Er hielt den Schauspieler für zu glatt und sah in ihm nur den "Disney Typ". Doch LaBeouf wollte die Rolle und legte sich beim Casting so ins Zeug, dass er alle Überzeugte. Und er gibt auch auf der Leinwand eine überzeugende Darstellung, was auch für alle Youngsters gilt. Der Film lebt durch seine authentischen Rückblenden, die zusätzlich durch eine gewisse Handkameraoptik authentisch überzeugend sind. Am Ende kommt es dazu, dass sich die Hauptfigur endlich seiner Verantwortung und seiner Vergangenheit stellt.
 




Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Montag, 28. Dezember 2020

Peanut Butter Falcon


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Tyler Nilson und Michael Scwhartz

Zwei auf gemeinsamem Weg...

Die Regisseure der Tragikomödie "Peanut Butter Falcon" sind Tyler Nilson und Michael Schwartz. Dem Duo gelang mit diesem Independentfilm gleich ein Volltreffer. Das Budget lag bei 6,2 Millionen Dollar - eingespielt hat der Film aber bislang 23,3 Millionen Dollar.
Thema des Films ist das Down Syndrom und Zack Gottsagen spielt die Haupt- und Titelrolle. Der junge Mann, der am Down Syndrom erkrankt ist, Zac heißt und ein riesiger Wrestling Fan ist. Im Laufe der Geschichte kann er sich möglicherweise Träume erfüllen. Einer davon ist als Wrestling Star in der Arena zu stehen und so fällt ihm sein Künstlername "Peanut Butter Falcon" ein.
Die Regisseure wollten für den Soundtrack typisch amerikanische Musik haben, so vereint dieser die Stilrichtungen Folk, Bluegrass und Spirituals zu einer sehr zeitlosen und atmosphärischen Einheit.
Zak hat keine Eltern mehr und so wird ein 22jähriger Mann mit Down Syndrom von der Fürsorge einfach in ein Altersheim gesteckt. Dort ist er nicht glücklich, versteht sich aber mit seinem Zimmergenossen Carl (Bruce Dern) sehr gut. Ausserdem hat er mit Eleanor (Dakota Johnson), seiner Pflegerin eine besonders emphatische Betreuerin. Doch im Altersheim ist Zak ein Problem - er büchst regelmässig aus. Zaks großer Traum ist es sich unter der Anleitung seines Idols Saltwater Redneck (Thomas Haden Church) zum professionellen Wrestler ausbilden zu lassen. Aber stattdessen versauert er sein junges Leben im Altersheim, wo nichts erlaubt ist was richtig Spass macht. Er flüchtet erneut - und lernt zufällig den ebenfalls flüchtigen Tyler (Shia LaBoeuf) kennen. Der junge Fischer leidet unter dem Tod seines größeren Bruders und hat auch noch seine Stelle wegen illegaler Krabenfänge verloren. Er wird auch noch von zwei Konkurrenten verfolgt, weil er deren lebenswichtige Ausrüstung in einem Wutanfall verbrannt hat. Beim ersten Treffen mit Zak hat dieser nichts an außer seiner Unterhose. Das Schicksal will es, dass die beiden jungen Männer zusammen weiterreisen. Sie wählen den Wasserweg. Ziel wird tatsächlich irgendwann die Wrestling Schule und irgendwann reisen sie auch zu dritt, denn Eleanor findet die Beiden...




Am Ende zeigt dieses Feel Good Movie wie stark Zak wirklich ist - sowohl im Ring als auch mental. Das Ende deutet auch auf eine Verbesserung seiner Lebensqualität hin. Gute Schauspielerleistungen verstärken den guten Eindruck dieses Films, der völlig ohne Kitsch oder Klischees auskommt. Die Figuren wirken echt. Alles strahlt eine schöne Warmherzigkeit aus.




Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Dienstag, 5. Dezember 2017

American Honey

























Regie: Andrea Arnold

Neues vom amerikanischen Traum...

