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Samstag, 4. Januar 2014

The Grandmaster




















Regie: Wong Kar Wei

Eine Geschichte von Kampf und Ehre

Wenn Wong Kar Wei einen Kung Fu Film dreht, dann darf man sich sicher sein, dass ein besonderer Film dabei raus kommt. "The Grandmaster" ist nach "Ashes in Time" auch bereits sein zweiter Martial Arts Film und basiert auf der Lebensgeschichte des Wing Chun Großmeister Ip Man und geht als Honkongs Beitrag für den besten fremdsprachigen Film bei den 86. Academy Awards ins Rennen, die im März 2014 verliehen werden. Er zeichnet den Lebensweg des Großmeisters in den 30er Jahren in Foshan bis zu seinem Tod. Ein Glück, dass Wong Kar Wei kein typisches Biopic iinzeniert, sondern in magischen bis hynotischen Sequenzen ein Leben, dass dem Kampf und der Tradition gewidmet war Reuve passieren lässt. Wenn gegen Ende das Thema der Vergänglichkeit zu offensichtlich in Sergio Leone Manier zelebriert wird, dann ist dies die einzige Schwäche eines ansonsten großartigen Meisterwerks seines Genres und das hat er vor allem seiner hervorragenden Choreographie zu verdanken, die synchron zum Drehbuch konzipiert wurde und wegen seiner beiden charismatischen Hauptdarsteller Tony Leoung als IP Man und vor allem Zhang Ziyi als Gong Er, die eine oscarreife Darbietung bietet.
Der Anfang ist geprägt von einem friedlichen Leben, das IP Man (Tony Leoung) mit seienr Frau Cheung Wing (Song Hye-kyo) führt. Durch die Ankunft des Kampfkunstmeisters Gong Yutian  (Wang Qingxiang), der noch nie besiegt wurde und seinen Ruhestand verkündet, kommen große Veränderungen auf die traditionellen Werte zu. Dieser stellt den brutalen und unberechenbaren Ma San  (Zhang Jin) als seinen Nachfolger vor, räumt aber ein das der Süden ebenfalls eigene Erben der großen Kampfkünste haben müsste. Ein letzer Kampf soll stattfinden: Ein Mann vom Süden soll gegen den großen Gong Yutian kämpfen. IP Man wird gebeten dessen Gegner zu sein. Der "Kampf" wird eher zu einem Austausch philosophischer Ideen, am Ende wird IP Man von Gong Yutian als Sieger erklärt. Dessen Tochter Gong Er (Zhang Ziyi) will aber einen richtigen Kampf und einen richtigen Sieg für ihre Familie.
Auch dieser Kampf wird stattfinden und steht unter dem Motto der Präzision. Wer als erster im Kampf ein Möbelstück im Haus zerbricht, der ist Verlierer. Am Ende gewinnt zwar die geheimnisvolle Gong Er und IP Man sagt, dass er irgendwann eine Revanche möchte. Eine respektvolle Freundschaft beginnt aber dadurch und die Lebenswege der beiden kreuzen sich immer mal wieder....


 Wong Kar Wei hat ein betörend schönes Epos mit großartigen Bildern geschaffen, der Film erinnert an Sergio Leone (irgendwann am Schluß hört man sogar Ennio Morricones Filmmusik aus "Es war einmal in Amerika" und ist in weiten Strecken von großen meditativer Kraft. Die Themen sind "Rache" und der Übergang von Tradition ins Moderne. Dabei sind die Protagonisten in großem Maße der Vergangenheit verpflichtet, auch wenn die Lehrsätze, die propagiert werden, anders aussehen. Der Weg in die Zukunft ist schmerzhaft, genauso das Verharren in der Tradition - manchmal sogar zerstörerisch. In der besten Szene des Films wird klar, dass Sieg und Niederlage ganz dicht beieinander stehen. Die Gewinnerin des Kampfes Gong Er spuckt Blut, als der Verlierer schon lange den Platz verlassen hat, der Sieg hatte einen großen Preis.
Die Musik von Shigeru Umebayashi, Nathaniel Mechaly und des Italieners Stefano Lentini passt hervorragend dazu. Dem Filmemacher gelingt wieder eine gelungene Symbiose zwischen Philosophie und Körperlichkeit, man kann auch Kung Fu goes Arthaus dazu sagen. Bei den 50. Golden Horse Awards siegte Zhang Ziyi als beste Darstellerin, auch die Preise für beste Kamera (Philippe le Sourd), Visuelle Effekte (Pierre Buffin), Bestes Make up und Kostüme (William Chang), sowie beste Art Direction (William Chang) wurden ausgezeichnet.
Ein aufregender und eindrucksvoller Genrefilm, der zu den besten Filmen des Jahres gehört.


Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Chungking Express

























Regie: Wong Kar Wei

Einsamkeit in der nächtlichen Großstadt...

Die Filme von Wong Kar Wei sind bekannt für eine erlesene Ästhetik beim Bild, beim Rhythmus und bei der Beleuchtung. Er arbeitet auch mit einem der weltbesten Kameramänner zusammen, der Australier Christopher Doyle veredelt mit großartigen Bildmaterial die anspruchsvollen Werke, die sich in ihrer Machart doch von gängigen Mustern unterscheiden. "Ashes in Time Redux" und "Fallen Angels" halte ich für die besten Filme des Hongkonger Autorenfilmer. Bekannt wurde er aber mit dem Episodenfilm "Chungking Express" und der Tatsache, dass Quentin Tarantino diesen Großstadtfilm als einen seiner Lieblingsfilme outete.
"Chungking Express" entstand 1994 und zeigt ein hektisches Leben in der Metropole am Beispiel von zwei Geschichten über verliebte Hongkonger Polizisten.
Teil 1 erzählt vom jungen Polizisten 223 (Takeshi Kaneshiru), der am 1. April von seiner Freundin May verlassen wurde. Er glaubt aber immer noch an ein HappyEnd und gibt der Beziehung daher einen Monat Zeit in der Form, dass er bis zu seinem Geburtstag am 1. Mai jeden Tag eine Ananaskonserve mit dem Verfalldatum 1. Mai kauft und taucht ins Nachtleben ein. Dort lernt er irgendwann in einer Bar eine geheimnisvolle Frau (Brigitte Lin) mit blonder Perücke kennen. Es kommt zu einem sehr flüchtigen Kennenlernen - für den Polizisten mit großer Wirkung. Denn im Großstadtdschungel ist dieser flüchtige Kontakt ein kurzer Ausbruch aus der Einsamkeit.
Der zweite Polizist mit der Kennnummer 664 (Tony Leung) wurde auch vor kurzem von der Freundin verlassen. Sie (Valerie Chow) war Flugbegleiterin. Während seiner Dienstzeit geht er jeden Abend in eine Snackbar - dort arbeitet seit kurzem die junge Faye (Faye Wong), die ständig "California Dreaming" von The Mamas and the Papas hört und vor allem immer mehr Interesse an dem trügsinnigen Cop zeigt...

 Wong kar Wei ist ein betörendes Großstadtportrait gelungen. Weite Teile des Films sind mit einer extrem bewegten Handkamera gedreht, um die Vergänglichkeit des Augenblicks zu demonstrieren setzte der Macher Zeitlupe und Zeitraffer ein. In diesem Szenen ermöglicht ein Stroboskop den Gegensatz von Schärfe und Unschärfe. Dieses Stilmittel macht besonders deutlich wie schnelllebig die Momentaufnahme in der Metropole ist und verstärkt den emotionalen Eindruck von der Anonymität und der Einsamkeit. Die Protagonisten sind auf der Suche nach menschlicher Nähe.  Es entstehen unvergessliche Momente von Sehnsucht und Entfremdung, der Charakter der hektischen und kalten Stadt wird mit Poesie gefüllt.

Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Sonntag, 9. Dezember 2012

Ashes in Time Redux



Regie: Wong Kar-Wei

Es war einmal ein Wirtshaus in der Wüste...

Wong Kar-Wai dreht seine Filme gerne mit einer etwas verwirrenden Struktur, sein 1994 entstandener und einziger Ausflug ins Martial Art Genre heisst "Ashes in Time". Erst nachdem der Filmemacher mit Werken wie "Chungking Express" oder "Fallen Angels" einem internationalen Publikum bekannt wurde, bestand Interesse daran sein früheres bei der Kritik und Publikum eher verhalten aufgenommenes Werk noch einmal einem größeren Kreis zugänglich zu machen: 2008 wurde die Redux Version des Films auf den Markt gebracht.
Dabei gelang dem exzentrischen Director ein magischer, berauschender Film trotz seinem Bemühen die Geschichte, die er erzählt, so verschwommen und irrational wie möglich erscheinen zu lassen.
Großes Thema des Films ist der Mensch, so klein, in Zeit und Raum. Die Bilder von Christopher Doyle sind Weltklasse und unterstreichen die Poesie und Melancholie des opulenten Werkes:
Es spielt in der Wüste, dort hat sich ein geheimnisvoller Mann namens Ou-yang Feng (Leslie Cheung) niedergelassen, er betreibt dort in der Einöde nahe der mongolsichen Grenze ein Wirtshaus. Das Lokal fungiert als Vermittlungsstelle für Schwertkämpfer und Personen, die Auftragsmörder suchen. Und so schlecht läuft das Geschäft nicht. Immer wieder verschlägt es die sonderbarsten Charaktere ins Wirtshaus. Einmal wird er von einem Schwertkämpfer namens  Huang Yao-Shi (Tony Leung Ka Fai) aufgesucht, der einen magischen Wein mit dem Wirt ausprobieren will. Dieser Tropfen soll die Vergangenheit vergessen lassen. Dieser Huang verspricht Mu-Rong Yin (Brigitte Lin) deren Schwester Mu-Rong Yang (ebenfalls Brigitte Lin) zu heiraten. Bald ist er an diesem Versprechen nicht mehr interessiert, daher heuert Mu-Rong Yin den Wirt Ou-yang an, um Huang zu töten. Ihre Schwester Mu-Rong Yang allerdings beauftragt Ou-yang, um Huang zu beschützen. Sehr bald taucht eine Pferdediebebande auf, diese gilt es zu eliminieren. Er verbündet sich mit einem weiteren Schwertkämpfer (Tony Leung Chiu Wai), der langsam erblindet und wegen Bitte eines Mädchens (Charlie Yeoung) heroisch in den Kampf zieht und nach Hause möchte. Weiterhin taucht ein Schwertkämpfer (Jackie Cheung), der selten Schuhe trägt...


Hier entstand ein großes Fest für die Sinne, in archaischer Manier zelebriert sich das Treiben im Rachenetz.
Dieser Makler des Todes ist ein trauriger Mann, oft steht er einsam auf den Hügeln und Felsnadeln der Umgebung und schaut über das gelbe Sandmeer, wartend auf arme Schwertkämpfer oder aber auch auf ganze Reiterheere. Über allem steht die Zeit, die nie still steht und Vergangenheiten offenlegt.
Die zerhackt immer mehr offengelegte Geschichte ist der Schmerz der Liebe und Verlust, aber auch Einsamkeit und Erinnerung sind im Geschehen mit verwebt. Manchen Zuschauer wird vielleicht anfänglich die segmentierte, überlappende Erzählung zuerst frustrieren, allerdings verblasst dieser Eindruck sehr schnell unter der großartigen Schönheit der Bilder. Irgendwie wie Leone in der chinesischen Wüste.

Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Samstag, 8. Dezember 2012

Fallen Angels



Regie: Wong Kar Wei

Großstadtnächte...

