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Dienstag, 20. Oktober 2015

71

























Regie: Yann Demange

Alptraumhaftes Belfast...

Filmfans könnten bei Yann Demanges Film "71" an Carol Reeds Klassiker "Ausgestoßen" erinnert werden. In diesem grandiosen 40er Jahre Klassiker, der ebenfalls in Nordirland spielt, muss James Mason als krimineller IRA-Kämpfer nach eimem Banküberfall im nächtlichen Belfast untertauchen. Dem Soldaten Gary Hook gespielt von Jack O´Connell geht es ziemlich ähnlich. Auch er kämpft in den nächtlichen Straßen der Stadt um sein Leben. Hooks Leben hängt genauso am seidenen Faden, er muss zwischen den Fronten ums Überleben kämpfen und im Laufe der Geschichte wird es sichtbar, dass er nicht mehr weiß wer überhaupt Freund und wer Feind ist.  Dieser Bürgerkrieg in Nordirland zwischen Protestanten und Katholiken hat im Zeitraum von 1969 bis 1998 mehr als 3.500 Menschenleben gekostet,  mehrheitlich waren die Opfer Zivilisten. Erst das Karfreitagsabkommen vom 10. April 1998 beendete dieses unschöne Kapitel der Britisch-irischen Geschichte.  Der Nordirlandkonflikt wurde auch in neuerer Zeit von den Filmemachern thematisiert. Die bekanntesten Werke dürften wahrscheinlich Steve McQueens Gefängnisdrama "Hunger" sein, aber auch "Im Namen des Vaters" von Jim Sheridan wurde ein beachtlicher internationaler Erfolg, der es sogar zu etlichen Oscarnominierungen brachte.   Auch "71" ist ein sehr spannender, bedrückender Film geworden. Die Story dreht sich um den jungen Soldaten Gary Hook (Jack O´Connell) , der im Jahre 1971 ins nordische Belfast versetzt wird. Zuvor hat Gary noch seinen jüngeren Bruder in seinem Heimatsort Derbyshire besucht, der in einem Heim lebt. Gary dient als Rekrut bei der Britischen Armee. Dort in Belfast sollen die Soldaten die Grenzen im Stadtgebiet zwischen den "freundlichen" Protestanten und den "feindlichen" Katholiken sichern. Leider gerät die Lage ausser Kontrolle, als die Einheit eine polizeiliche Hausdurchsuchung  im katholischen Viertel durchführen soll. Die Operation misslingt, auch die Polizisten werden immer hilfloser und dadurch auch brutaler gegen den katholischen Mob. Die Gegenwehr wird größer. Gary und sder befreundete Soldat Thommo (Jack Lowdon) werden von der Einheit getrennt und müssen sich auf den Nebenstraßen druchschlagen. Dabei gelangt die wütende Gruppe von radikalen IRA-Kämpfern an Thommos Waffe. Es fällt ein Schuß und Garys Freund verblutet auf der Straße. Gary gelingt es zu fliehen und sich zu verstecken. Er wartet auf Hilfe. Dabei findet er zuerst bei den Katholiken Hilfe, die nicht selten ihr Leben riskieren. Seine Einheit sucht auch nach ihm. Ausserdem ist eine Truppe von britischen Spezialagenten hinter ihm her. Denn Hook hat in einem Pub beobachten können, wie einer der Briten einem der Loyalisten eine scharfe Bombe gab mit dem Ziel, die Unruhen noch weiter anzutreiben. Die Bombe ging hoch, es gab Tote und Hooks Leben hängt weiter an diesem seidenen Faden..



Der Film überzeugt durch eine starke Besetzung. Jack O´Connell (Eden Lake) in der Hauptrolle mit seinem nächsten Treffer nach dem letztjährigen Knastdrama "Starred up" (Deutscher Titel: Mauern der Gewalt). Ihm zur Seite steht eine gute Besetzung in den Nebenrollen. Der junge Barry Keoghan beispielsweise als angehender IRA-Kämpfer, beinflusst von den kalten Kriegern in seinem Umfeld - die Mutter weiß nichts vom Doppelleben ihres Sprösslings als Terrorist, der den ersten Mord noch vor sich hat. Auch Paul Anderson, Kilian Scott, Corey McKinley als ganz kleiner Kämpfer und Sean Harris überzeugen. Der Film zeigt Belfast als gespenstische Stadt dar. Es gibt zwar ziviles Leben, es gibt Pubs, Frauen mit Kinderwagen sieht man vorbeilaufen, aber es gibt an gleicher Stelle auch den Mob, der nachts durch diese Stadt zieht und Steine wirft, Brandsätze wirft und auch vor Mord nicht zurückschreckt. Regisseur Yann Demange wurde bei der Verleihung des Euroäischen Filmpreises in der Kategorie "European Discovery of the Year" nominiert. Er verlor aber gegen den ukrainischen Beitrag "The Tribe" von Myroslav Slaboshpytskiy.