2016 belegte das 2009 gedrehte britische Drama "Fish Tank" von Andrea Arnold bei einer Umfrage der BBC zu den bedeutendsten Filmen des 21. Jahrhunderts den 65. Platz.  Die Regisseurin lässt sich sehr viel Zeit für ihre Filmprojekte. Nach einem nicht ganz so erfolgreichen Ausflug ins Fach des Historienfilm mit Emily Brontes "Wuthering Heights" im Jahr 2011, gelang ihr mit dem schrägen Roadmovie "American Honey" ein weiterer Treffer.
Wie in "Fish Tank" ist die Hauptfigur eine junge und starke Frau, die aber in einer dreckigen Umgebung ihr Leben lebt. Die 18jährige Star (Sasha Lane) lebt bei ihrem Stiefvater (Johnny Pierce II) und ihren beiden wesentlich jüngeren Halbgeschwistern. In der ersten Szene sieht man Star und die beiden Kids, wie sie Mülltonnen eines Einkaufszentrums nach was Essbarem absuchen. Am Abend macht sich dann "Daddy" an sie heran. Dies führt dann zur Entscheidung das Angebot anzunehmen Mitglied einer Drückerkolonne zu werden. Ein bisschen dazu beigetragen hat auch der smarte Anführer Jake (Shia LaBeouf) der Meute, den sie im Einkaufszentrum Walmart kennengelernt hat und der ihr sofort gefiel. Auch der Typ hat mir ihr geflirtet und sogleich das Angebot gemacht, dass sie einen Job haben könnte. Sie müsse aber ungebunden sein und sozusagen auf Tournee gehen, um Zeitschriften zu verkaufen. Bei ihrer Mom (Chasity Hunsaker) gibt sie die beiden Geschwister ab und dann ab ins Abenteuer. Auf in den amerikanischen Traum. Als Chefin stellt sich die zickige Krystal (Riley Keough) für die Teenager wie Pagan (Arielle Holmes), Corey (McCaul Lombardi), Billy (Chad Cox), Austin (Garry Howell), Sean (Kenneth Kory Tucker), JJ (Raymond Coalson), Kalium (Isaiah Stone), Runt (Dakota Powers), Shaunte (Shawna Rae Moseley), Katness (Crystal Ice) oder QT (Veronica Etzell) arbeiten. Dabei fungiert das charismatische Verkäufertalent Jake als Art Leitwolf, der die Gruppe bestens motivieren kann. Wenn er "We found love in a hopeless place" von Rihanna anstimmt, dann hat er alle im Griff und weiß, dass jeder der beste beim Verkaufen von Zeitschriften sein will, die keiner braucht.
Von ihrer Heimat Oklahoma startet Stars Abenteuer im Mittleren Westen. Tagsüber ist hartes Arbeiten angesagt. Jeder muss bei Haustürgeschäften den größtmöglichen Erfolg ansteuern. Am Abend gehts dann ans Feiern. Krystal, die Chefin, mietet dafür einige Zimmer in billigen Motels. Natürlich beginnt auch eine heiße Affäre mit Jake. Aber das muss natürlich geheim bleiben, weil Liebschaften untereinander verboten sind...




Ein bisschen erinnert das Szenario in "American Honey" an Charles Dickes "Olver Twist" und die kühle Krystal erweist sich als knallharte Geldschefflerin ala Fagin. Sie selbst lässt sich im Cabrio von Jake fahren, die anderen fahren im Bus.
Dabei zeigt Shia LaBeouf, bekannt aus dem Transformern Filmen, sein schauspielerisches Talent. Seine Figur Jake erscheint extrem umtriebig, sehr selbstbewusst - ist aber im Kern total unsicher, wie sich im Lauf der Handlung immer mehr herausstellt. Star, sehr gut gespielt von Neuling Sasha Lane, hat auch noch nicht ihren Platz im Leben gefunden. Sie ist eine starke Persönlichkeit, aber das muss sie erst noch selbst herausfinden. Sie reift aber im Laufe der Geschichte. Sehr signifikant die Szenen, in denen sie ein Insekt entweder vor dem Ertrinken vor dem Einsperren rettet, indem sie dem Tier den Weg zum Fenster frei macht.
"American Honey" ist in seinen Schilderungen knallhart, es geht dabei darum, dass man im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, immer noch schnelles Geld machen kann. Die schlechtesten Verlierer lässt Krystle am Wochenende im Faustkampf gegeneinander antreten. So ist immer auch für eine drastische Form der Motivation gesorgt.
Der zutiefst beeindruckende Film über das Harte Leben der Drückerkolonnen zeigt ausserdem welchen Preis man zahlen muss für diesen immer noch existierenden amerikanischen Traum. Man muss aber bereit sein, Dinge zu tun, die man lieber verschweigt. Der Film dauert 163 Minuten und wirkt phasenweise wie ein Sog. Am Ende darf gerätselt werden, wie Stars Leben weitergeht. Taucht sie ein in eine neue bessere Erfahrung oder lässt sie sich weiter vom Strudel der Kolonne mitreißen ?





Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Donnerstag, 25. Juni 2015

Herz aus Stahl

























Regie: David Ayer

Gemeinsam im Panzer...

"Fury" so hat eine Panzerbesatzung der US-2nd armored Division ihren Sherman Panzer getauft und so heißt auch der Film von David Ayer im Original. In Deutschland wurde er in "Herz aus Stahl" unbenannt, ein Film-Name, der vor allem auf den Widerspruch der Gefühle Bezug nimmt, von denen der Film handelt. Ayers Film ist zwar lange nicht so tiefgreifend und philosophisch fundiert wie die besten Genre-Verwandten "Apocalypse Now", "Der schmale Grat" oder "Die durch die Hölle gehen". Aber dafür hat er einen erstklassigen Genrefilm um das Thema "Helden" gemacht, sogar mit einem überaus bissigen Kommentar.
Denn um "Held" zu sein, muss man zuerst zum "Mörder" werden und dann - wenn die Verrohrung eingesetzt hat und die alte Persönlichkeit zum Teufel gejagt wurde, dann kann man diesen verdammten Krieg gewinnen.
"Herz aus Stahl" spielt in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs in Deutschland. So gesehen zeigt uns Ayer die amerikanische Gegenseite zu Bernhard Wickis tragischen Helden aus "Die Brücke", als 15jährige Schüler als letzte Bastion im Volkssturm ein letztes Aufbegehren demonstrieren sollen. In Ayers Film werden diese Kindersoldaten in einer der Szenen von den Ami-Panzertruppen abgeschossen. Es ist auch die letzte, aber überaus lebensgefährliche Offensive gegen die Wehrmacht auf deutschem Reichsgebiet. Die fünfköpfige Besatzung des Panzers sind der Vorgesetzte und Kommandant Don "Wardaddy“ Collier (Brad Pitt) , ausserdem Boyd "Bible“ Swan (Shia LaBeouf), Grady "Coon-Ass“ Travis (Jon Bernthal) und Trini "Gordo“ Garcia (Michael Peña). Der Panzerschütze starb aber leider beim letzten Gefecht, daher wird dem eingespeielten Team der junge, noch kriegsunerfahrene Grünschnabel Norman Ellison (Logan Lerman) zugeteilt, der bisher nur als Schreibkraft und Lastwagenfahrer gearbeitet hat.
Die Besatzung kennt sich bereits aus den Kämpfen in Nordafrika gegen die Deutschen. Durch den Krieg sind die Männer zusammengewachsen, aber auch ständig an der Grenze zum Zusammenbruch. Gefühle gibt es keine. Collier führt die Männer mit harter hand, aber er war auch derjenige, der den Männern das Überleben sicherte. Ellison ist völlig entsetzt von den Redensarten und Handlungsweisen seiner Kameraden und ist angeekelt von den ersten Eindrücken des harten Fronteinsatzes. Auf einem Vorstoß sieht er im Wald einige Hitlerjungen, kann aber im entscheidenden Moment nicht auf den Feind schießen. Diese töten aber mit einer Panzerfaust auf den Führungspanzer der Amis, die gesamte Besatzung samt Zugführer (Xavier Samuel) stirbt einen qualvollen Flammentod. Auch im folgenden Gefecht macht Ellison keine kämpferische Figur. Er setzt sein Maschinengewehr nur sehr zaghaft ein. Collier entscheidet sich daher zu einem gewaltsamen Akt, um die Tötungshemmung zu beseitigen. Ellison wird gezwungen einen deutschen Kriegsgefangenen zu erschießen.
Kurz danach rücken die Amerikaner in eine kleine Stadt vor. Dort werden sie zunächst von deutschen Heckenschützen aus dem Hinterhalt aufgelauert. Es gibt viele Tote. Collier und Ellison quartieren sich nach dem Kampfhandlungen in einem deutschen Haushalt ein, indem zwei junge Frauen (Anamaria Marinca, Alicia von Rittberg) leben. Es kommt zu Zärtlichkeiten zwischen den jungen Norman und der jungen Emma. Diese kurzen Momente des Glücks und der Sehnsucht nach einem besseren Leben werden dann aber wieder jäh von der Realität unterbrochen. Stunden später gibts wieder Opfer und es ist wieder Kriegsalltag. Auf dem Weg zu einer strategisch wichtigen Kreuzung wird die aus vier Panzern bestehende US-Kolonne von den deutschen Tigerpanzern angegriffen. Hier zeigt sich die technische Überlegenheit der deutschen Panzer. Nur "Fury" bleibt im Kampf siegreich, doch als sie auf eine Miene fährt, wird das Fahrwerk und die Kette schwer geschädigt. Und schon naht eine 300 Mann starke Einheit der Waffen SS...


