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Sonntag, 17. April 2022

Wenn das Fest beginnt....


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Bertrand Tavernier

Während der Pontcellac Verschwörung...

Nach seinem Regiedebüt "Der Uhrmacher von St. Paul" realisierte Bertrand Tavernier erneut einen Film mit den beiden Darstellern Philippe Noiret und Jean Rocheford. "Wenn das Fest beginnt..." (Originaltitel: Que la fete commence...) hieß der Film aus dem Jahr 1975, der erste von Taverniers Historienfilmen. Es folgten "Der Richter und der Mörder", "Die Passion der Beatrice", "Die Prinzessin von Montpensier" und "Captain Conan" - in allen diesen Werken beschäftigte sich der Filmemacher mit s.g. "Zwischenphasen" der französischen Geschichte, dh. mit Ereignissen, die üblicherweise nur selten filmisch aufbereitet worden sind.  "Wenn das Fest beginnt..." triumphierte als erfolgreichster Film bei der Vergabe der Cesars des Jahres 1976. Gleich vier Preise (Bester Hauptdarsteller Jean Rocheford, Beste Regie, bestes Szenenbild und bestes Drehbuch) gewann der Film, ausserdem war er auch in den Kategorien beste Musik, beste Nebendarstellerin Christine Pascal und bester Film nominiert. Die Geschichte spielt im Jahr 1719 - zu dieser Zeit fand die s.g. Pontcallec Verschwörung statt. Da König Ludwig XV noch ein minderjähriger Junge ist, wird die Regentschaft von seinem Großonkel, dem Herzog von Orleans (Philippe Noiret) übernommen. Ein liberaler Herrscher, aber auch ein berüchtigter Wüstling, dessen Hofstaat vor allem aus Prostituierten und zügellosen Genießern besteht. Sein Vertrauter ist der Geistliche Guillaume Dubois (Jean Rocheford), dessen Ruf äusserst zweifelhaft ist und der Trotz seiner Verachtung für Gott auf jeden Fall noch zum Erzbischof gewählt werden will. In der Bretagne herrscht Hunger und Not. Dort schmiedet der Marquis de Pontcallec (Jean-Pierre Marielle) ein Komplot gegen den Herzog von Orleans. Er plant einen Pakt mit König Philipp von Spanien, um den derzeitigen Herrscher zu stürzen. Auf diese Weise hofft der Adlige die Unabhängigkeit der Bretagne. Abbe Dubois erklärt es sich zu seiner Hauptaufgabe die Verschwörung zu stoppen, nutzt diese aber auch gleichzeitig für seine eigenen Ambitionen....





Am Ende rollen die Köpfe und der Zuschauer erlebt in diesem Historienfilm bereits die Vorboten der französischen Revolution, die mit dem Sturm auf die Bastille begann. Tavernier zeigt das zügellose Treiben am Hof und stellt darüberhinaus die Verzweiflung der Armen dar. Besonders am Ende des Films wird noch einmal drastisch auf diesen Gegensatz hingewiesen, als die königliche Kutsche rücksichtslos einen Bauernjungen überfährt und dessen Schwester vom Regenten Geld geschenkt bekommt. Nachdem der Herzog mit seinem Erzbischof die unfallstelle verlässt, setzt die Frau voller Wut und Hass die Kutsche des Königs in Brand. 




Bewertung. 7,5 von 10 Punkten.

Der Saustall


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Bertrand Tavernier

Die Rache des Schwächlings..

Der 1981 entstandene Kolonialkrimi "Der Saustall" ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Filme des Regisseurs Bertrand Tavernier. Er bekam 1983 eine Oscarnomierung als bester ausländischer Film - konnte sich jedoch gegen den spanischen Beitrag "Volver a empazar" von Jose Luis Garci nicht durchsetzen. Bei der Verleihung der Cesars erreichte der Film 10 Nominierungen. Er ging aber am Ende überraschend leer aus. Die Filme "Diva" (Jean Jacques Beneix) und "Das Verhör"(Claude Miller) waren mit jeweils 4 Auszeichnungen die Gewinner des Abends.
Die Geschichte spielt im Jahr 1938 in dem fiktiven Dorf Bourassa Ourbangui in Französisch-Westafrika und ist vom Regisseur als Satire über das Wertsystem der weißen Herrscher über ihre Kolonie zu verstehen.
Dort lebt Lucien Cordier (Philippe Noiret), der einzige Polizist in einer kleinen Kolonialstadt. Man hat ihn nicht wegen seinem Mut und seiner Härte zum Polizisten gewählt, sondern weil er ein zwar gutmütiger, aber sehr feiger Typ ist. Cordier weiß dies und er lässt sich von den den Mitmenschen sehr viel Kränkung gefallen. Auch die beiden Zuhälter des Ortes verspotten und verhöhnen ihn bei jeder sich bietenden Gelgenheit. Seine Frau Huguette (Stephane Audran) betrügt ihn mit Nono (Eddy Mitchell), einem Mann, der bei dem Ehepaar lebt, weil Huguette ihn fälschlicherweise als ihren Bruder ausgibt. Cordier schwärmt für die junge Rose (Isabelle Huppert), lässt aber auch zu, dass ihr brutaler Mann (Michel Beaune) sie auf offener Straße verprügelt. Cordier hat null Autorität um sich durchsezten zu können. Dies macht ihm sein Vorgesetzter (Guy Marchand) klar - ab diesem Zeitpunkt verwandelt sich der gutmütige Polizist nach und nach in einen erbarmungslosen Mörder, der sich all seiner Peiniger entledigt. Er beschuldigt die Anderen, bevor er sie eliminiert. Am Ende bleibt er allein und geistig vernichtet zurück....