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Freitag, 19. Juni 2015

Unbroken


























Regie: Angelina Jolie

Immer wieder aufstehen...

Für Angelinas Jolies Regiedebüt "Unbroken" wird geworben, dass es sich um den besten Steven Spielberg Film handelt, der nicht von Steven Spielberg gedreht wurde. Das mag vielleicht etwas hochgegriffen sein, aber auch mir kamen Filme wie "Gefährten" oder "Das Reich der Sonne" in den Sinn. Vor allem fällt auf, dass "Unbroken" durch eine exzellente Kameraarbeit merklich veredelt wurde. Kein Wunder, denn dieser Verdienst geht auf die Rechnung von Kameramann Roger Deakins. Ein Könner seines Fachs, der bereits mehrfach oscarnominiert ist und mit seinen Leistungen für so viele Filme wie "True Grit", "A beautiful Mind",  "Barton Fink", "Jarhead", "Fargo", "Kundun", "Skyfall", "The Village", "No Country for old man", "Der Vorleser" oder "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" glänzte.
 "Unbroken" erzählt in epischer Breite die Erlebnisse des Olympia Athleten Kriegsteilnehmers und Kriegsgefangenen Louis Zamperini. Dessen Lebensgeschichte war Thema eines Buches von Laura Hillenbrandt und auf ihren Erzählungen in "Unbeugsam: eine wahre Geschichte von Widerstandskraft und Überlebenskampf" basiert Jolies Film.  In den ersten Szenen wütet der Pazifik-Krieg. Am 17. April 1943 ist die Luftschlacht von Nauru im Gange. Die kleine Insel im Meer wurde von den Japanern besetzt. Der junge Louie Zamperini (Jack 0´Connell) ist mit an Bord des US-Bombers Super Man und gerät mit seinen Kameraden nach dem Abwurf einer Bombe in die Schußlinie des Feindes. Es gibt viele Verletzte und Tote, die Maschine wird schwer beschädigt. Zeit für den Protagonisten sich zu erinnern an seine Zeit als kleiner Junge (C.J. Valleroy) in Torrance. Sein älterer Bruder Pete animiert ihn zur sportlichen Betätigung, zum Laufen. Bald wird aus dem anfänglich noch etwas ungelenken Jungen der "Torrance Torando", der es sogar zur Teilnahme an den Olympischen Spielen 1936 in Berlin bringt. Er gewinnt zwar keine Medaille und liegt sogar weite Teile des Rennens ziemlich hinten im Feld, es gelingt ihm aber durch die schnellste Zeit in der letzten Runde (unter 60 Sekunden) in die olypmischen Geschichtsbücher einzugehen. Und in der Heimat ist sowieso die Zeit für Helden. Eine wichtige Erinnerung im Hier und Jetzt, als es dem Piloten Hugh Cuppernell (Jai Courtnay) nur noch mit Mühe gelingt, den schwer beschädigten Bomber auf dem Boden zu landen. Einen Monat später erhält die Mannschaft den Auftrag eine vermisste Mannschaft in der Nähe von Palmyra zu suchen. Doch die Motoren versagen und die Maschine stürzt ins Meer. Es gibt nur drei Überlebende: Pilot Russell Phillips (Domhnall Gleeson), der Heckenschütze McNamara (Finn Wittrock) und natürlich Louie. Auch im Wasser wird der Held einen Rekord brechen, denn sie werden mehr als eineinhalb Monate auf dem Wasser ums Überleben kämpfen, ständig geplagt vom Hunger und Durst. Gelegentlich greifen auch Haie an oder sie werden wieder vom Feind aus der Luft beschossen. Am Ende steht die Gefangennahme durch die Japaner und das Kriegsgefangenenlager Omori. Hier herrschen die Gesetze des jungen Mutsuhiro Watanabe (Miyavi), ein junger japanischer Unteroffizier mit starken sadistischen Zügen, dessen Ziel es ist seine Macht über die schwachen Gefangenen gnadenlos auszukosten. Schläge und Demütigung gehören im Lager zur Tagesordnung...



da der Held Louis Zamperini erst im Jahre 2014 im sehr betagten Alter von 97 Jahren verstarb wird er natürlich dies alles überleben. In der letzten Kameraeinstellung von "Unbroken" sieht man den 80jährigen Louis Zamperini in einer Archivaufnahme als Fackelläufer bei den Olympischen Winterspielen 1998 in Japan. "Unbroken" bietet auf erstklassigem handwerklichem Niveau  klassisches US-Kino mit dem Stoff, aus dem die Heldengeschichten sind.
Natürlich empfielt sich ein solcher opulenter Bild-Film auch für die Academy Awards und es gab sowohl Nominierungen für den besten Ton, für den besten Tonschnitt und natürlich für Roger Deakins, der allerdings dem Mexikaner Emmanuel Lubezki für "Birdman" unterlag. Auf ein Neues, denn keiner seiner inzwischen 12 Nominierungen in dieser kategorie war bisher der Sieg beschieden



Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Sonntag, 23. November 2014

Mauern der Gewalt













Regie: David MacKenzie

Aufgestiegen...