 somit ist die Zeit der Helden nahe. Und Collier gibt dann mit seiner Entscheidung beim Panzer zu bleiben, während die Anderen sich verstecken sollen, das Zeichen für die anschließende Heldentat. Denn keiner der Männer folgt diesem Befehl. Sie bleiben bei ihrem Wardaddy. Vor diesem Endszenario gibts aber sehr viele ungeschminkte Brutalitäten, die der Film zeigt und bei dem der Ami auch nicht gut wegkommt. Er sieht sich als Streiter für eine gute Sache und so sind im Überlebenskampf des Krieges auch alle nötigen Mittel erlaubt. So auch den noch unverdorbenen Kameraden so auszubilden, dass auf ihn Verlaß ist in den Momenten der Gefahr. Das Bild des Deutschen wird sich mit dem Film auch wandeln, denn interessanterweise hebt er mehr als einmal hervor, dass die Waffen-SS die eigentlichen Feinde sind, und eben nicht der deutsche Bürger. Noch nicht mal der deutsche Soldat wird schlecht dargestellt. Einer von ihnen wird einfach zum Tode verurteilt, obwohl er um sein Leben fleht - der andere sieht sogar am Ende des Films den versteckten Norman Ellison unter dem Panzer und ignoriert den Feind, der seine Hände erhoben hat und sich ergeben will. Er schaut ihn kurz an - der Zuschauer entdeckt dann, dass es auch auf der deutschen Seite, diese jungen Menschen gibt, mit denen sich eine friedliche Zukunft gestalten lässt und so ist dieser deutsche Soldat das Spiegelbild von Norman, der nach dem letzten Gefecht von seinen Kameraden in "Maschine" umgetauft wurde, weil es erstmals auch mit dem Töten klappte. Bei seiner Rettung wird er dann als "Held" tituliert, in seinem Gesichtsausdruck ist zu lesen, dass ihm dieser Ausdruck zuwider läuft und dass er froh ist dieser katastrophe noch einmal entkommen zu sein.
Brad Pitt spielt eine etwas überlebensgroß geratene Variante des Beschützers, er wird allerdings von Youngster Logan Lerman mit der besten Leistung seiner Karriere an die wand gespielt. Seine Figur ist es, die der Geschichte um Heldentum und um die Herzen, die zu Stahl werden, die nötige Emotion verleiht. Es ist ein Weltkriegsfilm alter Schule, in dem die Soldaten im Mittelpunkt der Geschichte stehen. "Herz aus Stahl" ist zwar kein Antikriegsfilm, hat aber für mich sehr viel interessante Diskussionspunkte und vor allem perfekt gemachtes Genrekino mit Anspruch. Eine Art Mainstreamvariante des israelischen Panzerfilms "Lebanon" von Samuel Maoz.



Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Freitag, 27. Februar 2015

Nymphomaniac

























Regie: Lars von Trier

Joe und die Männer...