Weitere Darsteller sind Jean Pierre Marielle in einer Doppelrolle als Zuhälter und dessen Zwillingsbruder, die Lehrerin Anne wird von Irene Skobline gespielt. Das Szenenbild ist superb - verantwortlich dafür war Alexandre Trauner, ein Altmeister des franzöischen Kinos. Er hat auch bei Marcel Carnes "Kinder des Olymp" mitgewirkt. Kameramann war Pierre William Glenn, der die perfekten Kamerafahrten für diesen Alptraum schuf.



Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Neun im Fadenkreuz

























Regie: Philippe Labro

Der Killer von Nizza...

Ähnlich wie Frank Siantras "Der Schnüffler" spielt auch der französische NeoNoir "Neun im Fadenkreuz" nicht im Dunkel der Nacht, sondern in der Hitze des Sommers. "Sans mobile apparent" - so der Originaltitel von Philippe Labros Krimi aus dem Jahr 1971 hat auch eine Ähnlichkeit mit dem fast zeitgleich in den Kinos starteten "Dirty Harry". In beiden Filmen sucht die Polizei einen Scharfschützen, der aus einer sicheren Position heraus auf Leute schießt. 
Philippe Labro ist nicht nur Regisseur, sondern auch Schriftsteller und Journalist. Neben "Neun im Fadenkreuz" ist sicherlich "Der Greifer" mit Jean Paul Belmondo sein bekanntester Film.
Im Jahr 1971 gelang es dem Film mit einer Besucherzahl von 1,3 Millionen einen guten 28. Rang in der Kinojahreshitparade zu schaffen.
Es ist Sommersaison in Nizza. Doch der fröhliche Ferienrummel wird von einem Mord an dem bekannten Geschäftsmann Tony Forest (Michel Bardinet) gestört. Der wohlhabende Immobilienmakler wird unter freiem Himmel nach einer Geschäftsbesprechung erschossen. Stunden später wird der Weiberheld Pierre Barroyer (Alexis Sellam) auf die gleiche Weise ermordet - er wollte gerade mit einem Kopfsprung vom 6 Meter Brett die weiblichen Zuschauer am Swimming Pool beeindrucken. Mit dem Fall wird Kommissar Stephane Carella (Jean-Louis Trintignant) betraut, er ist der beste Mann der Mordkommission in Nizza. Die erste Spur führt zu dem dubiosen Astrologen Kleinberg (Erich Segal). Kann es sein, dass die Morde etwas mit Devisenschmuggel zu tun haben ? Denn Kleinberg war mit beiden Toten befreundet und hat für die Männer unversteuertes Geld in die Schweiz transferiert. Natürlich stirbt auch Kleinfeld. Als kurze Zeit später auch Carellas Freundin Jocelyne Rocca (Carla Gravina) auf offener Straße erschossen wird, gehen die Ermittlungen in eine ganz neue Richtung. Die junge Sandra Forest (Dominique Sanda) wurde von ihrer Universität auserkoren im Stück "Juliette" mitzuspielen, dass von Francis Palombo (Paul Crauchet) geschrieben wurde. Dieses Stück wurde vor 8 Jahren zum letzten Mal  aufgeführt und ein Blick auf die Besetzungsliste ergibt eine heiße Spur: Alle 4 Opfer spielten damals mit. Nun sucht der Kommissar mit Hochdruck nach dem Killer und weiß, dass der Autor selbst und die weiteren MItwirkenden Juliette Vaudreuil (Laura Antonelli), Helene Vallee (Stephane Audran) und Julien Sabirnou (Sacha Distel) in echter Lebensgefahr schweben....




Eine weitere Schlüsselrolle hat auch der Schauspieler Jean Pierre Marielle, der in der Rolle des Perry Rupert Foote zu sehen ist. Er ist der verständnisvolle Ehemann der traumatisierten Juliette. Das Drehbuch geht auf einen Kriminalroman vonEd McBain zurück. Labro und Jacques Lanzmann haben es gemeinsam geschrieben. Der Film lässt sich viel Zeit die Figuren vorzustellen, die Atmosphäre steigert sich aber immer mehr. Die Musik von Ennio Morricone passt perfekt zu einem 70er Jahre Whodonit Krimi mit einem gut aufgelegten Hauptdarsteller wie Jean-Louis Trintignant, der am Ende Konsequenzen aus dem katastrophalen Blutbad ziehen muss.





Bewertung: 7 von 10 Punkten.