1995: Hongkong ist eine riesige Metropole, in der die Menschen wie Ameisen wirken und für Sekunden aneinander vorbeirauschen. Die Zeit scheint sich dort noch schneller zu drehen, eine Beständigkeit ist kaum machbar. Millionen von Momenten fliegen rasend schnell an den Menschen vorbei.
Hier lebt der Auftragskiller Wong Chi-Ming (Leon Lai), der sein Metier deshalb liebt, weil es ihn unabhängig bleiben lässt. Trotzdem leistet er sich so etwas wie eine Partnerin (Michelle Reis), die beiden wissen kaum voneinander und sehen sich nur selten. Aber sie sucht dennoch seine Liebe, indem sie ihm seine schmuddelige Wohnung immer mal wieder aufräumt. Sie sitzt in der Bar, dort auf dem Platz wo er immer sitzt, und träumt von einer Zukunft zu zweit - ist sich aber dennoch klar darüber, dass dies eine Illusion sein wird.
Auf beruflichem Sektor organisiert sie seine seine Termine, beseitigt seine Spuren und kundschaftet Opfer und Tatorte aus.
Der Killer, der bei flauer Auftragslage, auch mal als Geldeintreiber jobbt, denkt aber daran die Zusammenarbeit zu beenden.
Ähnlich orientierungslos ist der stumme He Zhiwu  Takeshi Kaneshiro), der immer noch nicht richtig erwachsen geworden ist und bei seinem Vater ( Man-Lei Chan) lebt. Auch er ist beruflich sein eigener Herr und wohnt im gleichen Appartment wie die Agentin. Nachts bricht er in Geschäfte ein um den Betrieb zu später Stunde weiterzuführen und somit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er drangt und zwängt auch harmlosen Leuten seine Dienstleistungen auf so lange auf, bis sie nachgeben und Kohle rausrücken. He Zhiwu lässt somit keine Gelgenheit aus, die Menschen dieser Stadt auf diese Weise kennenzulernen, auch wenn sie sich wiederum gar nicht für ihn interessieren.
Immer wieder begegnet ihm die unglücklich verliebte und reichlich verrückte Charlie (Charlie Yeoung), in die er sich verliebt. Sie braucht ihn erstmal als Detektiv um die Konkurrentin, die ihr den Freund ausgespannt hat, aufzuspüren.
Gemeinsam fahren sie nachts Motorrad oder gehen als Zuschauer zu Fußballspielen.
Der Killer lernt bei einer Late Night Mahlzeit eine Blondine (Karen Mok) kennen, die ihn anquatscht und ihn mit nach Hause nimmt.
Für eine Nacht ist Zweisamkeit angesagt...


Mit seinem typischen, unkonventionellen und suggestiven Erzählrhythmus schafft es der Regisseur Wong kar wei mit "Fallen Angels" - enstanden 1995 - einmal mehr die inneren Seelenzustände seiner Figuren treffend wiederzuspiegeln. In einer reizüberfluteten, anonymen Welt, wo Zeit und Raum sich jeden Moment schon beinahe auflösen, Kommunikation und menschliche Bindungen immer mehr zurückgedrängt wird, ist seine Geschichte über die einsamen Herzen und Seelen der pulsierenden Metropole angesiedelt.
Dabei umgibt die kühle ästehtische Inszenierung ihm immer wieder Gelegenheit eine großartige Poesie herauszufinden, die für kurze Momente eine zarte Melancholie über diese Menschen auszugießen scheint.
Momente wie der Tod des Vaters von He werden auch beim Zuschauer unvergessen bleiben, so wie He diese Sekunden auf eine Videokamera gebannt hat und so das Gesicht des Vaters immer wieder sehen kann.  
Das Ende geht auch mit dieser Hoffnung zu Ende. Ein Motorrad, zwei Menschen: "Der Weg ist nicht sehr lang. Ich werde bald absteigen.
Aber in diesem Moment spüre ich eine große Wärme."
Ein sehr ungewöhnlicher, aber enorm schöner und reifer Film.

Bewertung: 10 von 10 Punkten.