Freitag, 18. September 2026

Ein schönes Mädchen wie ich















Regie: Francois Trufffaut

Camille und ihre Männer...

Die französische Schauspielerin Bernadette Lafont starb am 25. Juli 2013 im Alter von 74 Jahren in einem Krankenhaus in Nimes. Einige Monate zuvor feierte sie mit der krimikomödie "Paulette" einen großen Erfolg. Für erhebliches Aufsehen sorgte in den 70ern ihr Auftritt in Jean Eustaches "Die Mama und die Hure", der 1973 in Cannes zunächst auf erbitterten Widerstand stieß, dann jedoch mit dem Großen Preis der Jury belohnt wurde. 1986 gewann sie den Cesar als beste Nebendarstellerin für Claude Millers "Das freche Mädchen2, auch für Chabrols "Masken" erhielt sie eine Cesar Nominierung. 2003 ging der Ehrencesar an sie. Mit Francois Truffaut drehte sie 1972 die französische Screwball-Krimi-Comedy "Ein schönes Mädchen wie ich" nach dem Roman "Such a Gorgeous Kid like me"  von Henry Farell.  Stanislas Previne (Andre Dussolier) will eine soziologische Arbeit über weibliche Straftäter schreinben. Er besucht das Gefängnis, wo er Camille Bliss (Bernadette Lafont) für mehrere Interviews kennenlernt. Camille steht unter Mordverdacht. In Rückblenden erzählt sie, wie ihr Vater starb (nach einem Streit nahm sie die Leiter, mit der er in den oberen Stock einer Scheune gelangte) und wie sie aus der Besserungsanstalt floh  : Per Anhalter trifft sie Clovis Bliss (Philippe Leotard), der sie aufnimmt und in seiner Garage versteckt, da er sie seiner Mutter (Gilberte Geniat), die ihn terrorisiert, nicht vorstellen will. Eines Tages stürmt Camille in die Küche und gibt vor, von Clovis schwanger zu sein. Die Erpressung gelingt, und sie heiraten. Anschließend fliehen sie mit einem Teil ihrer Ersparnisse aus dem Haus ihrer Mutter. Camille hat Clovis' Mutter mit dem Brotbackofen eine tödliche Falle gestellt. Sie begegnet dann Sam Golden (Guy Marchand), einem Musiker, der beim Liebesspiel Formel-1-Soundeffekte auf Schallplatten hört; Murenne (Claude Brasseur), einem korrupten Anwalt, der sie erpressen will; und Arthur (Charles Denner), einem geheimnisvollen Junggesellen, der sowohl gläubiger Katholik als auch Schädlingsbekämpfer ist. Camille schläft fortan abwechselnd mit ihrem Mann und ihren drei Liebhabern. Clovis, der Camille verdächtigt, ihn mit Arthur zu betrügen, erwischt sie in dem Haus, das Arthur im Auftrag des Hauses säubern soll. In diesem Moment betritt Murenne das Haus, und die beiden Männer geraten in Streit. Camille schlägt beide bewusstlos, dreht dann das Gas auf und flieht. Am nächsten Morgen hat Camille eine schreckliche Vision, die sich allerdings als total real herausstellt  : Clovis und Murenne liegen lebendig in ihrem Bett. Arthur kam rechtzeitig, um sie zu retten. Er tadelt Camille und erklärt ihr, dass es nur einen Weg zur Erlösung gibt  : Selbstmord. Arthur führt Camille auf die Spitze des Turms der Kathedrale Saint Nazaire in Beziers.  "Schließ die Augen, wir springen zusammen  “, sagt Arthur, springt und stirbt. Camille, der nicht gesprungen war, wurde daraufhin verdächtigt, ihn gestoßen zu haben, und wegen Mordes inhaftiert. Während all dieser Interviews verliebt sich Stanislas in Camille, sehr zum Missfallen seiner Sekretärin (Anne Kreis), die ein Auge auf ihn geworfen hatte. Um ihren Namen reinzuwaschen, findet er schließlich einen Film eines jungen Amateurs (Jerome Zucca), der den Selbstmord so zeigt, wie er sich tatsächlich ereignet hat. Camille, nun frei, wird eine erfolgreiche Sängerin. Stanislas umwirbt sie, doch eines Tages erwischt Clovis sie backstage. Stanislas wird bewusstlos geschlagen, und Camille tötet Clovis und legt Stanislas die Tatwaffe in die Hand. Daraufhin wird Stanislas inhaftiert. Im Gefängnis hat Stanislas eine Idee  : Er will Camille ein Geständnis entlocken, sonst wird die Verschwörung, die zum Tod seiner Stiefmutter führte, aufgedeckt. Der Plan erscheint ihm vernünftig, und er teilt ihn seinem Anwalt Marchal (Michel Delahaye) mit. Doch einige Zeit später sieht Stanislas im Gefängnisfernsehen einen Nachrichtenbeitrag, der Camille in Marchals Armen zeigt. Marchal (Michel Delahaye) erklärt, dass das Gebäude, in dem Clovis' Mutter lebte, abgerissen werden soll, um Platz für ein Schwimmbad für Kinder zu schaffen. Damit ist der letzte Beweis für Camilles Mord vernichtet. Die letzte Einstellung zeigt Stanislas in Häftlingskleidung, wie er den Gefängnishof säubert. Seine Sekretärin sitzt bei sich zuhause auf dem Balkon, im Hintergrund läuft das Lied "J´attendrai" (Ich werde warten)....








Spielerisch setzt der Film die Regeln der bürgerlichen Moral außer Kraft und etabliert eine Welt, in der Frechheit und Eigennutz siegen. Ein Film, der die Möglichkeiten des schwarzen Humors auslotet und sich in seinem Stil greller und schlaglichtartiger Elemente bedient. Truffaut hat eine Freude daran, dem Zuschauer auch diverse clowneske Übertreibungen in Darstellung und Dramaturgie zu präsentierten. 







Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

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