Lars von Triers neuer Skandalfilm "Nymphonaniac" ist aufgrund seiner Laufzeit von insgesamt ca. 310 Minuten ein echter Monumentalfilm. Das Werk gliedert sich in zwei Teile. Part 1 ist mit ca. 130 Minuten Laufzeit etwas kürzer als Part 2 (180 Minuten) und auch wesentlich entspannter. Worum geht es ? Die Hauptfigur Joe (Charlotte Gainsbourg) wird von dem älteren Einzelgänger Seligman (Stellan Skarsgard) übel zusammengeprügelt in einer dunklen Gasse, nahe seiner Wohnung, gefunden. Er nimmt die unbekannte Frau mit sich nach Hause und damit beginnt von Triers melodramatische Orgasmus-Odyssee, denn die Fremde erzählt ihrem Helfer ihre Lebensgeschichte. Es ist die Geschichte einer Sexsüchtigen Nymphomanin, die sich deshalb für einen schlechten Menschen hält. Ihr aufmerksamer Zuhörer ist aber empathisch genug sie zu verstehen und ihr auch in ihren Schlußfolgerungen immer wieder zu widersprechen. Es ist eine Begegnung eines asexuellen Mannes, der Angst vor Nähe und Berührung hat, mit einem krassen Gegenpol: Die hypersexualität der Erzählerin. Und sie wird auch einen großen Einfluß auf ihren Zuhörer nehmen, nachdem sie ihre Geschichte erzählt hat. Diese Lebensbeichte hat Lars von Trier in 8 Kapitel eingeteilt, die ersten 5 werden in Teil 1 behandelt, Teil 6 bis 8 in der Fortsetzung. Im Alter von 15 Jahren verliebt sich die junge Jo (Stacy Martin) in den etwas älteren Jerome (Shia LaBeouf), der sie dann auch entjungfert. Dieses erste Mal ist kurz und ist für Jo erstmal enttäuschend, weil da ganz wenig Gefühl und Liebe dabei war. Sie will nie wieder mit einem Mann schlafen, doch der Vorsatz hält nicht lange. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin B (Sophie Kennedy Clark) geht sie eine Wette ein, wer beim Zugfahren die meisten Männer (u.a. James Northcote, Charlie Hawkins, Clayton Newrow) zum Sex entführen kann. Jo gewinnt nach anfänglichen Startschwierigkeiten und hat einen immer größeren sexuellen Appetit. Als sie als Sekretärin bei einer Firma anfängt, begegnet sie Jerome wieder. Der will auch gleich was im Fahrstuhl, aber sie lehnt ab, weil er nicht ihr Typ sei. Was sie aber nicht daran hindert, sich in ihn zu verlieben. In der Freizeit wechselt sie die Männer aber wie ihre Unterwäsche und spielt mit ihnen teilweise ein böses Spiel. Einen verheirateten Mann (Hugo Speer) bringt sie dazu, dass er sich von seiner Frau (Uma Thurman, in einer denkwürdigen Rolle - sie taucht bei Jo mit ihren drei kleinen Jungs auf) trennt.
Als ihr Vater (Christian Slater), den sie sehr liebt, an Krebs erkrankt und im Krankenhaus im Sterben liegt, versucht sie ihre Trauer damit zu besiegen, indem sie mit dem Krankenpfleger im Nebenzimmer schnellen Sex hat. Jerome, der zwischenzeitlich mit einer anderen Sekretärin durchgebrannt ist, wird ein drittes Mal in ihr Leben eintreten. Die beiden heiraten, doch aus heiterem Himmel, als sie gerade tollen Sex mit ihrem geliebten Ehemann hat, entdeckt sie zum Entsetzen, dass sie nichts mehr empfinden kann. So endet der erste unbefangene Teil und mündet in den düsteren und destruktiven 2. Teil, bei dem das Interesse an Sex nachgelassen hat. Aber die Sucht nach Männern besteht weiter, da sie irgendwie ihre alten Feelings wieder finden will. Dies - gehe wohl nur - mit drastischen Mitteln wie Ehebruch oder der Hinwendung und Suche nach gefährlichen Männern. Sie macht wilden Sex mit zwei dunkelhäutigen Männern, die sie auf der straße aufgelesen hat oder sucht einen versierten Sadisten (Jamie Bell)I auf, der sein Studio wie im Stil einer Arztpraxis betreibt. Es folgt die Phase der Peitschenhieben und dem Wunsch durch Schmerz wieder etwas zu empfinden. Es folgt der Gang zur Therapiegruppe, eine für den Zuschauer schwer verdauliche Abtreibung, die sie selbst vornimmt und der berufliche Einstieg als sadistische Geldeintreiberin für das Inkasso Unternehmen von L (Willem Dafoe). Irgendwann soll sie ein junge Frau P (Mia Goth) als Nachfolgerin rekrutieren, die beiden Frauen kommen sich auch sexuell nahe. In einem Pädophilen (Jean MarcBarr), der aber seine Neigung nie auslebte, sieht Joe einen Seelenverwandten. Am Ende trifft sie wieder auf Jerome, der sie dann gemeinsam mit ihrer jungen Freundin zusammenschlägt. Während Jo im Dreck liegt, treibt es P mit Jerome auf einem Mülleimer, der an der Ecke steht...