Eric Love (Jack O´Connell) ist 19 Jahre und hat bereits seit einem guten Jahrzehnt ein kriminelles Leben auf dem buckel. In seiner Kindheit wurde der Junge von einer Pflegefamilie zur anderen gereicht. Sein Vater Neville Love (Ben Mendelsohn) verbüßt eine lebenslängliche Haftstrafe in dem Knast, wohin der Youngster nun von der Jugendstrafanstalt in den noch härteren Erwachsensenknast verlegt wird. Daher heißt der Film im Original "Starred up", für den die deutschen Verleiher dann keinen besseren Namen als ein nichtssagendes "Mauern der Gewalt" fanden. Ein Titel wie andere Filme, dabei ist dem Briten David MacKenzie (Hallam Foe, Perfect Sense) einer der besten Filme des Jahres gelungen. 
Der Junge ist ein brodelnder Vulkan und megaaggressiv. In nur wenigen Stunden hat er bereits die vollste Aufmerksamkeit des dort wachhabenden Personals als auch der Insassen.  Er legt sich arrogant und extrem aggressiv mit mehreren Häftlingen an und kommt schon gleich in den Genuß eines ebenso gewaltbereiten Personals, die mit Unruhestiftern nicht gerade unsanft umgehen. Die Häftlingen untereinander munkeln, sogar, dass die Wärter auch schon gemordet haben, wenn einer sich nicht einfügen konnte. Es wurde dann als Selbstmord hingestellt. Von seinem Erzeuger Neville kann er sich keine Unterstützung erhoffen, der Lebenslängliche hat sich noch nie für seinen Jungen sonderlich interessiert und agiert beinahe wie ein Fremder. Neville hat sich auf sein Lebenslänglich bereiits gewöhnt und hat auch ein sexuelles Verhältnis mit seinem Zellengenossen (David Chrysantou).  Nur Sozialarbeiter Oliver (Rupert Friend) dringt ganz langsam zu dem unberechenbaren Heißsporn Eric vor und kann ihn dazu überreden, an seiner Anti-Aggressions-Sitzung mit ein paar anderen Häftlingen teilzunehmen. Doch der fragile Friede steht immer in jeder Sekunde auf der Kippe. Einerseits wartet der Hardliner Deputy Governor Hayes (Sam Spruell) nur darauf, dass Eric wieder ausflippt, denn dann ist der Weg frei den aggressiven jungen Rebellen zu bestrafen. Andererseits hat auch der Häftling Dennis Spencer (Peter Ferdinando), der in der Knasthierarchie ganz oben steht, ein Auge auf Eric und empfielt Neville dem Sohnemann etwas Ruhe und Gelassenheit einzubläuen. Ansonsten lägen die Überlebenschancen nicht so hoch. Bald kommt auch der Konflikt zwischen Vater und Sohn hoch...


 David MacKenzie hat seinen Knastfilm sehr straff inszeniert und die  Story über den düsteren Alltag im Gefängnis wird vor allem durch die Darsteller Jack O´Connell (Eden Lake, Tower Block) und Ben Mendelsohn, der mich schon in "Königreich der Verbrecher" begeistern konnte, getragen, die beide großartig aufspielen. Beklemmend die Szenen, die zeigen wie der junge Mann von Hass und Aggressionen zerfressen ist und drinnen im Knast seine persönliche Hölle weitertreibt -in diesem kleinen Drama zeigt er aber die bislang eindruckvollste Leistung seiner Laufbahn. Dabei wird er im Laufe des Films sogar zum Hoffnungsträger des Films. Sehr gut getroffen auch die anderen Filmfiguren, allesamt mit ambivalenten Zügen ausgestattet, was dem Film bis zum Ende eine gewisse Doppelbödigkeit beschert. "Starred up" ist nicht nur ein kleiner, aber sehr authentischer und nicht so schnell vergessener Gefängnisfilm, sondern vor allem auch ein großartiger Genrefilm. Ein britischer Film der Spitzenklasse, der sich nicht davor scheut auch schmerzhaft und bedrückend zu sein.



Bewertung: 9 von 10 Punkten.