.mit der Schlußszene verabschiedet sich das enfant Terrible des europäischen Films recht verstörend und makaber aus seinem Film-Monstrum, der trotz der extremen Länge, nie langweilig wird. In der Rahmenhandlung kommentiert der Zuhörer Seligmans Joes Offenbarungen immer wieder auf eigenartige, sehr versöhnliche und plausible Weise. Da vergleicht er dann auch ihre Verführungstechniken mit denen des Fliegenfisches oder es kommt auf die klassische Musik, auf Bach und auf die Fibonacci-Folge zu sprechen, auf die Polyphonie des Werkes - also drei ganz unterschiedliche Elemente der Komposition, die schließlich zur größten Perfektion und somit auch zum höchsten Glück führen. Und was für die Musik gilt, dass kann man auch auf den besten Geschlechtsverkehr ever umdeuten.  Der Regisseur selbst hat ja sein skandalträchtiges Epos als Geschichte von Geilheit und Glücksstreben angekündigt. Interessanterweise kam dann auch Teil 1, der spielerisch über die Möglichkeiten der sexuellen Emanzipation berichtet mit einer jungen, fast noch naiven Joe um einiges besser an als als der ernüchternde und destruktive bis depressive 2. Teil mit einer auf ganzer Linie getriebenen Antiheldin, die durch Promiskuität bis hin zum Sadomasochismus auf der Suche nach einer neuen Inspiration ihrer nicht mehr vorhandenen Lust ist. von Triers Film ist auf alle Fälle sehr vielschichtig und interessant gestaltet. Charlotte Gainsbourg war die perfekte Wahl für diese kranke Protagonistin, sie entführt den Zuschauer in eine triste Seelenwelt, aus der es wohl kein Entkommen oder eine Erlösung gibt. Dieser hat sich wohl eher auf einen überlangen Film mit viel Sex und vielen Tabubrüchen einerseits gefreut, andererseits erwartet, um sich darüber zu echauffieren. Im Grunde muss man aber in der heutigen, weitestgehend weichgespülten und durchweg poliitsch korrekten Filmwelt freuen, dass es noch so cinematografische Quertreiber wie Lars von Trier gibt. Selbst wenn seine Filme mitunter "runterziehend" sind. Die eine oder andere Provokation müsste er nicht immer noch draufsetzen (bsp. die Abtreibungsszene, die auf mich tatsächlich schockierend war) , aber insgesamt regt der Film doch zum Nachdenken an. Stellenweise - in solchen Szenen, wenn Joe ihren Schicksalsbaum auf einer Anhöhe findet - ist man gefragt sich über den Sinn zu studieren. "Nymphomaniac" hat trotz der vielen Sexszenen, der vielen agierenden Genitalien immer wieder eine intellektuelle, reflektierende Ebene. Es schwingt immer eine gewisse Unbequemlichkeit mit auf dem lebensweg dieser Joe, denn die heitere Schlüpfrigkeit wird durch diese bis zum Schluß anhaltende verzweifelte Getriebenheit ersetzt. Aus der Groteske entsteht das Drama. Man könnte sogar meinen, dass von Trier die eigentliche Struktur des Films immer wieder mit Provokationen "auflockert" - in einer längeren Sequenz, bei der es um "Ostkirche" und "Westkirche" geht, darf man schon mal mutmaßen mit welcher Freude der Däne hier eine klassisch bhlasphemische Richtung anbietet - die Kritiker werden den Stäbchen der Empörung allzu gerne wie der Pawlowsche Hund nachrennen.   Von Trier selbst sieht ja den Film als Abschluß seiner Depressionstrilogie (Name passt perfekt), daher komplettiert dieser Monumentalfilm der besonderen Art das Trio, zu dem auch "Antichrist" und "Melancholia" gehören. In Joe spiegelt sich jedenfalls auch eindrücklich das Leid einer abgestumpften Gesellschaft. Der größte Coup ist aber von Trier deshalb gelungen, weil sein Film beim ersten Sehen interpretatorisch gar nicht zu fassen ist - klar scheint nur, dass der Film trotz expliziten und drastischer Szenen viel mehr von den Assoziationen lebt, die er zum Auslösen in der Lage ist.  Der Cineast wird wohl erst in einer Retrospektive besser klären können, ob da Kunst, Pornographie, Schrott oder Meisterwerk ist.  Für mich ist "Nymphomaniac" nichts von alledem. Aber immerhin ein interessanter Film, der mit etwas Wehmut an die großen Skandalfilme der 70er Jahre erinnert und ein weiterer komplexer Arthausfilm des Regisseurs, von dem ich weiterhin mit großem Abstand seinen 1991 entstandenen "Europa" favorisiere - diese Noirsche Eisenbahnfahrt durch ein dunkles Nachkriegsdeutschland. Dies ist von Triers Meisterwerk für mich und der einzige, der mich von seinen vielen guten Filmen richtig begeisterte.



Bewertung: 7 von 10 Punkten.